brainlogs mind at work

Love is not an Emotion

von Elmar Diederichs, 27. September 2009, 15:56

Wenn Psychologen oder Neurowissenschaftler ihre neuesten Thesen zum Thema Liebe zwischen Personen verkünden, dann ist das immer eine Schlagzeile wert. Erstaunlicherweise machen sie sich jedoch kaum Gedanken darüber, ob dasjenige, was sie untersucht haben, identisch ist mit demjenigen, was mehr oder weniger jeder von uns unter romantischer Liebe zwischen Personen versteht. Und tatsächlich klafft zwischen überraschend viel alltagspsychologischer Einigkeit und vorgetragener, wissenschaftlicher Präzision ein tiefer Abgrund.

Wenn die Person A z.B. seine Frau B auf romantische Weise liebt, dann unterscheidet sich diese Liebe zweifellos von der, die er z.B. seinen Kindern gegenüber hegt. Vielleicht halten wir es für befremdlich, zu verlangen, daß er seine Liebe gegenüber seinen Kindern erklärt oder verständlich macht, aber wir haben keine Schwierigkeiten, die Frau von A in Gedanken mit Eigenschaften, Gewohnheiten oder Vorlieben auszustatten derart, daß sich einige von uns an den Kopf fassen und fragen würden: ''Wie kann er nur?''. Doch woran liegt das?

Schütteln wir vielleicht über A den Kopf, weil er seine Frau bewertet, insofern er sie liebt? Gibt es etwas, daß wir an jemandem lieben, so daß wir einen beschränkenden Zusammenhang oder gar eine Wechselwirkung annehmen sollten zwischen dem Verliebtsein von A und seiner theoretischen oder praktischen Autonomie als Person? Ist Liebe für jeden irgendwie anders oder kann man verliebte Personen vergleichen? Warum verlieben wir uns, anstatt uns einfach nur zusammenzuschließen, um z.B. die Probleme unseres Alltags besser in den Griff zu bekommen? Warum erscheint uns jemand, der niemals liebt, als finster und warum kann man sich nicht selbst romantisch lieben? Jedes adäquate Verständnis romantischer Liebe sollte alle diese Fragen beantworten können. Unsere Aufgabe in diesem Artikel wird es lediglich sein, einige Adäquatheitsbedingungen für dasjenige zu finden, das romantische Liebe zu sein beanspruchen darf.

Jealousy is the fear to lose a shared history.

Man kann auf alles Mögliche eifersüchtig sein: auf Freunde, Hobbies und sogar auf Konkurrenten im Beruf. Aber nur bei romantischer Liebe würden wir sagen, daß ihr völliges Fehlen auch unter einer beliebig vorgebbaren Bedingung das Vorhandensein von Liebe ausschließt: Offenbar kann nicht jede Zuneigung zu Recht Liebe genannt werden, selbst dann, wenn sie sehr heftig ausfällt. Betrachten wir dazu das folgende Beispiel:

  • (E) A und B lieben einander. Unversehens tritt C in das Leben von B und es entwickelt sich zwischen B und C eine Beziehung, die für B in besonderer Weise zusätzlich bereichernd ist, ohne daß sich B von A deshalb in irgendeiner Weise abwenden würde. Im Gegenteil: B ist mehr denn je für A in jeder Weise bereit, die A sich von B wünscht.

Dann kann es passieren, daß A eifersuchtig ist auf C: A könnte z.B. versuchen, die psychische Verfassung von B und seine Erlebnisperspektive mit dem vermeindlichen Nebenbuhler im Geiste zu rekonstruieren, er verbringt seine Nächte damit, in haltlosen Phantasien sich die Details ihres vermeindlichen Vergnügens miteinander auszumalen und windet sich in der Vorstellung ihres möglicherweise empfundenen Glücks. In diesem Fall würden wir vielleicht sagen, daß A in seiner Eifersucht einen Verlust fürchtet, etwa indem sein bisheriges Leben mit B nach dem Auftauchen von C nicht mehr auf dieselbe Weise verflochten ist wie bisher. Doch das könnte auch auf andere Weise geschehen, z.B. indem B bei einem Unfall eine schwere Kopfverletzung erleidet oder psychisch erkrankt und sich deshalb nicht mehr so verhält oder verhalten kann wie früher. Soll (E) für Liebe informativ sein, dann muß in (E) etwas anderes gemeint sein.

Nehmen wir daher an, A fürchtet, die Liebe von B in einem noch zu bestimmenden Sinne zu verlieren, gerade weil C auf der Bildfläche erschienen ist und nun auf C etwas entfällt, was vorher auf A entfallen ist: Es scheint - bildlich gesprochen - in (E) etwas transferiert zu werden. Doch das bloße Erscheinen von C, die Konzentration eines Teils der Aufmerksamkeit von B auf C und seine Beschäftigung mit ihm allein ist noch kein guter Grund für A, zu glauben, es würde im erklärten Sinne etwas transferiert werden: Schließlich sehen wir auch keinerlei Widerspruch darin, daß Eltern ihre Kinder und gleichzeitig einander lieben. Und die Sache ändert sich auch nicht dadurch, daß sie zusätzliche Kinder bekommen, so daß sie es einfach zeitlich nicht schaffen, jedem Kind und einander dieselbe Aufmerksamkeit zukommen zu lassen wie vorher.

Damit die Idee eines Transfers in (E) überhaupt Sinn macht, müssen wir schon ergänzen, daß A glaubt, nicht die Kraft oder die Fähigkeiten zu haben, B glücklich zu machen, sowie die Tatsache, daß sich A das Zustandekommen der Beziehung von B zu C gerade dadurch erklärt. Denn würde A der Meinung sein, daß sich B bei C lediglich z.B. über sein gescheitertes Leben beklagt, ohne daß es ihm auf die Identität oder das Verhalten von C ankommt, dann wäre A sicher alles mögliche, z.B. entrüstet, enttäuscht, beleidigt, traurig, erstaunt - aber nicht eifersüchtig. Doch ein bloßes Interesse von B an C - und sei dieses auch eine Folge der vermeindlichen Unzulänglichkeiten von A - genügt ebenfalls noch nicht, um A einen guten Grund zur Eifersucht zu geben. Denn würden B und C lediglich gleiche Interessen, nicht aber ein Interesse aneinander als Personen verfolgen, wie z.B. Tennis spielen oder Modellflugzeugbau, dann würde sich A auch sicher keine Sorgen machen - jedenfalls nicht wegen C. Offenbar kommt es für einen guten Grund zur Eifersucht darauf an, daß B es vorzieht, sich als Person in der Beziehung zu C anstatt zu A zu erleben.

Love is essentially coupled to a sense of personal autonomy.

Nehmen wir nun weiter an, daß A in (E) unter dieser Bedingung tatsächlich etwas ganz Persönliches fehlt, was nunmehr C bekommt. Stellen wir dann fest, daß sich A ohne weitere Umstände dafür eine andere Person D einfach so als Ersatz organisiert, dann haben wir massive Zweifel, ob die Eifersucht von A tatsächlich in systematischer Weise diejenige Einstellung übertrifft, mit der z.B. ein Hund seinen Freßnapf verteidigt. Mit anderen Worten:

  • (1) Die Liebe zwischen A und B kann in einem übertragenen Sinne geprüft werden. Sie erschöpft sich folglich nicht in einer Stimmung, die man gegenüber einer beliebigen Person ausleben kann: Wenn A B liebt, dann wird B im Zuge dieser Gemütsbewegung von A eindeutig identifiziert.

Und würde Liebe in jedem Fall von Stimmungen dominiert werden, dann wäre sie im Widerspruch zu (1) wie ein Schwälbchen, daß nur singt, wenn die Sonne lacht. Will A aber gar keine Art Ersatz für den Kontakt zu B, dann dürfen wir vermuten, daß B für A etwas getan hat, was mit As Verständnis von B als Person zusammenhängt und deshalb unwiederbringlich verloren geht, gerade weil B gewissermaßen ein Stück des verschlungenen und nur schwach sichtbaren Pfades seines Lebens mit C zurücklegt: 

  • (2) Hinter jeder wohlverstandenen Eifersucht steckt offenbar die Idee, daß Liebende einander helfen, sich selbst in einem noch aufzuklärenden Sinn fortlaufend zu erschaffen. Folglich ist sie nichts, das der liebenden Person privat und damit der geliebten Person unzugänglich ist.

Und (E) kann klarerweise so gelesen werden, daß sich A davor fürchtet, daß B entscheidet, sich von der Kontinuität dieses Schaffensprozeßes in (2) für C zu verabschieden. Die Folge wäre bildlich gesprochen, daß B durch seine Begegnung mit C ein Stück weit ein Anderer wäre, sobald er wieder mit A zusammentrifft. A denkt aber, daß er B einmal auf genau diese Weise glücklich gemacht hat, wie B ihn selbst, und er fürchtet in (E) in einem noch aufzuklärenden Sinne, das alles zu verlieren:

  • (3) Wenn A und B einander lieben, dann gibt es eine kontinuierliche Folge von gemeinsamen Erfahrungen, die für diese Liebe konstitutiv ist und die mit niemand sonst geteilt wird.

Damit gewinnen wir die beiden wesentlichen Pointen dieses Artikels: Erstens hat Eifersucht nichts mit Selbstsucht, Egoismus, ungerechtfertigten Besitzansprüchen, vorenthaltener Freiheit oder Ähnlichem zu tun und es sind nicht die deskriptiven Eigenschaften von B, die den Grund für die Liebe von A zu B darstellen: Jeder, der diese Eigenschaften in noch größerer Vollkommenheit als B selbst ausgebildet hätte, müßte demnach von A zumindest genauso geliebt werden, so daß die Liebe von A B nur zufällig als Vertreter einer Art Äquivalenzklasse treffen würde. Doch das widerspricht nicht nur (1), sondern auch der Tatsache, daß die Liebe von A zu B nicht in eine Liebe von A zu A übergehen würde, wenn A die betreffenen Eigenschaften in größter Vollkommenheit ausbilden würde. Vielmehr hat Eifersucht wesentlich damit zu tun, daß sich A davor fürchtet, daß die mit B geteilten Erfahrungen für B keine Rolle i.S.v. (3) gespielt haben. Und diese Furcht läuft wegen (2) darauf hinaus, daß die für die eigene Autonomie konstitutiven Erfahrungen, die A mit B zu teilen geglaubt hatte, in Wahrheit auf Blendwerk oder Täuschung beruhen könnten. Zweitens darf romantische Liebe nicht einfach mit Vernarrtheit oder Lust, Besessenheit, Zuneigung oder Abhängigkeit gleichgesetzt werden. Liebe spielt wegen (2) eine Rolle für personale Autonomie und erschöpft sich daher nicht darin, eine Emotion zu sein: Sie darf nicht einfach mit dem gleichgesetzt werden, was eine Person glaubt oder fühlt.

Dies ist meine Begründung für die Behauptung, daß die Bedingungen (1)-(3) Adäquatheitsbedingungen für romantische Liebe zwischen Personen darstellen. Was immer folglich z.B. aus der molekularen Ecke zur Erklärung dieser Phänomene geltend gemacht werden mag, muß erklären, wie es in unserem Alltag zu (1)-(3) kommt. Und wie Geschichten darüber, wer unter welchen Umständen welche Moleküle in seinem Hirn ansammelt, wer was mit seiner Mutter als Baby erlebt bzw. nicht erlebt hat oder welche Stammesgeschichte die Spezies Mensch vorzuweisen hat, das jemals glaubhaft tun könnten, weiß ich im Moment nicht.





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Kommentare

  1. KRichard 15-köpfiges Huhn
    28.09.2009 | 16:26

    Behauptungen
    A) Kein Huhn hat 14 Köpfe
    B) Ein Huhn hat einen Kopf mehr als kein Huhn
    C) Wenn kein Huhn 14 Köpfe hat - und ein Huhn einen Kopf mehr als kein Huhn => dann muss ein Huhn 14+1 = 15 Köpfe haben.

    Dieser Scherz ist uralt - aber er zeigt sehr schön, wie leicht es ist, fehlerhafte ´logische´ Schlussfolgerungen aufzustellen.
    Insbesondere dann, wenn es um unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen geht, bei denen möglicherweise unter ´Liebe´ jeweils etwas individuell völlig anderes verstanden wird.

  2. Elmar Diederichs @KRichard: conclusions
    28.09.2009 | 17:23

    "wie leicht es ist, fehlerhafte ´logisch´ Schlussfolgerungen aufzustellen."

    Denken Sie, daß ich mit meiner Argumentation falsch liege? Inwiefern?

    "unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Bedürfnissen geht, bei denen möglicherweise unter ´Liebe´ jeweils etwas individuell völlig anderes verstanden wird."

    Ich gebe eigentlich kein konkretes Verständnis von Liebe an. Denn Adäquatheitsbedingungen sind dafür da, um mögliche vernünftige von möglichen unvernünftigen Verständnissen zu unterscheiden.

    Aber mich würde interessieren, wie Sie den Einfluß unterschiedlicher Bedürfnisse auf das Verständnis von Liebe charakterisieren würden.

  3. KRichard un-/vernünftig
    28.09.2009 | 17:50

    Beim Thema ´Liebe´ läßt sich noch nicht einmal definieren, was vernünftig und was unvernünftig ist - da jeder Mensch andere Bedürfnisse und Vorstellungen hat.

    Man sagt ja, dass Liebe sowohl ein Gefühl, wie auch eine Entscheidung sei.
    Wer wegen der dabei auftretenden Gefühle liebt, hat nach einer gewissen Zeit das Problem der Adaption - das Gefühl wird weniger intensiv wahr genommen, weil man sich daran gewöhnt hat. Oft zerbrechen Partnerschaften deshalb, wenn die Liebe verfliegt.
    Hat man sich aber dazu entschieden, eine Partnerschaft liebevoll zu leben, so wird man gemeinsame Aktivitäten/Ziele haben, durch deren aktive, gemeinsame Gestaltung man die Beziehung interessant halten kann. Gemeinsames Erleben kommt hier als zusätzliche Stimulanz dazu.

  4. KRichard Eifersucht
    28.09.2009 | 18:23

    Sie sprechen in Ihrem Text die Eifersucht an.
    Eifersucht hat aber normalerweise nichts mit Liebe zu tun, sondern ist eher das Gegenteil davon.
    Ein Mensch(w/m) ist dann Eifersüchtig, wenn der Partner(w/m) als Besitz betrachtet wird, den man zu verlieren fürchtet.
    Oder: Ein Mensch (m/w) macht den Partner (m/w) eifersüchtig, indem er ihn verletzt.

  5. Elmar Diederichs @KRichard: definitions
    28.09.2009 | 18:25

    "Beim Thema ´Liebe´ läßt sich noch nicht einmal definieren, was vernünftig und was unvernünftig ist"

    Ich gebe in meinem Artikel ein Beispiel für eine solche Unterscheidung. Aus ihr folgt, wenn ich mich nicht vertan habe, daß z.B. Oxytozinkonzentrationen im Gehirn oder frühkindliche Prägungen allein nicht alle Phänomene erklären können, die im Zusammenhang mit Liebe auftreten. Die Bedürfnisse anderer mögen da sein, wie sie wollen.

    "Man sagt ja, dass Liebe sowohl ein Gefühl, wie auch eine Entscheidung sei."

    Vielleicht, aber es interessiert uns natürlich, warum wir das glauben sollen.

    "das Gefühl wird weniger intensiv wahr genommen, weil man sich daran gewöhnt hat."

    An z.B. Schmerz kann man sich gewöhnen. Aber Liebe wird geprüft, Schmerz nicht. Warum sollte man sich daher an Liebe gewöhnen können? Verfliegt sie wirklich oder richten wir sie vielleicht durch irgendein Verhalten regelmäßig zugrunde?

    Wenn wir schon von Adäquatheitsbedingungen weg und hin zu konkreten Vorschlägen gehen wollen, dann bräuchten wir vielleicht Beispiele, um besser diskutieren zu können.

  6. Elmar Diederichs KRichard: others than jalousy
    28.09.2009 | 18:32

    "Eifersucht hat aber normalerweise nichts mit Liebe zu tun, sondern ist eher das Gegenteil davon."

    Wenn Sie darauf hinaus wollen, daß Eifersucht Liebe ausschließt, dann stimme ich Ihnen nicht zu. Warum sollte Ihr Standpunkt richtig sein?

    "Ein Mensch(w/m) ist dann Eifersüchtig, wenn der Partner(w/m) als Besitz betrachtet wird, den man zu verlieren fürchtet."

    Nein, tut mir leid. Natürlich gibt es Fälle, in denen Menschen solche merkwürdigen Ansichten haben. Aber wenn das so ist, dann liegt vielleicht Egoismus oder eine andere unangenehme Einstellung vor. Eifersucht ist von ganz anderer Provenienz.

    "Ein Mensch (m/w) macht den Partner (m/w) eifersüchtig, indem er ihn verletzt."

    Auch das würde ich bestreiten: Es gibt keinen Grund, in diesem Fall von Eifersucht zu sprechen.

  7. KRichard Eifersucht / Liebe
    28.09.2009 | 21:25

    Eifersucht: Hier haben wir offenbar völlig verschiedene Ansichten. Menschen als Besitz zu betrachten oder in Machtspielchen gegeneinander auszuspielen halte ich nicht als Zeichen von Liebe. Ein liebevoller Umgang sollte so sein, dass der/die Partner/in freiwillig in einer Beziehung bleibt, weil er/sie sich wohl fühlt.

    Liebe: Prof. Dr.Dr. Spitzer sagte einmal in einem Geist&Gehirn-Vortrag, dass Liebe und eine liebevolle Beziehung aus neurologischer Sicht einen geschickten Umgang mit den Hormonen Testosteron (Sex), Oxytocin (Kuschel-/Liebeshormon) und Dopamin (Glückshormon) erfordert.
    Man kann nicht alles gleichzeitig haben. Hat man aber etwas zu lange, dann gewöhnt sich das Gehirn daran (Adaption) und die Wirkung läßt nach.
    Deshalb sollte eine glückliche Beziehung eine auf die Partner und Situation abgestimmte gute Mischung aus Sex, Geborgenheit und gemeinsamen Unternehmungen bieten, damit sie langfristig erfolgreich bleibt. Mal steht das eine im Vordergrung, ein anderes Mal das Andere - zusammen mit einer erkennbaren Wertschätzung von Partner/in sollte so eine Beziehung gelingen

  8. Dietmar Hilsebein @ KRichard
    28.09.2009 | 21:56

    "Liebe: Prof. Dr.Dr. Spitzer sagte einmal in einem Geist&Gehirn-Vortrag, dass Liebe und eine liebevolle Beziehung aus neurologischer Sicht einen geschickten Umgang mit den Hormonen Testosteron (Sex), Oxytocin (Kuschel-/Liebeshormon) und Dopamin (Glückshormon) erfordert."

    Wenn das so stimmt und das Zitat richtig ist: Aha! Wer pflegt hier einen geschickten Umgang? Ich dachte immer, daß die Hirnforscher von den Hormonen gesteuert werden? So was auch...
    Na ja: "Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern? -so fragt der letzte Mensch und blinzelt. Die Erde ist dann klein geworden und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht." (Na?)

  9. Elmar Diederichs @KRichard: differences
    28.09.2009 | 22:03

    "Menschen als Besitz zu betrachten oder in Machtspielchen gegeneinander auszuspielen halte ich nicht als Zeichen von Liebe. Ein liebevoller Umgang sollte so sein, dass der/die Partner/in freiwillig in einer Beziehung bleibt, weil er/sie sich wohl fühlt."

    In diesem Punkt stimmen wir überein. Was die korrekte Analyse von Eifersucht angeht, nicht.

    "aus neurologischer Sicht einen geschickten Umgang mit den Hormonen Testosteron (Sex), Oxytocin (Kuschel-/Liebeshormon) und Dopamin (Glückshormon) erfordert."

    Ja, diese Art von Erklärungen hatte ich bei meinem Artikel im Sinn.

    "Man kann nicht alles gleichzeitig haben."

    Können Sie das begründen?

    "Hat man aber etwas zu lange, dann gewöhnt sich das Gehirn daran (Adaption) und die Wirkung läßt nach."

    Sie gehen davon aus, daß Liebe ein Zustand ist. Wie kommen Sie darauf? Warum könnte sie nicht in einer Folge von Erfahrungen bestehen? Das Gewöhnungsproblem wäre damit vom Tisch.

    "Deshalb sollte eine glückliche Beziehung"

    Es gibt sicher Liebe die unglücklich ist. Wie erklären Sie sich das mit Hilfe von Molekülen?

    "zusammen mit einer erkennbaren Wertschätzung von Partner/in sollte so eine Beziehung gelingen"

    Wertschätzung hat offenbar mit Liebe nichts zu tun: Man kann verliebt sein in Personen, von denen man ganz genau weiß, daß sie eigentlich unmögliche Menschen sind. Wie erklären Sie sich das?

  10. KRichard Hormone
    29.09.2009 | 16:02

    Liebe und liebevolle Partnerschaft als einen geschickten Umgang mit den Hormonen zu beschreiben ist doch nichts anderes, als das, was glückliche Paare machen:

    Sie nehmen sich Zeit für einander (Sex, Geborgenheit / Testosteron, Oxytocin), nehmen den anderen ernst und zeigen, dass sie ihn/sie lieben (Geborgenheit, Glück / Oxytocin, Dopamin) und achten auch darauf, dass man allein oder als Paar viele zusätzliche Anregungen und Freude bekommt, durch die man sich glücklich fühlt (Dopamin/ Hausbau, Kinder,Freundeskreise, Reisen, fortgehen, Feste feiern, usw.), und welche die Beziehung festigen.

    Ich schrieb, dass Liebe ein Zustand und eine Entscheidung ist. Manchmal steht das Gefühl im Vordergrund und manchmal ist der Verstand wichtiger; besondes wenn Krisen überwunden werden müssen.

    Ob ein Mensch ´unmöglich´ ist, und wie stark dies zu bewerten sei, muss man den jeweiligen Partnern selbst überlassen. Für manche ist eine ´schlechte´ Charaktereigenschaft weniger wichtig, im Vergleich dazu, allein leben zu müssen.

  11. KRichard @Hilsebein: Entsetzen
    29.09.2009 | 16:15

    Man kann darüber entsetzt sein, was die Medizin/Neurologie über Gefühle herausgefunden hat. Man kann dieses Wissen aber auch nutzen, damit eine Beziehung nicht scheitert.

  12. Elmar Diederichs @KRichard
    30.09.2009 | 19:02

    "Liebe und liebevolle Partnerschaft als einen geschickten Umgang mit den Hormonen zu beschreiben ist doch nichts anderes, als das, was glückliche Paare machen."

    Mein Punkt ist es gerade, daß es etwas anderes ist. Denn erstens könnte man sich vorstellen, daß man die von Ihnen angegebenen Wirkstoffkonzentrationen künstlich durch Medikamente im Gehirn herstellt. Vielleicht (ich würde sogar das bestreiten) haben die Betreffenden in diesem Fall sogar ein Hochgefühl. Doch wird dadurch die geliebte Person eindeutig identifiziert? Nein. Philosophisch wird hier die Frage angesprochen, ob mentale Zustände mit Inhalt auf zerebralen Zuständen supervenieren können. Es gibt eine dominante Strömung mit dem Namen Externalismus in der Philisophie des Geistes, die eine solche Supervenienz verneinen. Die Diskussion ist schon etwas betagt und wurde von Hilary Putnam und Typler Burge angefacht. Vielleicht möchten Sie dem selbst einmal nachgehen.

    Der zweite wichtige Punkt ist, daß Sie anzunehmen scheinen, daß die o.g. Stoffkonzentrationen für das mentale Leben verantwortlich sind: Genug hiervon und wir sind glücklich, genug davon und wir sind abgesättigt. Doch wir müssen uns auch fragen, ob sich diese Stoffkonzentrationen einstellen, ohne die kognitive Aktivität der beteiligten Personen. Wenn das nicht so ist (uns es gibt in Psychologie und Neurowissenschaft eine Tendenz, die Tatsache zu ignorieren, daß Menschen nachdenken) dann sind Oxytocin- und Dopaminkonzentrationen die Folge davon, daß wir etwas erkennen und begreifen. Es ist schwer vorstellbar, wie ich zu Oxytocin kommen soll, ohne zu begreifen, daß mein Wunsch nach Nähe durch z.B. eine Umarmung gerade erfüllt wird. Denn wie Sie Wissen, sind Umarmungen in diesem Sinne nicht eindeutig. Mögliche andere, somatische Lösungen haben schon beim Empathieproblem (Spiegelneuronen) nicht funktioniert.

    "Ob ein Mensch ´unmöglich´ ist, und wie stark dies zu bewerten sei, muss man den jeweiligen Partnern selbst überlassen."

    Ich denke, daß ich verstehe, was Sie meinen. Doch überläßt Ihr Standpunkt das wirklich den jeweiligen Partnern? Denn wenn ich Sie recht verstehe, sind wir - etwas überzogen formuliert - alle Opfer unserer Hirnchemie. Und das kann doch nur heißen, daß wir unter denselben Umständen alle mehr oder weniger dasselbe tun müssen. Wo bleibt da der Spielraum für eine individuelle Sichtweise?

  13. KRichard Zustand + Handlung
    30.09.2009 | 20:44

    Ich schrieb, Liebe ist ein Zustand und(!) eine Entscheidung, - d.h. Hormone spielen zwar eine wichtige Rolle, aber auch die bewusste Entscheidung für bestimmte Handlungen ist wesentlicher Bestandteil dieses Gefühlszustandes.

  14. Elmar Diederichs @KRichard: decisions
    01.10.2009 | 10:40

    "d.h. Hormone spielen zwar eine wichtige Rolle,"

    Nein, denn man kann auch jemanden lieben, der schon gestorben ist. In diesem Fall kann ihre Behauptung, daß zuerst die Hormone kommen und die mentalen Zustände von ihnen verursacht werden, nicht stimmen.

    "aber auch die bewusste Entscheidung für bestimmte Handlungen ist wesentlicher Bestandteil dieses Gefühlszustandes."

    Auch damit kommt man nicht weiter: Sie können sich nicht entscheiden, jemanden zu lieben, etwa indem Sie sich durch inneren Willensakt ihm zuwenden. Wenn das möglich wäre, dann würden wir die unbeschränkte Schwärmerei für einen Star, dem man niemals nahekommt, als Liebe ernstnehmen. Doch das tun wir nicht und zwar genau deshalb, weil es zu einer persönlichen Begegnung noch nie gekommen ist.

    Diese Redensart oder was man sonst so sagt, kann daher nicht richtig sein.

  15. KRichard Holzbohle
    01.10.2009 | 15:28

    Legen Sie eine Holzbohle auf den Boden und gehen Sie darüber - Sie werden keine Probleme haben.

    Dann legen Sie diese Bohle in 10 m Höhe zwischen zwei Gebäude und versuchen Sie darüber zu gehen - vermutlich können Sie aus lauter Nervosität nicht darüber gehen. Hier zeigt sich, dass nur der Gedanke an die 10 m Höhe zu einer Ausschüttung von Stresshormonen führt.

    Hier zeigt sich, dass Hormonausschüttung und Denkprozesse eng zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen.

  16. Elmar Diederichs @KRichard: ignoratio elenchi
    01.10.2009 | 18:05

    "Hier zeigt sich, dass Hormonausschüttung und Denkprozesse eng zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen."

    Sicher. Aber wie verhält es sich im Fall von Liebe? Haben wir wenigstens einen Grund, zu glauben, daß irgendeine Art von Analogie zu dem von Ihnen beschriebenen Fall vorliegt?

    Die Beschreibung dieses Falles allein, macht noch keinen Unterschied.

  17. Saskia kein Betreff
    19.11.2009 | 07:49

    Interessanter Artikel aus diesen Perspektiven hab ich das noch gar nicht betrachtet.

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