23. Februar 2010, 17:53
Ein saudi-arabischer Islam-Gelehrter fordert, jeden Muslim zu töten, der sich für die Aufhebung der Geschlechtertrennung in Saudi-Arabien ausspricht. In einer „Fatwa“, einem islamischen Rechtsgutachten, das auf der Website des Religionsgelehrten Scheich Abdurrahman al-Barrak veröffentlicht wurde, hieß es, wer erlaube, dass Männer und Frauen am Arbeitsplatz oder in den Universitäten des Königreichs zusammentreffen, sei „ein Ungläubiger, der getötet werden muss“. Das berichten heute die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und die österreichische Agentur APA.
Mädchen und Jungen werden in dem islamischen Königreich getrennt unterrichtet, auch an Universitäten. In Büros und Banken arbeiten Frauen in eigenen Abteilungen. Mit ihren männlichen Kollegen haben sie meist nur telefonischen Kontakt. Der einzige Ort, an dem die Geschlechtertrennung aus praktischen Erwägungen aufgehoben wurde, sind die Krankenhäuser. Die jetzige Fatwa hat die Eröffnung der nach König Abdullah benannten König-Abdullah-Universität für Wissenschaft und Technologie (KAUST) zum Hintergrund, an der Studenten und Studentinnen gemeinsam unterrichtet werden.
Ich bin bei solchen Nachrichten zunächst einmal sprachlos. Wie unendlich weit entfernt vom Westen sind diese muslimischen Gesellschaften! Ist mit solchen Leuten ein Dialog möglich? Al-Barrak und ähnliche Radikale mögen, so wird jeder wohlmeinende Versöhner einwenden, nicht für "den" Islam sprechen. Aber sie sprechen für einen sehr großen Teil und ihr Gedankengut ist in vielen Ländern, nicht nur in Saudi-Arabien, vermutlich mehrheitsfähig. Und dann stelle man neben diese absurden Archaismen unsere (ebenfalls absurden, aber doch vergleichsweise harmlosen) Gender-Spinnereien. Diesen unfassbaren Gegensatz vergegenwärtige sich jeder, der von One-World und Globalisierung spricht!
Das aberwitzige Verhältnis des real existierenden Islam zur westlichen Wissenschaft habe ich übrigens einmal in einem Essay behandelt: "Darwin und der Islam" . Leider waren die meisten Kommentare bei "Freie Welt" nicht auf dem Niveau, das ich erhoffte.
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