Konkurrenz zwischen den Geschlechtern - Schon im Kindergarten
Wenn vier- und fünfjährige Jungs etwas besser können als andere kleine Jungs, macht den unterlegenen das nicht viel aus. Und unter Mädchen ist es ähnlich. Kleine Kinder stecken es bemerkenswert gut weg, wenn andere Kinder etwas besser können als sie. Aber: Offenbar nur, wenn das andere Kind das gleiche Geschlecht hat!
Die Psychologen Marjorie Rhodes und Daniel Brickman von der University of Michigan haben Vier- und fünfjährigen Kleinkindern die Geschlechterfrage gestellt: Spielt es eine Rolle, wenn das Kind mit der besseren Fähigkeit dem gleichen beziehungsweise dem anderen Geschlecht gehört? Ja, lautet die Antwort aufgrund von Experimenten, die die Forscher in der Fachzeitschrift "Psychological Science" beschreiben: Wenn ein Kind des anderen Geschlechts etwas besser kann, ist es für das unterlegene Kind mit der Gelassenheit schlagartig vorbei.
Lange Zeit hatten sich Psychologen darüber gewundert, wie wenig es Kinder im Vorschulalter berührte, wenn andere Kinder im gleichen Alter Aufgaben schneller oder korrekter lösten. Man erklärte dies damit, dass kleine Kinder noch einen unerschütterlichen Glauben daran hätten, jeden noch so große Vorsprung irgendwann aufholen zu können.
Die Psychologen aus Michigan haben die Kinder nun einige Aufgaben lösen lassen. Dabei informierten sie jedes Kind darüber, ob es die jeweilige Aufgabe besser oder schlechter als ein Junge oder ein Mädchen gelöst habe. Manchmal sagten sie aber auch nur, dass "ein anderes Kind" besser gewesen sei. Anschließend durften die Kinder, die schlechter abgeschnitten hatten, die Aufgabe wiederholen. Dabei zeigte sich, dass die Frustrationsgrenze schnell überschritten war, wenn das angeblich bessere Kind zum anderen Geschlecht gehörte. Interessant ist, dass nicht nur Jungen nicht von Mädchen übertrumpft werden wollen, sondern Mädchen auch nicht von Jungen.
Anerzogene oder kulturell überlieferte Überlegenheitshaltungen von Jungen gegenüber Mädchen scheinen also keine spezielle Rolle gespielt zu haben. Kinder in dem Alter reagieren einfach empfindlich, wenn ein Kind des anderen Geschlechts sich als ihnen überlegen erweist. Ein erneuter Beleg offenbar gegen die These vom gesellschaftlich konstruierten Geschlecht.
Der Einspruch eines Gender-Forschers dürfte lauten: Bei Vier- und Fünfjährigen hat die Gesellschaft ihre Geschlechterrollen-Klisches schon fertig ausgebildet, das Geschlecht wird in noch jüngeren Jahren "konstruiert".
Gibt es unter meinen werten Lesern Eltern, deren Kinder bewusst oder unbewusst GEGEN kulturell übliche Geschlechterrollen erzogen werden? Mädchen mit Autos, Jungs mit Puppen? Kann jemand über Erfahrungen solcher Art berichten.
Die Studie ist unter dem Titel: "Preschoolers' Responses to Social Comparisons Involving Relative Failure", Marjorie Rhodes, Daniel Brickman; Psychological Science, Oktober 2008 veröffentlicht worden.
Mein Text geht auf eine Zusammenfassung von "Wissenschaft Aktuell" zurück.
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Auch junge Äffchen zeigen ein geschlechterdifferentes Spielverhalten. Das behauptet jedenfalls diese Studie:
Male monkeys prefer boys' toys
Soweit ich weiß gab es mal ein ähnliches Experiment, für das Kinder willkürlich in zwei Gruppen eingeteilt wurden. Die Leistungen der eigenen Gruppe wurden als höher angesehen als die Leistungen der anderen Gruppe.
Bevor ich dem Schluss der von Ihnen zitierten Studie zustimmen würde, hätte ich gerne so eine Teststudie gesehen, in der Kinder nach anderen (willkürlichen) Kategorien als nach Geschlecht Gruppen zugeteilt werden, und in der sich der beobachtete Effekt nicht zeigt.
niemand kann seine Kinder bewusst gegen die kulturell üblichen Geschlechterrollen erziehen - unbewusst schon gar nicht. Niemand ist frei von Geschlechterstereotypen und der Einfluss von Außen kann auch nicht gefiltert werden. Man kann keine zwei experimentelle Gruppen, mit und ohne geschlechtsspezifische Erziehung bilden. Das ist ja das Drama und macht Studien, die das angeblich versucht haben so angreifbar.
Aber hier ein Beispiel: (bilde mir ein, möglichst nicht geschlechtsspezifisch zu erziehen) Mein Sohn kam (damals 3J) in die Küche und hat meine bunten Haarklammern im Haar. Mein Freund (sein Papa) kuckt schräg (hochgezogene Augenbrauen) - sagt aber nichts, er ist ja modern. Später bei meiner Tochter, in ähnlicher Situation, wird auf den Arm genommen, geknuddelt, "Du bist ja meine Hübsche" ... noch Fragen?.
Und ich gebe zu, dass ich die Vorliebe meines Sohnes für Rosa, zumindest nach außen, unterdrückt habe. Habe ihn also nicht im rosa Pulli in den Kindergarten gelassen. Einfach aus Angst, dass er gehänselt wird - und er wäre es sicherlich geworden. Dass Jungs kein Rosa mögen, hat er dort erst gelernt.
Nein, angelernte Geschlechterrollen zu überwinden ist, wie das "An den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen". Da werden wir noch Generationen dran arbeiten, bis Kinder endlich nach ihrem angeborenen Naturell und Temperament und Begabungen erzogen werden können.
Ihre Aussage, daß angelernte Geschlechterrollen verlernbar seien, setzt voraus, daß sie verlernbar sind.
Aber wir wissen noch gar nicht, ob sie überhaupt vollständig verlernbar sind, weil wir nicht wissen, inwieweit sie auch von natürlichen Gegebenheiten beeinflußt werden.
Dass sie zu einem Gutteil überwindbar sind, das glaube ich allerdings such.
Inwieweit tatsachlich, weiß ich nicht.
Weshalb man dem Individuum Freiheit einräumen muss, seinen Weg, unabhängig vom Geschlecht, zu suchen, aber nicht das Recht hat, mit Quotenregelungen abstrakte Gerechtigkeitvorstellungen durchzusetzen, von denen man nicht weiß, ob sie der menschlichen Natur tatsächlich gerecht werden.
Ihr Hinweis darauf, dass Erwachsene mit Kindern unterschiedlich umgehen, je nach dem, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen vor sich haben, ist ja richtig, hilft aber insofern nicht weiter, als sich diese Verhaltensunterschiede auch dann zeigen, wenn Eltern sich ganz bewußt vornehmen, nicht geschlechterstereotyp zu erziehen.
Man kann also auch vermuten, daß selbst dieses unterschiedliche Reagieren von Erwachsenen auf Junge oder Mädchen einen Instinktanteil enthält, der gar nicht willentlich ausschaltbar ist, selbst wenn wir das wollen und der eben nicht "nur" kulturell "erzwungen" ist.
Zudem gilt es zu bedenken, dass Kinder ja selbst agieren, Verhalten herausfordern durch eigenes Verhalten.
Wenn also Jungen sich naturgemäß anders verhalten sollten als Mädchen, dann ist die Folge einer unterschiedlichen Behandlung durch Erwachsene gar nicht vermeidbar, sondern genau so naturgemäß.
Ob Nature oder Nurture dominieren, ist einfach nicht entscheidbar.
Ein Entwicklungspsychologe sagte einmal, diese Frage sei so unbeantwortbar wie die Frage, ob die Fläche eines Rechteckes mehr von seiner Länge oder seiner Breite bestimmt werde.
Beides spielt eine Rolle.
Der herrschende Feminismus des Gender Mainstreaming in der Pädagogik versuchte aber lange Zeit alle natürlichen Unterschiede zu unterdrücken und zu negieren.
Vor allem zum Schaden der Jungen, betrachtet man deren Situation in der heutigen Schule.
Interessant, was sie berichten.
Es gibt die grundsätzliche Frage: Was ist überhaupt angeboren oder natürlich? Kann man das feststellen und trennen von sozialen Prägungen?
Ich habe darauf keine generalisierende Antwort.
Aber zu solchen "gelernten" Dingen, wie der weiblichen Vorliebe für Rosa, kommen mir Fragen auf: Angenommen, es ist wirklich nur die soziale Umwelt, die uns solches beibringt, wann und warum hat das angefangen? Wenn wir sozial konstruiert sind, wer hat mit der Konstruktion angefangen? Kam unseren Vorfahren irgendwann willkürlich die Idee, dass Rosa nichts für Jungs ist? Einfach so aus heiterem Himmel? Und die haben dann beschlossen, ihre Nachkommen und ihre Mitmenschen "sozial zu konstruieren"?
Ich fürchte, wir kommen nicht darum herum, von natürlich gegebenen Voraussetzungen der Geschlechter auszugehen. Die aber - natürlich - nicht ausnahmslos und exklusiv sind. Sicher werden soziale Rollen auch anerzogen und durch gesellschaftlichen Druck durchgesetzt. Aber mit rein "konstruktivistischen" Erklärungen drehen wir uns immer im Kreis, da auch der Konstrukteur konstruiert wurde.
Sie schreiben ja auch im letzten Satz vom "Naturell" und den Begabungen der Kinder. Ist das Geschlecht nicht ein ganz zentraler Teil unseres Naturells?
Herzliche Grüße an Ihre Kinder,
Ihr Ferdinand Knauß
Falls das mit den zwei Gruppen, von denen eine nicht geschlechtsspezifisch und die andere geschlechtsspezifisch auf mich gemünzt war: Das meinte ich nicht.
Meine These: Würde man am Tag des Testes der Hälfte der Kinder rote T-Shirts und der anderen Hälfte der Kinder blaue T-Shirts anziehen und ihnen sagen, dass sie jetzt "die Roten" bzw. "die Blauen" sind, und dann den gleichen Test wie in Herrn Knauß' Text beschrieben durchführen, nur mit "rot" und "blau" statt "Junge" und "Mädchen", wären die Ergebnisse ähnlich.
Geschlechtsunspezifische Erziehung halte ich übrigens auch für unrealistisch, und geschlechtsspezifische nicht für unbedingt verdammenswert - solange man nicht ungerecht dabei ist.
Formte ich zwei künstliche Gruppen durch das Tragen von Hemden in 2 Farben, was bewiese das?
Zeigten sich die gleichen Reaktionen wie bei den Geschlechtergruppen, könnte ich nur die Aussage verallgemeinern, dass die Angehörigen der einen Gruppe das Bessersein eines Angehörigen einer als anders als man selbst wahrgenommenen Gruppe schwerer erträglich finden als das Bessersein eines der gleichen Gruppe Zugehörigen.
Die Geschlechter sind nun einmal eine natürlich vorgegebene "Aufspaltung", da muss ich nicht erst Hemden überstreifen, um mich zu der einen oder anderen Mannschaft zugehörig zu fühlen.
Meine Geschlechterzugehörigkeit kann ich auch nicht einfach abstreifen wie ein Hemd, das mir übergestreift wurde.
@roslin
ANGELERNTE Geschlechterrollen sind natürlich auch verlernbar. Gibt es genetisch bedingte Geschlechterrollen, sind sie natürlich nicht verlernbar - es wäre ein entsetzliches Verbiegen. Ganz deutlich ist das natürlich in Bezug auf Schwangerschaft und Geburt, dem Stillen (grässlich, diese Männer, die Wehen weghecheln ;-) ).
Ob eine Verhaltensweise eher angeboren oder angelernt ist, lässt sich empirisch nicht belegen, da man keine Kontrollgruppen generieren kann. Da müsste man eine ausreichend grosse Zahl an Kindern auf einem anderen Planeten von Aliens erziehen lassen.
Es kommt einfach nicht vor, dass Eltern ihre Kinder ohne soziale Rollenbilder erziehen, auch wenn sie es wollen.
Genau darin liegt die methodische Problem solcher Studien und Diskussionen um "Nature or Nurture". Meist werden die Studien, je nach eigener Haltung ausgedeutet und zurechtinterpretiert und manchmal auch finanziell oder journalistisch ausgeschlachtet (div. Ratgeber, reißerische Artikel). Selten halten die Studien einer kritischen Überprüfung stand - und die Dementis machen keine Schlagzeilen.
Von Quotenregelung halte ich auch sehr wenig, wie übrigens sehr viele Frauen. Ich halte es aber für sehr bedenklich, wenn jemand die "menschliche Natur" benutzt, um Leute (Frauen oder Männer) von bestimmten Posten fernzuhalten.
Übrigens ist diese Vorstellung zu wissen, was denn nun die "Natur" der Geschlechter sei auch für Männer sehr nachteilig. Man denke nur an die Besuchsregelungen und Sorgerechtszuweisungen nach Scheidungen. Oder dem Verlust an Männern als Erzieher in Kindergärten und Grundschulen.
@Ferdinand Knauß
Wann das mit dem Rosa und dem Himmelblau entstanden ist, weiß ich auch nicht genau. In historischer Zeit, als jeder in Sackleinen herumlief, hat es wohl keine Rolle gespielt. In der Schweiz soll es regional auch mal anders 'rum gewesen sein: also rosa Jungs und himmelblaue Mädels. Das einzige auffällige Vorliebe der Kinder ist wohl BUNT und möglichst viel davon. Es gibt eine frühe Vorliebe aller Kinder für Rot - eine Farbe die Säuglinge wohl als erste sehen ... also angeboren ;-)
Mit Naturell meine ich eigentlich Dinge wie Introvertiertheit,Extrovertiertheit ... also eher Temperamente, grundliegende Charaktereigenschaften, die dann in Wechselwirkung mit den kulturellen Vorgaben treten. Mädchen und Jungs können aufgeweckt oder aggressiv sein - die Gesellschaft lässt ihnen aber nur geschlechtsspezifisch Raum und infolgedessen prägen sich diese Temperamente unterschiedlich aus.
Übrigens: Geschlecht ist zwar natürlich aber nicht im beschriebenen Sinne, ein 'Naturell'.
@matthias
nein, war nicht auf sie gemünzt. Ich sehe das ganz ähnlich wie sie.
@ Tammy
Ich glaube nicht, dass Geschlechterrollen per se, in all ihrer Komplexität, erblich bedingt sind.
Wie groß die Wahlfreiheit des Einzelnen tatssächlich ist, weiß ich allerdings auch nicht zu sagen.
Aber ich glaube, daß es auf vielen Gebieten ein geschlechtstypisches Verhalten gibt, daß durch Erbfaktoren disponiert, aber nicht determiniert wird, bei großen, individuellen Unterschieden, also mit vielen "männlichen" Mädchen und "weiblichen" Jungen, die jedoch nicht die Mehrheiten in ihren jeweiligen Geschlechtern bilden, darum nicht typisch sind.
Allein die psychopharmakologischen Auswirkungen des Testosteron und des weiblichen Zyklus sorgen ja für große Verhaltensunterschiede im Antriebsverhalten z.B.etc.
@Matthias
Formierte man zwei Gruppen aus Trägern verschiedener Hemdfarben, was bewiese das?
Zeigte sich hier, daß die Träger der einen Hemdfarbe das Bessersein eines Trägers der anderen Hemdfarbe schwerer nähmen als das Bessersein eines Trägers der eigenen Hemdfarbe, könnte man nur sagen, daß man den Befund der von Herrn Knauß zitierten Studie möglicherweise verallgemeinern kann auf alle Formen einer "Parteizugehörigkeit", ob nun einer künstlichen oder einer natürlich formierten.
Das hätte aber für das Parteimerkmal "Geschlecht" nur dann praktische Bedeutung, wenn dieses beliebig wählbar wäre wie die Hemdfarbe.
Das ist es aber nicht.
Jungen und Mädchen fühlen sich sehr früh der Gruppe der Jungen oder Mädchen zugehörig, in der Regel.
Und die meisten Kinder und Erwachsenen fühlen sich mit ihrem Geschlecht sehr wohl.
Das gilt nicht für eine kleine Gruppe, die "zwischen" den Geschlechtern steht und die große Schwierigkeiten hat, sich einem Geschlecht zuzuordnen, ob nun aus soziokulturellen Gründen oder biologischen (Hormonspiegel während der Schwangerschaft etc.)
Diese scheint aber in den Gruppen überrepräsentiert zu sein, die für eine freie Wählbarkeit der Geschlechtzugehörigkeit, des Gender plädieren und sie erreichen wollen durch eine generelle Dekonstruktion von Geschlechterstereotypen, um die für diese theoretische Freiheit geforderte Tabula rasa zu schaffen.
Das mag ja der kleinen Minderheit helfen bei der Bewältigung ihrer spezifischen Probleme der Identitätsfindung, schadet aber meiner Ansicht nach der übergroßen Mehrheit derer, die keine Probleme mit ihrem biologischen Geschlecht und seinen Genderfolgen hat.
Das Geschlecht kann man eben natürlicherweise nicht einfach an - und ausziehen wie ein Hemd.
Einem Geschlecht wird man normalerweise nicht durch Willkür, nicht durch freie Wahl, sondern durch die Natur zugeordnet.
Ausnahmen, Sonderentwicklungen, können nicht dazu dienen, eine Regel zu unterhöhlen.
Es ist eher so, dass die von Herrn Knauß zitierte Studie stärkeres Gewicht hätte, wenn sich so ein Effekt bei anderen Einteilungen nicht einstellen würde.
These: Betont man einem Kind gegenüber einen Unterschied zwischen dem Kind und einem Kind, das besser abgeschnitten hat, erhöht das die Frustration des Kindes. Egal, welchen Unterschied man betont (sei es nun Links/Rechtshänder, Augenfarbe, Haarfarbe, etc.)
Die Studie behauptet, dass Kinder schon mit 5 Jahren Kinder des anderen Geschlechts als nicht zur eigenen Gruppe zugehörig empfinden. Andererseits hat man durch den Hinweis auf das Geschlecht die Gruppierungen, in denen das Kind denken soll, schon recht deutlich festgelegt.
Vielleicht wäre ein sinnvolleres Experiment, verschiedene Gruppenmerkmale zu betrachten, und dann zu schauen, ob bspw. ein blauäugiger Junge eher den braunäugigen Jungen oder das blauäugige Mädchen als nicht zur eigenen Gruppe gehörend ansehen würde.
Ich hatte letztens ein Gespräch zum Thema. Naja, und die Frage, wie kann eine Gesellschaft, in dem 70-80% der pädagogisch sowie familienrelevanten Stellen weiblich besetzt sind, Männern ein natürliches Rollenbild vermitteln? Ich halte das für unmöglich. Ein Mann kann sich auch nicht wirklich in ein weibliches Wesen einfühlen und -denken.
Ob bewußt oder unbewußt gegen oder für eine bestimmte Geschlechterrolle erzogen wird. Es gibt einfach in meinem engen oder auch weiteren Bekanntenkreis Jungen, die gerne mit Puppen spielen und Mädchen, die gar nicht gerne mit Puppen spielen. Ich habe meiner Tochter schon früh Puppen geschenkt, einfach, weil ich der Meinung war und bin, dass diese Phase für beide Geschlechter dazugehört. Meine Tochter ist heute neun, hat sich nie sehr für Puppen interessiert, alle Puppensachen heute schon auf dem Flohmarkt verkauft und kennt aber heute jede Automarke und rennt schneller als die meisten Jungen, was diese natürlich, wie in ihrem Artikel geschrieben, nicht sehr mögen. Was habe ich jetzt daran getan? Ich weiß es nicht. Wir Eltern haben ihr erlaubt fast alles zu tun was ihr gefällt, alles anzuziehen was ihr gefällt und alles angeboten, wofür sie sich mal hier mal dort interessiert hat. Das ist alles.
Sie haben wohl eine eher "männliche" Tochter, die es ja nicht selten gibt, ebenso wiw eher "weibliche" Jungen.
Das gehört zur natürlichen Variationsbreite der "Grundtypen".
Männer sind in der Regel größer als Frauen.
Trotzdem gibt es viele Frauen, die größer sind als viele Männer.
Deshalb ist die Aussage, daß Männer im Schnitt größer sind als Frauen jedoch nicht falsch.
Es ist ein Spezifikum des männlichen Geschlechtes, größer als Frauen zu sein.
Das Gleiche gilt für alle geschlechtsspezifischen Eigenarten.
Es gibt immer viele Individuen in den jeweiligen Geschlechtern, die natürlicherweise davon abweichen.
Und trotzdem bleibt das Spezifische spezifisch, weil es häufiger ist, eben spezifisch für das jeweilige Geschlecht.
Dass Jungen eher mit Autos, Mädchen eher mit Puppen spielen, ist geschlechtstspezifisch, nicht geschlechtstypisch, denn das hieße, kein Junge spielt gerne mit Puppen, kein Mädchen gerne mit Autos.
Dass es geschlechtsspezifisches Spielverhalten gibt, ist durch eine umfangreiche Empirie nachgewiesen.
Dass diese Spezifität sowohl natürliche als auch soziokulturelle Gründe hat, ist Mehrheitsmeinung in den Biowissenschaften.
PS:
Die Bedeutung von geschlechtstypisch-geschlechtsspezifisch ist in den Gesellschaftswissenschaften, glaube ich, genau umgekehrt.
Vielen Dank für diese einfache und sehr notwendige Klarstellung. Ich sehe das genau so. Leider muss man in Diskussionen über alle möglichen Themen immer wieder solche Argumente hören: "Aber ich kenne einen x, der ist gar nicht wie die anderen x sondern eher wie ein y."
Aussagen über Geschlechter, über soziale Gruppen oder Gesellschaften sind nie so ausschließlich zu verstehen wie solche über Mengen in der Mathematik.
Wenn Aussagen über Geschlechter, über soziale Gruppen oder Gesellschaften nie so ausschließlich zu verstehen sind, wie solche über Mengen in der Mathematik, warum werden dann immer gerne genau diese Darstellungsformen gewählt. Um in Grabenkriegen zu verharren statt vielleicht endlich einmal voneinander zu lernen und miteinander konstruktiv neues zu schaffen anstatt sich gegenseitig zu diffamieren? Sonst sind wir in meinen Augen als Erwachsene auf der Entwicklungsstufe Kindergarten und Wettbewerb, wie in Ihrem Beitrag geschrieben, steckengeblieben.
Da sind wir uns völlig einig. Diffamierungen eines Geschlechts werden Sie von mir in diesem Blog sicher nicht lesen. Wohl aber Kritik an den Veröffentlichungen und Handlungen eines überdrehten, ideologisch vernebelten Gender Studies- und Gleichstellungsbetriebes, der meines Erachtens für die aktuellen Verständnis-Probleme zwischen Männern und Frauen hauptverantwortlich ist.
Ihre Aussage, dass ich eine männliche Tochter ist in meinen Augen absurd, aber das ist wohl das Ergebnis derartiger Diskussionsbeiträge. Ich glaube das Geschlecht läßt sich hoffentlich nicht nur an den beiden Variablen "mit Puppen oder mit Autos spielen" festmachen. Aus genetischer Sicht ist es ein komplexes Gebilde und ja auch weiterhin Gegenstand der Forschung. Mit meinem Beitrag war ich eigentlich nur der Aufforderung von Herrn Knauß nachgekommen, über Erfahrungen zu berichten.
Absurd wird die Rede von eher "männlichen" Mädchen und eher "weiblichen" Jungen nur, wenn man, was sie leider taten, sowohl das "eher" als auch die Anführungszeichen weglässt.
Es gibt nun einmal in unterschiedlicher Häufigkeit bei den beiden Geschlechtern vorkommende Interessen und Begabungen.
Das ist Realität.
Wie soll man diese Realität sprachlich fassen?
Mir fiel und fällt leider keine bessere Lösung ein.
Oder soll man darüber schweigen, weil es als nicht pc gilt und nicht sein darf, was nicht sein soll?
reagiert jeder kritischer.
Das kapieren schon Kinder:"Wenn der mir sagt die Mädchen sind besser als ich gewesen, dann ist das fies gemeint und er möchte mir damit zeigen das ich als Junge schlechter bin."
Wie bereits festgestellt:
1. Das Geschlechtsspezifische Gefühl ist das emfpindlicheste.
2. Kleinkinder fangen erst an sich als Jungen und Mädchen zu sehen, darum auch das "ähh die dummen Mädchen" oder "ähh die dummen Jungs".
Von dem her zweifle ich sehr an der Aussage dieser Forschung. Sie überträgt zu viel Gefühl und Hinterfotzigkeit auf die Kinder. Das ist nicht neutral genug. Udn wohl auch nicht erforschbar.
/ajk
"Interessant ist, dass nicht nur Jungen nicht von Mädchen übertrumpft werden wollen, sondern Mädchen auch nicht von Jungen."
WARUM IST DAS SO INTERESSANT?
Hätten Sie nicht damit gerechnet, Herr Knauß?