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Wie es der Herr Meier mit dem Tod hält

von Helmut Wicht, 21. Juni 2009, 12:28

Genug. Ich hab' genug von Bologna. Es wird Zeit für ernsthafteren Blödsinn, der subito weiter unten folgen wird. Eigentlich ist es die Fortsetzung eines Gedankens, den ich in "De Nihilo" und "Neues vom Nichts" angedacht habe. Eine Fortsetzung mit anderen Mitteln. Das übliche Caveat: ein "experimenteller" Text, womöglich ist er mir ja ein wenig zu innerlich und pathetisch geraten.

Wie es der Herr Meier mit dem Tod hält

"Als ich noch ein Jüngling war", sagt Herr Meier (und grinst dabei wie ein Schulbub, denn er liebt altmodische Worte und die milde Verwirrung, die sie stiften), "als ich noch ein Jüngling war, dem Knabenalter entwachsen, aber noch nicht Mann, da erschien mir der Tod. Er kam in seiner klassischen Gestalt, Kapuzenmantel, ein Gerippe mit Hippe." (Und grinst schon wieder, denn fast ausgestorbene Worte, die sich noch dazu reimen, die mag er ganz besonders.)

"Ich erschrak mich sehr", sagt Herr Meier, "denn freilich dacht' ich, es ginge ans Sterben, wo ich doch meinte, mit dem Leben noch gar nicht recht angefangen zu haben. Aber er kam nur auf Besuch und schlug mir einen Pakt vor, auf den eingegangen zu sein ich bis heute nicht bereue..."

"Was für ein Pakt?", fragt man Herrn Meier.

"Nun", antwortet Herr Meier, "er schlug mir Folgendes vor: er würde einfach nur in meiner Nähe bleiben wollen, ein Leben lang."

"Seltsames Anliegen", sagt man. "Was ist das denn für ein Pakt, was ist das für ein Deal? Haben Sie ihm Ihre Seele verkauft? Was bot er Ihnen dafür? Unsterblichkeit womöglich?"

"Nein", lacht Herr Meier und guckt dann nachdenklich auf die Rücken seiner Hände, auf denen Altersflecken, kleine Warzen und das blaue Netz der Venen von seinem Alter erzählen. "Nein", sagt Herr Meier, "der Tod wollte eigentlich nichts von mir. Vielmehr sagte er, dass er mich ja ohnehin schon habe - was solle er also wollen? Ein Leben in seinem Schatten, das ist es, was er bot, und er versprach, dass es ein sonniges Leben sein werde, gerade weil es in seinem Schatten stünde. So recht verstanden hab' ich das damals nicht ... aber er machte mir noch ein anderes Angebot, das mich reizte. Wenn es soweit sei, sagte er, werde er aus dem Schatten heraustreten, klar und und deutlich und in hellem Licht und werde sagen: 'Jetzt!' Und ich würde bis dahin und auch dann keine Angst haben."

"Und?"

"Ich habe 'Ja' gesagt", sagt Herr Meier und lächelt.

Der Herr Meier hat dann Medizin studiert und ist Rechtsmediziner geworden und brachte es ziemlich weit, bis zu einer Professur, ja, fast bis zum Ruhm. Denn um ihn war so eine Art von Aura, die die Leute faszinierte. Wenn er am Seziertisch seinem blutigen, mitunter stinkenden Handwerk nachging, so tat er es doch mit einer Zärtlichkeit, mit einem Gestus, der jedermann erstaunte. Jeder Schnitt seines Skalpells war ein Streicheln, sein Pinzettengriff eine Liebkosung, mit jedem Scherenschnitt, der ein Hohlorgan öffnete, meinte man die Befreiung dessen zu spüren, was darin eingeschlossen war.

"Scheff, wie MACHEN Sie das?", fragen ihn öfters die Assistenten.

"Keine Ahnung", brummt der Herr Professor Dr. Meier dann, "kommt wohl von der Übung.." (und weiss, dass er lügt, denn er konnte es schon immer).

Und wenn er forschte, und wenn er dann darüber schrieb, dann tat er es auf eine eigenartige Weise. Wenn man ein wissenschaftliches Manuskript las, das er verfasst hatte, dann war's, als ob man durch die kühlen, gekachelten, hellerleuchteten Räume des Instituts für forensische Medizin ginge - aber allüberall und plötzlich taten sich Falltüren auf, die den Blick auf modrige Abgründe freigaben, Türen öffneten sich, hinter denen verwinkelte, endlose Labyrinthe lagen, und mitunter liess der Herr Meier auch einfach die Decke einstürzen und gab den Blick auf das rätselhafte Nichts dort oben frei, vor dem zu schützen, so pflegte er zu sagen, die Dächer und Decken eigentlich erfunden worden seien.

Bei den Gutachtern, die seine Manuskripte zu beurteilen hatten, machte er sich damit wenig Freunde. Und als er dann - unter mächtigem Geächze und Gestöhne, unter übelsten Flüchen und Geschimpfe - sich genügend Manuskripte abgerungen hatte, die so einigermassen falltürfrei und nüchtern waren, und so zur Publikation gelangten, und als er, auf der Basis einer ansehnlich Anzahl solcher - von ihm innerlich verfluchter - Publikationen zu Amt und Würden eines Ordinarius gelangt war: Da liess er das Publizieren sein. Das wissenschaftliche zumindest. Er legte sich ein Pseudonym zu, schrieb irrwitzige Novellen und todtraurige Gedichte und freute sich wie ein Schneekönig, wenn er Leser fand, denen das gefiel.

"Haben Sie Hobbies?", fragt man den Herrn Professor Meier.

"Allzuviele...", sagt er dann.

"Ihr Lieblingshobby?"

"Ich geh' sehr gerne träumend über alte Friedhöfe...", sagt der Herr Meier dann und fast klingt es, als ob er sich dafür schäme.
 

Wie es der Tod mit Herrn Meier hält

"Meier? Mit 'e' und 'i'? Der Rechtsmediziner? Wie kommen Sie denn jetzt gerade auf DEN?", fragt der Tod und wird ein wenig blass (sofern ein Gerippe erblassen kann). "Sicher, den kenn' ich. Ich kenne ALLE..."

"Ja - und?" 

"Nun, das mir dem Herrn Meier, das ist - wie sagt man - öhm - ein etwas delikates Verhältnis."

"Inwiefern?"

"Den gibt's gar nicht."

"??"

"Seh'n Sie - mitunter wird's mir fade. Ich sitz' hier rum, bewache die Grenze vom Nichts zum Nichts, renne gleichzeitig wie ein Verrückter an dieser Grenze entlang, weil ich dauernd massenweise Personen und Dinge über sie schieben muss, ewig ist die Hippe stumpf und muss gedengelt werden, permanent muss irgendeine Sanduhr umgedreht werden - alles für nix und wieder nix."

"So ist das Leben...."

"Haha, sehr witzig!", sagt der Tod, aber in seinen leeren Augenhöhlen funkelt plötzlich etwas sehr Bedrohliches.

"...'schuldigung", sagt man kleinlaut.

"Schon gut", sagt der Tod und setzt sich eine Sonnenbrille auf, "ich will Sie nicht erschrecken. Den Herrn Meier ja auch nicht. Wirklich: all diese Nichtigkeiten, sie werden mir oft fade, ärger: sie schrecken mich, denn sie führen mir meine eigene Nichtigkeit vor die Augen, die ich noch nicht mal habe. Ich brauch' Abwechslung, ich brauch Aktion, ich brauch Urlaub von all diesem Leerlauf, denn die Leere hat nur Sinn, wenn sie irgendwo an ein Sein grenzt. Der Herr Meier ... wie soll ich das sagen ... ich BIN der Herr Meier, er weiss es aber nicht, noch hält er sich für sich. Er ist, könnte man sagen, mein Hobby. Ich hab' mir die Larve eines Subjektes aufgesetzt, um sehen zu können, wie es ist, wenn man ist. Und wenn ich die Augen schliesse, indem ich mir die Sonnenbrille aufsetze, und mich in den Herrn Meier träume, der ich bin - ey, das ist wie Kino! Und er ist mir doch recht wohl und unterhaltsam geraten, der Herr Meier, nicht wahr?"

"Nun", sagt man zögerlich, "für den, der das mag..."

 

Wie es die beiden miteinander halten

"Ich habe", sagt Herr Meier auf seinem Sterbebett, "ich habe meinen Tod geträumt. Eigentlich träumte mir, dass der Tod mein Traum sei, ich träumte ihn aber ganz klar, licht und hell und und er trat ohne jeden Schatten aus dem Traum hervor. Ich sterbe. Jetzt." Und stirbt.

"Ich habe", sagt der Tod, "aufgehört den Herrn Meier zu träumen. Gerade eben. Jetzt." Und zerfällt in diesem Moment zu einem Häuflein Staub und Asche, so wenig, so zart, so fein: Myriarden dieser Häuflein aller Tode und aller Meiers würden nicht reichen, eine Urne zu füllen.



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Kommentare

  1. Dietmar Hilsebein kein Betreff
    21.06.2009 | 14:57

    Mensch, Mensch, Mensch! Helmut! Das ist mal eine Ansage! Sich seiner Sterblichkeit zu aller Zeit bewußt zu sein...Wie leicht geht einem doch das Leben von der Hand. Wie das Leben sich am Tode aufrichtet, so vermag sich die Vernunft am Willen aufzurichten. Da gibt es keine Transzendenz, sondern nur ein Veto gegenüber dem Tod, der uns das Leben erst ermöglicht, ein Veto gegenüber dem Willen, der uns die Vernunft erst ermöglicht.

  2. Dietmar Hilsebein Nachtrag
    21.06.2009 | 16:08

    Das Veto, der Veto. Wenn das keine freudsche Fehlleistung ist, so weiß ich auch nicht weiter. Das Veto, der Gott. Scheiße, ich mag nimmer!

  3. Helmut Wicht @ Hilsebein
    21.06.2009 | 18:44

    Dietmar,

    ich kann nicht folgen, der Sache mit dem "Veto" und dem Nachtrag dazu erst recht nicht. Ich verstehe es einfach nicht.

    Das "Veto!" per se mag ich aber. "Ich verbiete!" Ach, wie gerne verböte ich mir mich selbst. "Whatever it is: I'm against it!" (Groucho Marx, "Horse Feathers").

    (An dieser Stelle zu imaginieren: ein irres Gelächter von fern her.)

    Was hab' ich eigentlich gesagt? Was hast Du gesagt? Was haben wir gesagt?

    Egal. Wir haben irgendwas gesagt. Völlig gleichgültig, was -- es muss zum Auweis unseres Gewesenseins genügen.

    (Hörst du das schrille Lachen der Göttin, die über das Nichts herrscht und die keinen Namen hat?)

  4. Dietmar Hilsebein @ Helmut
    21.06.2009 | 21:11

    Ich wollte sagen, daß das Leben sich nicht am Tode aufrichtet, sondern an dem Veto gegen den Tod. Wobei...Wenn ich es recht bedenke...Eigentlich stimmt beides...Ich könnte auch sagen, daß die Vernunft ihre Existenz dem Willen verdankt. Auch das wäre richtig. Eigentlich aber wollte ich schreiben, daß die Vernunft erst da zu existieren beginnt, wo wir dem Willen gegenüber ein Unbehagen empfinden. Es ist also eine wachsende Vernunft. Es ist keine, die vom "Himmel" herabschwebt. Wille hier natürlich immer im Sinne Schopenhauers zu verstehen.

    "Egal. Wir haben irgendwas gesagt. Völlig gleichgültig, was -- es muss zum Auweis unseres Gewesenseins genügen.

    (Hörst du das schrille Lachen der Göttin, die über das Nichts herrscht und die keinen Namen hat?)"

    Ja, Du hast recht! Es ist im Grunde alles ein großer Witz! Ein Spiel der Göttin oder Götter, oder Sein und Nichts, Substantive, Adjektive... Am Ende liegen wir in der Grube -so oder so...

  5. Uwe Kauffmann @Wicht
    21.06.2009 | 22:17

    Hallo,
    sehr schön oder einfach nur schön. Ich habe die Romane von Terry Pratchet, in denen der Tot die Hauptrolle gespielt immer sehr gemocht.
    Der Mensch nimmt sich viel zu ernst, da ist doch ein gedankliches Tänzchen mit Gevatter
    Hein sehr amüsant.

    Gruß Uwe Kauffmann

  6. Karl Bednarik Leise Gegenstimmen:
    22.06.2009 | 06:34

    Leise Gegenstimmen:

    http://www.imminst.org/forum/German-Group-f314.html

    http://www.detrans.de/

  7. Helmut Wicht @ Bednarik
    22.06.2009 | 08:29

    Herr Bednarik,

    ich verstehe diese Links - besser gesagt, die Inhalte, auf die sie verweisen - nicht so recht. Geht's da um Unsterblichkeit?

    Was für ein schauderhafter Gedanke! Es gibt da - ich las ihn vor langer Zeit, als Jüngling, sozusagen - einen Roman von Stefan Heym: Ahasver. Ich müsst' ihn nochmal lesen .. damals fand ich ihn grossartig. Könnte sein, dass es dieses Romanerlebnis ist, das oben in der Geschichte als die Begegnung des Jünglings Meier mit dem Tod wieder an die Oberfläche kommt.

  8. Uwe Kauffmann @Bednarik
    22.06.2009 | 08:40

    :-), sehr schön.

    Nun bin ich ja nun wirklich noch nicht so alt (42), aber dennoch befällt mich gelegentlich eine glitzernde Sehnsucht nach dem Nirvana.
    Die Tretmühle innerer Verantwortung ablegen und den Platz anderen überlassen.
    Und mal ehrlich wer will denn einem Humanoiden,der 200-300 oder 500 Jahre zeit hatte alles zu lesen und darüber nachzudenken, Modellbildung betreibt, in welcher Körperform er auch daherkommt noch verstehen?

    Der brabelt nur noch Blödsinn, zieh den Stecker raus.

    Eine schöne Woche wünscht Ihnen und allen

    Uwe Kauffmann

  9. Helmut Wicht @ alle
    22.06.2009 | 10:00

    Ich hab' gerade gemerkt, dass man das, was ich (auch) sagen wollte, natürlich noch viel schöner, lyrischer, kürzer udn prägnanter sagen kann, und dass es natürlich auch schon gesagt worden ist:

    "Man muss den Tod aus jeder Blume riechen."
    (August Graf von Platen)

    Oh weh - wenn alles je Sagbare schon gesagt worden ist, und wenn es auch immer schon schöner gesagt wurde, als man es selbst kann - dann müssen wir DARAN ja auch noch verzweifeln und letztlich: Verstummen.

    Jessas - Lyriker zu sein ist ein hartes Schicksal. Härter als Rechtsmediziner.

  10. Karl Bednarik Unsterblichkeit
    22.06.2009 | 15:19

    Hallo an alle,
    ja, es geht da um die Unsterblichkeit.

    Ich hätte gerne ein paar Jahrhunderte Test-Unsterblichkeit, denn umbringen kann ich mich dann immer noch, wenn es mir nicht mehr gefällt.

  11. Martin Huhn Test Unsterblichkeit?
    22.06.2009 | 15:27

    Ist das so etwas wie eine halbe Schwangerschaft?

  12. Helmut Wicht @ Bednarik-Unsterblichkeit
    22.06.2009 | 15:49

    "Ich hätte gerne ein paar Jahrhunderte Test-Unsterblichkeit, denn umbringen kann ich mich dann immer noch, wenn es mir nicht mehr gefällt."

    Ha!
    Ertappt!
    So ham' wa' nich' jewettet! "Unsterblichkeit mit Widerrufsrecht" - das ist eine Mogelpackung. Wenn schon, dann die volle Ladung: die Ewigkeit kommt mit dazu.
    Immer noch Lust?

  13. Martin Huhn @ Wicht
    22.06.2009 | 16:22

    "Immer noch Lust?"

    Ich ja.

    Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst, aber durch den Tod wird es entwertet. Der Tod macht alles zunichte. Da wird man auf die Erde geworfen, einfach so ungefragt. Dann muß man lernen vernünftig zu essen und nicht mehr in die Windeln zu machen. Gar manch einer geht sogar studieren und macht später ganz tolle Dinge. Doch der körperliche Höhepunkt währt nur kurz und der Verfall setzt ein. Also konzentriert man sich auf den geistigen Höhepunkt. Da kann man recht lang up to date sein. Aber bald ist es auch damit vorbei. Wozu hat man denn nun alles gelernt, das Wissen angehäuft, vielleicht die Menschheit nach vorn gebracht, wenn man nur kurzzeitig ein kleines Rädchen im Getriebe der Welt ist? Wenn ich tot bin, bin ich tot. Und ob sich jemand an mich erinnert ist egal, denn ich bin tot und habe nichts mehr davon. Ich kann mit niemanden mehr reden, ich kann nicht mehr lieben, ich kann gar nichts mehr, noch nichtmal mehr über mich nachdenken, denn ich bin ja nicht mehr da. Meine Atome, die vorher zu meinem Körper gehörten, die werden in irgendeiner Pflanze, Tier oder Mensch sein, aber nichts mehr von mir ist da. Die Materie ist noch vorhanden, doch meine Persönlichkeit ist ausgelöscht.

    Das Ganze macht nur Sinn, wenn ich unsterblich bin. Wenn Leben ein dauerhafter Zustand in Abwesenheit von Zeit ist. Aber bitte nicht in dieser Welt voll Schmerz und Leid und dem Tod, der sich in Alter und Krankheit immer wieder zu erkennen gibt. Nein, Leid, Schmerz und Tod, kenne ich schon, diese Erfahrung muß ich nicht mehr machen. Meine Lektion habe ich gelernt.

  14. Dietmar Hilsebein kein Betreff
    22.06.2009 | 19:42

    Eigentlich ist der Tod ja eine feine Sache. Im Angesicht des Todes relativiert sich das Leben. Ist man sich des Gastes, der da als Schatten nebenher läuft stets bewußt, so bleibt auch das Kopfschütteln nicht aus, wenn man die Hektik und das Streben der Erdenbewohner beobachtet. Wie? -fragt man sich. Wozu der ganze Streß? Selbst Kriege sind sinnlos. Warum schießt man sich nicht gleich selbst in den Kopf? Was wollen wir hier eigentlich? Die Ersten sein? Die Besten sein? Die Schnellsten? Und das im Angesicht des Todes? Nur der Mann aus Nazareth irrte auch. Keine Verwandlung, keine andere Welt. Ewig dreht sich das Hamsterrad! Ob ich nun die Scheune fülle und meinen Wein trinke und dabei die Welt mich am A... le..en kann -ich werde sterben. So wie die Nonne oder der Mönch im Kloster auch. Drum erfand man sich Hinterwelten, damit es einen Lohn -und Zahlmeister gibt, der uns für das Hamsterrad entschädigt.

  15. Karl Bednarik Test-Unsterblichkeit
    22.06.2009 | 20:05

    Die wenigsten Methoden der Test-Unsterblichkeit halten der Explosion von einem Kilogramm C4-Sprengstoff stand.

    Dann kleben die sterblichen Überreste des Test-Unsterblichen an den Wänden, falls noch einige Wände die Explosion überstanden haben sollten.

  16. Harald Andresen der Sinn des Lebens ...@Huhn
    22.06.2009 | 20:59

    "Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst, aber durch den Tod wird es entwertet."
    Das ist zu kurz gedacht. Der Sinn des Lebens ist (auch), dass es weiter geht. Zum Beispiel durch eigene Kinder und Kindeskinder.

  17. Martin Huhn @ Andresen
    22.06.2009 | 21:25

    "Das ist zu kurz gedacht. Der Sinn des Lebens ist (auch), dass es weiter geht. Zum Beispiel durch eigene Kinder und Kindeskinder."

    Davon habe ich aber persönlich gar nichts, wenn ich sterbe und tot bin. Und die Kinder auch sterben. Letzendlich wird das Universum den Kältetot sterben. Also, ganz konsequent zu Ende gedacht, spätestens der ganz große Tod, welcher das auch sein wird, der macht das alles zunichte.

  18. Martin Huhn @ Hilsebein
    22.06.2009 | 21:35

    "Wie? -fragt man sich. Wozu der ganze Streß? Selbst Kriege sind sinnlos. Warum schießt man sich nicht gleich selbst in den Kopf? Was wollen wir hier eigentlich? Die Ersten sein? Die Besten sein? Die Schnellsten? Und das im Angesicht des Todes? Nur der Mann aus Nazareth irrte auch."

    Ich glaube, in Jesus Christus wurde Gott Mensch. Und damit habe ich für mich auch die passende Antwort auf die Fragen, die Du Dir stellst. Was soll das vergängliche Leben? Ja, wenn Gott selbst sich dieser Vergänglichkeit preis gab, dann adelt er damit das Menschsein und auch das irdische Dasein. Er hat mit seinem Leben Erlösung für viele gebracht (für die, die dieses Angebot wahrnehmen). Nach christlichem Verständnis entscheidet sich hier auf Erden, wo wir die Ewigkeit verbringen werden und deshalb ist dieses Leben, ist mein Leben, überhaupt nicht nutzlos und vergeben.

    Und auch wenn dieses Leben oftmals mit Mißerfolg und dunklen Zeiten überschattet ist, so gibt es doch Augenblicke, wo die Schönheit wie ein Lichtstrahl hindurchbricht. Glück, Liebe, das ist nicht nur Fiktion, das gibt es wirklich. Eine leichten Vorgeschmack dürfen wir hier schon kosten.

  19. Siegbert Müller Jedem seinen Jedermann
    23.06.2009 | 08:17

    Angesichts des Todes verliert das Leben seinen Schrecken. Gesagt, gedacht, ... getan? Und was steht als nächstes auf der Tagesordnung?
    Der Tod ist sicher unser bester Ratgeber, wenn wir so vernünftig wären, zuzuhören. Aber, ... da ist dieses Wort wieder: „Vernunft“. Angesichts des Lebens verliert der Tod seinen Schrecken! Das wäre die sinnvolle Schlussfolgerung.
    Und was war vor unserem Leben? Sicher waren wir ebenso Tod, bevor wir gelebt haben, doch der Homo Ökonomus lebt „straight foreward“. Wer blickt schon gern zurück? Vielleicht geht’s uns ja dann wie Frau Loth und wir erstarren zur Salzsäule angesichts dessen, was wir möglicherweise hinterlassen (könnten). Wer sollte da helfen? Der Tod? Wer mag diesem bedauernswerten Herrn schon freiwillig und tief in die Augen sehen oder gar für die ein oder andere „Einsicht“ um Hilfe bitten?
    Ein Leben mit dem Tod? ... das wahre Leben?

  20. Helmut Wicht @ Müller
    23.06.2009 | 09:22

    "Ein Leben mit dem Tod? ... das wahre Leben?"

    Ja, warum denn nicht. Warum nicht mal dem Tod eine Lanze brechen. "Viva la muerte!" - nicht als Schlachtruf eines heroischen revolutionären Himmelfahrtskommandos, sondern eher im Sinne des mittelalterlichen "medio in vita mortis sumus", "mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben".

    Ich denk' wirklich, das diese Haltung ein notwendiges Antidot zum allgegenwärtigen Aktionismus des Daseins, zum Krampf des Positivismus ist. Es gibt MEHR als das Dasein, nämlich auch seine Negation, die ich in der allegorischen Gestalt des Todes aufmarschieren liess.

    Ich will (@ Martin Huhn) damit nichts positives über irgend ein "Jenseits" gesagt haben, ausser dem, was im letzten Abschnitt der Kurzgeschichte angedeutet wurde: es wäre erfreulich, wenn sich Sein und Nicht-Sein im Moment des Todes gegenseitig vernichteten. Ein Jenseits jenseits vom "Sein und Nichts" (Sartre) - das wärs!

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