Brainlogs Nette an Steve

Das iPhone und Samuel Beckett

23. Juni 2009, 14:41

Hi, Nette!

Tja, ich fürchte, das war's auch schon. Mein kleines Videotagebuch aus New York ist zu Ende. Ich hoffe, es hat dir gefallen.

Da ich mit der letzten Episode nicht wieder ein so großes und bodenloses Fass aufmachen will, wie das Thema "Tierversuche in der Hirnforschung" (für alle, die die alte Version dieses Eintrag schon gelesen haben: dazu hoffentlich bald mehr in Gehirn&Geist!) hier noch einmal "something completely different" ...

 

 


Und weil's so schoen ist, ende ich abermals mit Samuel Becketts famosem Schlusswort:

 

ever tried, ever failed
no matter

try again, fail again
fail better


In diesem Sinn, see ya!
Steve

 


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Bloggewitter: Precht und die Uni Bolognese

20. Juni 2009, 12:43

Lieber Steve,

Richard David Precht - du weißt schon, "Liebe, ein unordentliches Gefühl" - wurde vor drei Tagen in einem Radiointerview gefragt, was er denn mit seinem Geld, das er als Autor so verdiene,  anzufangen gedenke. Er selbst habe nur geringe Ansprüche, sagte er. Er investiere lieber in die Ausbildung seiner vier Kinder, sagte er, und sinngemäß weiter: Da man ein vernünftiges Studium heute ja nur im Ausland bekäme, werde er sie vermutlich nach England schicken. (weiter)

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Impressionen vom "World Science Festival"

16. Juni 2009, 22:46

Hi Nette,

ich habe vielleicht ein Glueck. Ausgerechnet in der Zeit, die ich hier bin, findet das "World Science Festival" in New York statt. Fuenf Tage lang Lesungen, Vortraege, Exkursionen und Experimente fuer jedermann - und jedes Kind - bringen den New Yorkern Themen aus der Wissenschaft nahe, darunter natuerlich auch vieles Spannendes ueber Gehirn und Psyche.

Ich habe mir eine Posiumsdiskussion mit Oliver Sacks, Dan Gilbert und Warren Meck ausgeguckt, zum Thema "Zeit - die vertraute Fremde". Vor der Show war ich schon ziemlich gespannt ...

Warren Meck von der Duke University erzaehlte ueber die Neurobiologie der Zeitwahrnehmung, fuer die Dopamin eine besonders wichtige Rolle spielt (alles nachzulesen in G&G 10/2007, S. 14). Oliver Sacks, der beruehmte Buchautor und Mediziner an der Columbia University, berichtete von Patienten, in deren subjektivem Empfinden die Zeit stehen zu bleiben scheint. Und Harvardpsychologe Dan Gilbert erklaerte, warum wie uns mit dem Abschaetzen zukuenftiger Ereignisse so furchtbar schwer tun. Allzu schnell blenden wir dabei vermeintlichen Huerden aus, etwa die leidige Parkpaltzsuche vor dem Theaterabend, und stellen uns das Ganze folglich viel rosiger vor, als es sich dann in den meisten Faellen entpuppt. Ein steter Quell der Enttaeuschung, wie Gilbert meint.

Waehrend der ueberaus witzigen Diskussionsrunde war das filmen zwar eigentlich nicht gestattet, aber ein kleiner Schnappschuss ("just to get the feeling") sollte doch mal erlaubt sein ...

Und im Anschluss an das Event sitze ich sichtlich abgekaempft auf dem Washington Square mit seinem Marble Arch, durch den man einen wunderschoenen Blick auf das Empire State Building hat, und sortiere meine Gedanken ...

Hier mehr Bilder und Infos zum der Diskussion beim World Science Festival.

Am naechsten Tag ging das Festival auch an selber Stelle gleich weiter - mit einer grossen Spiel- und Experimentieraktion fuer Kinder. Ein schoenes Vorbild in "wissenschaftlicher Frueherziehung", zur Nachahmung auch in Deutschland waermstens zu empfehlen ...

So viel fuer heute, Nette. Stay tuned!

Steve


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Bloggewitter: Ein deutscher Psychologe in New York

16. Juni 2009, 03:04

Hi Nette,

puenktlich zum grossen Bloggewitter ueber Bologna und die Folgen melde ich mich auch wieder zu Wort, und zwar gleich im Doppelpack mit G&G-Autor Pascal Wallisch, der seit Jahren in den USA forscht und einige ebenso kritische wie aufschlussreiche Anmerkungen in dieser Sache zum besten gibt.

Bologna

Ohne lange Vorrede gleich ans Eingemachte, diesmal in zwei Teilen ... hier der erste Streich:

... und wenn du noch nicht genug hast, hier der zweite Teil des Gespraechs:

 

 

Stay tuned, Nette!

Steve


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Die vielleicht aelteste Wissenschaftszeitung der Welt

11. Juni 2009, 21:32

Hi Nette,

unsere Reise geht weiter und langsam, aber sicher dringen wir immer tiefer zu den Geheimnissen von Gehirn und Geist vor. Heute an einem Ort, der ganz der Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse gewidmet ist.

In der Redaktion von "Scientific American" und "Scientific American MIND" in New York versuchen kundige Redakteure, die essenziellen Neuigkeiten aus den Forschungslabors in die Oeffentlichkeit zu tragen. Und das nicht erst seit gestern. "Scientific Americans" erste Ausgabe erschien 1845, also vor nicht weniger als 164 Jahren, die Zeitschrift zaehlt damit zu den aeltesten populaerwissenschaftlichen Magazinen der Welt.

Standen anfangs Erfindungen wie die Eisenbahn oder elektrisches Licht thematisch im Vordergrund, so deckt das Magazin heute das ganze Spektrum der Technik- und Naturwissenschaften bis hin zur Archaeologie oder dem Umweltschutz ab. Nur die "humanities" im engeren Sinn, also die Geisteswissenschaften, bleiben weit gehend ausgespart.

Bei "SciAm MIND" sieht das etwas anders aus, denn wo Geist draufsteht, muss auch welcher drin sein. Aber auch die US-Tochterausgabe von Gehirn&Geist legt besonderen Wert auf empirisch-experimentelle Psychologie und Hirnforschung. Es tut, so das Credo, auch den erlesendsten Spekulationen ueber das menschliche Bewusstsein gut, die beobachtbaren Fakten in den Blick zu nehmen. 

Doch reden wir nicht lange um das heisse Blei herum, spazieren wir doch einfach hinein ... (Kleiner Tipp: Aufgrund der leidigen Klimatisierung fast aller US-Buerogebaeude ist der Ton am Anfang etwas verrauscht. Lautstaerke aufdrehen hilft!)

 

 

 

Stay tuned, Nette!

Steve 


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Innenansichten vom Times Square

10. Juni 2009, 17:22

Hi Nette,

New Yorker sind Meister der selektiven Aufmerksamkeit. Man koennte einen Silvesterboeller neben ihnen explodieren lassen, und sie wuerden nicht einmal blinzeln. Aber wer in der Stadt lebt, macht  auch eine harte Schule durch: Wo man steht und geht, ob in der Subway, auf der Strasse oder in Malls und Gebaeuden, immer begegnen einem unzaehlige Menschen, Gerueche und Laute, die einen nicht das Geringste angehen. Da heisst es, Ruhe bewahren! Die Ruhe, die es draussen nicht gibt -- hier schoepft man sie notgedrungen aus sich selbst.

Besonders heftig prallen aussen und innen in einem neu geschaffenen "Naherholungsgebiet" aufeinander, mitten im Hotspot der Stadt, am Times Square. New Yorks Buergermeister Bloomberg machte einen Abschnitt desselben zur Fussgaengerzone und liess Liegestuehle aufstellen, damit es Touristen und Einheimischen bei ihrer Innenansicht bequem haben.

Das hat nun nicht viel mit Gehirn und Geist im allgemeinen zu tun, nur mit meinem Gehirn und Geist im besonderen. Doch vor der harten Wissenschaft hier zur Einstimmung ein Eindruck davon, was "Relaxen" in New York bedeutet ...

 

 

Stay tuned, Nette!

Steve 


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Steve an Nette

09. Juni 2009, 19:02

Hi Nette!

Ach, ich weiss, das habe ich in der letzten Zeit viel zu selten gesagt. Du hast dich aber auch ziemlich rar gemacht. "Hi Nette!" Dabei sagt es sich so leicht. Vor allem, wenn man wie ich gerade in New York unterwegs ist. Hi here, hi there, hi everywhere ... Die Standardgrussformel vom CEO bis zur Putzfrau.

Ich gebe hier momentan ein kleines Gastspiel beim amerikanischen Tochtermagazin von Gehirn&Geist, bei  Scientific American MIND. Und da kam mir beim Spaziergang im Central Park doch folgende Idee...

 

Stay tuned, Nette!

Steve


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Das Auto, die Macht und ihre Liebhaber

08. Oktober 2008, 10:25

Nette: Steve, wie guckt dein Auto?

Steve: Putzig. Mit großen runden Glubschaugen und breiter Julia-Roberts-Schnute. VW Lupo eben. Dabei ... ähem, gehört's gar
nicht mir - sondern meiner Frau.

N: Hast du schon mal versucht, mit deinem netten glubschäugigen VW einen Langsamfahrer von der linken Spur zu pusten?

S: Machst du Witze?! Der würde höchstens nach rechts schwenken, weil er sich vor Lachen nicht halten kann. Nein, unser Lupo taugt weder von der Motorisierung noch dem Look nach zum Drängeln.

N: Eben, erstens fährst du ein Auto, das nett ausschaut, und kein Mensch fährt nach rechts, nur weil er im Rückspiegel ein nett ausschauendes Auto auf sich zugondeln sieht.

S: Und zweitens bin ich natürlich selber viel zu nett, als dass ich Lust verspürte, Leute von der linken Spur zu verjagen.

N: Damit passt du genau zum Ergebnis der Studie von Karl Grammer, Urbanethologe aus Wien. Er stellte fest, dass Versuchspersonen die Vorderseiten von Autos wie Gesichter interpretieren.

S: Also - BMW: "Mach die Biege, jetzt komm ich!"

N: Genau. BMW, Audi eher aggressiv, VW Beetle süß und nett.

S: Hammerharte Erkenntnis, die uns der Forscher da präsentiert.

N: Du sagst es. Ein bisschen nach dem Motto: Wir wussten es schon immer, aber jetzt wissen wir's GENAU. Die Autoindustrie arbeitet schon immer mit dem, was sie das "Überholprestige" ihrer Produkte nennt: Je grimmiger die Front, desto schneller weicht der bedrängte Vordermann nach rechts aus.

S: Dass dieses Kalkül aufgeht, lässt tief blicken. Männer haben es wohl doch lieber unter der Motorhaube als woanders ...

N: Ha! Grammer hat festgestellt, dass sowohl weibliche als auch männliche Versuchspersonen die aggressiveren, "dynamischeren"
Autogesichter vorteilhafter fanden! Was sagst du jetzt?

S: (Schweigen)

N: Steve?!

S: Momentchen - so, jetzt hab ich in Human Nature nachgesehen. Tatsache: Männer und Frauen präferierten gleichmaßen automobile Frontansichten, die sie als dominant, maskulin, arrogant und böse beschrieben.

N: "Macht" sei der gemeinsame Nenner dieser Attribute, so die Forscher.

S: Macht nix. Frauen sind halt auch nur Männer, irgendwie.

N: Jedenfalls ....

S: Allerdings wundert es schon, dass die Vermenschlichung von Autos den Forschern so ein "Aha!" bescherte. Sind für uns nicht alle möglichen toten Gegenstände annimiert? Würde ich sonst mit meinem Bürorechner reden? Würde ich mir die morgenliche Kaffeetasse nach Sympathie aussuchen? Könnte ich dies alles überhaupt schreiben, wenn ich nicht so eine zärtliche Liebesbeziehung zu meiner Tastatur pflegen würde? Ich streichle sie ja fast mehr als meine Frau ... (Bussi, Schatz!)

N: Ich denke, der Anthropomorphismus hört spätestens bei der Klobrille auf.

S: Meinst du? Ich kenne welche, die haben so eine komisch gelbliche, runde. Da pinkel ich lieber im Stehen. Na ja, interessant wäre es jedenfalls, wenn man Leuten im Hirnscanner Bilder ihrer Lieblingskarossen zeigt, deren Lack gerade zerkratzt wird. Wenn dann die Amygdala schnackelt - das wäre eine Nachricht!

N: Natürlich schnackelt sie! (Abgesehen davon, dass sie nicht "schnackelt", das ist ja auch nur so eine Metapher, um den ganzen komplexen Vorgang des Hirnscans zu beschreiben.) Sie schnackelt, weil es schmerzt. Es schmerzt, weil wir dem Auto Gefühle unterstellen. Wir unterstellen Gefühle, weil wir all das besser zu verstehen glauben, von dem wir annehmen, es funktioniere so wie wir selbst. Das ist zwar eine löchrige Heuristik, aber sie macht uns das Leben leichter. Und übrigens liebe ich mein Auto auch ;-).

S: Deins strahlt aber auch eine gehörige Portion mehr Macht aus als unser Ei auf Rädern! Das weckt eher den Beschützerinstinkt – weißt du, was meine Frau zum Auto sagte, als wir letztens aus unserem "2000 Kilometer-in-2 Wochen"-Urlaub zurückkamen?

N: Was?

S: Gut gemacht, Lupinchen!


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Aus die Maus

17. August 2008, 17:09
Nette: Steve, wieso gab es so lange kein Nette-an-Steve?

Steve: Weiß auch nicht. Weil Sommer ist? Hitze schlägt ja bekanntlich aufs Hirn. Mir jedenfalls.

N: Oder weil die Professorin und der Redakteur überarbeitet sind.

S: Ja, du arbeitest zu viel ...
 
N: ... vielleicht an zu Vielem gleichzeitig. Die aktuelle Spiegel-Titelgeschichte (33/2008) behauptet das jedenfalls: Das Internet macht doof, und unter diesem Rubrum wird gleich alles erschlagen, was krank macht (oder machen könnte). Multitasking, zum Beispiel.

S: Und, multitaskst Du zu viel?

N: Nun ja, die Professorenwelt hat sich schon ein bissl verändert: Meine Studenten löchern mich mit Fragen per E-Mail (nichts mehr mit gemütlichen Sprechstunden einmal pro Woche, jetzt ist rund um die Uhr Sprechstunde). Nachrichten über meinen Studiengang schreibe ich in unser Weblog (so mal eben zwischendurch). Eine Tagung begleite ich per Weblog und Twitter. Mit meinem Netzwerk Kontakt halte ich unter anderem über Xing und Twitter. Kurz: Das Phänomen, in einer Sitzung zu sitzen und dann doch mal kurz zu schauen, ob man auf den aktuellen Blogeintrag nicht doch ganz schnell und aktuell reagieren sollte - das kenne ich auch.

S: Die neuen Kommunikationswege leben vom Tempo.

N: Genau. Es bleibt ja nicht bei einem Blogeintrag. Wenn dann ein interessanter Kommentar kommt, muss man drauf reagieren. Oder möchte es zumindest. Außerdem kommen ständig Updates oder neue Werkzeuge, die installiert, gepflegt, beobachtet werden wollen.

S: Klingt anstrengend.

N: Ist es auch. Außer für Leute, denen das Spaß macht. Es gibt viele Kollegen, für die Multitasking eine Art Lebenselexier zu sein
scheint - sie leben damit (oder sogar davon?) ganz prima, sind produktiv, schreiben Bücher, machen Studien... es ist also offenbar nicht so einfach, wie der Spiegel unkt: Wer multitaskt, wird blöd.

S: Wir sollten klären, was Multitasking überhaupt ist.

N: Genau. Der Spiegel zitiert eine Studie, für die Versuchspersonen am Bildschirm ein Auto virtuell durch den Verkehr führen mussten und parallel Fragen zu einem anderen Thema beantworteten.

S: Hab ich gelesen. Wer nur Auto zu fahren brauchte, dessen Hirn arbeitete großflächig in den Regionen, auf die's eben ankommt, schreibt der Spiegel. Wer gleichzeitig Fragen bearbeiten sollte, dessen Hirnaktivität war über mehrere Stellen verteilt - aber jeweils schwächer.

N: Was sagt uns das über Multitasking? Der Studienleiter meint, unser Gehirn könne eben nicht mit voller Kraft mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen. Es mache Abstriche.

S: Nun ja, weniger Aktivität gleich automatisch weniger Checke - die Rechnung geht leider nicht auf.

N: Du meinst: Nur weil es weniger "flackert", muss die Hingabe des Gehirns nicht unbedingt geringer sein?

S: Womöglich ist nur die Ungeübtheit größer. Sprich: Die Leute waren's wohl nicht gewohnt. Vielleicht hätten die Studienleiter mal spaßeshalber neapolitanische Taxifahrer testen sollen, die beim Fahren ständig außerdem noch quatschen, Kaffee trinken und den Damen hinterherpfeifen. Oder noch besser: Man hätte die Leute über einen längeren Zeitraum beobachten sollen - das Hirn ist schließlich ein äußerst plastisches Organ. Da geht mit Übung so einiges, was man sich am Anfang gar nicht vorstellen kann.

N: Gut, jetzt also die Frage: Multitaske ich, wenn ich blogge, twittere, telefoniere, meine abonnierten Blogs lese, kommentiere? Nein, ich multitaske nicht. Ich bin inzwischen aus dem Alter raus, wo ich alles auf einmal wollte, und zwar sofort. Also mache ich es nacheinander (meistens). Na gut, manchmal twittere ich bei einer Konferenz mit. Aber was ist das anderes, als sich Notizen über einen Vortrag zu machen? Darüber beschwert sich ja auch niemand, es gilt sogar als gut, die wichtigen Dinge zu notieren und sie sich damit zu eigen zu machen, in den eigenen Gedankenfluss einzubauen. Hier habe ich noch den zusätzlichen Effekt, dass ich andere informieren kann.

S: Ähm - "twittern"?

N: Twitter benutzen. Man teilt darüber seinen Kumpels mit, was man gerade macht. Dafür hat man 140 Zeichen. Ich kann also auf einer Konferenz sitzen und allen, die es wissen wollen, in kurzen Abschnitten Infos rüberschicken - live und übers Internet. Zum Beispiel.

S: Und du behauptest, nicht zu multitasken... ha, ha. Egal. Du meinst also, nicht im Informationswust zu versinken, ist letztlich nur eine Frage der Einstellung?

N: Genau. Ja, unsere Aufmerksamkeit wird über viele Kanäle erhascht, aber (und auch der Spiegel zitiert die Kultur der Aufklärung): Haben wir nicht auch Werkzeuge, dieser Kanäle Herr zu werden? Zum Beispiel den Aus-Knopf.

S: Du bist eine Idealistin.

N: Ja, ich glaube daran, dass wir alle Kulturtechniken irgendwann lernen können. Und auch der Aus-Knopf ist eine Kulturtechnik. Das  grundlegende Problem ist doch nicht "das Internet", oder das Multitasking, oder der Blackberry. Das grundlegende Problem ist Selbstbewusstsein. Für sich entscheiden, was das Richtige ist, anstatt sich der Angst hinzugeben, den Anschluss zu verpassen, irgendetwas nicht mitzukriegen. Das lässt einen doch an der Nadel der Informationskanäle hängen wie ein Süchtiger - nicht die Informationskanäle selbst.

S: Nette, soll ich dir ein Geheimnis verraten?

N: Nein.

S: Doch. Ich weiß gar nicht, wovon du eigentlich redest. Wenn du twitter sagst, höre ich immer "Tittitwister" - du weißt schon, wie die Bar in dem Tarantinostreifen. Und Xing, dieses Selbstdarstellerbordell, und das Bloggeblubber, das einem überall entgegen raunt - weißt du was?

N: Nein!

S: ... ich brauch das nicht. Und eine Menge andere wohl auch nicht - sonst traute sich der Spiegel kaum, damit so fett zu titeln. Ich teile diese Sehnsucht nach Stille. Besinnung. Innerer Einkehr. Nach dem Wahren, Schönen, Guten. Raus aus dem Hühnerstall, rein ins Ohhhhmmmmmm.

N: Steve?

S: Ohhhhhmmmmmm.

N: Ste-eeeve!?

S: Da bist du ja, mein süßer kleiner Aus-Knopf! Komm lass dich dich mal drü... - (*klick*)

N: Weg ist er. Irgendwie beneide ich ihn.

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Studieren mit Köpfchen

01. Juli 2008, 11:35

Steve: Was hast du eigentlich studiert, Nette? Was Anständiges, hoff ich?

Nette: Sprachwissenschaft, Geschichte, Philosphie.

S: Und - würdest du's wieder tun? 

N: Jederzeit! Sprachwissenschaft ist ein tolles Fach. Ich habe es überwiegend mit Sprachphilosophie kombiniert und mit Geschichte mein Steckenpferd gepflegt. Außerdem hat man dort sehr gut gelernt, zu recherchieren und viele Quellen auszuwerten - ein gutes Training für den Journalismus. (weiter)

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szmtag