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Neuro-Enhancement: die Gefahr kommt inkognito

von Monika Armand, 10. Oktober 2009, 00:08

Ein Geheimagent der Better-living-thru-chemistry reist ein: In seinem Koffer trägt er für jede Gelegenheit die passenden Reisepässe: "Donepezil, Dihydroergotoxin, Ergoloid, Tryptophan,Clonidin,Fluoxetin u.v.m." Er kann sie modifizieren, so wie er es braucht und er verspricht: "Ich bringe euch das große Glück". Leider steht in den kleingedruckten AGB's: "Die Kosten und Folgen trägt jeder selbst":

Gehirn & Geist 11/2009 - Das Memorandum "Das optimierte Gehirn"

 

"Nicht nur psychisch Kranke nehmen Medikamente, die auf das Gehirn wirken - auch immer mehr Gesunde dürften in Zukunft zu pharmazeutischen Mitteln greifen, um ihre geistige Leistungsfähigkeit oder ihre Stimmung zu verbessern. Wie wollen wir den Herausforderungen des "Neuro-Enhancements" als Einzelne und als Gesellschaft begegnen?" 

Im Memorandum von sieben führenden Experten ( PDF-Datei) werden die AGB's des Geheimagenten kurz gestreift:

Dabei finden sich wichtige Aspekte für die Diskussion um das Neuro-Enhancement  nur ansatzweise im Memorandum auf Seite 3:

1. Die Widernatürlichkeit des Neuro-Enhancements

2. Der Eingriff in die Neurobiologie des Gehirns

Obwohl gerade Punkt 2: "Eingriff in die Neurobiologie des Gehirns" zahlreiche Fragen aufwirft, wie z.B. bekannte Nebenwirkungen, unbekannte oder individuelle Nebenwirkungen, Langzeitnebenwirkungen, mögliche dauerhafte Veränderungen der Neurobiologie des Gehirns, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten etc., behandeln die Autoren diesen zentralen Aspekt nebenbei und mit einer beunruhigend anmutenden Sorglosigkeit:

"Ein anderer Standardeinwand gegen Neuro-Enhancement zielt auf die neurobiologische Eingriffsebene von NE, die gegenüber der Ebene kommunikativer Einwirkungen (etwa Coaching) als minderwertig verstanden wird: Pillen für neuronale Stoffwechselprozesse - Gespräche und Argumente für den Geist. Aber die funktional-dualistische Prämisse dieser Auffassung ist heute nicht mehr tragfähig." (G&G 11/2009 - Zitat Seite 3)

Die Tatsache, dass neben Philosophen und Juristen auch Mediziner das Wort ergriffen haben und nur marginal die Frage nach etwaigen Gefahren des Neuro-Enhancements erwähnen, kommt nicht von ungefähr. Die Pharmakologie, die Pharmakodynamik (= Lehre  über die Wirkung von Arzneistoffen im Organismus) und die Pharmakokinetik (Die Pharmakokinetik beschreibt die Gesamtheit aller Prozesse, denen ein Arzneistoff im Körper unterliegt), sowie die Pharmazeutische Chemie (Die pharmazeutische Chemie ist das Spezialgebiet der Pharmazie, das sich mit den chemischen Eigenschaften von Arzneimitteln im weitesten Sinne beschäftigt) sind nur selten ein "Steckenpferd" von Medizinstudenten. Ein Blick in medizinische Foren zeigt, welch Ächzen und Stöhnen durch die Reihen zieht, wenn es im Physikum um Teile aus diesen Fachbereichen geht. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn Medikamentenneben- und - wechselwirkungen auf die leichte Schulter genommen werden.

Natürlich bin ich auf diesem Fachgebiet noch weniger bewandert, wie dies Mediziner sind. Deshalb beziehe ich mein Know-How von dem Fachjournalisten Dr. Jörg Auf dem Hövel und seinen kritischen Recherchen samt seinen frustrierenden Selbstversuchen. Seit 1994 beschäftigt sich Jörg Auf dem Hövel mit dem weit gefassten Themenkreis um Substanzen, welche unser Bewusstsein beeinflussen (Gesundheit und Drogenpolitik). Die in 15 Jahren gewonnene Expertise schlägt sich in seinem Buch "Pillen für den besseren Menschen", welches 2008 im Telepolis Verlag erschienen ist, merklich nieder.

Es ist so spannend, aufklärend und  unterhaltsam zugleich, dass ich es schon drei Mal gelesen habe.  Die Vertreter der Better-living-thru-chemistry würden mir sicher entgegen halten (da ich das Intelligenzalter der Schwaben erreicht habe, d.h. zu den Ü-40 ern gehöre), dass ich unter einem behandlungsbedürftigen MCI (Mild Cognitive Impairment) litte, wenn ich ein Buch drei mal lesen müsse. Nun gibt es zu dieser Diagnose einen Test und ein aufrichtiger Psychologischer Psychotherapeut würde mich noch fragen ob sich das MCI bereits auf meine sozialen und beruflichen Funktionen ausgewirkt hätte. Damit wäre - zumindest im Moment und in meinem Fall eine behandlungsbedürftige MCI vom Tisch.

Dass jedoch die Diagnostik in der Regel manchmal nicht nach den offiziellen ICD-10 oder DSM-IV-Kriterien, sondern in großzügiger Auslegung gemacht wird, zeigt ein mir bekannt gewordener Fall des besonderen "Neuro-Enhancements" mittels eines Neuroleptikums:

    Yvonne* (Name geändert) lebt in einem Kinderheim. Verhaltensbeschreibungen aus einem psychologischen Gutachten könnten ein ADHS-Syndrom vermuten lassen. Es wird behauptet, dass das Mädchen intelligenzgemindert sei. ADHS-Kinder bereiten nicht nur Eltern, sondern auch ErzieherInnen im Heim Probleme. Die Niederlassung eines Herstellers des Neuroleptikums Risperidon befindet sich in örtlicher Nähe zum Heim. Obwohl die nicht mehr sorgeberechtigten Eltern bereits mehrfach und auch vor Gericht protestiert haben, wird durchgehend und entgegen bestehender medizinischer Leitlinien seit 2 Jahren das Medikament verabreicht. Die Eltern vermuten einen "Medikamentenversuch" an Heimkindern. Willkommene "Nebenwirkung" des Medikamentes ist die damit verbundene "Ruhigstellung"....(Weitere Informationen zum Thema hier: Medikamentenversuch mit Risperdal an Heimkind?)

Ähnliches ist aus meiner Sicht zu befürchten, wenn mit vergleichbarer Arglosigkeit "Neuro-Enhancement"-Medikamente zur Anwendung kommen und Diagnosen nach Bedarf "moduliert" werden oder wie Dr. Jörg Auf dem Hövel sagt: "Das Vorhandensein von Medikamenten provoziert die Entstehung neuer Krankheiten"

Nun reden wir von "Neuro-Enhancement" ohne dass zuvor klargestellt worden ist, was darunter eigentlich zu verstehen ist. Im Buch von Dr. Jörg auf dem Hövel steht dazu Seite 67 Folgendes:

"Eine Geschichte des Enhancement-Begriffs ist noch nicht geschrieben. Er wurde aber wahrscheinlich vom Humangenetiker William French Anderson um 1985 geprägt.Damals nutzte er im Zusammenhang mit der am Horizont erscheinenden Gentherapie den Begriff "Enhancement" in Abgrenzung zu "Therapy". Bislang hat sich im deutschsprachigen Raum keine sinnige Übersetzung für den Begriff "cognitive Enhancement" gefunden. Direkte Übersetzungsversuche klingen holprig: "Kognitive Verbesserung" oder "Wahrnehmungsförderung" werden sich kaum etablieren. Es reicht für das Erste aus, mit dem Begriff "cognitive Enhancement" Mittel und Wege zu beschreiben, die Aufmerksamkeit, Erinnerung, Lernen und Kreativität fördern. "Cognitive Enhancer" sind danach pflanzliche und chemische Wirkstoffe, die die oben genannten kognitiven Eigenschaften positiv beeinflussen. (Zitat Ende Seite 67, Hervorhebung letzter Satz von mir)

Dr. Jörg Auf dem Hövel sieht nach seiner 15-jährigen Beschäftigung mit diesem Themenkreis diese Form der Beeinflussung überaus kritisch, wenn er von einer "vermeintlich neuen Klasse von Medikamenten, die dem Geist auf die Sprünge" helfen sollen, spricht. Er ist nicht davor zurückgeschreckt einige "Neuro-Enhancer" in einem Selbstversuch zu testen.

Dem Leser seines Buches wird dabei sehr schnell klar: Die hervorragende Qualität des Buches ist kein Resultat dieser Selbstversuche........:

"Ich nehme zwischen August und Oktober 2007 genau 90 Tabletten ein: täglich 4,5 Milligramm Dihydroergotoxin. Meine Gehirnkapazität soll gefördert werden. Um es kurz zu machen: Ich merke nichts." (Zitat von Seite 76)

es kommt aber noch besser:

"Testreihe Donezepil

...[.....]...Fünf Milligramm ist bei milder Demenz die Einstiegsdosis, um die Kranken alltagstauglich zu machen. Diese Menge gönne ich mir auch. Keine zehn Minuten später stoße ich die ersten beiden nasskalten Fürze aus. Der Beipackzettel spricht von möglichen "gastrointestinalen Beschwerden." Ich weiß, was gemeint ist, als ich fünf Minuten später eine ausgiebige Keramiksitzung einlege. Der Magen beruhigt sich kurzzeitig, nur an arbeiten ist kaum zu denken. Schlierige Fernwahrnehmung und nachziehende Nahbilder beeinträchtigen die Optik. Gedanken wie Haferflockenbrei....[..]..ich bin zu keiner Regung mehr fähig und vegetiere auf dem Sofa...[..] Muskeln krampfen, der Magen rumort, Kopfschmerzen kommen dazu...[..]..Ich denke mit Respekt an die vielen Demenzkranken, die dieses Mittel täglich nehmen...[..]..Fest steht: Diese Testreihe wird nach dem ersten Tag abgebrochen. Der nächste Tag ist von einem typischen Hangover mit leichten Kopfschmerzen und unsauber arbeitendem Verdauungstrakt geprägt." (Zitat von Seite 88)

Exkurs: Psychopharmakologie Donezepil

"Die Acetylcholinesterase-Hemmer (AChE-)Hemmer sind zur Behandlung der Alzheimer-Demenz zugelassen. Sie bessern die kognitiven Funktionen, das Fortschreiten der Symptomatik wird durch die chonlinerge Aktivierung gebremst. Die AChE-Hemmer erhöhen die Menge des verfügbaren Acetylcholins im synaptischen Spalt, indem sie die Acetylcholinesterase inhibieren. Die ideale Substanz sollte einen nachweisbaren therapeutischen Effekt aufweisen, zentral hoch selektiv wirken und möglichst geringe zentrale wie periphere cholinerge Nebenwirkungen zeigen. Eine Organtoxizität sollte nicht vorliegen, kardiovaskuläre Wirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Pharmaka sollten minimiert sein. Die derzeit verfügbaren AChE-Hemmer sind Donepezil, Rivastigmin, Galantamin und Tacrin. ..[..]Die cholinergen Substitutionsstrategien mit Cholinpräkursoren und nikotinergen Cholinrezeptoragonisten zeigten nur geringe Effekte. Durch eine fehelnde zentrale Selektivität kam es außerdem zu ausgeprägten unerwünschten vegetativen Wirkungen. Aus diesem Grund sind diese Therapieansätze wieder verlassen worden. […].Donepezil ist ein selektiver, reversibler Acetylcholinesterase-Hemmer, der nur eine geringe periphere Wirkung aufweist. Aufgrund der langen Halbwertszeit ist nur eine tägliche Gabe erforderlich…[…]
Unerwünschte cholinerge Effekte zeigten sich bei 10-20% der behandelten Patienten in Form von Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, Dyspepsie und Bradykardie sowie Hypotonie und Obstipation. …[..] ..Wie bei allen Acetylcholinesterase –Hemmern können durch Neuroleptika induzierte extrapyramidal-motorische Störungen verstärkt werden.".
(Zitat aus:"Klinische Pharmakologie", Martin Wehling, Georg Thieme Verlag, 2005, Seite 437)

Für Biochemie-Fans oder jene, welche sich ein "Bild" über die Komplexität der Pharmakodynamik einzelner Wirkstoffe machen möchte, gibt es von BASF weiterführende Informationen zum Thema PDF: Toxikodynamik Es lohnt sich dazu das Schaubild auf Seite 16 anzusehen!

Für die Testreihe mit Modafinil nimmt der Autor drei Anläufe. Insgesamt registriert er längere "Wachheit" und stellt bei Versuchsende fest:

"Mir schwant, dass Modafinil seinen Platz vor allem dort finden wird, wo wenig Kreativität und viel Arbeitsleistung gefragt ist" (Zitat Seite 131)

und

"Merkfähiger oder kreativer macht sie nicht, eher breitet sich Fließbandatmosphäre im geistigen Raum aus. Gut, wenn Narkoleptiker von einer Substanz mit wenigen Nebenwirkungen profitieren können. Als gesunder Mensch werde ich mich weiterhin eher auf die seit Jahrhunderten erprobten, naturnahen Wirkstoffe verlassen. (Zitat Seite 132, Hervorhebung letzter Satz von mir)

Warum die erhofften bzw. versprochenen Wirkungen ausbleiben erklärt Dr. Jörg Auf dem Hövel u.a. so:

[...]im Pharmasektor existieren zu Wirkstoffen und Medikamenten eine Vielzahl von Studien, deren Aussagekraft zumindest uneindeutig, oft sogar zweifelhaft sind: Tierversuche werden auf die Psyche des Menschen übertragen, ein der Studie zugrunde liegendes Axiom ist falsch oder von Pharmaunternehmen finanzierte Studien werden nur veröffentlicht, wenn sie positive Ergebnisse bringen.(Zitat Seite 2)

Das bisherige Scheitern, so verstehe ich den Autor, liegt z.B. an folgenden Problembereichen:

1. Fehlendes Wissen über die Hirnfunktionen, sowie die körperlichen, psychischen und sozialen Vorgänge und Wechselwirkungen

"Während die Gentechnik die Denker überrollte, hofft man beim Neuro-Enhancement die Dimensionen im Vorfeld zu erfassen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass die meisten der hier diskutierten wissenschaftlichen Erkenntnisse um Hirn- und Wirkfunktionen zwar dem momentanen Stand der Wissenschaft entsprechen. Sie sind aber zugleich hoch variabel, nicht nur, weil sich der Wissenshorizont immer weiter nach hinten schiebt, sondern auch, weil trotz anderslautender Meldungen das menschliche Gehirn in seinem Zusammenspiel mit Körper, Umwelt und Medikamenten nur in Ansätzen wirklich verstanden ist. Hinter dem Kauderwelsch der Wissenschaftssprache versteckt sich teilweise die Ahnungslosigkeit darüber, welche Abhängigkeiten zwischen den körperlichen, psychischen und sozialen Wirkungen eins Medikaments bestehen. An vollmundigen Prophezeiungen mangelt es trotzdem nicht. (Zitat Seite 13, Hervorhebungen von mir)

2. Überzogene Erwartungen an medikamentöse Beeinflussungsmöglichkeiten:

"Schon in den frühen 90er-Jahren verkündeten Fach- und Populärzeitschriften immer wieder Entdeckungen irgendwelcher Wissenschaftler, die "den zentralen Mechanismus für alle Lernprozesse" gefunden haben wollten. Aber die Nachfolgeforschung brachte erhöhte Komplexität ans Licht, die Prognosen verschwinden in den Archiven. [...]...Mit der Proteinforschung glaubt man nun einen besseren Zugang zur molekularen Welt des Lernens gefunden zu haben...[...]..Im Laufe der letzten Jahre entdeckte sein Team immer mehr Eiweiße, die an den Synapsen tätig sind. Man erstellte eine Art Landkarte von über 1000 Proteinen, die untereinander vernetzt agieren. Wieder einmal zeigen sich die Vorgänge komplizierter als zunächst gedacht: Die Funktion von einigen der Proteine ist bekannt, aber für 90 Prozent dieser Eiweiße ist noch völlig unklar, für was sie eigentlich zuständig sind."(Seite 6)

und

"Wie auch immer man das Zusammenspiel von Neuronen und Gliazellen illustriert, die Pharmakologie ist bisher kaum in der Lage, die neuen Erkenntnisse auf die praktische Wirkstoffforschung anzuwenden. Die Erhöhung oder Hemmung von Transmitterverfügbarkeit ist angesichts der Komplexität der chemischen Vorgänge im Gehirn ein vergleichsweise grobes Verfahren, ein ungeschliffener Eingriff in ein fein justiertes System, dessen Interdependenzen erst ansatzweise erkannt sind. An den Gliazellen wurde in dieser Hinsicht über Jahre hinweg vorbeigeforscht." (Zitat Seite 11)

Angesichts der Feststellung solcher Fakten wundert der Hype bezüglich "Neuro-Enhancement" doch sehr. Die Hoffnungen auf einen Wechsel vom Brainjogging zum Braintuning zerplatzen angesichts der unerforschten Phänomene wie Seifenblasen:

"Mit jeder Entdeckung eines neuen Neurotransmitters wurde diesem immer auch eine entscheidende Rolle für Lernfunktionen zugeschrieben. Der erste Hype bezog sich auf das Serotonin, das bereits 1930 isoliert wurde."(Zitat Seite 78)

Der jahrhundertalte Traum vom Nürnberger Trichter nährt die immer wieder aufs Neue gepflegten Hypes und verführen dazu, großzügig über all die Schwächen jener Hypes hinwegzusehen:

"Verschiedene Messverfahren werden angewandt, um die geistige Leistung einer Person zu testen. Leider kamen und kommen bei unterschiedlichen Substanzen auch unterschiedliche Tests zur Anwendung, dies erschwert den Vergleich. Noch nachteiliger wirkt sich allerdings aus, dass keine Studien bekannt sind, die einen cognitive Enhancer aus klinischen Bedingungen herausgeholt und in alltäglichen Situationen eingesetzt haben....[....]...Dies führt direkt zu dem nächsten Problem der Erforschung der cognitive Enhancer: die fehlenden Langzeitstudien. ...[...].... kann schon jetzt festgestellt werden, dass für keine der Substanzen valide Daten vorliegen, welche die langfristigen Folgen ihres Konsums in unterschiedlichen Dosierungen und Zeitabständen hat." (Zitat Seite 69)

3. Probleme der pharmazeutischen Forschung, der pharmakologischen Beeinflussung durch profitorientierte Pharmafirmen, der Gesundheitspolitik und organisierten Ärzteschaft

"Es ist eine Ironie der Pharma-Geschichte, dass Entscheidungen für oder gegen die Verschreibungsfähigkeit eines Wirkstoffs weniger im Wissenschafts- als im Politischen Raum getroffen werden. "(Zitat Seite 113)

Dr. Jörg Auf dem Hövel kritisiert, dass oftmals eher wirksame und nebenwirkungsärmere Pflanzenprodukte aus der Verschreibungspflicht herausgefallen und teurere chemische Präparate mit großteils unbekanntem (Neben-)Wirkungsspektrum diese in der Verschreibungspraxis ersetzt haben.

"In den klinischen Versuchen wird ein Wirkstoff zunächst an ein paar Dutzend gesunden Probanden getestet (Phase1), in Phase 2 an mehreren Hundert Patienten auf Effektivität und Nebenwirkungen. In Phase drei, die mehrere Jahre dauern kann, nehmen dann Tausende von Patienten den Wirkstoff. Gemessen an Zeitaufwand und involvierten Patienten ist die dritte Phase die teuerste: Das Entwickeln eines Medikaments bis zur Marktreife dauert Jahre, manchmal Jahrzehnte, und verschlingt zwischen 200 und 800 Millionen Euro....[...]..... Haben alle Phasen die Wirksamkeit und Sicherheit gezeigt, entscheiden die Arzneimittelbehörden darüber, ob der Wirkstoff als Medikament genehmigt wird. Dieser Genehmigungsprozess dauert noch einmal zwischen einem und drei Jahren."(Zitat Seite 54,55)

und

"Eine Arzneimittelfirma muss im Schnitt acht Studien für einen Wirkstoff in Auftrag geben, damit sie zwei positive erhält" (Zitat Seite 170)


Schlusswort:

"Cognitive Enhancer" sind danach pflanzliche und chemische Wirkstoffe, die die oben genannten kognitiven Eigenschaften positiv beeinflussen. (Zitat Ende Seite 67)"

 Nach der Definition von Dr. Jörg Auf dem Hövel gibt es demnach noch keine echten "Cognitive Enhancer", es sei denn, man zählt folgende Neuro-Enhancer dazu:

 

Mein Dank gilt meinem persönlichen Neuro-Enhancement bzw. Neuro-Enhancern für diesen Blogbeitrag:

  1. Das Buch "Pillen für den besseren Menschen" von Dr. Jörg Auf dem Hövel
  2. Einige Tassen Kaffee
  3. Limonadegemisch: Mineralwasser, Carolinen Blutorange mit Cola Zero
  4. Aufmunterte Worte und wechselseitige inspirierende Gespräche mit meiner besseren Hälfte
  5. Neugierde und Wissensdurst, gepaart mit Geduld und Ausdauer

Ich danke Herrn Dr. Auf dem Hövel für die freundliche Genehmigung der überlangen Zitate aus seinem sehr empfehlenswerten Buch (bei hervorragendem Preis-Leistungsverhältnis!).  

Das Buch hinterlässt im Selbstversuch nur ein positives Neuro-Enhancement und führte zu folgenden positiven Wirkungen: 

Kritischer Geist, profundes Wissen, sympathisches Telefongespräch mit dem Buchautor, EU-Stress beim Schreiben des Artikels wegen des hohen Anspruchs der Zitateauswahl bei bestehender Problemstellung: "Wer die Wahl hat, hat die Qual"

Als gleichfalls anzusehende positive Nebenwirkungen hinterlässt das Buch folgende Spuren:

  • Skepsis gegenüber jeder Form von Heilsversprechen eines Neuro-Enhancements
  • Nüchterne Betrachtung der realen Situation zum Neuro-Enhancement
  • Eine vage Vorstellung über die hohe Komplexität biochemischer Vorgänge im Körper und die massiven Eingriffsmöglichkeiten durch Arzneimittel, begleitet von möglichen unerwarteten Wirkungen/Nebenwirkungen bei unbekannten Langzeitwirkungen
  • Riesige Einsparungen bezüglich hoher Kosten für etwaige Neuro-Enhancement-Selbstversuche

Langzeitwirkungen: Für die nächsten Jahre: Finger weg von Neuro-Enhancern. Trinke weiter und sehr gerne Kaffee und Nutzung der Ressourcen von harmlos angesehenen pflanzlichen Enhancern, Pflege und Nutzung meiner psychosozialen Bindungen...

Weiterführende und neuro-enhancende Beiträge des Buchautors  zu verschiedenen Themenbereichen finden Sie hier: Jörg Auf dem Hövel

Mein Lieblingsbeitrag und der "Turbo-Neuro-Enhancer" zum Thema:

Spice: Aufstieg einer dubiosen Psycho-Droge (telepolis v. 22.02.2009)

und zu guter Letzt:

Die Inhaltsangabe zum Buch "Pillen für den besseren Menschen":

 Inhaltsverzeichnis (pdf; 1.1 MB)

 

 


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Kommentare

  1. Balanus Blog-Gewitter / Doping vs. Jogging
    10.10.2009 | 14:42

    Fällt schon schwer, sich bei den vielen Blogs zu entscheiden, wo man einen Kommentar zum Neuro-Enhancement-Memorandum platziert. Ich glaube, hier bei Ihnen, lieber Frau Armand, passt meine Anmerkung ganz gut, weil Sie unter Punkt 2 den Eingriff in die Neurobiologie des Gerhirns hervorheben.

    Zitat aus dem Memorandum (S.2):
    Wer versucht, durch Denksport, Coaching oder Meditation sein psychisches Potenzial auszuschöpfen oder zu erweitern, genießt dafür in der Regel sogar besonderes Ansehen.

    Zu Recht, wie ich meine. Denn bei diesen Methoden wie auch beim sogenannten Hirn-Jogging wird längerfristig die Feinstruktur des Gehirns verändert. So etwas formt die Persönlichkeit. Das ist im Grunde auch nichts anderes als das, was wir von Geburt an tun.

    Demgegenüber wären Neuro-Enhancer eben nur eine vorübergehende Stimulation - im günstigsten Falle (käme es dabei zu strukturellen Veränderungen, wäre die Gefahr unerwünschter Effekt groß). In milder Form versuchen wir ja ständig, das Gehirn auf Trab zu bringen. Schon ein Glas Wasser ist gelegentlich hilfreich. Neuro-Enhancement ist in meinen Augen also nichts per se Schlechtes, nur etwas völlig anderes.

    Sollte es dereinst tatsächlich einmal nebenwirkungsfreie Enhancer geben, würden sie vermutlich als Nahrungsergänzungsmittel in keiner Küche fehlen. Aber Substanzen, die in den Hirnstoffwechsel eingreifen, haben notwendigerweise Nebenwirkungen. Und die sind meist eben nicht erwünscht.

szmtag