Männer als Opfer der Gewalt von Frauen
Höre ich von Frauen, die gewalttätig gegen ihre Männer sind, denke ich immer an ein Lucky-Luke-Heft, in dem ein Mann von seiner Frau mit dem Nudelholz gejagt wird. In der Populärkultur ist das Bild des Ehemannes, der "unter dem Pantoffel" seiner Frau steht, weit verbreitet. Nur in der Sozialforschung wurden gewalttätige Frauen bisher weitgehend ignoriert. Gewalt ist grundsätzlich männlich. Der Feminismus hat dafür gesorgt, dass diese Unterstellung weithin akzeptiert wird. Und es ist, das müssen wir Männer zugeben, ja auch etwas dran. ich brauche hier keine Statistik des Bundeskriminalamtes zum Beleg, dass die große Mehrheit der Gewaltverbrechen von Männern begangen wird. Dass das auf kulturelle Prägung zurückzuführen ist, wie Gender-Theorethikerinnen behaupten werden, bezweifle ich.
Jetzt lese ich aber im Magazin "Agora" der Katholischen Universität Eichstätt einen Forschungsbericht von Susanne Vogl über eine Telefonumfrage unter 1005 (bayrischen) Männern: 84 Prozent haben mindestens einmal von Ihrer Partnerin Gewalt erfahren. "Entgegen der kulturell gängigen Vorstellungen, erleben also die meisten Männer Gewalt durch ihre Parnterinnen", schreibt Vogl. Sie fordert, diese Gewalt endlich ernst zu nehmen im Interesse des Wohlbefindens des Mannes.
Die maskulistischen Leser dieses Blogs werden begeistert sein von Frau Vogl. Aber die Sache hat einen gewaltigen Haken: Ihr Verständnis von Gewalt. Denn nur 12 Prozent der Männer erlitten nach ihren eigenen Angaben das, was Otto-Normal-Mann unter Gewalt versteht: eine Ohrfeige, einen Tritt oder ähnliche Tätlichkeiten. Von physischen Verletzungen ganz zu schweigen.
Vogl tut das, was leider in der gegenwärtigen Psychiatrie und Sozialforschung eine unselige Tendenz ist: Sie erweitert den Gewalt-Begriff auf geradezu lächerliche Weise. Die allermeisten Männer wurden nämlich schlicht und einfach von ihrer Partnerin angeschrien. In diesem Sinne bin ich auch, das bekenne ich hier, ein Opfer weiblicher Gewalt (und auch ein Täter, ein Mehrfachtäter sogar). Mehr als die Hälfte der Männer erfuhren "psychische Gewalt", zu deutsch: Die Partnerin drohte an, auszuziehen oder bemäkelte die sexuelle Leistungsfähigkeit. Das mag schon ziemlich kränkend sein, aber ist das wirklich "Gewalt"?
Geradezu lächerlich wird dadurch auch Vogls Erklärung dafür, dass nur wenige der männlichen "Gewaltopfer" über diese ach so schlimme Erfahrung mit Dritten reden wollen. "Mit dem Herunterspielen der erfahrenen Gewalt wird versucht, das Bild der hegemonialen Männlichkeit aufrecht zu erhalten." Deswegen müsse an den "tradierten kulturellen Männlichkeitsbildern" gearbeitet werden. Schließlich habe jeder "ein Recht auf Schutz vor Gewalt und auf Hilfe bei einer Opferwerdung."
Zunächst einmal bestreite ich, dass jeder Mensch das Recht hat, nicht angeschrien zu werden. Diese Ausweitung der Menschenrechte ist eine Beleidigung für diejenigen, die wirklich unerträgliche Gewalt erleiden. Ein Mann der von seiner Frau beschimpft wird, wird erst dadurch zum Opfer, dass ein Psychiater ihn deswegen auf die Couch legt.
Die Ausweitung der Begriffe des Leidens und der Gewalt nehmen allmählich in den Sozial- und Geisteswissenschaften und vor allem in der Psychologie absurde Formen an. Man erzeugt immer neue Opfer (und Täter) und damit immer neue Aufgaben für die ausufernden Helfersysteme, also Therapeuten aller Couleur (vgl. "Auf die Couch, marsch, marsch!").
Jeder, der nur ein klein wenig Lebenserfahrung und Menschenverstand hat, weiß: Angeschrien zu werden, als Flasche beschimpft zu werden und Trennungsdrohungen muss man verkraften können - ohne die Hilfe irgendeines Therapeuten - und die allerallermeisten Menschen, egal ob Mann oder Frau, können das auch sehr gut. Sie müssen es schließlich. Schon im Kindergarten schonen sich die lieben Kleinen nicht mit wüsten Beschimpfungen und Ausgrenzungen.
Wenn man nun aber, wie Vogl und mit ihr die Gender-Mainstreaming-Politik fordern, am "Männlichkeitbild" "arbeitet", also die Vorstellung der Männer von sich selbst zerstört, dann erst erzeugt man kaputte, entwurzelte, verunsicherte Männer, die bei den üblichen, normalen Konflikten mit ihren Frauen wehrlos sind. Lasst also das Männlichkeitsbild der Männer in Ruhe!
Die allermeisten Männer, so fand Vogel heraus, haben einfach zurückgeschrien, wenn ihre Frauen sie attackierten, und dann haben sie das ruhige Gespräch mit ihnen gesucht. Gut so!
Ähnliche Artikel:
- Endlich: Gender Studies auf dem Rückzug
- Gender Mainstreaming im Einsatz: Mädchen sollen sich gefälligst für Mathematik und Naturwissenschaften interessieren
- Frauen und Fußball aus Sicht der Kulturwissenschaften
- Kaum Frauen an der Spitze deutscher Unternehmen
- Von Gleichheit und Ungleichheit - nicht nur zwischen Männern und Frauen




Mit großer Erheiterung lese ich, dass die Umfrage von Susanne Vogl unter bayrischen Männern stattfand. Die bayrische Sprache ist ja reich an Schimpfwörtern, viele sind allerdings gar nicht so ernstgemeint. Wenn hier eine Frau sich über ihrem Mann ärgert und ihn als gscherten Hammel bezeichnet, so wird er mit Bissgurn (zänkisches Weib)kontern und der Fall ist erledigt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gescherter
Ich finde es gut, diesen "Gewaltbegriff" genauer auseinanderzunehmen. Der Schachzug, jemanden, der mal angeschrien wurde, zum Gewaltopfer zu machen, erinnert mich an die Strategie, jemanden, der mindestens einmal im Leben ohne medizinischen Grund ein Psychopharmakon genommen hat, als "Gehirndoper" hinzustellen.
Ich würde es aber auch für falsch halten, wenn nun im Gegenteil jemand, der systematisch psychisch fertig gemacht wird, dazu gehört es auch, angeschrien und beleidigt zu werden, nicht als ein Gewaltopfer angesehen würde; meinetwegen mit dem Zusatz, dass es sich hier um psychische Gewalt handelt. Wenn das mit dem Vorsatz geschieht, den anderen zu verletzen, warum sollte es dann keine Gewalt sein? Oder wie siehst du das?
Beliebige Argumentation, ähnlich dieser von vor 100 Jahren:
Zunächst einmal bestreite ich, dass jeder Mensch das Recht hat, keine Ohrfeigen zu bekommen. Diese Ausweitung der Menschenrechte ist eine Beleidigung für diejenigen, die wirklich gefoltert werden. Eine Frau die von ihrem Mann geschlagen wird, wird erst dadurch zum Opfern, dass ihr Mann angezeigt wird.
Jeder, der nur ein klein wenig Lebenserfahrung und Menschenverstand hat, weiß: Geschlagen zu werden muss man verkraften können und die allermeisten Menschen, egal ob Mann oder Frau, können das auch sehr gut. Sie müssen es schließlich. Schon im Kindergarten schonen die Eltern die lieben Kleinen nicht mit wüsten Erziehungsmaßnahmen.
Es ist wohl wahr, Herr Knauß, dass der Gewaltbegriff zur Erzeugung von Horrorzahlen, die der Acquirierung staatlicher Fördergelder für die HelferInnenindustrie nützlich sind, unverantwortlich erweitert und verwässert wurde.
Nur, die Gewaltbetroffenheit von Frauen ( "Jede vierte Frau von Partnergewalt betroffen!") wird auch mit Fragebögen ermittelt, die Gewaltformen beinhalten, die landläufig nicht als Gewalt verstanden werden und die die Masse der 25 % weiblicher Gewaltopfer erlebt haben, keine schwereren.
Die Ergebnisse solcher Studien werden dann in Schlagzeilen zusammengefasst, wie der von mir zitierten.
Die erzeugt natürlich den (gewollt?) falschen Eindruck, jede 4. Frau werde von einem Mann grün und blau geschlagen.
Das ist falsch.
Befragt man Männern nach den GLEICHEN Kriterien, sind sie nicht geringer von Gewalt in Partnerschaften betroffen als Frauen.
Frauen agieren - auch körperlich! - in Partnerschaften GENAUSO aggressiv wie Männer, werden aber häufiger schwerer verletzt als Männer (2/3 der behandlungsbedürtig Verletzten zu 1/3, auch bei den Getöteten herrscht dieses Verhältnis 2/3 Frauen, 1/3 Männer).
Dass Frauen hier schwerer betroffen sind als Männer, liegt nicht daran, dass sie weniger aggressiv agierten in Partnerschaften, sondern daran, dass eine außer sich vor Wut zuschlagende Frau weniger Schaden anrichtet ala ein außer sich zuschlagender Mann.
Frauen schlagen aber genauso häufig zu wie Männer.
Insgesamt stellen Männer, die Masse der Gewalttäter, aber auch die Masse der Gewaltopfer in einer Gesellschaft, besonders außerhalb des familiären Umfeldes, denn gewalttätige Männer richten Gewalt v.a. gegen andere Männer.
Lieber Stephan, wir sind uns, denke ich, völlig einig. Natürlich gibt es auch Formen "psychischer Gewalt". Man kann einen Menschen, auch ohne ihn physisch zu berühren, fertig machen und sehr leiden lassen. Was in vielen Schulklassen in dieser Hinsicht passiert, ist vielleicht auch Gewalt zu nennen.
Ich kann hier keine genaue Abgrenzung anbieten, aber dass man den Gewalt-Begriff in der Regel auf das Zufügen physischer Schäden beschränken sollte, erscheint mir vernünftig.
bin ganz Ihrer Meinung!
Ihre Methode, mit meinem Argument umzugehen, ist wenig hilfreich. Sie empfinden also die Ausweitung des Gewaltbegriffs als Fortschritt. Und was wäre der nächste Schritt auf diesem Fortschrittspfad? Soll demnächst dann ein unfreundlicher Blick schon "Gewalt" sein?
Ihre Sichtweise führt in die Absurdität.
Sprache ist Macht!
Es ist die zielstrebige Entgrenzung feststehender Begriffe, mit der der institutionalisierte Lesbostalinismus sein schmutziges Geschäft betreibt: sie hat längst Einzug in die Gesetzgebung gehalten. Um bei 'Gewalt' zu bleiben: im sog. 'Gewaltschutzgesetz' ist nicht nur die Beweislastumkehr enthalten, sondern auch die 'Bedrohung' aufgenommen, wobei das AG Saalfeld (Aktenzeichen nenne ich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht) feststellte, daß 'Bedrohung auch dann eine Bedrohung sein kann, wenn es die Bedrohte nicht als solche empfindet'- Entgrenzung zur völligen Beliebigkeit.
Zu großer Form liefen unsere SprachpantscherInnen auf dem Gebiet der Sexualstraftaten auf: es gibt kaum eine Betriebsvereinbarung, in welcher 'Sexuelle Belästigung' nicht als etwas definiert ist, 'was die Betroffene subjektiv als solche empfindet', bestätigt in Urteilen. Im neuen Sexualstrafrecht wird nicht mehr zwischen Kindern und Jugendlichen unterschieden und der Begriff der 'scheinbaren Minderjährigkeit' eingeführt mit dem abstrusen Ergebnis, daß einvernehmlicher Sex unter Erwachsenen strafbar werden kann. Relativ neu ist auch 'Vergewaltigung in der Ehe', bei der objektive Beweise naturgemäß regelhaft fehlen und somit die Beweisanforderung der Straftat 'Vergewaltigung' oder Körperverletzung elegant umschifft wurde.
Man sieht also, daß die penetrante und absichtsvolle Falschverwendung ehedem feststehender Begriffe- möglichst im akademischen Rahmen- Konsequenzen bis tief hinein in die Rechtsprechung hat, was ideologischer Unterwerfung des Rechts Tür und Tor öffnet.
Ferdinand Knauss schrieb :
"Ich kann hier keine genaue Abgrenzung anbieten, aber dass man den Gewalt-Begriff in der Regel auf das Zufügen physischer Schäden beschränken sollte, erscheint mir vernünftig."
Nein, vernünftig wäre das nicht, nur praktisch, da sich Gewalt medizinisch feststellen liesse und somit in hohem Masse objektivierbar wäre.
Ihre grundsätzliche Kritik an der ubertriebenen Ausweitung des Gewaltbegriffs teile ich aber vollumfänglich.
Intertessanterweise ist die lateinische Sprache in dieser Hinsicht sehr viel differenzierter. So ist die von Ihnen angesprochene physische, rohe Gewalt die "violentia". Daneben gibt es eine Reihe von Ausdifferenzierungen, welche Gewaltarten bezeichnen, die im römischen Recht verankert waren und heute in etwa als elterliche, väterliche Gewalt ( die patria potestas, im antiken Rom die Verfügungsgewalt des pater familias ) Verfügungsgewalt oder Staatsgewalt bezeichnet würden.
Die Einschränkung des Gewaltbegriffs auf physische Vergewaltigungsakte ist nicht sinnvoll und klammert aus, auf welch mannigfache Weise Gewalt ausgeübt werden kann.
Es ist daher auch nicht erstaunlich, dass die in der Regel physisch Schwächere, in der Paarbeziehung also meist die Frau, sich anderer, subtilerer Formen der Gewalt bedient, um Macht auszuüben. Die Anwendung roher, physischer Gewalt - violentia - ist doch erwiesenermassen die Form der Gewaltausübung, die als letztes Mittel bleibt, d.h wenn insbesomdere keine subtileren Mittel zur Verfügung stehen.
Die Gewalt verfolgt einen Zweck : Dem anderen den eigenen Willen aufzuzwingen und Macht auszuüben. Die sichtbarste Form der Gewalt ist die physische Gewalt, denn sie ist sichtbar. Diese Form der Gewalt wird von den unteren sozialen Klassen häufiger angewandt als von privilegierten, schlicht und einfach weil keine anderen Mittel der Gewaltausübung ( wie gesagt, die deutsche Sprache ist in dieser Hinsicht undifferenziert ) zur Verfügung stehen.
....mir kommen die Tränen, ihr seid schon echt bedauernswert.
Ich lese hier immer was von "Befreiung von der feministischen Ideologie sei notwendig" bla bla: ihr seid davon selbst nicht frei.
Ich empfehle eine eingehende Lektüre in Epistemologie und hoffe dieses Blog schreckt mehr Leute von euch ab, als dass es anzieht.
@rosa luxemburg
"....mir kommen die Tränen,"
Danke.
So viel solidarische Betroffenheit macht uns Mut in unserem schweren Abwehrkampf.
"ihr seid schon echt bedauernswert."
Gell?
Meine Güte, was für ein schweres Wort!!!
Was issn' das?
Ist das gesundheitsschädlich?
Macht das impotent oder ist das sowieso nur was für Frauen?
es freut mich, dass Sie meine Beiträge lesen. Ihre polemischen Unterstellungen kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Vor allem störe ich mich an dem "ihr". In diesem Diskussionsforum gibt es kein vorbestimmtes "wir" und "ihr". Auch wenn ich nicht für alle meine Leser und Kommentarschreiber sprechen kann, so sei doch klargestellt: Dies ist kein Maskulisten-Treff.
Hier werden unter anderem die Auswüchse des Feminismus aufgezeigt, diskutiert und kritisiert. Ideologie-Kritik ist die Aufgabe, die ich mir gestellt habe.
Dass Sie selbst an solcher kein großes Interesse haben, lässt Ihr Alias schon vermuten.