Das Zeitalter der Frau
Üblicherweise werden Zeitalter erst von Historikern, die zurückblicken, beschrieben. Der Siegeszug des weiblichen Geschlechts scheint aber eine derart sichere und unumkehrbare Tatsache zu sein, dass die Feng-Shui-Beraterin Sonja Löbbert im Futur ein Buch über das kommende "Zeitalter der Frau" geschrieben hat.
Ich muss nun gestehen, dass ich dieses Buch nicht gelesen habe, nur den Werbetext des Signum Verlages, der mir heute unverlangt zugesandt wurde. Doch der ist schon recht vielsagend:
Das "Ende des Patriarchats", heißt es da, beginne nach dem "über 4000 Jahre alten chinesischen Mondkalender" genau in diesem Jahr 2008! Und warum das so sein muss, erklärt Frau Löbbert auch: Die "kosmische Evolution" fordere einen "Kulturwechsel", um mit den "ökologischen und ethischen Herausforderungen" fertig werden zu können. Und da seien weibliche Qualitäten ("Yin"!) eher gefragt als männliche ("Yang"!). "Die Führungskultur der Zukunft ist weiblich!" behauptet Löbbert.
Bei der Beschäftigung mit den menschlichen Geschlechtern ist mir schon ziemlich viel Schwachsinn begegnet. Aber das ist vielleicht der Gipfel: Die Vereinigung von pseudo-chinesischer Esoterik mit substanzlosem Allround-Feminismus.
Nach meinem Eindruck sind Frauen bei solchem Feng-Shui-Mumpitz und ähnlichen esoterischen Pseudowissenschaften tendenziell stärker vertreten. Oder ist das ein Vorurteil? Hat jemand glaubhafte Daten über die Verbreitung der Esoterik nach Geschlechtern?




Schwachsinn - auch wenn diese Bemerkung bösartig scheint, so ist es doch der einzig richtige Begriff, für diese Literatur-Ankündigung.
Die Esoterik, wenn man sie denn ernst nehmen will, und die chinesische Lehren gingen bisher immer davon aus, das Yin und Yang im Gleichgewicht sein müssen. Beide können zwar ohne einander nicht sein aber nur in ausgewogener Harmonie beider Naturkräfte fließt Glück und Harmonie.
Bei einer einseitigen Dominanz einer dieser dualistischen Kräfte - entsteht Chaos.
Die Autorin scheint also vom YIN/Yang-Prinzip keine Ahnung zu haben.
(Die Frage nach der Verbreitung des Interesses für Esoterik kann ich nicht beantworten.)
Hallo,
da könnte ich jetzt einige sehr bösartige Sachen schreiben, denn das Patriarchat, ist eine Sache, mit der sich Frauen, je nach Geschick, sehr wohl, gut eingerichtet haben.
Das erübrigt sich aber wohl, wenn Esoterik und Matriarchat, zu einem Buch verwebt werden.
Die Frage ist ob Frau das Buch überhaupt
kaufen muss, oder es ohne finaziellen Aufwand als gelesen definieren kann.
Danke mit Feng-Shui zum Matriarchat. :-(
Gruß Uwe Kauffmann
Über die Verbreitung von Esoterik braucht sich niemand zu wundern.
So sind z.B. sogar unsere größten Organisationen - die Kirchen - vom eigenen Glauben abgefallen und verbreiten esoterisches Gedankengut: z.B. die sogenannten Nahtod-Erfahrungen (NTE).
Es wird zwar von den Theologen ganz richtig erkannt, dass dabei niemand gestorben ist - und daher nicht in einer Jenseitswelt gewesen sein kann -; aber diese Erlebnisse werden als Grundlage für religiöse Erlebnisse gewertet. Z.B. auf den Seiten:
www.karl-leisner-jugend.de gläubig / Glauben / Alle KatechesenFAQ / Juni 2006 / Nahtod-Erfahrungen und www.familie-zwoelfer.de Nahtodtexte.
Eine der kuriosesten Erklärungen für NTEs liefert ausgerechnet der Physiker Prof. Dr. Niemz (www.lucy-im-licht.de):
Er verknüpft dabei Gedanken über das Verhalten von sichtbarem(!) Licht nach der Einstein´schen Relativitätstheorie mit seinen Vorstellungen über eine unsichtbare(!) Seele => Seele und Bewusstsein verlassen beim NTE den Körper mit Lichtgeschwindigkeit.
Wo solche Märchen unwidersprochen bleiben, da haben Theologen, Gehirnforscher und Naturwissenschaftler vor der Esoterik kapituliert.
Peinlich! Peinlich! Peinlich!
"Hat jemand glaubhafte Daten über die Verbreitung der Esoterik nach Geschlechtern?"
Ja, hab ich - und ein paar Sachen davon auch schon online zugänglich gemacht. So stehen Männer den meisten esoterischen und auch religiösen Mythologien durchschnittlich skeptischer gegenüber als Frauen, sind jedoch wiederum z.B. schneller bereit, an UFOs oder Außerirdische zu glauben. Evolutionsbiologisch lassen sich die unterschiedlichen Präferenzen dabei, so zumindest die Ansicht einer wachsenden Zahl von Evolutionsforschern, durchaus als je bio-logisch entschlüsseln.
Zur Frage Geschlechterpräferenzen - Mythologien allgemein:
Gretchenfrage - Sind religiöse Frauen dumm?
Und einige Datengrafiken z.B. auch hier:
Die Bio-Logik des Glaubens (pdf, 1,2 MB)
(S. 14 - 19, v.a. S. 19)
Herzliche Grüße vom Nachbarblog!
Vielen Dank für den Hinweis, lieber Michael Blume. Ich freue mich, dass Sie mein Blog lesen. Ich schätze Ihres auch sehr und lese es in unregelmäßigen Intervallen.
Ihr Beitrag zur Gretchenfrage ist tatsächlich sehr lehrreich. Der entscheidende Unterschied zwischen heute so beliebter Esoterik und institutionalisierter Religion (nach der gretchen fragt) ist die Beliebigkeit und der fehlende theologisch-metaphysische Tiefgang der Esoterik im Gegensatz zum Christentum (und anderen Religionen). Die (von mir angenommene) besondere neigung heutiger Frauen zur Esoterik scheint mir nicht zu den (sonst sehr überzeugenden) evolutionssoziologischen und -psychologischen Erklärungen für die besondere Anhänglichkeit der Frauen an Religionen in früheren Epochen zu passen.
Naja, je nach Gusto ließe sich hier ein epiphänomenaler Atavismus vermuten (also Überbleibsel früher adaptiver Präferenzen) oder auch die (letztlich erfolgreiche?) Suche nach neuen Formen der Religiosität und Spiritualität. Bevor ich darüber lächele, erinnere ich mich gerne: Vor allem Männer haben uns ja dafür im 20. Jahrhundert mit Dutzenden UFO-Religionen "beschenkt" - und auch diese entsprechende Szene bevölkert mit missionarischem Eifer munter Buchmarkt und Internet. Ein Artikel dazu gefällig?
http://www.blume-religionswissenschaft.de/pdf/UFOReligionenBlumeJUFOF175.pdf
Aber ein paar Befunde (z.B. zur unterschiedlichen Verteilung von außergewöhnlichen Erfahrungen u.a.) habe ich auch noch gar nicht veröffentlicht und verspreche also, auch in Zukunft an der Sache dran zu bleiben! Und sie scheinen mir allesamt die These zu untermauern, dass Geschlechterunterschiede auch im religiösen und spirituellen Bereich nicht nur kulturell konstruiert sind. Symbolisch gesprochen: Eva glaubte und dankte wohl schon immer anders als Adam. ;-)
PS: Ich finde es klasse, dass Sie hier mitbloggen. Und schaue gerne immer wieder mal vorbei! :-)
Die Esoterik wurde etwa ab Mitte der 1970er Jahre populär.
Gibt es eigentlich irgendwelche Statistiken, über den Glauben an Gott, die Anzahl der Gottesdienstbesucher, usw. ... wo man sehen kann, ob/wie sich die Religiosität zwischen 1960 bis 1990 verändert hat.
Hm.
Ob das der richtige Moment und der richtige Ort ist, etwas zu "Esoterik" zu sagen? Und zwar jenseist der Geschlechterrollen und -präferenzen?
Ich probier's mal:
1)Apologie: Ich bin "Esoteriker" etwa in dem Sinne, wie Umberto Ecos "Pendel" esoterisch ist - mit heiterer Befremdung, doch nicht ohne ein Gefühl für die ästhetische Qualität mancher "Esoterizismen" (seien sie nun obskurant, verschwörungstheoretisch, alchemistisch oder was auch immer).
2) Ergo: aus der Esoterik spricht sicherlich keine "Wahrheit" in irgendeinem natur- oder geisteswissenschaftlichen Sinne. Aber eines scheint mir doch bedenkenswert: sie könnte insofern "wahr" sein, als sie einem BEDÜRFNIS nach einem Geheimnis, nach etwas Okkultem, Verborgenem, Ausdruck verleiht. SO gesehen, wird sie tatsächlich zu einem (psychologisch motivierten)Gegenprogramm der Aufklärung.
3) All dies natürlich niedergeschrieben unter dreistester Ideenmopsung bei Horkheimer/Adorno.
in dem von Ihnen unter 1) beschriebenen Sinne bin ich vielleicht auch ein wenig Esoteriker. Mit dem Begriff kann ich mich aber nicht identifizieren, da man dabei zumindest seit einigen Jahrzehnten an eben jene unschöne Verramschung aller möglichen exotischen Pseudoweisheiten denkt.
Ich denke auch, wie Sie andeuten, es ist eine ästhetische Frage - und wohl auch eine der Bildung (wenn das nicht sogar das Gleiche ist). Bei Menschen mit Geschmack und theologischer Bildung kann Esoterik sicherlich reizvoll sein. Aleister Crowley zum Beispiel ist ja wirklich eine interessante Gestalt - und hat postum mit seinem Okkultismus so manche Rock-Band zu hervorragenden Musikstücken inspiriert.