brainlogs Psychologie des Alltags

Trial and Error

von Katja Schwab, 17. Oktober 2009, 21:53

Wo der Mensch ist, da sind Fehler. Autounfälle gehen zu 90 Prozent auf menschliches Versagen zurück und enden häufig mit einem Anruf bei der Krakenversicherung. So wie das Fehlen eines einzigen Buchstabens das ganze Wort entstellt, können kleine Fehler zu großen Katastrophen führen. Besonders dann, wenn wir die Fehler übersehen - oder rufen Sie bei einer Krakenversicherung an? Dass uns die Details entgehen, hat aber nicht nur Nachteile. Indem wir sie vernachlässigen, sind wir in der Lage innerhalb einer Zehntelsekunde den Kern einer Situation zu erfassen. Das Problem ist nur: Wir glauben nicht daran, etwas übersehen zu haben. ... (weiter)


Rezension zu „Lechts oder rinks. Warum wir Fehler machen“ (2009) von Joseph T. Hallmann. München: Ariston Verlag. 256 Seiten



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Kommentare

  1. KRichard Vorteil
    18.10.2009 | 05:58

    Die fehlerhafte Arbeitsweise unserer Sinnesorgane und unseres Gehirns ist der wesentliche Grund, warum wir jedem Computer haishoch überlegen sind - denn aus sinnlosem wird sinnvolles gemacht und dient als Basis für die Zukunft.

    Aus diesem Grund wird man nie ein menschliches Gehirn digital nachbauen können.

  2. KRichard Fehler
    18.10.2009 | 05:59

    es sollte ´haushoch´ heissen

  3. Sebastian Koslowski menschliches Gehirn nachbauen
    19.10.2009 | 10:34

    Wozu auch? Es macht ja Fehler!

  4. Martin Huhn @ Koslowski
    19.10.2009 | 10:49

    Welche Software soll denn besser sein? Obwohl da Krakenversicherung steht, ist ihnen klar, daß Krankenversicherung gemeint ist. Welche Software kann das? Und nicht nur das. Auch noch schreiben und rechnen und kochen und autofahren und malen und schachspielen und ...

  5. Luchs kein Betreff
    19.10.2009 | 11:47

    Hallo an alle!

    KRichard: "Die fehlerhafte Arbeitsweise unserer Sinnesorgane und unseres Gehirns ist der wesentliche Grund, warum wir jedem Computer haishoch überlegen sind - denn aus sinnlosem wird sinnvolles gemacht und dient als Basis für die Zukunft."

    Ich bin da anderer Ansicht. Die Überlegegenheit unseres Gehirns, oder allgemein des Gehirns höherer Lebewesen, ist auf das Phänomen Bewusstsein zurückzuführen. Intelligenz ist die Fähigeit, Informationen sinnvoll verarbeiten zu können. Die Evolution hat ein Bewusstsein entstehen lassen, um mittels eines Problembewusstseins unterschiedliche Probleme generalisieren zu können. Deshalb stehen Intelligenz und Bewusstsein in direkter Korrelation zueinander.

    Ob ein Computer ein Bewusstsein hat, ist eine Frage seiner Rechnerarchitektur. Heutige Computer haben ebenso wenig ein Bewusstsein wie Tierarten, die zu Beginn der Entstehung des Nervensystem evolviert wurden.

    mfg
    Luchs

  6. Martin Huhn @ Luchs
    19.10.2009 | 16:55

    "Heutige Computer haben ebenso wenig ein Bewusstsein wie Tierarten, die zu Beginn der Entstehung des Nervensystem evolviert wurden."

    Was sollen das für Tiere sein?

  7. KRichard @Luchs: Korrelation
    20.10.2009 | 06:07

    Intelligenz und Bewusstsein stehen nicht in Korrelation zueinander, da sie nichts miteinander zu tun haben.

    Bewusstsein ist nur das, auf was sich unsere Aufmerksamkeit absichtlich richtet. Man kann aber auch saublöd dabei sein.

  8. Sebastian Koslowski @ Martin Huhn
    20.10.2009 | 11:24

    da fällt mir spontan Google ein: Ich muß nur "Krakenv" eingeben, schon bietet mir Google das gesuchte an. Software, welche rechnen und schachspielen kann, dürfte wohl jeder schon gesehen haben. Autofahren ist auch kein Problem, gibt es schon. Software, welche zumindest syntaktisch sinnvolle Texte formuliert, habe ich mal bei Arte gesehen und kochen ist mit Sicherheit kein Problem der Software, sondern der Hardware.

    Sie müssen sich nicht dafür schämen, daß eine Maschine alles besser kann als ein Mensch: schneller, stärker, präziser. Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung und nicht der Mittelpunkt des Universums.

    Ich denke, Sie meinten, daß das "Bewußtsein" nicht nachgebaut werden kann. Dazu muß ich sagen, daß es darauf ankommt, wie man "Bewußtsein" definiert. Und außerdem: Wozu? Macht ja doch nur Fehler!

  9. Sebastian Koslowski @ Martin Huhn
    20.10.2009 | 11:27

    malen habe ich noch vergessen: also ich mag die Visualisierungen vom Windows Media Player!

  10. Luchs kein Betreff
    20.10.2009 | 13:07

    @Martin Huhn
    Ich dachte da vor allem an Süßwasserpolypen
    http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BC%C3%9Fwasserpolypen
    und
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nervensystem
    „Als primitivste Nervensysteme gelten die relativ homogenen Nervennetze von Nesseltieren. Bei Nesseltieren findet man Markstränge (Siehe auch: Hohltiere, Polyp).“

    @KRichard
    „Intelligenz und Bewusstsein stehen nicht in Korrelation zueinander, da sie nichts miteinander zu tun haben. Bewusstsein ist nur das, auf was sich unsere Aufmerksamkeit absichtlich richtet. Man kann aber auch saublöd dabei sein.“

    Wir sind uns sicherlich einig, dass es noch niemandem gelungen ist, für das Rätsel `Bewusstein´ eine allgemein anerkannte Lösung anzubieten. Wir sind uns sicherlich auch darin einig, dass kein höheres Lebewesen im Zustand der Bewusstseinslosigkeit oder eines eingeschränkten Bewusstseinszustands zu einer Intelligenzleistung fähig ist. Ich ermute, dass Bewusstsein eine Art Sinnesorgan für Gehirnaktivität ist. Notwendige Voraussetzung für eine Intelligenzleistung (sinnvolle Verarbeitung von Information) ist sicherlich ein Input durch mindestens ein Sinnesorgan. Ein Tier das z.B. keine Augen hat, kann (in erster Näherung) auch nichts sehen. So hat z.B. auch ein Süßwasserpolyp kein Bewusstsein, weil ihm jede Information darüber fehlt, welche Nervenzellen bei ihm gerade aktiv sind. Bei einem höheren Lebewesen gibt es aber eine Rückkopplung über die momentane Aktivität der Gehirnregionen. Diese Rückkopplung ist m.E. eine notwendige Voraussetzung zum Bewusstsein, wobei die Evolution m.E. Bewusstsein als Problembewusstsein evolviert hat, um Probleme generalisieren zu können. Ich behaupte keineswegs, dass ich damit das Rätsel Bewusstsein gelöst habe. Erzeugen bestimmte Materiezustände Bewusstsein, oder verformen sie lediglich Bewusstsein? Ist Bewusstsein eine Urentität unseres Universums, ähnlich wie Zeit, Raum und Energie, oder ist es eine Erscheinung der Materie, ähnlich wie das Spiegelbild der Oberfläche eines Sees? u.s.w. Es stimmt natürlich, dass man sich auch mit vollem Bewusstsein saublöd anstellen kann, aber wer sagt denn, dass das System schon perfekt ist?

    mfg
    Luchs

  11. Martin Huhn @ Koslowski
    20.10.2009 | 14:26

    Speziell beim Wort "Krakenversicherung" werden mir aus Suchergebnisse zu "Krakenversicherung" angezeigt. :-)

    Ich wollte auf etwas anderes hinaus. Ein Rechner mit einem Programm mit einem ganz bestimmten Algorithmus kann nur das, wofür er programmiert wurde, was ein oder mehrere schlaue Menschen - die Krone der Schöpfung - vorher programmiert haben. Mehr kann er nicht. Und für jeden speziellen Fall eine Maschine zu bauen ist zwar beeindruckend, kommt aber nicht annähernd an die Leistungen des Menschen heran. Wenn ich das Wort "Krakenversicherung" lese, spult sich kein Programm ab, ich verstehe dieses Wort. Ich verstehe den eigentlich Sinn und daß es ein Tipfehler sein muß. Und wenn ich weiterlese verstehe ich, daß es gar kein Tipfehler war sondern Absicht. Ein Rechner versteht nie was er tut.

    Rechner sind auch nicht kreativ. Sie sind nicht schöpferisch. Daß ein Programm ein bestimmtes Muster zu Klängen anzeigt, das ist keine Kunst und auch nicht kreativ, ebenso wenig wie eine Zufallsfunktion.

    Und was Rechner überhaupt nicht haben sind Empfindungen. Dazu ist nämlich ein Bewußtsein nötig. Und das ist nach wie vor ein großes Rätsel, wie meine Sinne - beispielsweise mein Ohr - aus Signale elektrochemische Impulse machen, diese durch die Nervenbahnen zum Hirn weiterleiten - also das ist noch nicht das Problem - und dann werden aus diesen Signalen Empfindungen, weil ich gerade mein Lieblingslied höre. Das ist vollkommen unerklärlich. Für uns alltäglich und damit eine Selbstverständlichkeit, aber einfach unerklärlich, dessen sind wir uns nur nicht so bewußt, das muß man sich erst wieder "bewußt" machen.

    Aber das ist immer noch nicht die Spitze. Die Spitze ist, daß ich in den Spiegel schaue und mich sehe. Ich bin ich, ich lebe, ich denke über das Leben nach und unweigerlich führt mich das auch zu Gedanken über den Tod. Dieses Nachdenken über die eigenen Existenz, ein Selbst-Bewußtsein im wahrsten Sinne des Wortes, das ist noch viel unerklärlicher. Da kommen programmierte Rechner im Ansatz nicht mit.

  12. KRichard Rückkopplung > Bewusstsein
    20.10.2009 | 14:48

    @Luchs
    Dass Rückkopplungsmechanismen im lebenden Gehirn eine wesentliche Voraussetzung für Bewusstsein sind - Da stimme ich Ihnen voll zu. Deswegen kann Materie (bzw. das Universum) kein Bewusstsein haben, denn sie hat kein Gedächtnis und keine Sinnesorgane

  13. Sebastian Koslowski @ Martin Huhn
    20.10.2009 | 14:49

    etwas ist so lange unerklärlich, bis es erklärt wird. Ich möchte jetzt nicht drauf eingehen, welche Erklärungen es aktuell für "Erinnerung", "Empfindung" oder "Wahrnehmung" aktuell vorherrschen.

    Aber zu "Kreativität" und "Selbstbewußtsein" mag der folgende Artikel doch erhellend wirken:

    Wie Roboter das Hinken lernen

    Im Übrigen sind die Mängel des "jetzt" kein Argument für Ihr anfangs benutztes "nie".

  14. Martin Huhn @ Luchs
    20.10.2009 | 14:55

    Das Thema ist mir zu speziell, da kann ich nichts zu beitragen. Aber eins ist jedenfalls klar, ein Bewußtsein kann nicht mit Nervensträngen erklärt werden. Das sind ja im Prinzip nur Nervenleiter, wo Signale durchrauschen. Wo kommt die Empfindung zum Beispiel für Schmerz her?

  15. Martin Huhn @ Koslowski
    20.10.2009 | 15:15

    Sie können Links mit dem ganz normalen html a href einfügen. Ich habe den Link korrigiert.

    Zum Thema: Der Roboter hat wahrscheinlich ein Programm mit mehreren Unterprogrammen, die er auswählt. Das Auswahlprogramm und die Unterprogramme sind vorher programmiert worden. Das kann man nicht mit menschlicher Kreativität auf einer Stufe stellen. Und mit Selbstbewußtsein schon gar nicht. Es sind wahrscheinlich "nur" komplexere if-Abfragen.

    Das trifft auch nicht das zu, was ich weiter oben geschrieben habe. Ich weiß nicht, ob Sie mich verstehen, was ich sagen will. Es anders zu erklären ist schwierig.

    Nehmen wir mal an, da ist ein Roboter mit einem druckempfindlichem Sensor. Wenn man den mit einem gewissen Druck drückt, dann geht ein Lämpchen an. Hat der Roboter dann ein Schmerzempfinden? Nein, das Drucksingnal wird nur umgeformt, weitergeleitet und läßt am Ende eine Lampe leuchten wie bei einem Schalter.
    Ein Tier hat Schmerzempfinden. Wenn man die Nervenbahn für eine Pfote durchtrennt, dann hat das Tier immer noch Bewußtsein und auch Schmerzempfinden, nur nicht mehr für diese Pfote, weil es kein Signal mehr bekommt. Aber man darf das Signal nicht mit der Empfindung gleichsetzten. Denn wenn wir dieses Tier betäuben und es an einer intakten Pfote pieksen, dann wird das Signal übertragen und zum Hirn geleitet etc. doch dieses Signal wird nicht zu einer Empfindung, denn es hat durch die Betäubung momentan kein Bewußtsein.

    Ist es jetzt etwas klarer?

  16. Sebastian Koslowski @ Katja Schwab
    20.10.2009 | 15:41

    danke

  17. Sebastian Koslowski @Martin Huhn
    20.10.2009 | 16:02

    grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht, denn eine Maschine ist eine Maschine und kann nicht anders als ein Programm ausführen, hat also auch in diesem Sinne keinen Handlungsspielraum. Die Frage ist aber, ob denn ein Tier (um "das Besondere" des Menschen ausklammern) etwas anderes ist. Aristoteles würde sagen: Nein (Praktischer Syllogismus). Wo liegt denn der Unterschied zwischen einem Drucksensor mit Kabel und Lampe auf der einen Seite und andererseits einer Nervenzelle, die bei Reizung (Druck, Hitze) Botenstoffe aussendet, welche andere Nerven reizen und das auslösende Signal so zum Rückenmark und Gehirn leitet und diese spezifischen Botenstoffe dann eine spezifische Reaktion (Flucht, "Aua") auslösen. Das Wissen um die verletzte Körperstelle ist auch nur Erfahrung (Datenbank). Sie können ja Ihren "Roboter" modifizieren: aus der Lampe machen sie ein Programm, welches bei einem Druck-Signal ab einer bestimmten Stärke den "Arm" einzieht und über einen Lautsprecher "Aua" abspielt.

    Es läuft letztendlich auf eine rein moralische und psychologische Frage hinaus: Ist der Mensch etwas außergewöhnlich einzigartig besonderes oder nur ein Model unter vielen? Kreativität, Intelligenz und Bewußtsein haben, genauso wie Liebe, freier Wille und andere "menschliche Spezifika" in den letzten Jahrzehnten viel von ihrer Unerklärlichkeit verloren.

  18. Martin Huhn @ Koslowski
    20.10.2009 | 16:10

    Das war ich und nicht Katja Schwab. :-)

  19. Martin Huhn @ Koslowski
    20.10.2009 | 16:17

    "welche andere Nerven reizen und das auslösende Signal so zum Rückenmark und Gehirn leitet und diese spezifischen Botenstoffe dann eine spezifische Reaktion (Flucht, "Aua") auslösen"

    Stop. Nicht so schnell. Das Signal geht über die Nervenbahnen zum Gehirn und dann wird es zu einer Empfindung, nämlich dem Schmerz. Wieso kann Materie empfinden? Auch Tiere fühlen. Sie sind sich nur nicht im Klaren drüber, daß sie leben. Das unterscheidet uns von ihnen.

  20. Luchs kein Betreff
    20.10.2009 | 16:19

    Für mich stellen sich zwei Fragen.
    1. Könnten wir prinzipiell einen Roboter mit Bewusstsein herstellen? Meine Antwort: Vermutlich ja. Dafür müssten seine momentan aktiven Programme und Unterprogramme als zusätzlicher Input eingehen.
    2. Haben wir damit das Rätsel Bewusstsein gelöst? Meine Antwort: Nein. Die Qualität von Bewusstsein ist etwas völlig anderes, als alles was wir gewohnt sind wahrzunehmen. Bewusstsein ist für mich eine Urentität und entzieht sich ebenso einer Erklärung wie Zeit, Raum und Energie.

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