brainlogs Hochbegabung

Emotional und sozial hoch begabt

von Götz Müller, 16. Juni 2010, 09:01

Emotionale Intelligenz – zwei ausgesprochen interessante Wörter, die im Umfeld Hochbegabung oft zur Verwirrung führen. In der alltäglichen Arbeit mit Pädagogen, die schwierige Situationen mit hoch begabten Kindern und Jugendlichen erleben, wird wiederkehrend von sozialen Integrationsschwierigkeiten gesprochen und die nicht vorhandene soziale und emotionale Intelligenz thematisiert.

In den 80er Jahren hat die Intelligenzforschung einen besonderen Denkanstoß aufnehmen müssen, der die Erweiterung des gängigen Intelligenzbegriffs beinhaltete. Gardner äußerte Kritik am bisherigen Konstrukt der Intelligenz und legte mit der darin enthaltenen Theorie der Multiplen Intelligenzen (MI) den Grundstein für die Erweiterung der „alten“ Intelligenz.

Gardner stellt in seinen Überlegungen zur MI dar, dass der herkömmliche Intelligenztest nicht alles erfasse, was unter Intelligenz zu verstehen sei. Diese müsse als intellektuelle Kompetenz ein Sortiment von Fähigkeiten beinhalten, die ihrem Inhaber ermöglichen, echte Probleme oder Schwierigkeiten zu lösen, und die Fähigkeit, Probleme zu entdecken oder zu schaffen, um die Basis für neues Wissen zu legen.

Seine Überlegungen führen ihn zur Annahme mehrerer (relativ) voneinander unabhängigen Intelligenzen, die er vom ursprünglichen Intelligenzbegriff, der bekanntermaßen auf kognitive Fähigkeiten eingegrenzt ist. Er differenziert seine Intelligenzen und veranschaulicht sie mit prominenten Personen: linguistische Intelligenz (Johann Wolfgang von Goethe), logisch-mathematische Intelligenz (Kurt Gödel), musikalische Intelligenz (Ludwig van Beethoven), räumliche Intelligenz (Michelangelo), körperlich-kinästhetische Intelligenz (Margot Fonteyn), inter- und intrapersonale Intelligenz (Sigmund Freud), naturalistische Intelligenz (Charles Darwin) und existentielle Intelligenz (Dalai Lama).

Wie kam Gardner auf die Idee, die letztlich keine neue war? Verschiedene Kriterien flossen in seine Konzepte ein: So können beispielsweise Kinder mit Inselbegabungen (trotz ihres niedrigen IQ außergewöhnliche mentale Leistungen erbringen können. Leistungsfähigkeit müsse somit auch unabhängig vom gemessenen Intelligenzquotienten sein. Die letzten Jahrzehnte haben keine Daten liefern können, die Gardners Theorie der MI unterstützen können. Im Gegenteil finden sich gegenteilige Befunde, so beispielsweise die vermeintliche Unabhängigkeit der einzelnen Intelligenzen. Die Kritik ist teilweise recht harsch: Einige Wissenschaftler nehmen Gardner kaum mehr ernst und sprechen ihm mittlerweile den Anspruch ab, überhaupt wissenschaftlich vorgehen zu wollen, denn er halte trotz besseren Wissens aufgrund bekannter wissenschaftlicher Befunde an seiner Theorie fest.

Scheinen die MI der Vergangenheit anzugehören? 



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Kommentare

  1. Christian Hoppe Referenzen?
    17.06.2010 | 08:04

    Hallo Herr Müller,
    könnten Sie für Ihre Darstellung Referenzen angeben und die zentralen Stellen vielleicht einmal wörtlich zitieren? Denn so wie Sie das hier schreiben, insbesondere die Zuordnung von "Intelligenzen" und Personen, hört sich das völlig blödsinnig an - kaum zu glauben, dass Gardner das so geschrieben hat!

    M.E. ist klar, dass der Intelligenz-Begriff sich auf kognitiv-intellektuelle Fähigkeiten bezieht; dies stellt eine formale Fähigkeit dar, die inhaltlich sehr verschieden genutzt werden kann. Der Intelligenzbegriff kann jedoch nicht über diese Inhalte definiert werden - denn dann wäre er obsolet.

  2. Carlo kein Betreff
    17.06.2010 | 10:05

    Aus beruflicher Erfahrung weiß ich, dass emotionale Intelligenz oft einen Mangel an Intelligenz ausgleichen kann und schulischer sowie beruflicher Erfolg mehr von der emotionalen Intelligenz abhängt.

  3. Götz Müller @ Hoppe
    19.06.2010 | 20:44

    Lieber Herr Hoppe,
    da ich derzeit nicht in Nähe meiner Bücher bin, kann ich noch nicht zitieren, sondern nur ausführlicher kommentieren.
    Gardner baut in seinen MI-Darstellungen der 80er Jahre zunächst eine umfassende Kritik auf, die grundsätzlich feststellt, dass Erfolg mehr als der gemessene IQ sei. Anknüpfend erläutert er in seinen Überlegungen, die keineswegs empirisch gestützt waren, verschiedene Kriterien für die Annahme der Existenz der multiplen Intelligenzen - so z.B. die linguistische Intelligenz. Unter dieser versteht er z.B. eine besondere Sensibilität für Sprache, flüssige und flexible Anwendung in gesprochener und schriftlicher Sprache wie bei Schriftstellern und Rhetorikern. Und hierzu greift er tatsächlich auf diverse prominente Lyriker etc. zurück. Wenn ich recht entsinne, bezieht er sich z.B. auf Biografien des Schriftstellers Thomas Eliot oder auch Albert Einsteins (hier sicherlich für die mathematische Intelligenz). Gandhi im Übrigen ordnet er der interpersonalen Intelligenz zu.
    Hört es sich jetzt weniger blödsinnig an?

  4. Götz Müller @ Carlo
    19.06.2010 | 20:49

    Beruflicher und schulischer Erfolg hängen meist in höchstem relativem Maße mit Intelligenz zusammen - und dann auch sicherlich im Sinne sozialer Kompetenz (die sich letztlich hinter dem Begriff EI/EQ versteckt). Wissenschaftlich gibt es keinen Beleg für die Existenz eines wie auch immer gearteten Konstrukts des EQ. Wissenschaftlich gibt es aber eine Vielzahl an Belegen, die dem IQ bescheinigt, einen Einfluss auf schulischen und beruflichen Erfolg zu haben. Zugegeben einfach und einsilbig, aber wahr.

  5. Tobi @ ALL
    09.07.2010 | 21:05

    Bin gespannt wann sie die Substanz Namens IQ oder EQ im Gehirn eigentlich gefunden haben. Grade die Tests sind sehr unzuverlässig (zumindest bei Erwachsende). Ich denke das es kein statischer Wert ist. Diesen pseudo EQ kann man doch zum größten Teil mit Emphatie gleichsetzen. Und das man größeren Erfolg mit einen höheren EQ hat kann man nicht verallgemeinern.Das ist vielleicht Wunschdenken,gibt doch aber genug Beispiele im Fersehen die das Gegenteil beweisen (und das trifft auf den IQ und EQ zu), und trotzdem sind sie erfolgreich. Letzendlich liegt es zum Teil doch an den ''Genen''.

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