Adorján F. Kovács: In Oxford siegt die Vernunft über den Gleichstellungswahn
In Unternehmen steht er wohl bevor, in Universitäten ist er längst Realität: Der Gleichstellungswahn. In Oxford führte ein Denunzierungsskandal um die renommierte Professur für Poesie dazu, dass sich letztlich die Vernunft gegen die Ideologie durchsetzte. Ein Gastbeitrag von Adorján F. Kovács:
Vor etwas mehr als einem Jahr wollte sich die ehrwürdige Oxford-Universität dem Zeitgeist öffnen und setzte einen entsprechend vorgefilterten Wettbewerb um eine der prestigeträchtigsten Stellen, die diese Universität zu vergeben hat, in Gang: die Professur für Poesie. Die Bewerber bildeten einen kuriosen Querschnitt der unter Gleichstellungsgesichtspunkten erforderlichen Ingredienzien. Es musste natürlich auf jeden Fall eine Frau dabeisein (Ruth Padel), dann selbstverständlich ein Schwarzer, Derek Walcott, schließlich ein Ausländer, in diesem Fall ein Inder, Arvind Krishna Mehrotra.
Als Ruth Padel gewählt war, überschlugen sich die Kommentatorinnen und auch Kommentatoren vor Freude über die erste Frau auf diesem Posten. Die Feministinnen schienen auf ganzer Linie gesiegt zu haben, da zeitgleich auch Carol Ann Duffy zur ersten Hofdichterin ernannt worden war. Ehrlicherweise muss aber gesagt werden, dass im Falle der Wahl Derek Walcotts (der als Dichter wohl kompetentesten Persönlichkeit unter den Bewerbern) eben der erste Schwarze auf dieser Stelle bejubelt worden wäre. Oder, beim Sieg Arvind Mehrotas, der erste Ausländer. Mit anderen Worten: die Qualität der Kandidatin oder des Kandidaten spielte überhaupt keine Rolle. Es ging vor allem um den Erfolg eines Angehörigen einer tatsächlich oder angeblich benachteiligten Gruppe, deren Benachteiligung aufgrund einer Quote aufgehoben werden sollte. Kurz: es tobte der alltägliche Gleichstellungswahn.
Ruth Padel musste bereits nach einigen Tagen zurücktreten, weil herauskam, dass sie dabei mitgewirkt hatte, Derek Walcott rufzumorden. Er habe vor über 25 Jahren angeblich sexuelle Übergriffe auf Studentinnen in Harvard und Boston verübt, wurde von anonymer Seite an die Wahlberechtigten lanciert, und Ruth Padel hatte in diesem Zusammenhang Walcott gegenüber Journalisten indirekt einen „lüsternen Professor“ genannt. Das Ganze flog auf, und Oxford hatte ein Jahr lang keinen Professor für Poesie.
Derek Walcott verzichtete verständlicherweise auf eine erneute Kandidatur. Andere mögliche Kandidaten wie Stephen Moss und Clive James waren sehr skeptisch. Nur zu verständlich, weil ob des Rücktritts verärgerte Schriftstellerinnen wie Jeanette Winterson im GUARDIAN nachkarteten. Oxford sei ein „sexistisches kleines Dreckloch“, meinte sie, und die Affäre habe “alles zu tun mit Gender, Macht und Politik.“ Sie fuhr fort: „ Wir können nur hoffen, dass frische Wahlen bei jemandem von Qualität enden: meine Stimme hat Alice Oswald. Und der Himmel verhüte, dass Clive James es machen sollte.” Frau Winterson schützte den Wunsch nach Qualität nur vor. Klar, dass die Qualität, die sie meinte, nur von einer Frau würde erbracht werden können.
Viel Zeit ist seitdem ins Land gegangen. Nach dem Skandal des letzten Jahres sind neue Wahlverfahren beschlossen worden. Die Wahl sollte in hohem Maße öffentlich sein mit einer großen Zahl von Kandidaten. Auch über das Internet war eine Stimmabgabe möglich. Nun ist die Wahl tatsächlich erfolgt und Oxford hat endlich wieder einen Poetikprofessor: Geoffrey Hill. Nicht wenige halten ihn für einen der besten Dichter englischer Zunge. Interessant ist aber das Gesamtergebnis dieser offenen Wahl. Ich möchte es einfach nur kommentarlos wiedergeben. Mögen die Leserinnen und Leser sich ihre Meinung bilden.
Geoffrey Hill
1.156 Stimmen
Michael Horovitz
353 Stimmen
Sean Haldane
214 Stimmen
Chris Mann
183 Stimmen
Roger Lewis
167 Stimmen
Steve Larkin
138 Stimmen
Robert P Lacey
101 Stimmen
Stephen Moss
81 Stimmen
Michael George Gibson
34 Stimmen
Vaughan Pilikian
28 Stimmen
Hinweis auf einen Artikel von mir zum Thema: „Der Padels Kern“
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Ich nehme an, dass die Gegenseite sagen wird, dass ja Frauen gerade in der Gesellschaft unsichtbar gemacht werden und weniger Raum in Anspruch nehmen dürfen als Männer und daher auch weniger bekannt sind, was zu geringeren Stimmen für sie führt.
Man könnte es allerdings auch biologisch mit Geoffrey Miller "The Mating Mind" begründen, der davon ausgeht, dass poetische Fähigkeiten der Pfauenschwanz des Menschen sind und damit entsprechende Fähigkeiten in der Schöpfung dieser bei Männern besser entwickelt sind.
"Ich nehme an, dass die Gegenseite sagen wird, dass ja Frauen gerade in der Gesellschaft unsichtbar gemacht werden und weniger Raum in Anspruch nehmen dürfen als Männer und daher auch weniger bekannt sind, was zu geringeren Stimmen für sie führt."
Was mich immer wundert, ist, daß solche Behauptungen nicht gleich als Verschwörungstheorien geoutet werden: Es ist schwer ein Weg vorstellbar WIE dieses Unsichtbarmachen durch eine kollektive Männeranstrengung erfolgen soll und dabei so wenig publik wird, daß niemand die Frage nach dem WIE des Unsichtbarmachens angeben kann. Denn Frauen irgendwelche Nachteile zu verschaffen, sagt ja nichts darüber aus, daß sie diese Nachteile nicht spielend kompensieren könnten.
Und mein Argument ist gewichtig: Auch WTC-Verschwörungstheorien werden regelmäßig mit dem Hinweis konfrontiert, daß viele Menschen ein so saftiges Geheimnis unmöglich für sich behalten können.
Na, wenn es um die Erfüllung der verschiedenen Quoten-Anforderungen geht, hätte man doch drei Fliegen mit einer Klappe schlagen und einfach eine Schwarzafrikanerin berufen können. Die wäre gleichzeitig weiblich, schwarz und ausländisch. Wenn die dann auch noch einer religiösen oder ethnischen Minderheit angehört, ließe sich die Anzahl der erledigten Quoten weiter optimieren.
Kohl sah sich mal mit dem Vorwurf konfrontiert, zu wenige Frauen und zu wenige Ostdeutsche in seinem Kabinett zu haben. Er löste das Problem kurzerhand, indem er Merkel zur Bundesministerin für Frauen und Jugend machte.
So macht man das.
"Die wäre gleichzeitig weiblich, schwarz und ausländisch..."
Nana, das gibt jeweils nur 1/3 Quotenpunkt ! :)
"... und Oxford hatte ein Jahr lang keinen Professor für Poesie." Hat das jemand bemerkt? War das eine arg schlimme Zeit für Oxford?