Elmar Diederichs: Was erlauben Gender?
Eine Analyse der Gründungsveranstaltung der Fachgesellschaft für Geschlechterstudien von Elmar Diederichs
Eigentlich wollte ich ein knochentrockenes Referat über den Inhalt der auf der Konferenz zur Gründung der deutschen Fachgesellschaft für Geschlechterstudien gehaltenen Vorträge abliefern, wollte nichts kommentieren, um dem Geschlechterkampf nicht etwa eine weitere, überflüssige Polemik hinzuzufügen, wollte informieren, um Verständnis zu erlauben und aufklären, damit Vorurteile auf beiden Seiten verschwinden würden.
Dieser Artikel wird völlig anders ausfallen.
Als ich am 29.1. in die TU Berlin zur Konferenz ging, habe ich erwartet, daß ich mit Verwunderung, Herablassung oder unterschwelliger Feindseligkeit empfangen und irgendwie eine Sonderhandlung bekommen werden würde. Stattdessen habe ich einfach nur unaufgeregte Konferenzroutine vorgefunden. Ich habe erwartet, daß diese ganz offen zum Ende Semesters stattfindende Konferenz alle möglichen Studentinnen und auch regionale Aktivistinnen aus der sozialen Bewegung des Feminismus anziehen und mobilisieren würde. Stattdessen war das Publikum fast durchweg akademisch, meist sogar hochkarätig, viele Professorinnen aus den Disziplinen Soziologie, Kulturwissenschaften oder Philosophie und andere, die sich im Wissenschaftsbetrieb etablieren konnten. Eine Professorin war aus Österreich angereist.
Zunächst berichte ich einige Fakten über die Konferenz, die zum Verständnis meiner Einschätzung wichtig sind oder die zu wissen einfach nur interessant sind.
(1) Die Organisatorinnen sprachen von 300 Anmeldungen. Durch Auszählen eines Blocks von Sitzen und Abschätzen der zur Überdeckung der insgesamt besetzten Sitze nötigen Anzahl von Blöcken bin ich auf knapp 260 Teilnehmer gekommen. Davon waren 23 Männer. Da eine Fotografin Bilder gemacht hat, wird es wohl auch eine Resonanz in der Presse geben oder schon gegeben haben.
(2) Die Fachgesellschaft gründete sich als gemeinnütziger Verein. Die Gründungsakte war zur Konferenz bereits gedruckt. Diskussionen über die ausgeteilte Satzung wurden nicht zugelassen mit dem Hinweis auf im Vorfeld stattgefundene Diskussionen - über die ich nichts herausbekommen konnte - und die Tagesordnung. Dies wurde vom Auditorium kritisiert und von der Vorbereitungs-AG auch als verbesserungswürdig zugegeben. Geändert hat es nichts.
(3) Jeder Wortmeldung ging eine kurze persönliche Vorstellung voraus, d.h. Name und berufliche Erfahrung, so daß man einen guten Überblick hatte über die akademische Provenienz des Redners. Eine nach meiner Ansicht schöne Angewohnheit. Es gab nur Vorträge von Frauen, aber nicht alle Wortmeldungen aus dem Auditorium kamen von Frauen. Namen werde ich in diesem Artikel nicht nennen.
(4) Vorträge auf Auftaktpodien verfolgen gewöhnlich das Ziel der Vereinigung und internen Versöhnung: Es werden daher meist auch extreme Randgruppen hofiert, um Mehrheiten und Konferenzdisziplin zu sichern und daher braucht man eventuelle, unrealistische Aussagen nicht allzu ernst zu nehmen. Insofern es - nach meinem Verständnis - aber überhaupt inhaltliche Auffälligkeiten in den vorformulierten und vom Blatt abgelesenen Vorträgen gab, waren das folgende Aussagen:
(A) Wir (die Frauen) wollen alles, aber nicht um jeden Preis.
(B) Das Alleinstellungsmerkmal der Gender Studies gegenüber allen anderen Wissenschaften ist ihre Reflektiertheit in Bezug auf ihre eigene Arbeit, ihre Methoden und ihren Forschungsgegenstand.
(C) Die Universitäten knüpfen die Verfügbarkeit von Wissen an das Vorhandensein autoritärer Macht.
(D) Der Feminismus ist inzwischen institutionalisiert.
(E) Ein Ziel der Fachgesellschaft ist die wissenschaftliche und politische Stützung der bisherigen Aktivität innerhalb der Gender Studies.
(F) Gender Studies werden an den Unis weiterhin marginalisiert.
(G) DFG-Anträge von Seiten der Gender Studies sind durchweg abgelehnt worden, was als Repressalie gegenüber den Gender Studies zu verstehen ist.
(H) Natur- und Ingenieurswissenschaften inklusive Mathematik haben noch großen Nachholbedarf in Sachen Gender, insofern nur wenig aktive Feministinnen in diesen Fächern zu finden seien.
Argumentiert wurde für die Wahrheit vorgetragener Thesen überhaupt nicht. Beispiele zur Veranschaulichung z.B. für (F) wurden nicht gegeben. Beides wurde anscheinend für selbstverständlich gehalten.
(5) Als Reaktion auf (G) wurde im Auditorium die Forderung laut, die Menge der der DFG zur Verfügung stehenden Gutachter zu unterwandern, um künftig sicher sein zu können, daß die Projekte der Gender Studies die finanzielle Unterstützung bekämen, die sie verdienten. Dem widersprach keiner der Anwesenden.
(6) Ich konnte nicht erkennen, daß die Teilnehmerinnen einem bestimmten Typ von Persönlichkeit entsprächen. Ein skurriles Auftreten im Sinne von von Paradiesvögeln hatten eher einige Männer. Insgesamt war die Atmosphäre erstaunlich steif und wurde nicht einmal von einigen einsam und künstlich wirkenden persönlichen Sympathiebekundungen aufgelockert: Kein Vergleich zu der Freude, die man z.B. in den Gesichtern vieler Mathematiker sieht, wenn sie auf Konferenzen Kollegen sehen, die zu treffen sie sonst keine Zeit haben und ihrem ubiquitär verbreiteten “Feel free to join us!”. So richtig Leben kam in das Auditorium nur, wenn es darum ging, politische Unkorrektheiten der Rednerinnen zu korrigieren und - etwas später - bei der Frage, inwieweit Soziologen den Gender Studies inhaltlich das Wasser abgraben bzw. abgraben dürfen.
(7) Warum Auditorium und Vorbereitungs-AG viel Zeit mit gegenseitigen Versicherungen verbrachten, Räume für Diskussionen schaffen zu wollen, anstatt einfach mal zur Sache zu reden, weiß ich nicht. Einige Frauen machten durchaus sehr kluge Bemerkungen, die nach zu vielen Wortwolken kurz, knapp und in geschliffener Sprache den aktuellen Stand der Diskussion wieder auf den Punkt brachten. Es gab auch konkrete Berichte über Probleme und Fragen nach dem Woher und Wohin der Gender Studies aus dem Auditorium - z.B. was man den Studenten der Gender Studies bloß antworten könne, wenn sie ihre Professorinnen fragten, welche Kernkompetenz und spezifischen Methoden sie eigentlich erlernen würden, und mit welchen besonderen Fähigkeiten sie sich für welchen Beruf später empfehlen könnten. Doch diese Stimmen konnten sich nicht durchsetzen, konnten nichts in Gang setzen, das ohne sie wohl nicht passiert wäre - und schon gar keine Diskussion um die Probleme, Topics oder Forschungsinteressen der Gender Studies. Es blieb weitestgehend bei Erklärungen, die auch Politiker bevorzugen, wenn sie sich ihre Optionen offenhalten wollen.
(8) Eine Naturwissenschaftlerin aus dem Auditorium fragte die Vorbereitungs-AG, was Gender eigentlich bedeute. Originalton:“Wo bleiben die Männer?”. Nachdem das Gelächter im Auditorium abgeebbt war, lautete die offizielle Antwort wörtlich: “Die soziale Bewegung des Feminismus ist ein großes motivationales Reservoir für die Gender Studies und so sollten wir das auch hier halten.” Niemand widersprach. Das GenderKompetenzZentrum der HU Berlin z.B. sieht das auf seiner website unter dem Stichwort Frauenförderung übrigens völlig anders.
(9) Zur Frage der Sektionen und Aufgaben der Fachkonferenz berichtete eine Soziologin, daß sie in einem Ausschuß für Gender-Fragen in der Mathematik sitze, wo sie mit ihren Kolleginnen aber gar nicht richtig arbeiten und Ergebnisse produzieren könnte, weil ihnen der Einblick und das Verständnis der mathematischen Wissenschaften fehle. Sie seien alle Soziologinnen und bräuchten dringend eine Anlaufstelle, wo sie sich fachlichen Rat holen könnten. Das könne eine Fachgesellschaft vielleicht organisieren.
Aha.
Soziale Phänomene folgen immer einer Verteilung und Statistiken sind dann eine schöne Sache, wenn man weiß, welche Merkmale informativ sind. Doch daraus folgt nur, daß Personen Regeln der sozialen Erwünschtheit unterschiedlich konsequent befolgen oder sie gelegentlich missverstehen. Nicht jedoch, daß diese Regeln selbst statistisch sind. Aus diesem Grund können wir z.B. am konkreten Fall lernen, was unhöflich ist und niemand muß erst 50 Freundschaften durchleben, damit er mit diesem statistischen Wissen in der 51-ten etwas mit wahrscheinlichem Erfolg besser machen kann. Und genau aus demselben Grund bin ich berechtigt, anzunehmen, daß nach den Überzeugungen der Sprecherinnen nichts, was sie selbst sagten, irgendwelchen Qualitätskriterien derjenigen Community, in der sie es sagten, widersprechen.
Ich stehe nicht besonders auf Fußball, aber um mit Trapattoni zu sprechen: “Was errrlauben Genderrr?”
Wir wollen mit der oben genannten Begründung einmal annehmen, daß die Ereignisse der Konferenz einen repräsentativen Einblick in das akademische Projekt der Gender Studies. Uns kann niemand verbieten, diesen Einblick mit den Implikationen der Tatsache zu konfrontieren, daß Emanzipation die Befreiung aus gesellschaftlichen Abhängigkeiten und der Gewinn von Selbständigkeit für bis dato ungerechterweise unterdrückte, benachteiligte und unselbstständige Personen oder Gruppen bedeutet. Geben wir letzteres zu, so müssen wir das Wissen über die Rolle des sozial konstruierten Geschlechtes für die Erzeugung von gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten mit einem Verfallsdatum versehen, da in einer Gesellschaft von Gleichgestellten der Kampf gegen Unterdrückung seinen Witz verliert. Wir müssen außerdem schließen, daß Emanzipation eine Forderung an die Frauen ist, für sich selbst einzustehen, anstatt zu ihrer personalen Autonomie gehörende Aktivitäten von Männern ausüben zu lassen. Das bedeutet harte Arbeit zur Erlangung von Kompetenzen bei der Ausübung von Chancen, von denen sie zu einem früheren Zeitpunkt einmal ausgeschlossen waren: Emanzipation ist für manche Betroffene, wie zum Beispiel Frauen, wirklich kein Ponyhof. Sie kann aber durchaus angenehm sein, zum Beispiel für Männer, die ohnehin nie an einer Störung ihres Geltungsdranges gelitten haben.
Außerdem: Wissen über Emanzipation ist - nicht anders als z.B. Soziologie oder Philosophie - eine Reflexion über die bisherigen Kulturleistungen einer Gesellschaft. Als Non-Profit-Beschäftigung ist es in einer Marktwirtschaft einem nicht unerheblichen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt. Den Naturwissenschaften oder der Mathematik fällt es sehr viel leichter, sich ihre ökonomische Existenzberechtigung zu verdienen.
(i) Betrachten wir von diesem Standpunkt aus (G) (Ablehnung durch DFG) und (5) (Unterwanderungsvorschlag) zusammen mit (6), i.e. der Tatsache, daß das Auditorium gut mit im Wissenschaftsbetrieb erfahrenen Wissenschaftlerinnen besetzt war. Wenn ein Phänomen x durch y erklärt werden kann, dann folgt daraus bekanntlich nicht, daß diese Erklärung auch wahr ist. Als DFG würde ich es mir sehr gut überlegen, Projekte bei den Gender Studies zu finanzieren, die zum Beispiel bei den Soziologen schon einmal bezahlt wurden - was die Aversionen der anwesenden Gender-Forscherinnen gegenüber den Soziologen gleich miterklären würde. Ein ähnliches Schicksal wie die Gender Studies trifft übrigens auch die Sportwissenschaften, die von der DFG nicht als förderungsfähige Disziplin anerkannt sind: Warum eigentlich kommen Sportwissenschaftler nicht auf die Idee, daß die DFG z.B. von der Lebensmittelindustrie gekauft und unterwandert wurde? Natürlich ist das alles den auf der Konferenz anwesenden Wissenschaftlerinnen ebenfalls sonnenklar. Schließlich haben sie in anderen Disziplinen bereits reüssiert. Das kann nur bedeuten, daß für die Gender Studies bereits nicht-leistungsbezogene Forschungsförderung etabliert, aber bei der DFG noch nicht angekommen ist.
(ii) Betrachten wir nun (7) zusammen mit (B): Wenn es wahr ist, daß selbstreflektiertes Vorgehen in wissenschaftlichen Anstrengungen das Alleinstellungsmerkmal der Gender Studies ist (7), dann stellt sich die Frage, wieso niemand den Studierenden der Gender Studies sagen kann, wie sie mit ihrem gender-spezifischen Wissen an der Wertschöpfungsgesellschaft produktiv teilnehmen können - es sei denn, daß sie sich der Fähigkeiten anderer Disziplinen bedienen und im übertragenen Sinne eine alte Blume lediglich umgetopft wurde. Oder aber (B) ist falsch. Dann aber fragt sich, wie Forscherinnen der Queer Studies diejenigen spezifischen Methoden, von denen sie ohne Reflexion natürlich nicht wissen, nutzbar machen könnten für die Selbstreflexion anderer Wissenschaften. Trotz dieser ganz offen diskutierten Probleme legt sich die Konferenz dank (F) auf die Aussage fest, daß ihre Bedeutung systematisch unterschätzt wird. Meines Wissens nach erlaubt sich keine andere wissenschaftliche Disziplin gegenwärtig eine solche Hochnäsigkeit.
(iii) Seit Jahren ziehen sich die Universitäten aus der Forschungsfinanzierung zurück und dieser Trend ist ungebrochen. Das ist politisch gewollt und erzeugt für Wissenschaftler einen zusätzlichen ökonomischen Rechtfertigungsdruck, der über Evaluationsrichtlinien und Gutachter ausgeübt wird. Daher besteht die hohe Kunst der Drittmittelbeschaffung darin, Hypes in der Forschungsfinanzierung auszunutzen, und zwar mittels erfolgreich durchführbarer Projekte in einer Weise, dass sie die jeweilige Disziplin trotzdem voranbringen. Selbstverständlich werden das fast alle Teilnehmerinnen der Konferenz sehr gut wissen. Der ökonomische Druck ist schließlich gewaltig. Eine Organisation, die eine Fachdisziplin wissenschaftlich und politisch unterstützen will, wird von den Wissenschaftlern daher nur angenommen, wenn sie ihnen in der angegebenen Weise nützt. Nur dann werden sie ihre knappe Zeit in die neue Fachgesellschaft investieren und sie am Laufen halten. Es war daher entweder besonders dumm oder besonders dreist, nicht per Beamer-Vortrag inhaltliche Strategien oder Visionen vorzutragen und mit dem Auditorium über deren Vor- und Nachteile im Hinblick auf die künftige Finanzierung von Projekten oder deren inhaltlichen Impulse für die gemeinsame Sache zu diskutieren, sondern lediglich durch ein lockeres Brainstorming seitens des Auditoriums Schlüsselbegriffe zu produzieren, die mit Papier und Klebeband auf eine Tafel gepappt wurden. Von besonderem Selbstvertrauen kann dies wegen (7) und (ii) nicht zeugen. Aber dumm waren die Teilnehmerinnen nach meiner Einschätzung nun wirklich nicht. Stattdessen wäre es für jede andere wissenschaftliche Disziplin selbstmörderisch, in aller Öffentlichkeit zu verkünden, die begutachtende Institution durch eigene Parteigänger unterwandern zu wollen. Ganz klar - so verhält sich nur jemand, der sich nicht vorsehen muß, weil er glaubt, die Konsequenzen seines Verhaltens nicht tragen zu müssen.
(iv) Wer beim Lesen der offiziellen Antwort durch die Vorbereitungs-AG über die Vernachlässigung der Männer empört war (8),, der hat den entscheidenden Punkt an der Sache möglicherweise übersehen: Denn hier wird die inhaltliche Ausrichtung mit dem drohenden Verlust der Wirkungsmacht der Gender Studies und nicht mit der oben genannten Idee der Emanzipation begründet. Mit anderen Worten: Das Anliegen der Frauen unter dem Aspekt der Emanzipation interessiert die Fachgesellschaft genauso wenig wie die gesellschaftlichen oder sozialen Ungerechtigkeiten gegenüber Männern. Deshalb und wegen (i), (ii) und (iii) betreiben die Gender Studies nichts anderes als Lobbyarbeit. Lobbyarbeit, die sich in nichts von der der Energieunternehmen unterscheidet. Angesichts dessen müssen wir wohl strikt unterscheiden zwischen der Emanzipation als Derivat der Gerechtigkeit, der sozialen Bewegung des Feminismus und den Gender Studies, so wie sie von der Fachgesellschaft als akademische Lobby repräsentiert werden. Und wie in anderen Vereinen auch setzen sich in den Gender Studies offenbar nicht die klugen Frauen durch, denen es noch um die Sache geht, sondern die mittelmäßigen Parolenwiederholerinnen und Populistinnen, die die Gender Studies offenbar längst als Vehikel für ihre eigenen, ganz individuellen Interessen der Existenzsicherung oder der Geltungssucht, der persönlichen Ressentiments oder was-weiß-ich, entdeckt haben. Schade.
(v) Wer meine These von den Gender Studies als Lobbyvereinigung bezweifelt, der möge einen Blick auf (9) werden: Wie kommen eigentlich genderinteressierte Soziologinnen zu einem Job, den sie nach eigenen Angaben allein nicht bewältigen können, für den sie nicht qualifiziert sind? Mit Leistungsgerechtigkeit kann das Angebot eines solchen Arbeitsvertrages offenbar nichts zu tun haben. Es sieht mehr nach einer Scheinbeschäftigung aus, für die es politische Gründe gegeben haben muß, die andere unterdrückte Randgruppen, zum Beispiel Homosexuelle nicht für sich geltend machen können. Daß diese Gender-Forscherinnen solche Arbeitsverträge überhaupt unterzeichnen, ist ein Schlag ins Gesicht der Emanzipation. Denn die verlangt bekanntlich von Frauen, für sich selbst einzustehen und aus eigener Kraft, Kompetenz und Leistung sich ein Leben aufzubauen, anstatt es wie ihre angeblich noch in Ketten liegenden Geschlechtsgenossinnen von der Gesellschaft per ungesichertem Kredit zu leihen.
Aus diesen Gründen mache ich mich hier für die These stark, die Auseinandersetzung mit dem Gender Mainstreaming nicht nur auf sachlicher Ebene und mit sachlichen Mitteln, sondern auch auf politischer Ebene und mit allen politischen Mitteln zu führen. Denn Emanzipation als Derivat der Gerechtigkeit ist einfach zu wichtig, um sie einer Lobbyveranstaltung wie der Fachkonferenz für Gender Studies zu überlassen. Das wäre etwa genauso intelligent, wie die Aufgabe der Verbesserung der Volksgesundheit der Zuckerindustrie zu überlassen. Denn solange es politisch korrekt ist, die Bequemlichkeiten des Patriachats mit den feministischen Vorrechten des Gender Mainstraming zu kombinieren, fügen Genderisten den lokalen Ungerechtigkeiten der Gesellschaft lediglich neue hinzu, anstatt den Gesamtzustand der Gesellschaft zu verbessern.
Alfred Kerr hat einmal seinen Kritikern erwidert, daß er selbst kein Ei legen können müsse, um beurteilen zu können, was ein gutes und was schlechtes Ei sei. Obwohl er damit Recht hat, ist es für uns Männer ziemlich einfach, anzugeben, was wir stattdessen von der sozialen Bewegung der Emanzipation erwarten:
Liebe Frauen, die meisten von uns sind bereits emanzipiert und das fiel uns leicht, denn im Patriachat tragen die Männer die Verantwortung und deshalb sind wir es gewohnt, etwas zu leisten. Wir wollen euch nicht umwerben oder aus brennenden Burgen retten, sondern wir erwarten eure unaufgeforderte Initiative in allen Bereichen des sozialen Lebens. Wir wollen weder Märchen von der genetischen Überlegenheit der xx-Chromosomenkombination hören noch an der Beweihräucherung eingebildeter emotionaler oder sozialer Fähigkeiten teilnehmen, die ja doch zu nichts mehr als eurer Entscheidungsunfähigkeit führen. Und ihr könnt nicht erwarten, daß solche Absurditäten unsere Sympathie für die feministische Bewegung herausfordern. Stattdessen erwarten euch als starke und unabhängige Partnerinnen, die uns zur Seite stehen, die Probleme in dieser Welt zu bewältigen und wenn ihr weniger könnt, dann werden wir euch zu Recht nicht respektieren. Denn während ihr Zeit damit verschwendet, euch zu beklagen, anstatt euch zu erfinden, warten wir darauf, daß wir stolz auf euch sein können und niemals werden wir uns in anspruchsvolle Babys verlieben.
Klar, was ich meine?
Und wenn unter diesen Umständen überraschenderweise doch für eine auf diese Weise arbeitende feministische Bewegung Lobbyarbeit nötig sein sollte, dann sind Männer mit Sicherheit ganz vorne mit dabei.
Um meine Einschätzungen noch zusätzlich zu überprüfen, habe ich diese ganze Geschichte vor der Publikation dieses Artikels verschiedenen Männern und Frauen erzählt und wurde dabei durchweg als Radikal-Feminist eingeordnet. So habe ich die Sache - ehrlich gesagt - noch nie gesehen, aber möglicherweise ist das der Grund, warum ich mir immer ziemlich schnell den Zorn von Feministinnen zuziehe, wenn ich fordere, die Frauen endlich von der schlimmsten Geißel zu befreien, die sie haben - den Frauen.
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Ja, da wurde vieles sehr differenziert betrachtet. Warum aber muss Mann zum Schluss so abrutschen und Sätze schreiben wie: „Denn während ihr Zeit damit verschwendet, euch zu beklagen, anstatt euch zu erfinden, warten wir darauf, daß wir stolz auf euch sein können und niemals werden wir uns in anspruchsvolle Babys verlieben.“ Das war, wie Trapattoni sagen würde „…schwach wie eine Flasche leer!"
>(H) Natur- und Ingenieurswissenschaften
>inklusive Mathematik haben noch großen
>Nachholbedarf in Sachen Gender,
>insofern nur wenig aktive Feministinnen
>in diesen Fächern zu finden seien.
Dass wenige Feministinnen in diesen Disziplinen zu finden sind, insbesondere in deutschland, liegt daran, dass so wenig Frauen darin zu finden sind.
Wurde dazu nichts mehr gesagt?
Es ist, das muss ich ich dazusagen, ein deutsches Problem. Ich habe in meinem Ingenieursberuf viel mit kleinen und großen Unternehmen zu tun. Ich kann gehen, wohin ich will, nach Frankreich, nach Russland, nach Italien, nach Spanien, in die USA, überall habe ich mit Ingenieurinnen oder technischen projektleiterinnen zu tun. Das ist da gar kein Thema mehr.
Nur in Deutschland treffe ich nur ganz vereinzelt auf Ingenieurinnen, und gleichzeitig ist es hier ein großes Thema.
Es vergehen im Gespräch mit (deutschen) Frauen meist keine 10 Sekunden, bevor der Vorschlag kommt, reine Frauengymnasien einzurichten. Begründung: Das Lernen zusammen mit männlichen Schülern schrecke Mädchen von den Naturwissenschaften ab.
Doch, doch, das erzählten mir deutsche Juristinnen, deutsche Soziologinnen, deutsche Journalistinnen und andere Expertinnen für naturwissenschaftliche Studiengänge. Komischerweise kommen von deustchen Ingenieurinnen kaum soche Vorschläge.
Interessanterweise war auch keine der amerikanischen, franzoesischen, russischen, spanischen, britischen oder italienischen Ingenieurinnen auf einer segregierten Schule.
Die postulierte abschreckende Wirkung muss also aus irgendwelchen Gründen nur in Deutschland wirken, und nicht beispielsweise in Italien, diesem Land, das ja schon immer als Hochburg der Gleichberechtigung bekannt ist und dessen Männer schon von alters her bekanntermaßen bereit waren, Frauen in "Männerberufen" zu akzeptieren.
>Warum aber muss Mann zum Schluss so
>abrutschen...
>Das war, wie Trapattoni sagen würde „…schwach
>wie eine Flasche leer!"
Ich freue mich, daß Sie ein so schönes Beispiel für meine These abgegeben haben, daß Frauen es oft vorziehen, die Bequemlichkeiten des Patriachats mit den einseitigen Bevorzugungen des Feminismus zu kombinieren, ohne daß sie - quasi als Ausgleich einseitiger Vorteilsnahme - auch nur daran denken würden, für sich selbst einzustehen: Denn sowie die Rede darauf kommt, daß Sie persönlich für Ihrem Lebenserfolg haftbar gemacht werden sollen, fangen Sie an, mich zu beleidigen.
Natürlich freue ich mich auch darüber, daß Sie meinen Artikel differenziert finden. Daß Sie dies aber nicht zu zusätzlichen eigenen inhaltlichen Beiträgen führt, ist ebenso wenig unerwartet wie erfreulich. Selbstverständlich stehe ich gern als Zielscheibe für Ihre ressentiments zur Verfügung, aber mit Ihnen zur Sache zu diskutieren, wäre mir sehr viel lieber.
"Dass wenige Feministinnen in diesen Disziplinen zu finden sind, insbesondere in deutschland, liegt daran, dass so wenig Frauen darin zu finden sind.
Wurde dazu nichts mehr gesagt?"
Ich bedaure sehr: Nein. Dabei ist das auch so nicht gamz richtig, denn in Mathematik liegt die Frauenquote seit mindestens 20 Jahren zwischen 40-50%. Für Physik sind es um die 25%. Die Ingenieurswissenschaften stehen wohl etwas schlechter da.
"Doch, doch, das erzählten mir deutsche Juristinnen, deutsche Soziologinnen, deutsche Journalistinnen und andere Expertinnen für naturwissenschaftliche Studiengänge."
Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wenn ich mich unter Soziologiestudenten umhöre und bitte, den Frauenanteil in der Mathematik zu schätzen, höre ich in der Regel Zahlen zwischen 1% und 5% - obwohl das weit von der Realität entfernt ist.
"Interessanterweise war auch keine der amerikanischen, franzoesischen, russischen, spanischen, britischen oder italienischen Ingenieurinnen auf einer segregierten Schule."
Das legt die Vermutung nahe, daß es andere kulturelle Gründe gibt, warum Frauen den Ingenieurswissenschaften nicht wohlgesonnen sind: An den Männer scheint es nach Ihren Berichten nicht zu liegen.
Leider habe ich selbst dazu im Moment keine plausible Vermutung.
"Es vergehen im Gespräch mit (deutschen) Frauen meist keine 10 Sekunden, bevor der Vorschlag kommt, reine Frauengymnasien einzurichten. Begründung: Das Lernen zusammen mit männlichen Schülern schrecke Mädchen von den Naturwissenschaften ab."
In einem gewissen Sinne ist das doch gar keine schlechte Idee: Wie wäre es mit einem großangelegten Feldversuch? Wie trennen eine Teilgruppe der Schüler nach Männer von Frauen und lassen sie zu gleichen Teilen von männlichem und weiblichen Lehrkräften unterrichten. Dann warten wir ein paar Jahre und sehen uns das Resultat an.
Ich frage mich, warum das nicht gemacht wird.
Ach kommen Sie, Sie wissen doch ganz genau, dass man in einem sachlichen aufgemachten Artikel nicht plötzlich so einen Schluss schreiben kann. Außerdem hat Sie kein Mensch beleidigt, mit „…schwach wie eine Flasche leer!" meinte ich nicht Sie persönlich, sondern das Stroh, das hier gedroschen wurde. Frau war halt enttäuscht, dass nach dem guten Einstieg der Schluss so dürftig ausfiel.
Gerne gehe ich jedoch auf einige andere Aspekte ein. Ursprünglich war und ist der Feminismus ja keine einheitliche Bewegung. Um mir eine Zusammenfassung zu ersparen, siehe hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Feminismus
„Die Gender Studies entwickelten sich aus den Women's Studies, die ca. 1970 in einige US-amerikanische Universitäten entstanden. Die Women's Studies beschäftigten sich allein mit der wissenschaftlichen Betrachtung von Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft (vgl. „Weiblichkeit“) - dies allerdings zum ersten Mal aus feministischer Sicht. Unter anderem Virginia Price sah ein Defizit in dem Umstand, dass bisher zwar viel über Frauen geforscht worden war, allerdings immer nur von männlichen Wissenschaftlern und Autoren. Die Women's Studies sollten nun weibliche Lebenserfahrung sozialer und kultureller Realität als Grundlage der Wissenschaft nutzen. Der Unterschied zwischen der männlichen Sicht auf Frauen und der weiblich erfahrenen Realität sollte erörtert werden, und die männlich dominierten Theorien sollten revidiert werden. Einerseits sollte gezeigt werden, dass Männer und Frauen gleich und damit gleichberechtigt seien, andererseits wurde darauf beharrt, dass es eine eigene „Frauenkultur“ gäbe. In der Unvereinbarkeit dieser beiden Ansätze stießen die Women's Studies an ihre eigenen Grenzen. Aus diesem Dilemma entwickelten sich ca. 1975 die Gender Studies.“
http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Studies
Ja, und wie das in der Praxis aussieht, haben Sie ja nun selber gesehen.
Zu Ihrer Idee der reinen Frauengymnasien kann ich nur sagen, die gibt es hier in Bayern immer noch. Und warum es in Deutschland so wenige Ingenieurinnen gibt, hat man auch bereits erforscht.
Siehe hier, mit einem Ländervergleich (Statistik) auf Seite 139:
http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2009/208/pdf/BBzS4Gorlovopus.pdf
"Ach kommen Sie, Sie wissen doch ganz genau, dass man in einem sachlichen aufgemachten Artikel nicht plötzlich so einen Schluss schreiben kann."
Offensichtlich kann ich und ich finde ihn weiterhin sehr gut: Hier wurde die unter Männer offen diskutierte Enttäuschung über ihre Frauen knapp auf den Punkt gebracht. Aber wenn Sie mir sagen, was daran schlecht ist, habe ich ein natürlich ein offenes Ohr.
"sondern das Stroh, das hier gedroschen wurde. Frau war halt enttäuscht, dass nach dem guten Einstieg der Schluss so dürftig ausfiel."
Wäre ich der Meinung, Stroh zu dreschen, hätte ich etwas anderes geschrieben. Vielleicht verraten Sie mir, was sie zu lesen sich gewünscht hätten?
Das pdf kann ich wohl nicht vor heute Abend lesen.
Diese Studien giebt es durchaus.
Nur erinnern diese an die frühen 60er,als
es hieß,es gäbe einen geheimen patriarchalen Lehrplan, zu Ungunsten der Mädchen.Es ist einer der Hauptgründe für
flächendeckende Koedukation der nach-68er.
Kurz gesagt, das Ergebnis dieser Studie dürfte Feministinnen nicht gerade zum jubelieren veranlassen,obwohl es offensichtlich auch den Mädchen hilft.
Nur sind sie nicht mehr besser.
Hier ein Link:
http://boyseducation.blogspot.com/2009/08/single-sex-schools-better-research.htm
mgg
Danke, Herr Dederichs für die Mühe, die Sie sich gemacht haben.
Ihr Bericht hat einige meiner Vorurteile gegenüber Gender Studies zwar nicht ausgeräumt, aber doch abgemildert, eines aber ganz massiv bestärkt.
Dasjenige nämlich, dass Gender Studies im Wesentlichen ein Etikettenschwindel sein könnten.
Es scheint nämlich nur ein Gender zu geben, das sie erforschen, die Gender Studies: das der Frauen.
Was wurde denn über die Situation von Jungen/Männern ausgesagt?
Interessiert die überhaupt?
Es sollte doch nicht nur z.B. um fehlende Ingenieurinnen gehen (23% weibliche Absolventen in Deutschland zu 29% in Schweden), sondern auch um fehlende Tierärzte (20% zu 80% Tierärztinnen), um fehlende Abiturienten(43% zu 57%), um Obdachlose(80% männlich), um Zwangsverpflichtete (100% männlich), um Selbstmörder(80% männlich), um chronisch Kranke(60% männlich), um die Lebenserwartung (rund 6 Jahre geringer bei Männern), um Berufsunfalltote (94% männlich) usw.
Das sind doch auch nicht ganz ungravierende Probleme, die vor allem ein Gender betreffen, nur eben nicht das der Frauen.
Wird dazu auch geforscht in den Gender Studies?
Oder interessiert das nicht?
Weil Gender Studies in Wahrheit Frauenforschung bedeutet, von FeministInnen (sind ja immerhin rund 10% Männer mit von der Partie gewesen, genau 9,9% mehr als ich erwartete) für FeministInnen als Handreichung zur Begründung und Rechtfertigung von frauenfördernder Frauenpolitik.
"Dasjenige nämlich, dass Gender Studies im Wesentlichen ein Etikettenschwindel sein könnten."
Ja, ich denke, man sollte dieser Frage sehr genau nachgehen. Abschließend beantworten kann ich sie nicht.
"Es scheint nämlich nur ein Gender zu geben, das sie erforschen, die Gender Studies: das der Frauen."
Dem kann ich nicht ohne weiteres zustimmen: Wie gesagt, ein Blick auf die sites der HU Berlin zeigt, daß es auch andere Stimmen gibt. Wie das Kräfteverhältnis tatsächlich aussieht, kann ich im Moment nicht sagen.
"Was wurde denn über die Situation von Jungen/Männern ausgesagt?"
Darüber wurde kein Wort verloren und soweit ich meine Eindrücke zusammenfassen kann, wurden Gender-Interessierte, die solche Fragen stellen im Günstigsten Falle belächelt.
"Es sollte doch nicht nur z.B. um fehlende Ingenieurinnen gehen"
"Das sind doch auch nicht ganz ungravierende Probleme, die vor allem ein Gender betreffen, nur eben nicht das der Frauen."
Das stimmt selbstverständlich.
"Wird dazu auch geforscht in den Gender Studies?"
Leider fehlt mir der Überblick, um diese Frage beantworten zu können und auf der Konferenz wurde darüber nicht berichtet.
Ich stehe mit meinem Versuch, Gender Studies auch inhaltlich einzuschätzen, noch am Anfang.
Ich meine aber, mich zu erinnern, daß der Trend zur höheren Lebenserwartung bei Frauen damit zusammenhängt, daß ältere Männer zum einen höhere Risiken eingehen z.B. beim Sport und zum anderen in der Medizin über Frauen seit Jahrzehnten mehr geforscht wird als über Männer. Die Gründe kenne ich leider nicht. Aber vielleicht kann ein Mediziner hier aushelfen?
Darum sterben Männer früher als Frauen:
http://www.manndat.de/index.php?id=41
Danke für den informativen link. Schön, wenn ein Text so gründlich mit Quellenangaben versehen wird.
Andererseits habe ich nach dem Text bereits am frühen Morgen schlechte Laune bekommen: Vielleicht sollte ich mir einen button machen, wo draufsteht "Sklave". :-(
Manchmal frage ich mich, warum ich überhaupt noch sachlich diskutiere. Jedenfalls habe ich nicht zum letzten Mal, die Frage der Geschlechtergerechtigkeit in einem Artikel thematisiert. Ich nehme an, sie verstehen mich.
"Es gab nur Vorträge von Frauen"
Falsch. Samstagvormittag sprach Michael Meuser.
"Falsch. Samstagvormittag sprach Michael Meuser."
Der Satz mit dem Datum in meinem Artikel ist so zu verstehen, daß ich NUR am Freitag da war. Ich bitte um Entschuldigung für die offenbar nicht völlig präzise Ausdrucksweise.
Der erste Tag einer Konferenz ist normalerweise der Wichtigste und der letzte so ziemlich nebensächlich. Kenn ich jedenfalls so und auch meine Zeit ist knapp. Wenn es aber vom Samstag interessante Ergänzungen gibt, sind die hier natürlich willkommen.
Zu. "(...)Eine Naturwissenschaftlerin aus dem Auditorium fragte die Vorbereitungs-AG, was Gender eigentlich bedeute. Originalton:“Wo bleiben die Männer?”. Nachdem das Gelächter im Auditorium abgeebbt war, lautete die offizielle Antwort wörtlich: “Die soziale Bewegung des Feminismus ist ein großes motivationales Reservoir für die Gender Studies und so sollten wir das auch hier halten.” Niemand widersprach."
Das habe ich anders in Erinnerung. Wenn ich mich recht erinnere, lautete die Antwort sinngemäß, dass "gender" immer "Männer und Frauen" meint. Daraufhin gab es einen Einwand und die Rednerin korrigierte sich, indem sie ergänzte: Ich meine nicht nur "Männer und Frauen", sondern "alle Geschlechter". An viel Gelächter kann ich mich auch nicht erinnern. Vielleicht war der/die ein oder andere aufgrund der Frage überrascht, weil eigentlich Konsens darüber besteht, dass mit "gender" nicht nur Frauen gemeint sind.
"Das habe ich anders in Erinnerung."
Tut mir leid: Das ist soweit von meiner Erinnerung weg, daß ich mich frage, ob wir von derselben Szene sprechen. Die Frage stellte eine Zahnmedizinerin zwischen dem ersten und dem zweiten talk. Sie saß rechts unten betrachtet von der Tafel ins Publikum blickend. Ich fand die Frage so entscheidend, daß ich die Antwort mitgeschrieben habe. Wie unter diesen Umständen ein Irrtum von meiner Seite zustande kommen könnte, ist mir im Moment unklar. Vielleicht erinnern Sie sich, wenn Sie daran denken, daß sie die einzige Frau aus dem Auditorium war, die sich nicht vorstellte und erst nach den ersten 3 talks bei einer anderen Gelegenheit erwähnte, "daß das bei ihr in der Zahnmedizin so-und-so laufe". Es war die erste oder zweite Frage aus dem Auditorium, die auf der Konferenz überhaupt gestellt wurde.
"Vielleicht war der/die ein oder andere aufgrund der Frage überrascht, weil eigentlich Konsens darüber besteht, dass mit "gender" nicht nur Frauen gemeint sind."
Das wäre begrüßenswert, war aber nicht der Fall.
"Daraufhin gab es einen Einwand und die Rednerin korrigierte sich, indem sie ergänzte: Ich meine nicht nur 'Männer und Frauen', sondern 'alle Geschlechter'. An viel Gelächter kann ich mich auch nicht erinnern."
Sie haben recht: Daran erinnere ich mich auch. Aber die Szene kam viel später und Sie sprechen von einer Vortragenden und nicht wie ich von einer Teilnehmerin aus dem Auditorium. Gelacht wurde dabei überhaupt nicht. Im Gegenteil, es erhob sich eher Gemurmel als Zeichen des Unmuts.
Fällt es Ihnen wieder ein?
"Vielleicht sollte ich mir einen button machen, wo draufsteht "Sklave". :-("
:)
Das ist ja immerhin schon ein Schritt zur Erkenntnis der Situation von Durchschnittsmännern in der heutigen, femizentrischen Gesellschaft, die um die Befriedigung weiblicher Bedürfnisse kreist bei Mißachtung männlicher.
Der Sozialstaat kann nur solange funktionieren, solange Männer zu einem hohen Anteil zur Selbstausbeutung bereit sind, denn ihre Erwerbsarbeit finanziert den Sozialstaat zu 2/3.
Raten Sie mal, welches Geschlecht das Gros der Versorgungsleistungen kassiert.
Wenn immer mehr Männer nur noch gerade so viel arbeiten, dass sie als Single davon einigermaßen gut leben können, werden die Steuereinnahmen, die den Sozialstaat tragen, nicht mehr zu erwirtschaften sein.
Was aber motiviert Männer dazu, mehr zu erarbeiten als sie selbst verbrauchen?
Ich denke, die Aussicht auf Familie und EIGENE Kinder ist es.
Um die zu versorgen, sind Männer bereit das Surplus zu leisten.
Aber die Zahl der Männer, die das können und wollen wird immer geringer, dank Bildungssituation der Jungen und dem, was Männer in Scheidungsverfahren erleben.
Das spricht sich ja rum.
Viele kommen zu dem Schluß, dass sich Ehe, Familie, Kinder nicht nur nicht mehr lohnen, sondern dass sie zu einem unkalkulierbaren Risiko geworden sind, weshalb sich auch die Tretmühle nicht mehr lohnt, in die ein Mann einsteigen und in der er sich bewähren muss, um überhaupt die Aussicht zu haben, als Langzeitpartner bei vielen Frauen, die ja nach wie vor den "Versorgermann" begehren, in die engere Wahl zu kommen.
Männer verlieren die Lust an ihrer Selbstversklavung in zunehmendem Maße, verlassen das Hamsterrad oder steigen erst gar nicht ein.
Eine Frau kann heute in einer Ehe einem Mann glaubwürdig drohen: "Wenn Du nicht in meinem Sinne funktionierst, lass ich Dich aus der Wohnung/dem Haus werfen (Gewaltschutzgesetz, funktioniert so nur für Frauen), behaupte, Du seist ein Frauenschläger, lasse mich scheiden, behalte MEINE Kinder und entfremde sie Dir, behalte darüber hinaus Wohnung/Haus, und Du darfst daa Ganze finanzieren."
Das immer noch Männer diesen Vertrag (Ehe), abschließen und sich auf's Kinderzeugen einlassen erstaunt mich.
Damit liefern sie sich auf Gedeih und Verderb dem Willen der Frau aus, der sie sich verakkordiert haben.
Hoffentlich verdient sie das Vertrauen.
Wenn sich ein Mann getäuscht hat, an die Falsche geraten ist, dann wird er sehr schnell lernen, auf wessen Seite Gesetzgebung, Rechtsprechung, Jugendämter etc. stehen.
Nicht auf Seiten des "Sklaven".
Der hat zu funktionieren.
So ist das im femizentrischen Staat.
Männliche Bedürfnisse sind da nicht so wichtig.
Minderwertig ist das ohnehin, was die groben Kerle wollen.
Hauptsache, sie tun ihre Pflicht und finanzieren klaglos die weibliche Selbstverwirklichung.
Ich nehme an, all das ist kein Thema für Gender Studies, die Gefühlslagen von Männern im femizentrischen Staat.
Denn alles, was nicht dazu dienlich sein kann, den Opferstatus der Frau zu legitimieren, scheint außerhalb des Erkenntnisinteresses dieser "Wissenschaft" zu liegen.
"Ich nehme an, all das ist kein Thema für Gender Studies, die Gefühlslagen von Männern im femizentrischen Staat."
Ich habe jedenfalls noch nie davon gehört. Aber vielleicht kann man das hier in den blogs mal thematisieren. Fragt sich nur, wer sich als erster traut.
Ich erinnere mich, wir sprechen von der selben Szene, die wir völlig unterschiedlich wahrgenommen haben. Wahrgenommene Wirklichkeiten können verschieden sein, wie dieses Beispiel wieder zeigt.
Zur Abwechslung mal zwei Frauenstimmen, die ganz anders klingen.
Christl Vonholdt: "Sexuelle Identität" ins Grundgesetz?
Christa Meves: Neue Akzente im Familienministerium