brainlogs Anatomisches Allerlei scilogspreis

Sing' er, Singer!

11. März 2008, 16:44

Au weia. Das wird jetzt, so fürchte ich, ziemlich technisch, kompliziert und noch dazu lang. Also genau so, wie man einen Blog-Eintrag eigentlich nicht machen sollte. Deshalb fang' ich erstmal heiter und kalauernd an, auch wenn's dadurch noch länger wird. Aber immerhin kann ich auf diese Art und Weise auch die Atmosphäre schildern, in der sich das zutrug, wovon ich berichten will. (weiter)

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Olle Kamellen, aufgewärmt

07. März 2008, 14:43

Die Kraft eines Muskels ist proportional zur Summe der Querschnitte seiner Muskelfasern, und die wiederum ist proportional zur Quadratwurzel seines Volumens. Dicker Bizeps - dicke Kraft. Viel Hirn - viel Geist?

Die Volumina des Menschenhirns wurden eifrigst vermessen, vor allem in den letzten zwei Jahrhunderten des vergangenen Milleniums. Weltrekord: Iwan Turgenjew ("Väter und Söhne"): knapp über 2 Kilogramm. Im Durchschnitt hat die Menschheit so etwa 1300 bis 1400 Gramm Hirnschmalz unter der Schädeldecke. Unter 1000 Gramm wird es so langsam eng: da liegt die Grenze zu dem, was man früher kollektiv als "Idiotie" bezeichnet hat. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Hirngrösse und mentaler Kapazität, zumindest gibt es eine kritische untere Grenze. Oberhalb dieser Grenze aber: keinerlei Korrelation von "Mens" und "Massa" (Geist und Masse). Einsteins Hirn wog 1230 Gramm, und wahrscheinlich haben viele von Ihnen mehr Masse im Kopf, ohne dass Ihr Name jedoch je dem Nobelpreiskomittee zu Ohren kommen würde. (weiter)

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Wort zum Sonntag (Apologie der Irrelevanz)

01. Februar 2008, 13:19

Vorab das Wort zum Sonntag, von Joseph Hyrtl, 1889, Lehrbuch der Anatomie des Menschen, 20. Auflage, Wien, Verlag von Wilhelm Braumüller, S. 893/894

"Was nun die Functionenlehre des Gehirn anbelangt, beugen die Physiologen demüthig ihr Haupt, und bekennen, dass das menschliche Seelenwesen ihr durchaus unbekannt ist. Keine, wie immer verlautbarte Ansicht über die Hirnthätigkeit kann und wird es uns erklären, wie und wodurch den Factoren dieser Thätigkeit, den Ganglienzellen [=Neuronen, Anm.d.V] Bewusstsein [Hervorhebung im Original] innewohnen kann. ... Der Materialismus hat sich zwar bemüht, zu beweisen, dass das unbekannte Seelenwesen nur die Summe der materiellen Vorgänge des Gehirnorganismus sei. Die materiellen Vorgänge aber erfolgen in allen Organen mit unverbrüchlicher Nothwendigkeit und laufen in einer bestimmten Reihenfolge ab, an welcher die Organe selbst nichts ändern können. Ist die Seele nur eine Erscheinungsform des materiellen Hirnlebens, so ist sie auch in dieselben Fesseln der Nothwendigkeit gelegt, wie dieses. Selbstbestimmung, Spontaneität, Freiheit, und was wir sonst noch der Seele zuzumuthen gewohnt sind, fällt Alles hinweg, und es muss mit der neuen Lehre auch eine neue Weltordnung geschaffen werden, die sicher keine moralische sein wird." (weiter)

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Bewusstseinsquanten

28. Dezember 2007, 16:38

Es gibt Lichtquanten, Wirkungsquanten, Plancksche Längen, und vielleicht ist sogar die Zeit "gequantelt". Will heissen: die materielle Welt kommt in kleinen Päckchen daher, in lauter kleinsten Einheiten, die entweder ganz oder gar nicht da sind. Halbe Quanten gibt's nicht.

Gibt's auch Bewusstseinsquanten? Die kleinstmögliche Vorstellungseinheit, also die gerade eben noch so feststellbare Geistesregung, die, versuchte man sie noch weiter auszudünnen, einfach verschwände? Ist, mit anderen Worten, das Geistesleben sozusagen homöopathisch verdünnbar oder kommt das, was man so denkt, eher in Form von klassischen Pillen daher, die ab einer gewissen unteren Grenze der Dosierung keine Wirkung mehr zeigen? (weiter)

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Forschungsfront

20. Dezember 2007, 14:18

Von einigen Kommentatoren wurde die Forschungsferne und die vermeintlich zu philosophische Ausrichtung mancher Beiträge in "brainlogs" beklagt. Daher ein Bericht von der vordersten Front der Hirnforschung, brandaktuell. (weiter)

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Soziale Gerechtigkeit

03. Dezember 2007, 08:28

Tief im Innern meines Frontallappens, dort, wo mein Gerechtigkeitssinn haust, erschüttert die morgendliche Montagsmeldung meine Neuronenverbände: der Lotto-Jackpot ist auf 43 Millionen angewachsen!

Das heisst, mit einem Tag Arbeit - ach, was sag' ich - mit 10 Sekunden Kreuzchen malen können Sie, kann ich mehr verdienen, als Wendelin Wiedeking, der Chef von Porsche, mit einem ganzen JAHR harter Arbeit. Das ist doch sozial ungerecht! Ein ganzes JAHR! Dem Manne gehört doch ein fairer Mindestlohn, nicht wahr? Leistung muss sich schliesslich lohnen.

 



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Ein akademischer Witz samt Schimpf und Schande

23. November 2007, 15:13

"Sie sind nun", sage ich zu meinen Studenten, die in der grossen Anatomievorlesung des ersten Semesters sitzen, "an der Uni, Sie sind Studenten, Sie sind Akademiker. Akademiker nennt man uns, weil der olle Plato seine Philosophenschule in einem Wäldchen bei Athen gegründet hat. In dem Wäldchen stand ein Tempel für einen gewissen Herren Akademos. Das war ein Athener Nationalheld, der die Stadt vor den Spartanern gerettet hat. Also nannte man den Hain, später die ganze Philosophenschule die 'Akademie'." (weiter)

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Im Angesicht des Wahren, Guten, Schönen

06. November 2007, 10:25

Eigentlich gehört das ja in das "Psychologieblog". Trotzdem - es stammt aus dem Alltag des Anatomen, ein wenig verfremdet, so dass man die Personen nicht erkennt. Und so ganz "gender-neutral" ist es auch nicht. Da kann ich aber nichts dafür, ich bin qua Zusammensetzung meiner Chromosomen auch nicht "gender-neutral". Aber - Gott sei Dank - schon so alt, dass ich still bewundern kann, ohne dass überschiessende hormonelle und Durchblutungs-Reaktionen mich zu nicht publikationsreifen Gedanken oder gar Taten hinrissen. "Sublimation" nennt man das wohl, in diesem Falle also altersbedingt - einer der wenigen wirklichen Segen der beginnenden Seneszenz. (weiter)

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Zeitreise

29. Oktober 2007, 08:53

Im Alltag geht es doch so: man selbst steht mehr oder weniger still in seiner Gegenwart, während um einen herum die Zeit verfliesst, rasend schnell oder gähnend langsam, je nach dem, womit sie gefüllt ist. Wenn Sie mal eine Zeitreise machen wollen, durch eine Zeit, die steht, während Sie sich bewegen, dann sollten Sie Anatom werden. (weiter)

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Philosophenwitz

23. Oktober 2007, 11:19

Tolles Buch gelesen. John R. Searle: "Geist - Eine Einführung" (1).  Nicht alles, was da drin steht, stiess bei mir auf begeisterte Zustimmung, aber fast alles brachte mich zum Nachdenken. Und an einer Stelle - was bei philosophischer Lektüre eher selten vorkommt - hab' ich schallend gelacht. (weiter)

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