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Hirnloses Kino vom Feinsten: „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (2008)

von Hartwig Hanser, 28. Mai 2008, 10:21

So, jetzt habe ich also auch den neuesten Indiana Jones gesehen. Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Nein, so gut wie der erste Film („Jäger des verlorenen Schatzes“, 1981) ist er nicht, aber allemal besser als der ziemlich schwache dritte Teil („Indiana Jones und der letzte Kreuzzug, 1989; siehe dazu auch mein Blogbeitrag „Der Fluch des dritten Teils“). Vor allem war es ein großer, kindischer Spaß. Man darf die Sache nur ja nicht ernst nehmen – aber diese Bedingung galt ja auch für die Vorgängerfilme. Wer den Film übrigens noch nicht gesehen hat, sollte jetzt besser aufhören zu lesen und weiterklicken – jetzt kommen „Spoiler“.


Noch dabei? OK. Natürlich muss ich hier dazu gleich ein paar Zeilen schreiben, fungiert doch, wenn nicht das Gehirn selbst, so zumindest der das Gehirn umhüllende Knochen, der Schädel, als zentraler Aspekt der etwas verworrenen Handlung – ja sogar als Teil des wahrhaft eindrucksvoll klingenden Titels. Sagen Sie den Titel mal laut, dann verstehen Sie, was ich meine.
Zurück zum Schädel. Offenbar hat der starke Kräfte, so etwa die der psychischen Beeinflussung bis hin zur völligen Unterwerfung. Das hoffen zumindest die russischen Agenten, die hier die Nazis als Bösewichte vom Dienst ablösen. Angeblich hat ja Stalin tatsächlich versucht, unter anderem auch mit parapsychologischen Methoden der Weltherrschaft näher zu kommen, so wie vor ihm auch Hitler.

Ein Neurobiologe wird nun sagen: Wie soll das gehen, wenn doch das Gehirn fehlt und nur toter Knochen bzw. Kristall übrig geblieben ist. Aber vielleicht hatten diese rätselhaften Wesen ja gar kein Gehirn in unserem Sinne, sondern „dachten“ mit ihrem Skelett? Schließlich scheinen sie ja immer noch funktionsfähig zu sein – solange nur alle 13 zusammen sind: Kaum ist der letzte Schädel endlich zurückgekehrt, packen die Aliens ihre Koffer und machen sich auf die Heimreise in eine andere Dimension. Eine Schwarmintelligenz also, wie es im Film heißt? Wohl eher nicht, bei einem so kläglichen Schwärmchen von gerade mal einem guten Dutzend Individuen. Zumal das Konzept der „Schwarmintelligenz“ auch so seine Probleme hat, wie meine Kollegin Katja Schwab in ihrem Blog am 20.5. deutlich machte.

Ich tippe da doch eher auf eine physikalische Konstruktion: Die Rückgabe des letzten Schädels schließt einen Schaltkreis, der dann eine Kettenreaktion auslöst. Warum und wozu bleibt zwar auch da offen, aber man muss ja nicht alles verstehen, schon gar nicht im Kino. Und vor allem nicht bei einem Indiana Jones Film. Fazit: Besser nicht weiter drüber nachdenken und statt dessen es den Kristallschädelwesen nachmachen: Das Gehirn außer Betrieb nehmen und 2 Stunden Popcornkino pur genießen.



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Kommentare

  1. Martin Huhn Weiß nicht
    28.05.2008 | 11:07

    Ich weiß nicht, ob ich auf so einen "hirnlosen" - im wahrsten Sinne des Wortes - Film Lust habe. Letztens habe ich die Wiederholungen von Indianer Jones im Fernsehen geschaut und recht schnell weggeschalten, weil es mir zu langweilig war. Zumal mich solche unlogischen Detail stören.

    In einem Film wurde er mal am Arm angeschossen. Dann kletterte er auf einen LKW, schmiß den Fahrer raus und fuhr dann den LKW. Nach einer Weile faßte er sich schmerzverzerrt an den Arm. Den Film habe ich seinerzeit mit ein paar Leuten angeschaut und als er im LKW saß, meinte ich noch, gleich fäßt er sich bestimmt an seinen Arm, was auch geschah. Das war ein echter Brüller.

  2. Helmut Wicht Wie gerufen...
    28.05.2008 | 12:47

    ...kommt mir diese Filmkritik, um eine ästhetische Anmerkung zu machen.

    Ich komm' öfters mal in die Situation, ein Gehirn zerlegen zu müssen/dürfen.

    _Müssen_ tu' ich das auf dem Präparierkurs, zusammen mit den Studenten, von denen viel zu viele um mich herumstehen, die viel zu viel Angst vor den Prüfungen haben, viel zu sehr damit beschäftigt sind, Prüfungsrelevantes von Irrelevantem zu trennen, um eine Athmosphäre der "Aisthesis", des ästhetischen Wahrnehmens aufkommen zu lassen. Nieder mit der Vermassung der Universitäten.

    Mitunter _darf_ ich aber auch ein Hirn präparieren, in meinem chaotischen Büro/Labor, in kleiner, sozuagen intimer Runde, zärtliches Hirnhautzupfen, Frage, Gegenfrage, Beschäftigung mit der Sache um ihrer selbst und nicht um einer Prüfung willen - also in einer wirklich akademischen, wenn auch elitären Atmosphäre.

    Und wenn solche glücklichen Momente kommen (Arvid Leyh hat mich neulich dabei besucht und macht einen "Braincast" draus), dann versuche ich Sorge dafür zu tragen, das auch die Stimmung stimmt. Ergo baue ich neben dem Platz, an dem das Hirn präpariert wird, gerne einen Schädel auf. Einen echten. Schon um dies und das, die Lage einer Struktur des Gehirns in Relation zum Knochen, rasch zeigen zu können.

    Und jedesmal, wenn ich da so werke, dann merke ich, das das Gehirn - mit seiner buttrigen, mitunter leicht verbrabschten (hessisch für "matschig") Konsistenz, das immer ein wenig Flüssigkeit sabbert und das sehr leicht kaputt geht - ich merke, dass mich dieses Organ, bei all der Faszination für das, was es mal getan haben mag, ästhetisch weniger anspricht als der harte, konturenreiche, wohldefinierte, strahlendweiss gebleichte, detailübersäte Schädel.

    Schädel sind irgendwie - magisch. Ästhetisch viel aufgeladener als Gehirne. Unheimlicher. Näher an der personalen Identität ihrer einstigen Besitzer, als deren tote Hirne.

    Was würden Sie sich lieber in's Regal stellen: den Schädel Ihres Vaters oder sein in Formalin eingelegtes Gehirn?

    Ok. Sowas kann nur ein Anatom fragen. ICH nähm' den Schädel. Nahm ihn aber nicht. Vielmehr hab' ich geholfen, den Körper meines toten Papas einzusargen und darauf bestanden, den Sarg zum Auto tragen zu helfen. Aber dennoch: hätt' ich was von ihm aufheben wollen: das Gehirn wär's sicher nicht gewesen.

    Schädel sind eine GANZ tolle Sache...und von daher sicher gut für "hirnloses Kino".

  3. Hartwig Hanser Komik - beabsichtigt oder nicht?
    28.05.2008 | 16:25

    Hallo Martin,

    kleine Anmerkung zum von dir erwähnten Beispiel: Das ist genau der Punkt! Dieses nachträgliche sich an den Arm greifen ist natürlich als selbstironisches, die Klischees des Genres (hier geht es ja um eine Hommage an die Serials der 1930er Jahre!) liebevoll zitierendes Element gemeint. Wie auch Dutzende anderer Kleinigkeiten.

    Wer das schätzt und sich drüber amüsiert, den spricht der Humor dieser Filme an, der ist das richtige Publikum dafür. Wer das als Mangel des Drehbuchs oder der Regie versteht, sollte besser einen Bogen um Indy machen. Das ist nicht wertend gemeint, sondern soll nur die unterschiedlichen Arten, wie Menschen Filme rezeptieren, klar machen.

  4. Hartwig Hanser Schädel im Regal?
    28.05.2008 | 16:39

    Nein danke, ich würde mir sicher weder den Schädel noch das Gehirn meines Vaters ins Regal stellen. Ich kriege ja heute noch das Grausen, wenn ich an meine sezierte Ratte vom Zoologiepraktikum im ersten Semester zurückdenke. Schädel aller Art goutiere ich nur auf der Leinwand.

    In diesem Zusammenhang: Wäre doch witzig, mal die berühmte Hamletszene mit einem wabbeligen Gehirn durchzuziehen, oder? To think or not to think...

  5. Martin Huhn Ironie
    28.05.2008 | 18:45

    Also wenn das Ironie gewesen sein soll, dann war sie sehr gut getarnt. Andere Sachen bei den Indy-Filmen sind da deutlicher als Ironie erkennbar.

  6. Werner Große @ Martin Huhn
    29.05.2008 | 11:06

    Tröste dich Martin: handwerkliche Fehler werden gerne nachträglich zum Stil erhoben, nicht nur beim Film.

  7. Hartwig Hanser @ Werner Große
    29.05.2008 | 11:40

    Natürlich werden wir es nie sicher wissen, ob das nun ein Fehler oder ein bewusster Gag war. Ich hatte es aber schon beim ersten Sehen des Films vor zig Jahren sofort als gewollte Übertreibung und bewusstes Zitieren gewisser Unzulänglichkeiten der 1930er Serials interpretiert. Genauso wie die völlig absurden, deutschen (!) Kritzeleien auf den Modellen im Kartenraum oder der völlig unmotiviert dasitzende Mann, wenn die Protagonisten aus der Schlangengrube durch die Wand wieder ins Freie brechen. Über all diese Details habe ich mich immer königlich amüsiert.

  8. Tischdenken Bernd kein Betreff
    04.06.2008 | 14:55

    Verstehe nicht warum du den Film als Hirnlos bezeichnest.
    Schon mal Spongebob oder Starship Troopers2 gesehen. Das sind echt Hirnlose Filme.
    Indiana Joans ist halt eher einer von diesen Hollywood Fortsetztungen ganz nach dem Motto kennst du einen kennst du alle.
    Aber sowas kann mach sich eigendlich immer mit ein per Bier ner Shisha und ein paar Freunden gut anscheuen

  9. Hartwig Hanser @ Tischdenken Bernd
    04.06.2008 | 16:07

    Nein, Spongebob und Starship Troopers2 habe ich nicht gesehen und habe das auch nicht vor. Wobei ich den ersten Starship Troopers Film kenne und als keineswegs hirnlos betrachte, da er aufzeigt, was geschieht, wenn sich faschistische Tendenzen in einem Staatswesen festsetzen. Das wäre vielleicht mal was für einen anderen Blogeintrag.

    Aber zurück zu Indy. Das war natürlich ein Wortspiel im Sinne von: Kristallschädel = Knochenhülle ohne Inhalt, also ohne Gehirn drin = hirnlos. Da ist Helmut Wicht ja auch gleich drauf angesprungen.

    Und allzu intellektuell gebärdet der Film sich ja nun wirklich nicht; er will eben vor allem gute Unterhaltung bieten. Und das tut er auch. Da sind wir uns ja einig.

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