05. Juli 2010, 23:41
Fortpflanzung ist der blinde Fleck
vorherrschender Gender-Theorien. So meine hier schon einmal
vorgestellte These. In den Gender Studies wird die grundlegendste
Voraussetzung jeglicher Kultur und sozialer Existenz nicht
thematisiert: das Angewiesensein auf Reproduktion. Ausgerechnet die
Erforscher der Geschlechtlichkeit ignorieren, dass
(Zwei)Geschlechtlichkeit kein Produkt der Kultur, sondern ihr als
einziger Modus der Erhaltung der Menschen vorgelagert ist. Als ob das
Beschweigen eines Phänomens es aus der Welt schaffe!
Die Berliner Philosophin Hilge
Landweer lieferte schon 1994 eine überzeugende Kritik am
radikal-konstruktivistischen Mythos der Konstruierbarkeit aller
sozialer Kategorien also auch des Geschlechts: „Generativität und
Geschlecht. Ein blinder Fleck in der sex/gender Debatte“ in:
Theresa Wobbe und Gesa Lindemann (Hgg.): „Denkachsen. Zur
institutionellen Rede von Geschlecht“, Edition Suhrkamp 1994.
Landweer stellt darin fest: „In jeder Kultur führt in Zusammenhang
mit Mortalität und Natalität die Generativität zu
Kategorisierungen von Geschlecht.“ Eine Geschlechtlichkeit, die
völlig unabhängig vom (potentiellen) Beitrag zur Fortpflanzung ist,
ist nicht denkbar. Der konkrete Geschlechterbegriff ist kulturell
variabel, aber nicht beliebig, sondern verknüpft mit der
„generativen Zweigliederung“. Zur Veranschaulichung: Ein Penis
kann nie zum Symbol der Weiblichkeit werden, und Menstruation nie für
männlich gehalten werden.
Geschlecht und Fortpflanzung zu
verbinden – was liegt eigentlich näher? - ist innerhalb gewisser
Kreise kulturwissenschaftlicher Gelehrsamkeit ein ideologisches
Minenfeld, in das man sich nicht begibt. Landweer selbst wollte sich
nach einem langen Telefongespräch mit mir dazu nicht zitieren
lassen. Man kann das offenbar weniger
denn je gefahrlos thematisieren in den philosophischen Fakultäten.
So entstehen Denkverbote! Landweer hat sich nach solchen Erfahrungen
von der Thematik abgewandt.
Schade! Denn ihr Aufsatz aus der fernen
Zeit vor Einführung des Internets hat Aufmerksamkeit verdient. Auf
der Basis von Landweers Thesen könnte eine unvoreingenommene,
undogmatische, wahrhaft interdisziplinäre, also nicht
naturwissenschaftsfeindliche, aber auch nicht naturalistische
Geschlechterforschung stattfinden. Ein Jammer und ein Indiz für die
Verbortheit der Disziplin Gender Studies, dass diese überzeugende
Kritik an Judith Butler und ihrer Diskursontologie (also dem Verdikt,
dass Vordiskursives überhaupt nicht vorausgesetzt werden darf) so
wenig Widerhall in gefunden hat.
Ich zitiere im folgenden zentrale
Passagen.
Einleitung
„Kultur als dieses kollektive
Sich-eine-Vergangenheit-Geben und Eine-Zukunft-Beanspruchen bleibt
auf die Reproduktion der Gattung verwiesen.“ Ihre
Ausgangsprämisse ist eigentlich
eine Banalität, die zu ignorieren aber in den von Butlerscher
Diskursontologie geprägten Gender Studies konstitutiv ist.)
Zum
Zustand der Gender Studies:
„Naturalismus, „Ontologisierung“,
„Essentialismus“ und „Biologismus“ … fungieren inzwischen
geradezu als Denkverbote. Jeder Versuch, anthropologische Konstanten
auch nur als Grenzwerte für Transformationsprozesse zu bestimmen,
jeder Versuch zu reflektieren, was es für Menschen bedeutet, sich
ebenso wie Tiere fortpflanzen zu müssen (wenn sie sich denn
überhaupt fortpflanzen wollen), und jeder Versuch, die
Geschlechterdifferenz philosophisch zu reflektieren, ohne sie vorab
als reines Konstrukt zu setzen, kann damit bereits unter
Ideologieverdacht gestellt werden.
… Vernachlässigung des Problems
der Generativität in den neuen Diskussionen um die Kategorie
„Geschlecht“: Die Zeichenhaftigkeit des Körpers wird
thematisiert, ohne daß auf generative Prozesse Bezug genommen wird.
Dies ist bei einem Teil der Autorinnen methodisches Prinzip...
Nun lässt sich das Problem der
Normativität aber nicht durch Nicht-Thematisierung gerade jener
Phänomene lösen, die Verankerungspunkt für Normalisierungsmächte
sind, so als ob ein Phänomen schon dadurch verschwindet, daß es
beschwiegen wird. … solche Tabuisierungen sind … magische
Beschwörungen. Eine sozialtheoretische Fundierung des Phänomens der
Reproduktion der Gattung und ihrer symbolischen Mythisierung und
Verleugnung sehe ich als „missing link“ für eine
Bedeutungstheorie des Körpers an.
I. Verortung
Neueste feministische
Theorieanstrengungen (sie meint
explizit Judith Butler und ihre Anhänger, F.K.)
radikalisieren die sex/gender-Unerscheidung … [diese betonen], daß
der „anatomische Unterschied“ nicht einfach aus der Natur zu uns
spreche; die Natur mache keine Unterscheidungen, das
Chaotisch-Mannigfaltige werde erst durch menschliche Begriffe in eine
Ordnung gebracht – als eine Art Kulturnominalismus. Auch die
biologischen Geschlechtsbestimmngsmethoden seien kulturelle
Praktiken, die die distingierenden Geschlechterkategorien erst
erzeugen, ebenso wie die Geschlechtsattribution in alltäglichen
Interaktionen nicht etwa auf einer evidenten Sichtbarkeit des
sexuellen Dimorphismus beruhen, sondern ihn als selbstverständlich
geltend unterstellen. … Aufmerksamkeit innerhalb der feministischen
Diskussion vor allem auf eine Analyse der Diskurse gelenkt, die diese
Differenz hervortreiben, …
Kritik an solchen Positionen
(Ontologisierungen, Naturalisierungen, Mythisierungen,
Moralisierungen der Geschlechterdifferenz) ist sicherlich überfällig.
(Die gab und gibt es ja auch zur
Genüge, F.K.). Aber muss in solchen Kritikprozessen die
Kategorie Geschlecht selbst verabschiedet oder als reine
Diskurserfindung behandelt werden? Dem Glauben an die Biologie setzt
ein Teil der skizzierten Kritik nicht nur die Plausibilisierung der
Konstruiertheit biologischer Begrifflichkeiten, sondern auch den
Glauben an die prinzipielle Konstruierbarkeit aller sozialen
Kategorien entgegen. … Mir scheint hier ein neuer Mythos zu
entstehen.
Judith Butler … versucht, im
Theoretischen tabula rasa zu machen und eine Position jenseits der
symbolisierten Zweigeschlechtlichkeit einzunehmen.
II. Die These
Meine These ist, daß in jeder
Kultur in Zusammenhang mit Mortalität und Natalität die
Generativität zu Kategorisierungen von „Geschlecht“ führt.
(Wer – zumindest prinzipiell -
gebären kann, ist eine Frau. Außerhalb der Kreise der
Gender-Theoretikerinnen ist das keine waghalsige These, sondern eine
evidente, grundlegende Selbstverständlichkeit, eine Basis jeglichen
sozialen Handelns, F.K.)
Wie die Geschlechtsbegriffe
kulturell im einzelnen verfasst sind, ist prinzipiell offen, nicht
aber, daß es immer zwei Kern-Kategorien gibt, die Individuen nach
ihrem als möglich unterstellten Anteil an der Entstehung neuer
Menschen klassifizieren.
… Die kulturell sehr
unterschiedlich konstruierten Geschlechterbegriffe sind auf
vielfältige Weise konnotiert mit Vorstellungen über Körperformen,
mit dem, was dem jeweiligen Geschlecht an Fähigkeiten und typischen
Tätigkeiten zugeschrieben wird und – nicht zuletzt – mit
Sexualität. … eine unhintergehbare Koppelung von Generativität
und Ordnungskategorien für Personen durch eine Kernunterscheidung
(a/b) konstatieren. … auch wenn man sicherlich viele
Unterkategorien und „sexuelle Zwischenstufen“ einführen kann –
aber eben nicht geschlechtliche: das 'zwischen' bezieht sich auf
genau zwei Pole, die den Geschlechtsbegriff ausmachen. (Ein
einleuchtendes Argument gegen das häufige Gerede von einem „dritten
Geschlecht“ oder noch vielen weiteren Geschlechtern, F.K.) ...
Daraus
folgt zwar keine naturale Determination von Geschlechtscharakteren,
wohl aber die Unhintergehbarkeit der Anknüpfung an die generative
Zweigliederung auch für die Strukturierung der kulturell variablen
Geschlechterbegriffe.
Die Relevanz der Generativität wird
klarer… auf der konkreten Ebene der Bedeutung von Natalität im
menschlichen Selbstverständnis. …(Jeder
Mensch stellt sich) ... die Frage nach dem (eigenen)
Woher. ... Alle diese Selbstkonstruktionen müssen anerkennen, daß
es nicht irgendein Körper war, aus dem man hervorgegangen ist, und
daß am eigenen Zustandekommen noch ein weiterer Körper, der von dem
anderen unterschieden werden muss, beteiligt war.
Zweifelsohne sind Kulturen
vorstellbar, in denen die Kategorisierung von Personen nach
Geschlecht wesentlich weniger relevant ist als heute. Gegenstand
meiner These ist nur, daß überhaupt gemäß möglichem Beitrag zur
Reproduktion nach zwei Klassen unterschieden wird: nicht daß es noch
x-beliebige andere Kategorisierungen gibt, die auch relevant sind –
das ist ja auch heute schon der Fall. Aber selbst bei einer maximalen
Marginalisierung von generativen Prozessen (ewa durch Retortenbabies)
müssen noch die dazu notwendigen „Beiträgersubstanzen“
unterschieden werden – und das sind dann die Geschlechtskategorien.
… Auch ein Programm der Verfielfältigung der Geschlechter bleibt
demnach auf die beiden Grundkategorien angewiesen.
Die Frage nach den Grundkategorien
von Geschlecht ist weder vom Agieren von Einzelindividuen noch von
spezifischen Interessengruppen abhängig. Es ist auch keine Frage der
„Macht“ in der Sprache, oder eines ominösen „heterosexistischen
Gesetzes“ (so J. Butler in
„Das Unbehagen der Geschlecher“, 1991), sondern eine
Frage von Systemerhaltungsmechanismen, die auf der Ebene der
Einzelindividuen keine einfache Entsprechung finden. …
… jede Kultur teilt ihre
Individuen unter anderem durch ihren möglichen jeweiligen Beitrag
zur Generativität in Klassen ein. Diese Klassen müssen nicht
zwangsläufig zwei distinkte Kategorien „Männer“ und „Frauen“
sein; es ist zum Beispiel durchaus denkbar, daß es Rest- oder
Mischkategorien gibt oder für Nicht-mehr-Gebärende dieselbe
Kategorie gewählt wird wie für Nie-Gebärende. …
Die Geschlechterdifferenz, so
behaupte ich, wird nicht erst durch die Diskurse produziert, sondern
die wegen der Generativität sozial stets relevant gemachte leibliche
Differenz treibt ihrerseits Mythen hervor, und zwar sowohl
Gender-Mythen,die die Eindeutigkeit von „sex“ im Sinne von zwei
exklusiven Geschlechtern herstellen, als auch Mythen über eine
ursprüngliche Einheit oder eine vollständige Irrelevanz von
Geschlecht – und letzterer könnte als Mythos einer vollständigen
Entsexuierbarkeit bezeichnet werden.
III. Die menschliche Symboltätigkeit
Susanne Langers Theorie symbolischer
Transformation („Philosophy in a new key, 1942) … unterscheidet
zwischen Anzeichen und Symbolen. Tiere erkennen sich über Anzeichen
(Geruch)
Menschen dagegen erkennen sich als
Geschlechtssubjekte an kulturspezifisch ansozialisierten
vereindeutigenden Verhaltensmarkierungen (Habitus, Stimme, Kleidung
etc.), die zunächst wie Anzeichen (Auslöser) fungieren, aber
symbolisch „interpretiert“ werden – allerdings noch nicht
unbedingt auf der sprachlichen Ebene. …
Jede Bedeutungstheorie des
geschlechtlich identifizierten Körpers muß berücksichtigen, daß
nicht alles, was als Geschlechtszeichen gelesen wird, gleich arbiträr
ist. Es gibt eine Anzahl von Geschlechtszeichen, die zwar
möglicherweise in vielen denkbaren Kontexten neutralisierbar sind,
die aber niemals zum Zeichen für das andere Geschlecht werden
können. (Ich denke etwa an Brüste und Penis, Menstruation und
Erektion.) … Welche Gestaltwahrnehmung zu der Vorstellung „Frau“
und welche zur Vorstellung „Mann“ verdichtet wird, bleibt dabei
weitgehend identisch mit unseren vorsymbolischen Wahrnehmungsweisen
-...
(In einfachen
Worten zusammengefasst: In aller Regel – Ausnahmen sind natürlich
unbestritten - sieht und merkt jeder Mensch schnell, welchen
Geschlechts ein anderer Mensch ist. Kulturelle Symbole können nicht
völlig unabhängig von der physischen Natur gesetzt werden, F.K..)
IV.Generativität, präsentative
Symbolismen und eigenleibliches Spüren
Mit unserern Vorstellungen über
unseren Körper, das Körperschema, in dem wir ihn als
geschlechtlichen interpretieren, sind nun prinzipiell wie auch immer
geartete Vorstellungen über Generativität verknüpft. Selbst wenn
es in Zukunft nicht mehr Körper sein sollten, aus denen unsere
Nachfahren hervorkommen, sondern Retorten, so wird es auch dann noch
eine Unterscheidung der unterschiedlichen „Beiträgersubstanzen“
geben, auf die dieser Laborprozeß angewiesen bleibt – zumindest
solange, wie wir uns noch nicht als geklonte Exemplare Unsterbichkeit
verschafft haben. …
Nach Langer gibt es bestimmte
Ereignisse, die gewissermaßen dazu privilegiert sind, symbolisiert
zu werden, nämlich solche, die besonders starke Emotionen wecken,
oder, um es mit Hermann Schmitz zu sagen,: wo die leiblich-affektive
Betroffenheit besonders groß ist. Als Beispiele für solche
Ereignisse nennt Langer Leben und Leben geben, den Tod und die Toten
– kurz: die großen Themen nicht nur der primitiven Religionen.
... in der bisherigen
Theoriediskussion über die „Zeichenhaftigkeit des Körpers“ …
wird implizit eine Arbitrarität der Geschlechtszeichen unterstellt.
Arbiträr sind zwar die Kleiderordnungen und Verhaltensweisen, nicht
aber die leiblichen Prozesse selbst, auf die mit szenischen
Visualisierungen in präsentativen Symbolismen geantwortet wird.
…
Leiblich-affektive Betroffenheit ist
aber ein dennoch ein Phänomen sui generis, das als Voraussetzung für
Symbolisierungsprozesse eingeht in die „Herstellung“ von
Sozialität. (Einfacher gesagt:
Die meisten Menschen wissen ganz gut, ob sie Mann oder Frau sind –
bevor sie irgendetwas von Symbolen oder Diskursen mitkriegen, F.K.)
…
-
Judith Butlers Diskursontologie
…
Während Foucault die Begriffe „sex“
und „Sexualität“ (im Sinne einer alles erklärenden Kausalmacht)
historisiert hatte, universalisiert Butler wiederum diesen Befund mit
der Behauptung, der geschlechtlich identifizierte Körper sei
generell diskursiv produziert – und nicht nur die jeweils
spezifische Semantik, die wahrnehmbare Körperdifferenzen
interpretiert. Damit geht gerade der Gewinn der Foucaultschen
Perspektive verloren, nämlich durch historische Kontrastierung
deutlich zu machen, daß das System einer exklusiven
Zweigeschlechtlichkeit, die keinerlei Übergänge oder Restkategorien
kennt, als ein Kernelement der seit dem 18. Jahrhundert sich
durchsetzenden Normalisierungsmacht zu verstehen ist.
Nun ist der These, daß der moderne
Sexualitätsbegriff konstruiert ist, auf dem Hintergrund der
historischen Sudien Foucaults zuzustimmen; …
Aber die
Unterscheidungsmöglichkeiten zwischen einem als eindeutig
behaupteten Substrat einer symbolischen Repräsentation und einer
wiederkehrenden Gestalt verschwindet bei Butler unter dem Verdikt,
daß Vordiskursives überhaupt nicht vorausgesetzt werden darf.
(Das ist die Butlersche und in
weiten Teilen die kulturwissenschaftliche Berufskrankheit, F.K.)
…
Die Prozesse der Konstruktion und
Dekonstruktion von Geschlecht kreisen nicht in sich selbst, sondern
antworten u. a. auch auf die elementaren Herausforderungen, …
nämlich die … Tatsachen der Geburt, des Alterns, von Krankheit und
Tod....
-
Zusammenfassung und Ausblick
…
Die sex/gender-Unterscheidung reicht
nach dem bisher Gesagten für die komplexen Prozesse der Konstruktion
von „Geschlecht“ nicht aus. Ich stelle deshalb im folgenden drei
analytische Unterscheidungen vor, wobei die erste Begriffsvariante
noch einmal zwei Unterkategorien enthält:
-Geschlecht A:
der Begriff/die Begriffe, den/die sich eine
Kultur von dem jeweiligen leiblichen Spüren (Geschlcht C) macht, und
mit dem/denen sie ihre gestaltwahrnehmungen (Geschlecht B)
vereindeutigt, typisiert, interpretiert.
-A1:
präsentatives Geschlecht (Gender): mythisch und
literarisch gedeutete und dain bildlich und szenisch vorgestellte
Differenz.
-A2:
diskursives Geschlecht (Gender): die in
disursiven Symbolismen behaupteten Sachverhalte über „Geschlecht“,
d.h. Wahrheit beanspruchende Propositionen (zu Alltagsstereotypen
geronnene Mythen, Geschlchtermetaphysik, Wissenschaft inkl.
Feministischer Theorie und Butler). Eine spezielle, euroamerikanische
Variante von A2 ist derjenige Geschlechtsbegriff, der die
sex/gender-Unterscheidung hervorgebracht hat.
-Geschlecht B:
die als geschlechtlich wahrgenommene, aufmerksamkeitssteuernde
Gestalt, eine wiedererkennbare, wiedererkannte
und insofern „abstrahierte“ „Form“, ein Gesamteindruck,
„Situation“ (s. Unten) vom Typ „X“.
…
-Geschlecht C: leibliche
Prozesse, von denen wir unterstellen, daß sie auch ohne
unsere Wahrnehmung bei uns und anderen ablaufen (durchaus nicht
ausschließlich im Leibesinneren).
…
Die Dramen, die die
Geschlechterdifferenz inszenieren, liegen um es metaphorisch zu
sagen, „tiefer“ als nur auf der Ebene von Disursen (sehr
gut, diese Entlarvung der verbreiteten Überschätzung von Diskursen!
F.K.) , d.h. von begrifflichem Denken. Sie sind primär
mehr oder weniger phantastische und mythische Antworten auf
gestalthafte Wahrnehmungen vom Typus Geschlechterdifferenz, die in
bezug auf generative Prozesse nicht zu berspringen ist. …
Wie Mythen generell nicht, so ist
auch den Mythen über das Gechlecht nicht beizukommen, indem man sie
„richtig“ interpretiert und/oder einer Mythenkritik nterzieht,
jednfalls nicht dem Sinne, daß man damit ein für allemal in ein
aufgeklärtes, mythenfreies Reich eintreten könnte Kritisiert werden
können einzelne Mythen, aber nicht der Mythos der Differenz
prinzipiell – weil es den scheinbar neutralen Punkt, von dem aus
dies geschehen könnte, nicht gibt. Es können immer nur neue Mythen
und Geschichten über das Geschlecht erzählt werden. …
…
Statt der Versuche in den neueren
feministischen Diskussionen, die eigene Theoriebildung vollständig
zu „entsexuieren“, plädiere ich dafür, die mit der Kategorie
„Geschlecht“ gegebenen Unterscheidungen als kritische Instrumente
weiterzuverwenden, sie dabei aber in der oben angedeuteten Weise zu
modifizieren.
So weit die Zitate aus Landweers
Aufsatz. Der große Irrtum der Gender-Theorien und damit die Ursache
dessen, was ich die „Geschlechtsverwirrung“ nenne, beginnt, das
zeigt Landweer, wo die Priorität der biologischen Basis vor den
kulturellen Taten der Menschen ignoriert wird. Die Natur bleibt der
Kultur vorgelagert. Ohne Fortpflanzung - „wie die Tiere“ - gibt’s
keine Menschen und keine Kultur. Menschen sind Wesen aus Fleisch und
Blut und nicht nur Produkte ihrer eigenen Diskurse.
Geschrieben in
Allgemein
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