brainlogs WIRKLICHKEIT

„Nicht ohne Gehirn“ – philosophische Implikationen der Leitidee der kognitiven Neurowissenschaften

13. November 2009, 17:27

Die tagtägliche Arbeit mit hirnerkrankten Patienten in der Neurologie (oder Epileptologie) und wohl auch die Erfahrungen in der Psychiatrie bestätigen eine starke klinische Intuition: Die geistigen Vermögen eines Menschen einschließlich seiner Sprache, seines Gedächtnisses, seiner Wahrnehmungsfähigkeit und der Kontrolle seiner Bewegungen hängen vollständig von intakten Hirnfunktionen ab. Fehlen die hirnphysiologischen Voraussetzungen, so entfallen diese Fähigkeiten. In indirekter und im Hinblick auf die Kausalität der Befunde schwächerer Weise wird dieser Befund von der Psychophysiologie intakter kognitiver Funktionen sekundiert: Kognitive Prozesse induzieren spezifische Aktivierungsmuster im Gehirn; dies zeigen zum Beispiel funktionell-bildgebende Untersuchungen. (weiter)

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Neuro-Enhancement: Kein Verbot, aber bitte auch keine Empfehlung!

09. Oktober 2009, 10:54

Die namhaften Autoren des G&G-Memorandums zum Neuro-Enhancement vertreten die Auffassung, dass pharmakologische Leistungs- und Befindlichkeits-„Verbesserer“ keine prinzipiell neuen ethischen Fragestellungen aufwerfen werden. Vielmehr werde man sie wie Substanzen beurteilen können, die schon heute auf neurochemischem Wege unser Verhalten, unser Erleben und – zeitweise – unsere Persönlichkeit in einer gewünschten Richtung verändern: Alkohol, Nikotin oder Kaffee; und man könnte ergänzen: Aphrodisiaka, Parfüm, Duftstoffe in Supermärkten usw. Allerdings ergeben sich die wesentlichen Schlussfolgerungen der Autoren tautologisch aus ihren anfänglichen Voraussetzungen; teilt man die Voraussetzungen wird man den Autoren kaum widersprechen können. (weiter)

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Bloggewitter: Eine Erinnerung

14. Juni 2009, 18:53

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Da ich selbst kaum etwas aus eigener Erfahrung zum Bologna-Prozess zu sagen habe - leider oder Gott sei Dank? -, möchte hier ich an einen Mutigen erinnern: Der Theologieprofessor Marius Reiser (geboren 1954, Professur Universität Mainz 1983) hat im Oktober 2008 seine Professur aus Protest gegen den Bologna-Prozess niedergelegt. Seine Begründung wurde in der F.A.Z. vom 20.1.2009 veröffentlicht. Ein Interview mit ihm vom 11.05.2009 findet sich in SPIEGEL Online. Ich wünsche der Aktion "Bloggewitter 10 Jahre Bologna" und allen anderen Aktivitäten zur Sicherung der Qualität und Freiheit von Forschung und Lehre den gewünschten Erfolg!



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Ein Stein rollt ...

04. Februar 2009, 16:40

Mich beschäftigt derzeit folgende Frage:

Man stelle sich vor, wie ein Stein einen Berg hinunter rollt. Der Stein sieht nichts, weiß nichts von seinem Ort, noch weniger von seinem früheren Ort, bevor er ins Rollen geriet, und er hat deswegen auch keine Empfindung einer Bewegung (oder überhaupt nur einer Veränderung); er wüsste auch nicht, wenn er sich nicht bewegt hätte. (weiter)

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"Warum glauben Menschen" (WDR Funkhausgespräch)

15. Dezember 2008, 14:29

Am vergangenen Donnerstag hatte ich die Gelegenheit, mit der evangelischen Theologin Frau Prof. Gräb-Schmidt (Gießen) und Ulrich Schnabel (Wissenschaftsjournalist bei der ZEIT/Hamburg) dessen neuestes Buch "Die Vermessung des Glaubens" (Verlag Blessing, 2008) im WDR Funkhausgespräch zu diskutieren (Leitung H. Kirchner) - eine anregende Runde, wie ich fand, die vielleicht auch noch den ein oder anderen Blog-Leser interessieren könnte.

Hier ist der Link zum Podcast: WDR Funkhausgespräch 11.12.2008.



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Chinesische Parkengel und Vierfeldertafeln

06. August 2008, 13:34

Irgendwann vor einigen Jahren hatte mir meine Schwiegermutter einmal erzählt, dass sie - rechtzeitig bei Annäherung an die Lübecker City mit ihrem PKW – stets den Parkengel darum bitte, ihr einen schönen, bequem gelegenen Parkplatz frei zu räumen, wenn sie gleich angebraust komme. Außerdem stellte sie lapidar fest, dass das ganz hervorragend funktioniere. Ja, mehr noch, als sie einige Male keinen Parkplatz finden konnte, fiel ihr erst da siedend heiß ein, dass sie ja ganz vergessen hatte, den Parkengel rechtzeitig vorher anzurufen. Beim Einbiegen in die Straße mit dem Wunschparkplatz könne es bereits definitiv zu spät sein. (weiter)

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Fußball und Gott

26. Juni 2008, 08:14

"Das war ein Geschenk Gottes", so der überraschende Kommentar eines türkischen Fans zum 3:2 Siegtreffer der Deutschen durch Philipp Lahm in der 90. Minuten (WDR 5, Morgenecho). Das ist doch mal religiöse Fairness! Die - bei logischer Betrachtung - eigentlich zu erwartenden Animositäten, in die Gott gerät, wenn Fans beider gegnerischer Mannschaften um Siegtore flehen, existieren faktisch gar nicht. Jedenfalls nicht bei Fußballfans, die immer wieder einmal gerne Gott bzw. religiöse Konzepte/Erklärungen heranziehen, um über Siege und Niederlagen zu sprechen. (weiter)

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Jetzt

20. März 2008, 17:15

In meinem letzten Beitrag zur Kategorie "Erkenntnistheorie" (Mary und die Osculogie) hatte ich anhand eines Gedankenexperiments zu verdeutlichen versucht, dass das überpersönliche Wissen über ein bestimmtes Phänomen und die persönliche Erfahrung desselben Phänomens zwei unterscheidbare Weisen des Zugangs zur Wirklichkeit dieses Phänomens darstellen. Diese Unterscheidung muss nun noch entscheidend tiefer geführt werden. (weiter)

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Mary und die Osculogie

12. Dezember 2007, 18:25

Mary Smith ist eine brillante, ja perfekte Wissenschaftlerin. Ihr Spezialgebiet ist die Lehre vom Küssen, die Osculogie. Mary hat diese Wissenschaft begründet und sogleich zur Vollendung geführt. Alles, was man überhaupt jemals über das Küssen wissen kann – Mary weiß es. Sie kennt die Muskelphysiologie die Lippen, die Endokrinologie und Biochemie der Hormonausschüttungen, die Neurophysiologie der motorischen Ansteuerung aller beteiligten Muskeln sowie der sensorischen Verarbeitung aller sinnlichen Reize beim Küssen. Aber nicht nur das: Mary kennt auch die Kultur-, Film-, Literatur- und Kunstgeschichte des Kusses. (weiter)

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Also "determinierte Freiheit"?

12. Dezember 2007, 18:09

Ich versuche mir nun also einmal Determinismus und Freiheit zusammen vorzustellen und erinnere mich dazu an eine wichtige Lebensentscheidung, die ich vor vielen Jahren treffen musste. Statt mir nun ins Bewusstsein zu rufen, welche Gedanken und Beweggründe mich damals geleitet haben, stelle ich mir mein Gehirn zur damaligen Zeit vor. Die mentalen Zustände, die ich durchlaufen habe, haben die Hirnzustände spezifiziert; keinesfalls schwebte mein Geist einfach beliebig über den Wassern der Physiologie meines Gehirns: Hätte ich andere Hirnzustände durchlaufen, so hätte ich andere Gedanken gehabt und womöglich hätte am Ende eine andere Entscheidung gestanden. (weiter)

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