Geschlecht und Fortpflanzung: Hilge Landweer wirft Licht auf den "blinden Fleck" der Gender Studies
Fortpflanzung ist der blinde Fleck vorherrschender Gender-Theorien. So meine hier schon einmal vorgestellte These. In den Gender Studies wird die grundlegendste Voraussetzung jeglicher Kultur und sozialer Existenz nicht thematisiert: das Angewiesensein auf Reproduktion. Ausgerechnet die Erforscher der Geschlechtlichkeit ignorieren, dass (Zwei)Geschlechtlichkeit kein Produkt der Kultur, sondern ihr als einziger Modus der Erhaltung der Menschen vorgelagert ist. Als ob das Beschweigen eines Phänomens es aus der Welt schaffe!
Die Berliner Philosophin Hilge
Landweer lieferte schon 1994 eine überzeugende Kritik am
radikal-konstruktivistischen Mythos der Konstruierbarkeit aller
sozialer Kategorien also auch des Geschlechts: „Generativität und
Geschlecht. Ein blinder Fleck in der sex/gender Debatte“ in:
Theresa Wobbe und Gesa Lindemann (Hgg.): „Denkachsen. Zur
institutionellen Rede von Geschlecht“, Edition Suhrkamp 1994.
Landweer stellt darin fest: „In jeder Kultur führt in Zusammenhang
mit Mortalität und Natalität die Generativität zu
Kategorisierungen von Geschlecht.“ Eine Geschlechtlichkeit, die
völlig unabhängig vom (potentiellen) Beitrag zur Fortpflanzung ist,
ist nicht denkbar. Der konkrete Geschlechterbegriff ist kulturell
variabel, aber nicht beliebig, sondern verknüpft mit der
„generativen Zweigliederung“. Zur Veranschaulichung: Ein Penis
kann nie zum Symbol der Weiblichkeit werden, und Menstruation nie für
männlich gehalten werden.
Geschlecht und Fortpflanzung zu verbinden – was liegt eigentlich näher? - ist innerhalb gewisser Kreise kulturwissenschaftlicher Gelehrsamkeit ein ideologisches Minenfeld, in das man sich nicht begibt. Landweer selbst wollte sich nach einem langen Telefongespräch mit mir dazu nicht zitieren lassen. Man kann das offenbar weniger denn je gefahrlos thematisieren in den philosophischen Fakultäten. So entstehen Denkverbote! Landweer hat sich nach solchen Erfahrungen von der Thematik abgewandt.
Schade! Denn ihr Aufsatz aus der fernen Zeit vor Einführung des Internets hat Aufmerksamkeit verdient. Auf der Basis von Landweers Thesen könnte eine unvoreingenommene, undogmatische, wahrhaft interdisziplinäre, also nicht naturwissenschaftsfeindliche, aber auch nicht naturalistische Geschlechterforschung stattfinden. Ein Jammer und ein Indiz für die Verbortheit der Disziplin Gender Studies, dass diese überzeugende Kritik an Judith Butler und ihrer Diskursontologie (also dem Verdikt, dass Vordiskursives überhaupt nicht vorausgesetzt werden darf) so wenig Widerhall in gefunden hat.
Ich zitiere im folgenden zentrale Passagen.
Einleitung
„Kultur als dieses kollektive Sich-eine-Vergangenheit-Geben und Eine-Zukunft-Beanspruchen bleibt auf die Reproduktion der Gattung verwiesen.“ Ihre Ausgangsprämisse ist eigentlich eine Banalität, die zu ignorieren aber in den von Butlerscher Diskursontologie geprägten Gender Studies konstitutiv ist.)
Zum Zustand der Gender Studies:
„Naturalismus, „Ontologisierung“, „Essentialismus“ und „Biologismus“ … fungieren inzwischen geradezu als Denkverbote. Jeder Versuch, anthropologische Konstanten auch nur als Grenzwerte für Transformationsprozesse zu bestimmen, jeder Versuch zu reflektieren, was es für Menschen bedeutet, sich ebenso wie Tiere fortpflanzen zu müssen (wenn sie sich denn überhaupt fortpflanzen wollen), und jeder Versuch, die Geschlechterdifferenz philosophisch zu reflektieren, ohne sie vorab als reines Konstrukt zu setzen, kann damit bereits unter Ideologieverdacht gestellt werden.
… Vernachlässigung des Problems der Generativität in den neuen Diskussionen um die Kategorie „Geschlecht“: Die Zeichenhaftigkeit des Körpers wird thematisiert, ohne daß auf generative Prozesse Bezug genommen wird. Dies ist bei einem Teil der Autorinnen methodisches Prinzip...
Nun lässt sich das Problem der Normativität aber nicht durch Nicht-Thematisierung gerade jener Phänomene lösen, die Verankerungspunkt für Normalisierungsmächte sind, so als ob ein Phänomen schon dadurch verschwindet, daß es beschwiegen wird. … solche Tabuisierungen sind … magische Beschwörungen. Eine sozialtheoretische Fundierung des Phänomens der Reproduktion der Gattung und ihrer symbolischen Mythisierung und Verleugnung sehe ich als „missing link“ für eine Bedeutungstheorie des Körpers an.
I. Verortung
Neueste feministische Theorieanstrengungen (sie meint explizit Judith Butler und ihre Anhänger, F.K.) radikalisieren die sex/gender-Unerscheidung … [diese betonen], daß der „anatomische Unterschied“ nicht einfach aus der Natur zu uns spreche; die Natur mache keine Unterscheidungen, das Chaotisch-Mannigfaltige werde erst durch menschliche Begriffe in eine Ordnung gebracht – als eine Art Kulturnominalismus. Auch die biologischen Geschlechtsbestimmngsmethoden seien kulturelle Praktiken, die die distingierenden Geschlechterkategorien erst erzeugen, ebenso wie die Geschlechtsattribution in alltäglichen Interaktionen nicht etwa auf einer evidenten Sichtbarkeit des sexuellen Dimorphismus beruhen, sondern ihn als selbstverständlich geltend unterstellen. … Aufmerksamkeit innerhalb der feministischen Diskussion vor allem auf eine Analyse der Diskurse gelenkt, die diese Differenz hervortreiben, …
Kritik an solchen Positionen (Ontologisierungen, Naturalisierungen, Mythisierungen, Moralisierungen der Geschlechterdifferenz) ist sicherlich überfällig. (Die gab und gibt es ja auch zur Genüge, F.K.). Aber muss in solchen Kritikprozessen die Kategorie Geschlecht selbst verabschiedet oder als reine Diskurserfindung behandelt werden? Dem Glauben an die Biologie setzt ein Teil der skizzierten Kritik nicht nur die Plausibilisierung der Konstruiertheit biologischer Begrifflichkeiten, sondern auch den Glauben an die prinzipielle Konstruierbarkeit aller sozialen Kategorien entgegen. … Mir scheint hier ein neuer Mythos zu entstehen.
Judith Butler … versucht, im Theoretischen tabula rasa zu machen und eine Position jenseits der symbolisierten Zweigeschlechtlichkeit einzunehmen.
II. Die These
Meine These ist, daß in jeder Kultur in Zusammenhang mit Mortalität und Natalität die Generativität zu Kategorisierungen von „Geschlecht“ führt. (Wer – zumindest prinzipiell - gebären kann, ist eine Frau. Außerhalb der Kreise der Gender-Theoretikerinnen ist das keine waghalsige These, sondern eine evidente, grundlegende Selbstverständlichkeit, eine Basis jeglichen sozialen Handelns, F.K.)
Wie die Geschlechtsbegriffe kulturell im einzelnen verfasst sind, ist prinzipiell offen, nicht aber, daß es immer zwei Kern-Kategorien gibt, die Individuen nach ihrem als möglich unterstellten Anteil an der Entstehung neuer Menschen klassifizieren.
… Die kulturell sehr unterschiedlich konstruierten Geschlechterbegriffe sind auf vielfältige Weise konnotiert mit Vorstellungen über Körperformen, mit dem, was dem jeweiligen Geschlecht an Fähigkeiten und typischen Tätigkeiten zugeschrieben wird und – nicht zuletzt – mit Sexualität. … eine unhintergehbare Koppelung von Generativität und Ordnungskategorien für Personen durch eine Kernunterscheidung (a/b) konstatieren. … auch wenn man sicherlich viele Unterkategorien und „sexuelle Zwischenstufen“ einführen kann – aber eben nicht geschlechtliche: das 'zwischen' bezieht sich auf genau zwei Pole, die den Geschlechtsbegriff ausmachen. (Ein einleuchtendes Argument gegen das häufige Gerede von einem „dritten Geschlecht“ oder noch vielen weiteren Geschlechtern, F.K.) ...
Daraus folgt zwar keine naturale Determination von Geschlechtscharakteren, wohl aber die Unhintergehbarkeit der Anknüpfung an die generative Zweigliederung auch für die Strukturierung der kulturell variablen Geschlechterbegriffe.
Die Relevanz der Generativität wird klarer… auf der konkreten Ebene der Bedeutung von Natalität im menschlichen Selbstverständnis. …(Jeder Mensch stellt sich) ... die Frage nach dem (eigenen) Woher. ... Alle diese Selbstkonstruktionen müssen anerkennen, daß es nicht irgendein Körper war, aus dem man hervorgegangen ist, und daß am eigenen Zustandekommen noch ein weiterer Körper, der von dem anderen unterschieden werden muss, beteiligt war.
Zweifelsohne sind Kulturen vorstellbar, in denen die Kategorisierung von Personen nach Geschlecht wesentlich weniger relevant ist als heute. Gegenstand meiner These ist nur, daß überhaupt gemäß möglichem Beitrag zur Reproduktion nach zwei Klassen unterschieden wird: nicht daß es noch x-beliebige andere Kategorisierungen gibt, die auch relevant sind – das ist ja auch heute schon der Fall. Aber selbst bei einer maximalen Marginalisierung von generativen Prozessen (ewa durch Retortenbabies) müssen noch die dazu notwendigen „Beiträgersubstanzen“ unterschieden werden – und das sind dann die Geschlechtskategorien. … Auch ein Programm der Verfielfältigung der Geschlechter bleibt demnach auf die beiden Grundkategorien angewiesen.
Die Frage nach den Grundkategorien von Geschlecht ist weder vom Agieren von Einzelindividuen noch von spezifischen Interessengruppen abhängig. Es ist auch keine Frage der „Macht“ in der Sprache, oder eines ominösen „heterosexistischen Gesetzes“ (so J. Butler in „Das Unbehagen der Geschlecher“, 1991), sondern eine Frage von Systemerhaltungsmechanismen, die auf der Ebene der Einzelindividuen keine einfache Entsprechung finden. …
… jede Kultur teilt ihre Individuen unter anderem durch ihren möglichen jeweiligen Beitrag zur Generativität in Klassen ein. Diese Klassen müssen nicht zwangsläufig zwei distinkte Kategorien „Männer“ und „Frauen“ sein; es ist zum Beispiel durchaus denkbar, daß es Rest- oder Mischkategorien gibt oder für Nicht-mehr-Gebärende dieselbe Kategorie gewählt wird wie für Nie-Gebärende. …
Die Geschlechterdifferenz, so behaupte ich, wird nicht erst durch die Diskurse produziert, sondern die wegen der Generativität sozial stets relevant gemachte leibliche Differenz treibt ihrerseits Mythen hervor, und zwar sowohl Gender-Mythen,die die Eindeutigkeit von „sex“ im Sinne von zwei exklusiven Geschlechtern herstellen, als auch Mythen über eine ursprüngliche Einheit oder eine vollständige Irrelevanz von Geschlecht – und letzterer könnte als Mythos einer vollständigen Entsexuierbarkeit bezeichnet werden.
III. Die menschliche Symboltätigkeit
Susanne Langers Theorie symbolischer Transformation („Philosophy in a new key, 1942) … unterscheidet zwischen Anzeichen und Symbolen. Tiere erkennen sich über Anzeichen (Geruch)
Menschen dagegen erkennen sich als Geschlechtssubjekte an kulturspezifisch ansozialisierten vereindeutigenden Verhaltensmarkierungen (Habitus, Stimme, Kleidung etc.), die zunächst wie Anzeichen (Auslöser) fungieren, aber symbolisch „interpretiert“ werden – allerdings noch nicht unbedingt auf der sprachlichen Ebene. …
Jede Bedeutungstheorie des geschlechtlich identifizierten Körpers muß berücksichtigen, daß nicht alles, was als Geschlechtszeichen gelesen wird, gleich arbiträr ist. Es gibt eine Anzahl von Geschlechtszeichen, die zwar möglicherweise in vielen denkbaren Kontexten neutralisierbar sind, die aber niemals zum Zeichen für das andere Geschlecht werden können. (Ich denke etwa an Brüste und Penis, Menstruation und Erektion.) … Welche Gestaltwahrnehmung zu der Vorstellung „Frau“ und welche zur Vorstellung „Mann“ verdichtet wird, bleibt dabei weitgehend identisch mit unseren vorsymbolischen Wahrnehmungsweisen -...
(In einfachen Worten zusammengefasst: In aller Regel – Ausnahmen sind natürlich unbestritten - sieht und merkt jeder Mensch schnell, welchen Geschlechts ein anderer Mensch ist. Kulturelle Symbole können nicht völlig unabhängig von der physischen Natur gesetzt werden, F.K..)
IV.Generativität, präsentative Symbolismen und eigenleibliches Spüren
Mit unserern Vorstellungen über unseren Körper, das Körperschema, in dem wir ihn als geschlechtlichen interpretieren, sind nun prinzipiell wie auch immer geartete Vorstellungen über Generativität verknüpft. Selbst wenn es in Zukunft nicht mehr Körper sein sollten, aus denen unsere Nachfahren hervorkommen, sondern Retorten, so wird es auch dann noch eine Unterscheidung der unterschiedlichen „Beiträgersubstanzen“ geben, auf die dieser Laborprozeß angewiesen bleibt – zumindest solange, wie wir uns noch nicht als geklonte Exemplare Unsterbichkeit verschafft haben. …
Nach Langer gibt es bestimmte Ereignisse, die gewissermaßen dazu privilegiert sind, symbolisiert zu werden, nämlich solche, die besonders starke Emotionen wecken, oder, um es mit Hermann Schmitz zu sagen,: wo die leiblich-affektive Betroffenheit besonders groß ist. Als Beispiele für solche Ereignisse nennt Langer Leben und Leben geben, den Tod und die Toten – kurz: die großen Themen nicht nur der primitiven Religionen.
... in der bisherigen Theoriediskussion über die „Zeichenhaftigkeit des Körpers“ … wird implizit eine Arbitrarität der Geschlechtszeichen unterstellt. Arbiträr sind zwar die Kleiderordnungen und Verhaltensweisen, nicht aber die leiblichen Prozesse selbst, auf die mit szenischen Visualisierungen in präsentativen Symbolismen geantwortet wird.
…
Leiblich-affektive Betroffenheit ist aber ein dennoch ein Phänomen sui generis, das als Voraussetzung für Symbolisierungsprozesse eingeht in die „Herstellung“ von Sozialität. (Einfacher gesagt: Die meisten Menschen wissen ganz gut, ob sie Mann oder Frau sind – bevor sie irgendetwas von Symbolen oder Diskursen mitkriegen, F.K.)
…
-
Judith Butlers Diskursontologie
…
Während Foucault die Begriffe „sex“ und „Sexualität“ (im Sinne einer alles erklärenden Kausalmacht) historisiert hatte, universalisiert Butler wiederum diesen Befund mit der Behauptung, der geschlechtlich identifizierte Körper sei generell diskursiv produziert – und nicht nur die jeweils spezifische Semantik, die wahrnehmbare Körperdifferenzen interpretiert. Damit geht gerade der Gewinn der Foucaultschen Perspektive verloren, nämlich durch historische Kontrastierung deutlich zu machen, daß das System einer exklusiven Zweigeschlechtlichkeit, die keinerlei Übergänge oder Restkategorien kennt, als ein Kernelement der seit dem 18. Jahrhundert sich durchsetzenden Normalisierungsmacht zu verstehen ist.
Nun ist der These, daß der moderne Sexualitätsbegriff konstruiert ist, auf dem Hintergrund der historischen Sudien Foucaults zuzustimmen; …
Aber die Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen einem als eindeutig behaupteten Substrat einer symbolischen Repräsentation und einer wiederkehrenden Gestalt verschwindet bei Butler unter dem Verdikt, daß Vordiskursives überhaupt nicht vorausgesetzt werden darf. (Das ist die Butlersche und in weiten Teilen die kulturwissenschaftliche Berufskrankheit, F.K.)
…
Die Prozesse der Konstruktion und Dekonstruktion von Geschlecht kreisen nicht in sich selbst, sondern antworten u. a. auch auf die elementaren Herausforderungen, … nämlich die … Tatsachen der Geburt, des Alterns, von Krankheit und Tod....
-
Zusammenfassung und Ausblick
…
Die sex/gender-Unterscheidung reicht nach dem bisher Gesagten für die komplexen Prozesse der Konstruktion von „Geschlecht“ nicht aus. Ich stelle deshalb im folgenden drei analytische Unterscheidungen vor, wobei die erste Begriffsvariante noch einmal zwei Unterkategorien enthält:
-Geschlecht A: der Begriff/die Begriffe, den/die sich eine Kultur von dem jeweiligen leiblichen Spüren (Geschlcht C) macht, und mit dem/denen sie ihre gestaltwahrnehmungen (Geschlecht B) vereindeutigt, typisiert, interpretiert.
-A1: präsentatives Geschlecht (Gender): mythisch und literarisch gedeutete und dain bildlich und szenisch vorgestellte Differenz.
-A2: diskursives Geschlecht (Gender): die in disursiven Symbolismen behaupteten Sachverhalte über „Geschlecht“, d.h. Wahrheit beanspruchende Propositionen (zu Alltagsstereotypen geronnene Mythen, Geschlchtermetaphysik, Wissenschaft inkl. Feministischer Theorie und Butler). Eine spezielle, euroamerikanische Variante von A2 ist derjenige Geschlechtsbegriff, der die sex/gender-Unterscheidung hervorgebracht hat.
-Geschlecht B: die als geschlechtlich wahrgenommene, aufmerksamkeitssteuernde Gestalt, eine wiedererkennbare, wiedererkannte und insofern „abstrahierte“ „Form“, ein Gesamteindruck, „Situation“ (s. Unten) vom Typ „X“.
…
-Geschlecht C: leibliche Prozesse, von denen wir unterstellen, daß sie auch ohne unsere Wahrnehmung bei uns und anderen ablaufen (durchaus nicht ausschließlich im Leibesinneren).
…
Die Dramen, die die Geschlechterdifferenz inszenieren, liegen um es metaphorisch zu sagen, „tiefer“ als nur auf der Ebene von Disursen (sehr gut, diese Entlarvung der verbreiteten Überschätzung von Diskursen! F.K.) , d.h. von begrifflichem Denken. Sie sind primär mehr oder weniger phantastische und mythische Antworten auf gestalthafte Wahrnehmungen vom Typus Geschlechterdifferenz, die in bezug auf generative Prozesse nicht zu berspringen ist. …
Wie Mythen generell nicht, so ist auch den Mythen über das Gechlecht nicht beizukommen, indem man sie „richtig“ interpretiert und/oder einer Mythenkritik nterzieht, jednfalls nicht dem Sinne, daß man damit ein für allemal in ein aufgeklärtes, mythenfreies Reich eintreten könnte Kritisiert werden können einzelne Mythen, aber nicht der Mythos der Differenz prinzipiell – weil es den scheinbar neutralen Punkt, von dem aus dies geschehen könnte, nicht gibt. Es können immer nur neue Mythen und Geschichten über das Geschlecht erzählt werden. …
…
Statt der Versuche in den neueren feministischen Diskussionen, die eigene Theoriebildung vollständig zu „entsexuieren“, plädiere ich dafür, die mit der Kategorie „Geschlecht“ gegebenen Unterscheidungen als kritische Instrumente weiterzuverwenden, sie dabei aber in der oben angedeuteten Weise zu modifizieren.
So weit die Zitate aus Landweers Aufsatz. Der große Irrtum der Gender-Theorien und damit die Ursache dessen, was ich die „Geschlechtsverwirrung“ nenne, beginnt, das zeigt Landweer, wo die Priorität der biologischen Basis vor den kulturellen Taten der Menschen ignoriert wird. Die Natur bleibt der Kultur vorgelagert. Ohne Fortpflanzung - „wie die Tiere“ - gibt’s keine Menschen und keine Kultur. Menschen sind Wesen aus Fleisch und Blut und nicht nur Produkte ihrer eigenen Diskurse.
Geschrieben in Allgemein . Kommentare: (3). Trackbacks: (0). Permalink



