Underachiever 2
von Götz Müller, 31. Januar 2010, 22:03
Meist war in der Grundschule noch alles in Ordnung. Na ja, das ein oder andere kleine Problem gab es vielleicht, doch eben nicht in dem Ausmaße, wie es sich dann auf dem Gymnasium zeigt. Das Leistungsniveau war jedenfalls kein Problem – so hört man es oft, wenn man die betroffenen Familien nach dem bisherigen Schulverlauf fragt.
Im Folgenden stelle ich – zugegeben sehr vereinfacht und somit nicht die Komplexität abdeckend – einige Überlegungen an, die anregen können, die subjektiven Theorien über den eigenen Schulverlauf und/oder den des Kindes zu reflektieren.
Betrachten wir zur Erläuterung die Faktoren, die zum guten Gelingen in der Grundschule beitragen. In der Regel werden Kinder, die mit guter sprachlicher Intelligenz und grundlegendem schulischen Vorwissen in die 1.Klasse aufgenommen werden, eine sehr günstige Prognose haben. Unter den hohen sprachlichen Fähigkeiten sind z.B. ein differenzierter Wortschatz, eine gute Grammatik und ein passives Wortverständnis zu verstehen. Das schulische Vorwissen besteht hierbei meist in Kenntnissen und Fertigkeiten im Schreiben und Lesen, in einfachen Rechenoperationen und im sachkundlichen Wissen. All diese Größen korrelieren zudem hoch mit dem Bildungsniveau der Eltern. In der Umkehrung ist davon auszugehen, dass nichtsprachliche Fähigkeiten wie z.B. das allgemeine logische Denken oder auch das räumliche Vorstellungsvermögen nur bedingt einen Einfluss auf die Schulleistung in der Grundschule ausüben. Über den Faktor Geschlecht wollen wir in diesem Blog gar nicht erst reden, hierfür verwirrt Ferdinand Knauß an anderer Stelle ...
An die Grundschule schließt sich in der Laufbahn hochbegabter Kinder meist das Gymnasium. Wenn sich das Leistungsbild dort verschlechtert, ist denkbar, dass zum einen sich der Entwicklungsvorsprung in der Grundschule im Vergleich zu den Gleichaltrigen angeglichen hat und zum anderen sich die Rahmenbedingungen derart verändert haben, dass andere Faktoren einen Einfluss auf die Güte der Schulleistung ausüben. Insbesondere im späteren Verlauf der Mittelstufe erinnert sich der eine der Unannehmlichkeiten, die sich in Physik oder Chemie ergeben haben, oder des schmerzhaften Gewahrwerdens, dass Mathematik nun doch nicht im Leistungskurs bestritten werden sollte. „Höhere Mathematik“ ist eben nicht mehr rein sprachlich vermittelbar. Gleichermaßen mag der andere nachvollziehen können, dass man es bei Interpretationen Maria Stuarts einfach schwer mit den dualistischen Ansätzen Schillers hatte oder keineswegs den abgehobenen Ausführungen zum Manifest Marx' folgen wollte. „Höhere Sprache“ besteht aus mehr als Grammatik und Rechtschreibung. Kurzum: Es scheint so, als verbreitere sich das Anforderungsprofil der Schule. Vorwissen ist bedingt relevant, der Anteil der Sprache wird geringer; räumliches Vorstellungsvermögen und allgemeine Logik treten nach vorne. Im Oberstufenalter entsteht im Übrigen aufgrund der eingeschränkten Varianz des Faktors Intelligenz eine Verschiebung der Prädiktoren. Hier bestechen Fleiß, Zeitaufwand und das besagte Geschlecht. Aber erst einmal dorthin kommen ...
Im Geschriebenen habe ich „weiche“ Faktoren nicht berücksichtigt, ich bin auch nicht eingegangen auf Zusammenhänge möglicher Unterforderung und Lernmotivation, Lernverhalten und mehr. Der Blick hat sich nur auf die individuellen Faktoren des Kindes gerichtet, die im Zentrum jeglicher Bemühungen stehen sollten. An dieser Stelle – so finde ich – stehen alle Beteiligten in der Verantwortung, um eine tatsächlich passende Hilfe zu finden.



Meine Großmutter sagte:“ Ihr müsst mit dem Jungen zum Arzt mit dem stimmt was nicht“ Altklug, Besserwisser und das mit 2-3 Jahren? In der Schule war ich anfänglich sehr gut und dann nur noch unteres Mittelmaß. Ich wurde von einem zum anderen Arzt geschleppt, heute weiß ich das ich gefördert werden sollte, wohlgemerkt Heute nach 40 Jahren. Es war sogar im Gespräch eine Klasse zu überspringen, meine Eltern stimmten dem nicht zu. Sie wollten mir eine mögliche Überforderung und die damit verbundenen negativen Erfahrungen ersparen. Leider bestätigte sich die Sicht meiner Eltern, der Überforderung.
Es zerreißt ein wenn die Selbstwahrnehmung sagt das kannst du, Kleinigkeit aber nichts funkst.
Deine Umwelt dir indirekt mitteilt hey der muss aber Intelligent sein, Kleinigkeit für den der kann ja alles, hat mehrere Gesellenbrief, Meistertitel und …. Dann aber, der ist ja komisch, ist der jetzt faul oder fleißig? Lange Zeit wunderte ich mich, wieso denn den Menschen auf Feiereien und wo auch immer sich nicht richtig mit mir unterhalten und das obwohl ich doch schon gar nicht mehr über die Relativitätstheorie rede und so.
Ich bin nicht getestet und werde es auch nicht, wenn ein Indewideum erst mal gelernt hat ein Underachiever zu sein ist es schwer das zu negieren.
Und für die Inkompetenten da Draußen spart euch eure witzigen Kommentare.
Leider verspottet der Mensch alles was er nicht haben kann und das sogar wenn es was negatives ist.
Eine wirklich kluge Zusammestellung der schulischen Entwicklung.
Als selbst lange Zeit nicht leistungswillige Hochbegabte hatte ich mi vielen Vorurteilen zu kämpfen, u.a. mit demjenigen, dass sich eine hohe Leistung in Mittel- und Oberstufe ebenso mühelos fortsetzen ließen wie in Grundschule und Unterstufe. Ich kann nur bestätigen, dass der zeitliche Aufwand und der Aspekt der intrinsischen Motivation in den höheren Klassen an Einfluss auf die Noten zulegen.
Ja, Willi, da hatte deine Großmutter wohl so eine Ahnung: Mit dem "Indewideum" stimmt was nicht... . Was soll eigentlich das Geschwafel über die Relativitätstheorie? Wenn das (d)ein Indikator für Intelligenz und Hochbegabung ist, dann gute Nacht! Ich gehe jetzt erstmal Schrödingers Katze füttern. Und nein: Ich bin nicht hochbegabt, kein Underachiever, sondern einfach nur ich. Nicht alle da "draußen" erblassen vor Neid, nur weil jemand mal etwas besser kann oder eine schnellere und bessere Auffassungsgabe hat. Es gibt auch noch - möglicherweise inkompetente - "Indewiduen", die ganz glücklich und innerlich zufrieden vor sich hin dümpeln. Jawohl.
Also ob du dann wirklich ein Underachiever bist, nur auf Grund dessen, wie du dich fühlst, dass es dir schwer fällt Kontakt auf Parties zu bekommen, ... ist fraglich. Aber zumindest sind das oft Anzeichen eines Underachievers. Aber man muss nicht hochbegabt sein, wenn man anders ist.
Hochbegabung ist in Deutschland rein durch den IQ bestimmt und ja, es ist richtig, dass dabei oft soziale Verhaltensprobleme mit auftreten. Und wenn Kinder das merken, verhalten sie sich oft extra anders: Einfach um dazu zu gehören. Ich hoffe, diese Probleme haben sich mittlerweile bei dir erledigt. Aber gerde viele dieser Underachiever haben dann doch im Studium - falls sie so weit kommen - recht großen Erfolg.
Der Bildungsweg hat mit viel Ehrgeiz zu tun und viel hängt auch von den Eltern ab.
Ich habe es selbst erfahren, ich bin früher nicht ganz fit gewesen, ich denke auch das meine Eltern etwas beigetragen haben.
Ich wollte unbedingt etwas aus mir machen, der Ehrgeiz ist so groß gewesen das ich mein Realabschluss nachgemacht habe und mein Abitur über einen Fernkurs erfolgreich abgeschlossen habe.
Man merkt es erst selber später um so älter man wird, ich würde sogar sagen, wäre ich wieder ein Kind (7 Jahre) ich würde nur lernen für die Schule & der Allgemeinbildung.
Aber viele merken es leider zu spät, ich habe aber dazu gelernt.
Obwohl ich mir in der Grundschule ständig fehl am Platz vorkam, da dauernd alles wiederholt wurde, verbachte ich diese 4 Jahre dennoch äußerlich recht unauffällig.
Probleme mit den Noten habe ich dann in der Mittelstufe bekommen, ich habe im Unterricht abgeschaltet, von den vielen Fehlzeiten ganz zu schweigen. Ich habe auch das Lernen nie wirklich gelernt. Mein Abitur habe ich trotzdem gut bestanden, ebenso mein Studium.
Inzwischen habe ich mit meiner äußerst durchwachsenen Schulzeit Frieden geschlossen.
Jedoch sollte sich ein Mensch, egal ob "hochbegabt" oder nicht, keinesfalls darauf ausruhen, dass ihn angeblich keiner versteht, und sich davor hüten, dieses Anderssein als Universalentschuldigung für all seine Fehler zu gebrauchen.
Andererseits müsste sich meiner Ansicht nach der Unterricht an den Schulen ändern, da es immer Schüler mit über- und unterdurchschnittlichen Fähigkeiten geben wird, die es ganz individuell zu fördern gilt. Auch wenn jeder seines Glückes Schmied sein sollte: Gibt es denn etwas Ungerechteres als Ungleiches völlig gleich zu behandeln?
Der Artikel wurde sehr gut verfasst, der fall ist sehr gut beschrieben und ich bin dafür das alle die gleiche Chance auf Bildung haben, nur die einen nehmen es stärker in anspruch als die anderen, was ich eigentlich sehr schade finde.
Ich finde den Sarkasmus bezüglich des Themas ziemlich unangebracht und dann noch jemanden zu verhöhnen aufgrund der Rechtschreibung.....
.....das zeugt doch mal von "Reife" und "Intelligenz". Dann passt der Schuh ja bestimmt!
Meine Tochter und ich sind getestet und nachgewiesen Underachiever und sich darüber lustig zu machen finde ich völlig armselig.
Ob Willi nicht getestet wurde tut hier doch nichts zur Sache, es geht hier doch um das Thema Underachiever. Jemanden auf diese Art und Weise so anzugreifen ist ziemlich "dumm".
Das von jemandem mit einem nachgewiesenen IQ von 148!
Jetzt können Sie sich den Schuh anziehen, der wird bestimmt passen.
Das sollte hier im besten Fall ein Austausch über Erfahrungen, Wissenschaft etc..... sein.
@Selima Ismailovski:
Ich denke, dass es "the brain supreme" weniger um die orthografischen Schwächen ging als darum, dass sich mal wieder eine recht durchschnittlich begabte Person, die leider obendrein der deutschen Sprache nur begrenzt mächtig ist, wichtig machen möchte, indem
sie allen Ernstes auch noch in den Raum stellt, man solle auf ihre vermeintliche Hochbegabung nicht neidisch sein. Ich kenne einige wirklich hochbegabte Leute, die würden sich schämen, so einen abgekupferten Quatsch zu publizieren.
Nein, wenn ich den Post von Willi lese, da kommt auch bei mir beim besten Willen kein Neidgefühl auf - im Gegenteil. Da rollen sich mir eher die Zehennägel.
Wenn ein Meistertitel u.ä. tatsächlich ein Indiz für eine Hochbegabung darstellt, dann sollte man den Begriff Hochbegabung dringend neu definieren. Demnach wimmelt es auf dieser Welt geradezu von Intelligenzbestien - und das ist, wie sich auch hier eindrucksvoll zeigt, definitiv falsch.
Wer obendrein im Internet tatsächlich IQ-Punkte veröffentlicht, ist für mich ein ganz armes Menschlein. Wer dies für nötig hält, dem sollten - nebenbei bemerkt -
schnell mindestens 30 IQ-Punkte abgezogen werden. So viel zum Thema Intelligenz und Reife, dass ich nicht lache.
Da Sie gerade so nett von Schuhen sprechen:
Ich hoffe, Sie haben sich Ihre Treter nicht zu klein gekauft ;-).
In diesem Sinne: Nothing for ungood" und
"I hold Ihr G'schwätz in the head not out" ;-).