brainlogs mind at work

Das widerspenstige Schöne

25. August 2010, 20:14

Wenn die Welt moralisch wäre, statt von Ästhetik dominiert, dann würden wir Koalabären essen und Mastschweine liebhaben - aber so ist das natürlich nicht. Nur: Warum? Und wer mich mal verlegen sehen will, der schleife mich in eine Kunstausstellung voller Hausfrauen, die sich die Hände vor den Mund halten, um nicht vor Stroh-Installationen, die "Feed me!" rufen, enthusiastisch aufzukreischen oder verzückt und schweigend neben jungen Männern mit wirrem Haar auf Marmorbänkchen sitzen und die ehr- fürchtig von 'rhythmischem Stil' oder 'postmodernistischen Provokationen' brabbeln, die sie in quergespannten Drähten zu erblicken meinen - so wie am Wochenende auf der Vernisage, in die ich zufällig reingestolpert bin. Wer nun - wie ich - nicht weiß, wo der Zusammenhang beider Themen liegt, der möge weiterlesen. (weiter)

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Kann ich glauben, was ich will?

21. August 2010, 19:53

Man muß sicher so fair sein und Psychologie von Vulgärpsychologie unterscheiden: Märchen über eine mentale Substanz, die, wie ein Organismus mit innerer Struktur ausgestattet, über mehr oder weniger autonome Teile verfügt, die eine spezifische Funktion innerhalb der kompletten mentalen Substanz übernehmen, müssen aufgrund der hier vorkommenden unaufgelösten Metaphern erst einmal glaubhaft gemacht werden. Dabei kommen nicht nur Therapeuten nicht ohne Vulgär- psychologie aus. Auch die evolutionäre Psychologie unterschlägt zu Unrecht, daß es mentale Zustände gibt, die Personen nur zugeschrieben werden können in einem von "wahr" und "falsch" aufgespannten, sprachlichen Raum.  (weiter)

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Autonomy without Morality

20. August 2010, 05:42

Der folgende post beansprucht den Nachweis, personale Autonomie von allen moralischen Implikationen zu befreien, da Verantwortung autonomer Personen nicht normativ, sondern nur strukturell gelesen werden kann. Dafür nehmen wir an, daß personale Autonomie im wesentlichen in die Aspekte der Selbstgesetzgebung und der Existenz einer Biographie zerfällt. Auf letzteres gehen wir hier nicht ein. Indem wir Selbstgesetzgebung als frei von moralischen Implikationen nachweisen, wird der Weg frei für einen auf Reflexion beruhenden Autonomiebegriff, der seinerseits einen Freiheitsbegriff stützt, der in der Willensfreiheitsdebatte kompatibilistische Positionen attraktiv und Wertorientierung als feature von Personen z.B. in Form von Religiosität unattraktiv macht. (weiter)

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What We Want

17. August 2010, 00:30

Psychologen halten sich gelegentlich für Seelenkundler - ich finde das übertrieben. Denn sie betreten ein Feld sprachabhängiger, mentaler Phänomene, ohne diese Sprachabhängigkeit ernst zu nehmen. Stattdessen sind ihre Beschreibungen und Definitionen dessen, was sie untersuchen, oft mit Begriffen durchsetzt, die ihrerseits von Theorien abhängen wie z.B. Bewertung, Disposition oder Handlung. Ich würde Psychologen als Seelen- kundler ernster nehmen, wenn sie ein phänomenologisches Vokabular psychischer Phänomene vorlegen würden, mit deren Hilfe wir ihre Resultate reformulieren und auf diese Weise unsere eigene psychische Erlebniswelt ausdeuten könnten. In diesem post stelle ich Varianten von Gemütsbe- wegungen vor, die man in naivem Sinne Pro-Einstellungen nennen könnte. (weiter)

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Mind Behind a Veil

04. August 2010, 22:09

Im Moment ist uns das phänomenologische Bewußtsein ein Rätsel. Mentale Zustände zu erleben, ist zwar notorisch aufdringlich, aber so gut wie nirgendwo findet man eine brauchbare Beschreibung dessen, welche inneren Erlebnisse wir via mentaler Zustände eigentlich haben: Soweit ich sehen kann, herrscht begriffliche Konfusion. Gefühle, Empfindungen, Emotionen z.B. gelten anders als z.B. Stimmungen im allgemeinen als lokal-reaktive mentale Zustände. Doch worin unterscheiden sie sich rein phänomenologisch betrachtet? Dieser Artikel entwirft für eine Unterklasse der mentalen Zustände, die Gemütsbewegungen, ein neues Vokabular, das bei der Aufklärung des phänomenalen Bewußtseins nützlich sein will. (weiter)

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Denkanstöße - Was ist ein naturwissenschaftliches Weltbild?

02. August 2010, 20:55

Wer eine verständliche Antwort auf die Eingangs gestellte Frage möchte, ist gut beraten, das Buch Über die Natur der Dinge (2004) von Mario Bunge und Martin Mahner zu lesen. Dort entwerfen die Autoren eine an den Resultaten der Physik orientierte Ontologie, die sie nach und nach zu einem Materialismus aufbauen, dessen Konsequenzen bis an die Schnittstelle von Gehirn und Geist heranreichen. Das Buch dokumentiert ein gutes physikalisches Verständnis, erklärt wichtige Antworten einfach und ist im wesentlichen ohne Vorkenntnisse lesbar. Meine resumee lautet daher: sehr zu empfehlende Lektüre. (weiter)

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Meaning is not Information

31. Juli 2010, 21:13

Egal wie sie auch heißen mögen: Evolutionäre Psychologie oder Soziobiologie  - sie nerven total. Denn sie bilden in keiner Weise ab, was zwischen den Personen in einer sozialen Situation wirklich abläuft. Betrachten wir die Sprache: Denn selbst wenn die Entwicklung der Sprache eine Folge des kausalen Selektionsdruckes gewesen ist, die Inhalte dessen, was wir sagen, unterliegen dem Selektionsdruck in keiner Weise. Folglich sind auch alle mentalen Zustände von Personen, die irreduzibel sprachabhängig sind wie z.B. Eifersucht oder Optimismus vom Selektions- druck der Evolution entkoppelt. Unsere Aufgabe für diesen post besteht darin, zu begründen, das das Wesen der Sprache tatsächlich nicht darin besteht, Kommunikationsmittel zu sein. (weiter)

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Actions Revisited: A Copernican Turn

20. Juni 2010, 13:55

Einen relationalen statt einen kausalen Handlungsbegriff zu favorisieren, zieht gewaltige perspektivische Änderungen nach sich: Zum einen stehen nicht mehr die Eigenschaften des Individuums im Zentrum des Interesses, sondern der Kontext, in dem sich die Akteure begegen oder in den sie von ihren Interpreten gestellt werden - was vor allem für psychologische Fragestellungen relevant ist. Zum andern stellt sich die Frage, wie diese Art von kopernikanischer Wende mit Ergebnissen der Neurowissenschaft ver- einbar ist - was ein lang ersehntes Licht auf den oft übersehenen Abgrund zwischen unseren praktizierten Paradigmen der Selbstbeschreibung wirft und die begrifflichen Rätsel, die die Schnittstelle zwischen Gehirn und Geist im Moment erzeugt, gestochen scharf hervortreten läßt. (weiter)

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Actions as Intentional Relations

13. Juni 2010, 12:18

Kausale Aspekte haben im Verständnis intentionalen Verhaltens nichts zu suchen. Das hat nicht nur Konsequenzen für die Frage sinnvoller Formulierungen des Problems der Willensfreiheit, sondern auch für die Identifizierung von Verhalten als Handlung und damit für ein mögliches Thema psychologischer Theorien. In diesem post gehen wir der Frage nach, welche Identitätbedingungen sich für Handlungen angeben lassen. (weiter)

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Actions are not Events

05. Juni 2010, 00:08

Optimierungsprinzipien, die in der Evolution wirksam sind, können höchstens dann auf die Psychologie mit Gewinn übertragen werden, wenn dasjenige intentionale Verhalten von Akteuren, das wir erklären wollen, auch demselben biologischen Selektionsprozeß des Überlebens unterworfen ist. Eine Möglichkeit, dies zu realisieren, besteht darin, zu behaupten, daß Handlungen als spezieller Fall intentionalen Verhaltens als Ereignisse aufgefaßt werden können oder in sonstiger Weise einen physischen Träger haben. Ich werde dafür argumentieren, daß dies nicht mal im Ansatz richtig ist, obwohl wir in fast allen Fällen ohne Nachdenken zu wissen scheinen, was geschehen ist. (weiter)

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