Mayas, Hirntumore und fliegende Bäume: „The Fountain“ (2006)
Endlich einmal ein Film, der (unter anderem) von Wissenschaft handelt und dabei keinen absoluten Unsinn verzapft! Wir kennen das ja alle: Hollywood nimmt sich das Thema Forschung ins Visier, und heraus kommt so ziemlich alles zwischen fantastischer Spekulation und schlicht falschen Tatsachen. Hier bleiben die Filmemacher wohltuend auf dem Teppich: Der Wissenschaftler schüttelt keine sofortige Wunderheilung aus dem Ärmel, die Forschung erscheint als jenes langwierige, mühsame, oft frustrierende Geschäft, das sie ja auch ist. Insgesamt vermittelt der Film also ein durchaus realistisches Bild, auch wenn ein Experte sicher Details finden wird, die so nicht ganz stimmen. Vielleicht hat es ja geholfen, dass der Drehbuchautor Ari Handel selbst Neurowissenschaftler ist und zuvor acht Jahre lang an der New York University über das Gehirn von Rhesusaffen geforscht hat.
Um was es geht? Schwierig, das in wenigen Sätzen zu sagen, denn der Film spielt auf drei Ebenen. Der Kernhandlungsstrang betrifft die Suche eines Forschers, Tommy Creo, nach einem neuen Mittel gegen Hirntumore. Er ist dabei nicht nur von seinem beruflichen Ehrgeiz getrieben, sondern von der Tatsache, dass seine geliebte Frau Izzi unter einem solchen leidet und nicht mehr lange zu leben hat. Zwar erzielt er einen entscheidenden Durchbruch, als er einen Extrakt aus einem südamerikanischen Baum testet, doch für Izzi kommt dieser zu spät.
Izzi wiederum hat die letzten Monate ihres Lebens damit verbracht, einen Roman zu schreiben mit dem Titel „The Fountain“. Er spielt im 16. Jahrhundert und dreht sich um eine Expedition eines Spaniers nach Südamerika, wo dieser im Auftrag der spanischen Königin den biblischen Baum des Lebens sucht. Bevor Izzi stirbt, gibt sie Tommy das Buch zu lesen und bittet ihn, das letzte, noch fehlende Kapitel zu schreiben. Die Handlung dieses Buchs ist die zweite Ebene des Films, wobei derselbe Hauptdarsteller, Hugh Jackson, sowohl Tommy als auch den spanischen Entdeckungsfahrer spielt – ebenso wie Izzi und die spanische Königin von Rachel Weisz dargestellt werden.
Schließlich gibt es noch die dritte Ebene, die am rätselhaftesten wirkt: Wiederum ist Hugh Jackson zu sehen, doch ist er jetzt kahlgeschoren und sitzt in einer großen Seifenblase, die durchs Weltall fliegt – zusammen mit einem alten Baum. Einige Rückblenden auf Szenen zwischen Tommy und Izzi ließen mich vermuten, dass hier das Seelenleben von Tommy bildlich dargestellt werden soll, doch als ich danach ein bisschen recherchierte, stellte ich fest, dass diese Sequenzen eigentlich als in der Zukunft spielend gedacht sind. Das kommt aber irgendwie nicht so richtig heraus und stellt für mich den einzigen Schwachpunkt des ansonsten sehr gelungenen Films dar. Wenigstens kann man sich in diesen „Zukunfts“-Sequenzen an eindrucksvollen Bildern erfreuen, die zur Abwechselung mal nicht am Computer, sondern mithilfe von Makroaufnahmen chemischer Farbreaktionen entstanden sind.
Letztlich geht es bei der Geschichte um den Umgang mit dem Lebensende und den mystischen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt, der in allen drei Filmebenen durchlaufen wird und für den symbolisch der Baum (des Lebens) steht. Fazit: Ein wunderschöner, ein wenig trauriger Film, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
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Tönt schon einmal sehr interessant, müsste mir den Film mal anschauen.
Eine Bemerkung noch:
"Wir kennen das ja alle: Hollywood nimmt sich das Thema Forschung ins Visier, und heraus kommt so ziemlich alles zwischen fantastischer Spekulation und schlicht falschen Tatsachen. [...] die Forschung erscheint als jenes langwierige, mühsame, oft frustrierende Geschäft, das sie ja auch ist."
Ich denke, das ist nicht ein Problem der Wissenschaft allein: Alle "Berufe" werden in Hollywood prinzipiell falsch dargestellt. Weder Polizisten noch Ärzte noch Präsidenten noch Journalisten haben ein Leben wie in den Filmen. Darum finde ich es überhaupt nicht schlimm, wenn in Filmen mit (hauptsächlich )Unterhaltungsanspruch (der vorliegende Film zählt wohl nicht vollständig zu dieser Klasse) der Wissenschaftler "falsch" dargestellt wird; sich auf dieses Bild zu verlassen, wäre Bovarysmus.
Ja, aber so toll fand ich den film nicht, wegen diese alte Ritter usw die ständig vorkamen, ich meine, einmal verstanden worum es geht, braucht man nicht so oft zu wiederholen. dasselbe gilt für THE WRESTLER, auch von selber Regisseur, toller Film, aber immer wieder wird wiederholt: ja, dem kerl geht es schlecht, hier noch ein Grund, hier noch ein, usw iregndwann ist echt too much. Sieht kunstlich aus. Finde ich.