08. September 2009, 13:23
- Bei meinen Recherchen zur künstlichen Intelligenz bin ich auf
ein interessantes Stichwort gestoßen: die technologische
Singularität.
- Der Begriff Singularität bezeichnet in der Mathematik
und Physik eine Stelle, an der eine Größe undefiniert oder unendlich wird. Das Zentrum eines Schwarzen Lochs
ist das bekannteste Beispiel. Nach den
gegenwärtig bekannten Gesetzen der Physik ist die Gravitation dort
unendlich groß. Der Urknall, der Beginn des Universums, verkörpert
eine weitere Singularität. Alle Theorien über Temperatur und Dichte setzen erst unmittelbar danach ein, der Urknall selbst entzieht sich jeder Berechnung. Nach Meinung einiger Forscher könnte der Menschheit sehr bald
ein derartiges Ereignis bevorstehen.
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- Die technologische Singularität tritt ein, sobald die
künstlichen Intelligenz den Menschen überflügelt. Der Ausdruck stammt von dem Mathematiker und
Science-Fiction-Autor Vernor
Vinge. In einem Artikel
aus dem Jahre 1993 unter dem Titel „The Coming Technological
Singularity: How to Survive in the Post-Human Era“ beschrieb er
die Vorbedingungen für dieses Ereignis:
- Es können Computer entwickelt werden, die „bewusst“ und
übermenschlich intelligent sind. Bis heute ist umstritten, ob wir
Computer nach dem Vorbild des Menschen konstruieren können. Aber
wenn die Antwort lautet, „yes, we can“ dann ist es kaum
zweifelhaft, dass kurze Zeit später auch noch intelligentere System
erschaffen werden können.
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Große Computernetze (und die angeschlossenen Benutzer) können ein
eigenes Bewusstsein entwickeln und zu einem übermenschlich
intelligentes Wesen werden.
- Computer können mit Menschen so weit zusammenwachsen, dass sie
im Ergebnis als übermenschlich intelligente Einheiten betrachtet
werden können (ein sogenanter Cyborg
= Cybernetic Organism).
- Die Biologie mag ebenfalls Möglichkeiten finden, die menschliche
Intelligenz zu steigern.
Sobald ein Computer oder ein Cyborg übermenschlich intelligent
werden, können sie diese Intelligenz dazu nutzen, sich selbst zu
verbessern. Dadurch würden sie noch intelligenter und würden sich
um so schneller weiterentwickeln. Ab diesem Moment würde die Zukunft
unvorhersehbar, denn der Mensch hätte die Gestaltungshoheit
verloren. Kurz darauf, so schreibt Vinge, endet die Ära der
Menschen.
In den letzten Jahren haben die ersten wissenschaftlichen Projekte
zur Erschaffung einer menschenartigen künstlichen Intelligenz
begonnen. Auch wenn ich bereits ausgeführt
habe, warum ich das Blue Brain
Projekt für eine Sackgasse halte, so wird es doch wertvolle
Informationen für weitere Forschungen liefern. Auch das FACETS
Projekt arbeitet daran, die Grundlagen biologischer
Datenverarbeitung zu verstehen und komplexe Nervenstrukturen in
Computerchips nachzubauen. In spätestens dreißig Jahren sollte der
erste übermenschlich intelligente Computer fertig sein. Wenn ein
Prototyp einmal gebaut ist, wäre es ein leichtes, ihn in Massen
herzustellen. Durch den Zusammenschluss vieler solcher Rechner würde
ihre Leistung noch einmal potenziert. Das Gedankenspiel von Vernor
Vinge wäre Wirklichkeit. Und dann? Ja was dann? Würde es wirklich
einen beispiellosen technologischen Bruch geben, einen Urknall, der
uns alle zerstören kann? Oder würde der größte Teil der Menschen
sich schnell daran gewöhnen, dass sein Auto ihn ohne sein Zutun an
jedes gewünschte Ziel fährt („Die
Fahrt wird heute etwas länger dauern, auf der Weseler Straße steht
ein Stau. Ich habe mir die Freiheit genommen, eine Auswahl von Filmen
geeigneter Länge zu ihrer Unterhaltung herunterzuladen.“) und
seine Küche ihm automatisch und gesundheitsbewusst das richtige
Essen vorsetzt („Sie müssen abnehmen, deshalb werde ich Ihnen
heute nur einen grünen Salat servieren. Sie haben sicher Verständnis
dafür.“)?
- Der amerikanische Informatiker und Sachbuchautor Raymond
Kurzweil geht davon aus, dass jede technische Entwicklung sich ständig
beschleunigt. Von der Beherrschung des Feuers bis zur Erfindung von
Pfeil und Bogen vergingen mehr als 100000 Jahre, von der Erfindung
der Schrift bis zum Buchdruck waren es nur noch 5000 Jahre. Vor
dreißig Jahren führte die deutsche Bundespost den Faxdienst ein,
10 Jahre später war ein Fax im Geschäftsleben unentbehrlich, jetzt
ist es technisch schon fast veraltet. Der Siegeszug der Handys
vollzog sich in weniger als 10 Jahren. Alle Technologien, so argumentiert Kurzweil, entwickeln sich mit exponentiell zunehmender Geschwindigkeit, weil sie auf einer ständig
wachsenden Basis von Wissen und Fertigkeiten aufbauen. Eine
Singularität ist also unvermeidbar. Kurzweil betrachtet diese
Entwicklung aber nicht als Gefahr, sondern als Ausgangspunkt einer
besseren Zukunft für die gesamte Menschheit.
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- In den USA wird das Thema derzeit heiß diskutiert: Auf dem
Gelände des NASA Ames Research Center in Kalifornien wurde im
September letzten Jahres die Singularity
University gegründet. Gründungspartner sind der
Internetdienstleister Google, Inc. und die Venturekapitalfirma
ePlanet Ventures. Zum Gründungskanzler wurde – nicht ganz
überraschend – Raymond Kurzweil berufen. Die Institution
betrachtet sich als eine Bildungseinrichtung, die Studenten und
Manager auf die Herausforderungen der bevorstehenden massiven
Beschleunigung der technologischen Entwicklung einstimmen soll.
Oder, in ihren
eigenen Worten:
-
- Die Singularity University möchte einen Kader von
Führungspersonen versammeln, ausbilden und inspirieren, die danach
streben, den exponentionellen technischen Fortschritt zu verstehen
und zu befördern, und die die dabei entstehenden Werkzeuge dazu nutzen
und darauf ausrichten wollen, die gewaltigen Herausforderungen der
Menschheit zu meistern.
-
- Was meinen Sie: ist das sinnvoll, wird es eine Singularität
geben, oder handelt es sich nur um eine besonders originelle Art,
den Weltuntergang zu beschwören?
-
- In der zweiten Folge des Blog wird es um die Kritik von
Wissenschaftlern an der Idee der technologischen Singularität
gehen.
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Allgemein
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