brainlogs Geschlechtsverwirrung

Feministinnen fordern mehr Glück an den Universitäten

von Ferdinand Knauß, 27. August 2009, 17:00

Die angebliche Diskriminierung ist die argumentative Allzweckwaffe aller, die im Namen irgendeines Kollektives "mehr" fordern. Zum Beispiel "persönliches Glück". In einem dieser unsäglichen und unzähligen Sammelbände der Geschlechterforschung (Brigitte Aulenbacher, Birgit Riegraf: Erkenntnis und Methode. Geschlechterforschung in Zeiten des Umbruchs, Band 43 (!) der Reihe Geschlecht & Gesellschaft) schreibt Sigrid Metz-Göckel über "Diskrete Diskriminierungen und persönliches Glück im Leben von Wissenschaftler/innen".

Der Volksmund, der meist nicht ganz falsch liegt, empfiehlt: "Jeder ist seines Glückes Schmied." Aber was ist überhaupt "Glück"? Darüber haben sich die Philosophen die Köpfe zerbrochen und religiöse Menschen werden anders antworten als Agnostiker. "Strebe ich denn nach meinem Glück? Ich strebe nach meinem Werk", schrieb Nietzsche.

Frau Metz-Göckel hat sich keine besonders tiefen Gedanken darüber gemacht. Sie versteht unter dem persönlichen Glück den "Anspruch auf ein gutes Leben". Und im Gegensatz zum Volksmund sieht sie Glück als das Ergebnis gesellschaftlicher Anerkennung und Macht, das man einfordern kann.  

Leider ist Metz-Göckels Beitrag, wie so viele aus dieser akademischen Pseudo-Disziplin Geschlechterforschung ziemlich zäh und freudlos zu lesen, da schlecht gegliedert und kaum stringent durchargumentiert. Dennoch will ich ein paar Anmerkungen machen zu darin vorkommenden Denkfiguren und Argumenten, die typisch sind für die feministische Geschlechterforschung.

Metz-Göckel geht davon aus, dass Frauen (und besonders Wissenschaftlerinnen) generell alles Erstrebenswerte von der männlich dominierten Gesellschaft (und besonders der Wissenschaftsgemeinde) vorenthalten wird. Diese Prämisse ist leider unter ihresgleichen eine Selbstverständlichkeit, die nicht hinterfragt wird. Also packt sie, auch das ist üblich in diesen Kreisen, die "Diskriminierungs-Keule" aus. Mit der kommt man immer zum gewünschten Schluss.

Sie schreibt von den "Zumutungen, die Organisationsformen der Gesellschaft wie der Wissenschaft Frauen bereiten können, vor allem aber Müttern, die Wissenschaft als ihren Beruf betreiben." ... "Dagegen steht ihre Selbstbehauptung und ihr Verlangen nach einem 'guten' Leben mit Kindern und Beruf" ... "mit der wissenschaftlichen Arbeit glücklich zu sein, ohne ausschließlich auf sie fixiert zu sein"

Also ab man Glück (oder ein 'gutes Leben') einfordern könnte! Wie absurd ist das! Welche Vermessenheit! Demnach kann jede Wissenschaftlerin, die unglücklich ist, die Gesellschaft (die von bösen Männern dominiert oder besser "konstruiert" ist) dafür zur Rechenschaft ziehen. Das ist einer der Kampfrufe des Feminismus: "Gebt mir mein Glück, Männer!"

Metz-Göckel lamentiert breit und langweilig über die schweren Belastungen für Eltern und vor allem Mütter im Wissenschaftbetrieb. Als ob das in anderen anspruchsvollen Berufen (zum Beispiel Journalismus!) anders wäre. Dass Wissenschaftler "allzeit verfügbar" sein müssen, und "nicht die aufgewendete Zeit zählt, sondern lediglich das Ergebnis", halte ich für selbstverständlich und nicht für eine "Wissenschaftstradition, die ohne die Beteiligung von Frauen entstanden ist". Wer viel Zeit fürs Privatleben will, und darin sein "Glück" sieht, kann nicht gleichzeitig eine berufliche Karriere einfordern (ob an der Uni oder anderswo). Das ist völlig geschlechtsunabhängig und trifft Männer genauso hart wie Frauen.

Die "diskrete Diskriminierung" der Frauen an den Universitäten kann Metz-Göckel natürlich wunderbar behaupten, da sie ja "diskret" ist. Allen Gleichstellungsbeauftragtinnen und handfesten Frauenbevorzugungsklauseln zum Trotz (siehe Ende dieses Beitrages!), schreibt sie: "im Wissenschaftsbereich ist eine semantische Verschleierung fortbestehender diskriminierender Verhältnisse zu beobachten." Zum scheinbaren Beleg berichtet sie von einem Dekan (Metz-Göckel war bis 2005 Leiterin des Hochschuldidaktischen zentrums und der Frauenstudien an der Uni Dortmund), der die Einrichtung eines Gender-Studies-Studienganges mit Hinweis auf die Unwissenschaftlichkeit der Disziplin verhindern wollte und die Diskriminierung geleugnet habe.

Und dann zitiert sie eine ihrer Kolleginnen, Ursula Müller, die mit einem typischen und in den Kulturwissenschaften leider sehr verbreiteten Pseudo-Argument erklärt, warum es nicht an den Frauen selbst liegt, dass sie nicht Physik studieren wollen und nicht Professorin werden wollen, sondern an der bösen (Männer-)Gesellschaft:

Die soziologische Forschung solle fragen, "inwieweit Frauen in unserer Gesellschaft überhaupt Subjekt sein können, inwieweit ihnen ihre Biographie gehört und wie sie sich diese aneignen können." (Ursula Müller)  Die Unterstellung, die darin steckt: Die Gesellschaft verweigert den Frauen die Selbstverwirklichung und legt ihnen nahe, lieber Friseuse zu werden als Physikerin.

Metz-Göckel weiter: "Die empirische Forschung ist hier herausgefordert, die Subtexte und diskreten Diskriminierungen sowie die hinter den Praktiken der Selbst- und Fremdstilisierung verborgenen Kämpfe um Anerkennung aufzudecken." Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die Existenz von Diskriminierungen wird vorausgesetzt, die Empirie soll sie aufdecken. So etwas nennt man ein Vor-Urteil!

Ich sehe mich durch solche ideologischen Argumentationen in meiner Behauptung bestätigt, die ich in einem Handelsblatt-Artikel  einmal aufgeschrieben habe: Gender Studies oder Geschlechterforschung ist eine politische Pseudowissenschaft, der es weniger um Erkenntnisse, sondern vor allem um das Durchsetzen feministischer also gesellschaftspolitischer Ziele geht, um Deutungshoheit. Auf den angesprochenen Dekan bezogen, schreibt Metz-Göckel: "Ihm die Deutungshoheit [über Wissenschaftlichkeit] streitig zu machen, nehmen feministische Wissenschaftlerinnen wie Ursula Müller für sich in Anspruch."

In weiten Teilen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, vor allem unter denen, die sich zu den "Kulturwissenschaften" zählen, haben Müller, Metz-Göckel und ihre Mit-Feministinnen diese Deutungshoheit längst erobert. Metz-Göckel dreht auch hier die Tatsachen um: Sie tut so, als vertrete der Dekan den Mainstream. Tatsächlich aber haben sich die Gender Studies an den Universitäten in den vergangenen zwanzig Jahren völlig etabliert (allen Einsparungen bei anderen Geisteswissenschaften zum Trotz). Belege dazu in dem bereits erwähnten Handelsblatt-Artikel.

Auch das ist eine bewährte Strategie: Die eigene, längst etablierte Szene muss immer als unterdrückte, diskriminierte Freiheits- und Gleichheitsbewegung verkauft werden, damit die Diskriminierungskeule und die Unterdrückungsrhetorik wirkt.

Eine nicht "diskrete" sondern offizielle Diskriminierung erfahren stattdessen vielfach Männer an Universitäten. Diese E-Mail bekam ich heute über einen E-Mail-Verteiler von Frauenforscherinnen, auf dem ich (wahrscheinlich als einziger Mann) stehe:

Guten Tag,
anbei finden Sie den Hinweis auf die Ausschreibung von insgesamt fünf Ausschreibungen für Professuren an der HafenCity Universität Hamburg
(HCU) mit der Bitte an Weiterleitung (Bewerbungsfrist 15.09.2009). Es handelt sich nur in einem Fall um eine Professur mit einer Teildenomination "Gender" (Kulturtheorie, Kulturanalyse und kulturelle Praxis). Allerdings ist HCU sehr daran interessiert, den Frauenanteil bei den Professuren im Bereich Bauingenieurwesen zu erhöhen. Auch für die an der HCU neu eingerichteten Studiengänge möchten wir weitere Professorinnen gewinnen. Eine Förderung aus dem Professorinnenprogramm ist möglich. Deshalb wäre ich Ihnen für die Weiterleitung dieser Mail an geeignete Kandidatinnen insbesondere im Mittelbau (Juniorprofessorinnen, WiMi) sehr dankbar.

Mehr Infos und Download via
http://www.hcu-hamburg.de/aufbau-und-aktuelles/stellenausschreibungen/





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Kommentare

  1. Ute kein Betreff
    27.08.2009 | 17:29

    Ach du liebe Güte, das ist ja völlig banane. Wer etwas fordert, gibt die Verantwortung dafür ab. Bei "Glück" erstens kontraproduktiv und zweitens einfach nur dumm.

  2. Michael Kühnapfel Müller-Zitat
    28.08.2009 | 13:24

    Die soziologische Forschung solle fragen, "inwieweit Frauen in unserer Gesellschaft überhaupt Subjekt sein können, inwieweit ihnen ihre Biographie gehört und wie sie sich diese aneignen können."

    Dahinter steckt noch mehr. Denn das Menschen in einem sozialen Beziehungsgeflecht mit entsprechenden Verantwortungen und daraus resultierenden Einschränkungen nicht völlig Herr und Herrin ihrer Biografie sein können, wäre eigentlich völlig selbstverständlich.
    So verbirgt sich hinter dieser Art des Denkens die als völlig selbstverständliches Recht angenommene Ablehnung jeglicher sozialer Verantwortung für seine Mitmenschen. Erschreckend.

  3. kritiker Da haben die Maenner aber Glueck...
    28.08.2009 | 13:27

    ...dass ihnen die 60h-Wochen bei 1/2 TVL13 waehrend der Promotion ueberhaupt keine Probleme machen. Ich haette ja eigentlich erwartet, dass das keine tollen Voraussetzungen sind, um ueberhaupt erst mal eine Familie zu gruenden, geschweige denn damit zurecht zu kommen, wenn man eine hat.

    Aber wenn die Wissenschaft das sagt, wird es schon stimmen, dass sowas ausschliesslich Frauen belastet!

  4. Stefan Fahrräder auch für Frauen!
    29.08.2009 | 09:11

    Lieder kann ich Ihren Eindruck von der Wissenschaftsferne des Feminismus nur bestätigen. "Leider" deshalb, weil ich fürchte, dass die gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Folgekosten dieser Wissenschafts- und Methodenferne in anderen Feldern noch sehr viel höher wären. Mangelnde empirische Fundierung, fehlende innere Systematik und Struktur sowie Meinung statt Erkenntnis in der Kulturwissenschaft ist eher nur ärgerlich. In der Sozialwissenschaft kann dies aber bereits Folgekosten verursachen, da Politik dann eher auf solchen Pseudoerkenntnissen basiert - Thema Frauenhäuser und Bildungsdiskriminierung der Jungen. Besonders fatal wirkt sich dies dann aber aus, wenn nüchterne mathematische Zusammenhänge ignoriert werden und dies Eingang in die Politik findet. Als Beispiel sei hier die erzwungene Angleichung der geschlechtsspezifischen Beiträge zur Riester-Rente genannt. Dass nunmehr Männer in Folge ihrer geringeren Lebenserwartung und damit der relativen Abwertung ihrer Beiträge diskriminiert werden, interessiert noch nicht einmal männliche Politiker.

    Da ist es dann nur noch eine Randnotiz, wenn die lokale Gleichstellungsstelle mit Steuergeldern (zu 75% von Männern erwirtschaftet) Kurse für erwachsene Frauen anbietet, um die Nutzung eines Fahrrads zu erlernen (leider kein Scherz).

  5. Mona Fahrradkurse für erwachsene Frauen
    29.08.2009 | 11:32

    Erinnert mich an einen alten Spruch, welcher immer zitiert wird, wenn eine Frau einen besonders faulen Mann geheiratet hat: "Hauptsache die Frau hat ein Fahrradl, damit sie in die Arbeit fahren kann."

  6. Jean Ernst Der Fischer und seine Frau
    29.08.2009 | 13:11

    Nun ja, diese WissenschaftlerinInnen müssen eben immer mal was publizieren.
    Im Übrigen ist die Forderung, daß andere für das persönliche Glück verantwortlich seien resp. Männer Schuld am eigenen Nicht-Glück seien nichts neues. Schon gar nicht, wenn man den feministischen Opferkult im Hinterkopf behält.

    Meine heutige Exfrau ließ sich aus genau dem Grund von mir scheiden. Ich konnte sie nicht glücklich machen. Sie hieß aber nicht Ilsebilse :-)

  7. Thomas Die Musik des "Studien"marktes
    29.08.2009 | 14:06

    Der "Studien"-markt hierzulande ist m.E. genauso ambitioniert wie der "Gutachter"-markt : Wer die Musik bezahlt bekommt das Stück gespielt was er am liebsten hört.

    Das Problem ist : Frauen mit einem gesunden Selbstverständnis werden beim Lesen von Benachteiligungs-"Studien" verständlicherweise wütend, weil es ja kaum Informationsalternativen gibt diese "Studienergebnisse" zu überprüfen.

    Frauen, die gerne ihre unaufgearbeiteten unbewußten Partner- und berufsorientierungsprozesse hinterfragen wollen, sei "Überlisten Sie Ihr Beuteschema, Dr. Woinoff, Goldmann-Verlag" empfohlen.

    Männer, die ihre Lebensalternativen und Möglichkeiten erweitern möchten anstatt sich über weibliche Definitionshoheit zu beklagen, finden in "Frauen wollen erwachsene Männer, Hr. Kropp-Wichmann", Bjön Süfke "Männerseelen" oder Steve Biddulph "Männer auf der Suche" neue Perspektiven.

    Wenn die Politik und unser Popularjournalismus noch über sich hinauswachsen und erweiternde und gut recherchierte Berichte bringen, Frauen vermehrt erkennen daß der gender-Apparat nicht ihnen, sondern sich selbst nützt (z.B. Frontal21 berichtete : http://www.antidiskriminierungsstelle.de/), dann sehe ich einer glücklichen Frauen-und-Männer emanzipierten Gesellschaft entgegen.

  8. Ulla Meyer zur freundlichen Lektüre empfohlen:
    27.09.2009 | 13:59

    Über Vetternwirtschaft und Sexismus im Gutachterwesen:

    http://www.frauenbeauftragte.uni-frankfurt.de/Dokumente/Handbuch/Wenners__Christine___.PDF

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