Praxis? – Oder wie verkaufe ich ein überholtes Konzept
Unter der Rubrik „Praxistipps von Trainern und Beratern" ist im Gehirn und Geist Magazin 09/2009 ein Beitrag zum Thema : „Richtig fördern: Coaching statt Nachhilfe" erschienen. Zwei Leserbriefe vermelden ihr „Entsetzen" und üben heftige Kritik an der fehlenden wissenschaftlichen Grundlage des Beitrages. Sie werfen den Autoren Dilettantismus und Unwissenschaftlichkeit vor. Zu Recht, wie ich meine. Herr Christiani antwortet dazu:
"Wenn deutsche Bildungstheoretiker zur Feder greifen, wird
es spannend: Sie plaudern über Prozesse, die sie nicht kennen, bezweifeln
Ergebnisse, die ihnen nicht vorliegen und bestärken sich gegenseitig in
Theorien, nach denen effektives Lernen sowieso nicht funktionieren kann." ...(weiter im Beitrag unten)
Der
Trainer Alexander Christiani ist gem. meiner Recherche studierter
Jurist mit Schwerpunkt Wirtschaft. Er hat eine NLP-Ausbildung
absolviert und betreibt eine Unternehmensberatung. Sein Mitarbeiter,
Jürgen Hoffmann greife auf eine 20-jährige Erfahrung in Marketing und
Vertrieb zurück.
Die beiden Berater haben ein „Nachhilfeinstitut"
für Eltern gegründet , über welches im Franchisesystem in ganz
Deutschland ihre „Idee" des „Coaching statt Nachhilfe" vertrieben werden soll: "Neues Franchise-System vermittelt Eltern Lerntechniken und Lernmotivation ... " (siehe auch:http://www.franchise.de/franchise_franchising/NEWS/E3280.htm)
Das Projekt ist diesen Sommer gestartet worden……Anbei ein Zitat aus einer Pressemitteilung:
„LIFE´S´COOL bündelt weltweit anerkannte Techniken des Erfolgs-Coachings zu einem einmaligen Angebot. Alle vermittelten Techniken, Methoden und Kenntnisse sind seit Jahren Bestandteil einer erfolgserprobten Weiterbildung für Führungskräfte in Wirtschaft, Sport und Wissenschaft. Aus zahlreichen lernfördernden und motivationssteigernden Komponenten hat LIFE´S´COOL ein wirkungsvolles und kindgerechtes Gesamtkonzept entwickelt."
Im Magazin Gehirn und Geist
beklagen die Autoren in ihrer Einführung das vermeintliche Versagen der
Schulpolitik und stützen auf diese Feststellung, dass bezüglich des
Schulerfolgs daher die Eltern gefordert seien.
Sie weisen darauf
hin, dass Eltern eine Menge Geld für Nachhilfe ausgeben und behaupten,
dass die von ihnen ins Leben gerufene Initiative „LIFE’S COOL" eine
gute Alternative sei. So schreiben sie auf ihrer Webseite: „Motivation
ist wirksamer als Nachhilfe - und vor allem auf Dauer viel günstiger!"
Einen Beleg für diese Behauptung gibt es nicht, denn die Autoren
„vergessen" zu erwähnen, dass Untersuchungen bereits bestätigen
konnten, dass das Geld für Nachhilfe gut angelegt ist, denn Schüler,
welche Nachhilfe bekamen, konnten ihre Schulleistungen deutlich
verbessern.
Die Frage ist daher: Ist eine Elternschulung in Sachen Lerntechniken genau so wirkungsvoll, wie eine direkte Schülernachhilfe?
„Das Engagement der Eltern ist ein entscheidender Faktor für den Schulerfolg" behaupten die Autoren.Damit das Engagement der Eltern erfolgreich sein könne, bieten die Autoren das „LIFE’S COOL"-Trainingsprogramm an. Diesem Trainingsprogramm lägen angeblich bewährte Lern- und Motivationsmethoden aus der Erwachsenenbildung zugrunde. Die Preise für die Kursangebote, welche in 3 Teilen stattfinden (Lerntechniken, Selbstmotivation der Kinder, Konstruktive Kommunikation) werden auf der LIFE’S COOL-Webseite nicht bekannt gegeben.
Was ist von dem im Beitrag beschriebenen „Trainingsprogramm" zu halten?
Zunächst
ist festzustellen, dass die Behauptung, dass das Engagement der Eltern
ein entscheidender Faktor für den Schulerfolg sei, so nicht aufrecht
erhalten werden kann:
Die höchste Erklärungskraft für den
Schulerfolg haben die Lehrstrategien (r=.48), hat die Intelligenz
(r=.44), die Unterrichtszeit (r=. 38).
Die häusliche Umwelt rangiert
nur um r = .02 über dem Interesse (r=.29) bei r=.31. (Daten aus
Weidemann & Krapp (Hrsg.) (2001). Pädagogische Psychologie). [r=
der Korrelationskoeffizient, wobei erst ab einem r von .60 und mehr
von
tatsächlicher Relevanz gesprochen werden kann!] Ich will einmal
versuchen, den hier angesprochenen „Korrelationskoeffizienten"
populärwissenschaftlich zu erklären:
-
Der
Korrelationskoeffizient bildet auf einer statistisch berechneten Art
den Zusammenhang zwischen zwei Variablen zueinander ab. Hieraus werden
Durchschnittswerte errechnet.Beispiel: Die Größe der geschälten
Kartoffeln wird mit der optimalen Garzeit in einem Zweilitertopf
errechnet. Es stellt sich heraus, dass entlang einer gleichbleibenden
Temperatur von 80 bis 100 Grad eine Zeit zwischen 20 und 25 Minuten das
beste Ergebnis ergibt. Wenn dieser Test über 100 Versuche mit
unterschiedlichen Garzeiten und Herdtemperaturen gemessen wird, ergibt
sich in einem Koordinatensystem eine sogenannte Punktwolke, die anzeigt
an welchem Punkt die besten Ergebnisse erzielt werden. Jedoch merken
Sie sofort, dass die Variable von der Kartoffelgröße hier abhängig ist.
Wir haben also als Bedingungen: Topfgröße, Kartoffelgröße. Erst jetzt
können Temperaturdauer und Temperaturhöhe miteinander in Verbindung
gebracht werden – oder anders: erst jetzt ist es sinnvoll, von einer
Korrelation zu sprechen (natürlich kann man auch Korrelationen zwischen
Körpergewicht und Intelligenz herstellen, was jedoch nicht gerade
sinnig wäre.)Deswegen ist es notwendig, die statistischen Korrelationen
nur mit sorgfältiger Kenntnis zu betrachten.Die Korrelationswerte
liegen zwischen 0,0 und 1,0. Je höher der Wert, umso höher liegt der
statistische Zusammenhang; 0,5 bedeutet also nichts anderes als „fify –
fifty" Erst ein Wert ab 0,75 kann daher einigermaßen wissenschaftlich
überzeugen.– nähere Informationen dazu hier: Fernuni Hagen, Psychologie Methodenkurs Kapitel 13.1, Kapitel 13.2, Kapitel 13.3
Der
Korrelationskoeffizient r =.31 sagt also recht wenig über den Einfluss
der häuslichen Umgebung auf den Schulerfolg aus! Wobei unter häuslicher
Umgebung als Erklärungsfaktor des Schulerfolgs im Übrigen die
„Hausaufgabenkontrolle", das Interesse der Eltern an schulischen Themen
und die gezeigte Unterstützung der Eltern zählt. Damit wird deutlich,
dass die häusliche Umwelt sicherlich einen kleinen Einfluss auf den
Schulerfolg hat, jedoch nicht in dem Umfang, wie hier die Autoren ohne
wissenschaftliche Grundlage unterstellen möchten.
Die Autoren
weisen in ihrem Beitrag somit Eltern eine Verantwortung für den
Schulerfolg ihrer Kinder zu, welche diese gar nicht wahrnehmen können!
Der
Behauptung der Autoren über die Erfolgsaussichten ihrer Methoden,
welche sich nur auf die Vermittlung von Lernstrategien und ermunternde
Kommunikationsstrukturen beschränken, kann also entschieden
widersprochen werden. Die Behauptung ist rein spekulativ und steht in
Widerspruch zu den Ergebnissen der Lehr- und Lernforschung.
Betrachtet
man die für das schulische Lernen bedeutsamen Einflussfaktoren, so ist
es nicht verwunderlich, dass eine solche Behauptung nicht belegt werden
kann.
Damit überhaupt Lernstrategien erfolgreich eingesetzt werden
können, müssen Kinder gedächtnistechnisch – um dies einmal „populär"
auszudrücken – erst die notwendigen Voraussetzungen mitbringen. (siehe
auch hier: „Gedächtnis" - http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/)
Wichtige gedächtnisspezifische Voraussetzungen für den Einsatz von
Lernstrategien ist die Verfügbarkeit eines ausreichenden
„Arbeitsspeichers". Darunter versteht man jenen Teil des Gedächtnisses,
welcher für die kurzfristige Informationsverarbeitung zur Verfügung
steht. [Aus Verständnisgründen muss auch ich an dieser Stelle die
tatsächlichen Erkenntnisse etwas vereinfacht darstellen. Wer an gut
verständlichem detailliertem Wissen zu diesem Thema interessiert ist,
dem empfehle ich das interaktive Programm „incops" zur Kognitiven
Psychologie (http://www.incops.de/).]
Das
kindliche Lernen findet zunächst ungeplant und unbewusst statt.
Besonderes Merkmal des (früh-)kindlichen Lernens ist die besonders
schnelle Auffassungsgabe und Merkfähigkeit im Vergleich zu älteren
Kindern und Erwachsenen. Ab ca. 6 Jahren „wächst" die Aufnahmekapazität
des Arbeitsgedächtnisses kontinuierlich an, wobei davon ausgegangen
wird, dass die Gedächtniskapazitäten auch bei intelligenten Menschen
begrenzt sind. (siehe dazu:Beeindruckende Fähigkeiten gehen auf Kosten des Erwerbs neuer Fähigkeiten)
Um
Lernstrategien richtig einsetzen zu können, wird neben ausreichendem
Vorwissen (der Lernende muss die Art des Lernstoffes einschätzen
können, um dann eine adäquate Lerntechnik auszuwählen) auch die
Fähigkeit zur Kontrolle des eigenen Lernprozesses notwendig. Die
Kognitionspsychologen nennen diese Fähigkeit „Metakognition". Und:
mehrere Faktoren müssen gleichzeitig berücksichtigt werden (können).
Bereits
an dieser Stelle wird ein wenig deutlich, dass die Versprechen von
Christiani und Hoffmann so nicht funktionieren können: Denn die Autoren
übersehen, dass der Einsatz von Lernstrategien auch eine Frage des
jeweiligen Entwicklungsalters und der vererbten kognitiven Fähigkeiten
ist.
Unter jenen kognitiven Fähigkeiten werden die personenbezogenen
Lernvoraussetzungen die zur Bearbeitung schulischer Aufgaben notwendig
sind, verstanden.
Grundlegende Lernvoraussetzungen sind z.B.
Konzentrationsfähigkeit, die individuelle Geschwindigkeit der
Informationsverarbeitung bzw. die individuell gegebene
Arbeitsgedächtniskapazität. Höhere Lernvoraussetzungen sind komplexe
Fähigkeiten wie die Intelligenz und die kognitive Kreativität. Zu den
hochkomplexen Fähigkeiten gehören das Problemlösen.
Der Einsatz von
Lernstrategien erfordert zusätzliche Gedächtniskapazitäten. Ihr
erfolgreicher Einsatz ist weiterhin abhängig vom Bekanntheits- und
Automatisierungsgrad der Lernstrategien, der Menge des Vorwissens und
den metakognitiven Fähigkeiten der jeweiligen Anwender.
Die
Autoren „verteilen" Ihre Lernrezeptologie so, als ob jedes
Entwicklungsalter gleich behandelt werden könnte und alle Menschen
dieselben Lernvoraussetzungen von Natur aus mitbrächten. Auch
individuelle Lernbedürfnisse scheinen für die Autoren irrelevant zu
sein. Insbesondere gehen die Autoren davon aus, dass Lerntechniken in
der Schuldidaktik nicht bekannt seien und daher bislang auch keinen
Eingang in die schulische Lehrtätigkeit gefunden hätten. Dabei ist das
Gegenteil der Fall !
Man kann hier klar feststellen: Die immer wieder beklagten „Schwächen" des schulischen Lernens sind nicht mit der fehlenden Anwendung von Lerntechniken und Motivationsstrategien zu begründen, denn seit mehr als 10 Jahren werden in Fortbildungskursen und Schulmagazinen auch langjährig tätigen Lehrkräften Lerntechniken nahegebracht und seit mehr als 10 Jahren sind Lerntechniken- und Lernmethoden ein fester Bestandteil in der Lehrerausbildung. Viele Lehrer mussten feststellen, dass die versprochene "Wunderwirkung" ausgeblieben ist. Die Erwartungen bezüglich der behaupteten Erfolge des Methodeneinsatzes werden zu Recht von erfahrenen Lehrkräften zwischenzeitlich realistischer und nüchterner eingeschätzt (dazu: Methodentraining nach Klippert und ausführlich: Die Auseinandersetzung um Klipperts-Methodentraining).
"Eine Erklärung, warum die eingeübten Techniken „schnell wieder verloren gehen" und sich nicht als stabile Verfahren einprägen, ist, dass sie als mechanische Verfahren keine Bedeutungsspuren im Schüler hinterlassen können." [Zitat aus PDF-Datei: Dr. Ellen Martin: Die Auseinandersetzung um Klipperts-Methodentraining]
Neben der proklamierten „Lernrezeptologie" greifen die Autoren noch auf die immer wieder gern verbreitete pseudowissenschaftliche „Lerntypenideologie" zurück. Dabei ist wissenschaftlich längst belegt, dass Lerntypen als solche nicht existieren.
„Die mit dem Terminus "Lerntyp" verbundenen "Lerntypentheorien" suggerieren nichts desto weniger eine wissenschaftliche Fundierung, sind erstaunlich weit verbreitet und genießen eine anhaltende, teilweise sogar ansteigende Popularität." (Zitat aus:Arbeitsblätter Stangl-Taller "Lernstile")
Prof. Dr. Stangl (Universität Linz) stellt in seinem Aufsatz: Stangl, Werner (2005). Lernstile – „was ist dran? Praxis Schule 5-10, 31 Jg., Heft 3. fest, dass:
„Die schon erwähnte unzureichende empirische Fundierung der Lernstil- bzw. -typentheorien - insbesondere was die Überprüfung ihrer Vorteile in der Lernpraxis betrifft - hängt in hohem Maße mit der prinzipiellen multifaktoriellen Bedingtheit von Lernprozessen zusammen. Lernprozesse sind in ganz bestimmten zeitlichen und räumlichen Kontexten immer mehr als die bloße Interaktion eines Lerners mit einem medial vermittelten Lehrstoff. "
Herr Prof. Dr. Werner Stangl weist daher zu Recht in seiner Zusammenfassung „Was bleibt übrig" darauf hin, dass:
"Nach dem derzeitigen Wissensstand gibt es in den Kognitionswissenschaften keine einfache psychische Struktur und auch im Sinne eines individuellen Lernstils keinen Königsweg zur Förderung effizienten Lernens und Denkens (vgl. Looß 2001)."
Was bleibt also hier „übrig"?
Die Autoren Christiani und Hoffmann treten als pädagogische und psychologische Laien an, den Erkenntnissen aus der Lehr- und Lernforschung, sowie der Kognitionspsychologie implizit zu widersprechen bzw. gar das Gegenteil dessen zu postulieren was tatsächlich machbar und möglich ist.
Es werden bei
interessierten Eltern Hoffnungen geweckt, welche sich nicht erfüllen
lassen und es wird mit Hilfe eines Magazins versucht, welches ansonsten
darum bemüht ist, seriöse wissenschaftliche Befunde in verständlicher
Form Monat für Monat zu berichten, einen werbewirksamen Artikel zu
lancieren.
Die Autoren, welche offensichtlich nur über ein geringes
Hintergrundwissen verfügen, überschätzen sich und ihre Ideen, die seit
Jahrzehnten von übereifrigen Möchte-gern-Pädagogen und –Lernpsychologen
stets neu erfunden werden. Diese glauben nämlich, dass ohne jegliche
wissenschaftliche Grundausbildung, jeder über so einen komplexen
Sachverhalt wie es „das Lernen" darstellt, mit irgendwelchen
fachfremden Ausbildungsgängen kompetent urteilen könne. Schade, dass so
etwas überhaupt Eingang in die Medien findet.
Für fatal halte ich den Umstand, dass dadurch bei ehrgeizigen Eltern der falsche Eindruck erweckt wird, dass man mit Hilfe von ein paar Lerntechniken und einer ermunternden Kommunikation quasi jedes Kind zum Abitur führen könne, ohne Rücksicht darauf, welche Selbst(wirksamkeits)überzeugungen, gedächtnisspezifischen Voraussetzungen, welche Intelligenz bzw. kognitiven Fähigkeiten und welchen Lern- und Arbeitseifer diese Kinder von sich aus mitbringen.
Leidtragende können - aufgrund der geweckten falschen Erwartungen - gerade jene sein, welche man eigentlich „fördern" wollte…….
Zu diesem Blogbeitrag schrieb Herr Alexander Christiani folgenden Leserbrief an die Redaktion von Gehirn und Geist:
Wenn deutsche Bildungstheoretiker zur Feder greifen, wird es spannend: Sie plaudern über Prozesse, die sie nicht kennen, bezweifeln Ergebnisse, die ihnen nicht vorliegen und bestärken sich gegenseitig in Theorien, nach denen effektives Lernen sowieso nicht funktionieren kann.
Deshalb hier einige Fakten in Richtung Elfenbeinturm:
Die Dozenten des Life-s-cool-Konzeptes coachen mit den dort vorgestellten Methoden und Techniken seit 1993 u. a. die Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft zum Thema „Methodik geistiger Arbeit“. In den letzten 16 Jahren haben mehrere Hundert Wissenschaftler und Professoren an diesem Programm teilgenommen und folgende Ergebnisse erreicht:
• Sie verbesserten ihre Leseleistung um mindestens 300%.
• Sie lernten (sofern sie diese Technik nicht bereits vorher beherrschten), mit Mindmapping wissenschaftliche Ausarbeitungen erheblich schneller und besser zu strukturieren (viele berichten von einer Arbeitszeitersprarnis zwischen 30 und 50%)
• Sie lernten, ihre Merkfähigkeit so auszubauen, dass sie sich 40-60 Stichpunkte für eine Vorlesung oder ein Referat in maximal 20 min. abspeichern konnten.
Soweit deutsche „Wissenschaftler“ mit ihren Theorien zu dem Ergebnis kommen, das könnte alles gar nicht sein, habe ich folgende Empfehlung: Schauen Sie sich einfach an, was in der Welt effektiven Lernens funktioniert und dann bringen Sie das deutschen Lehramtsstudenten bei:
• Life-s-cool-Eltern coachen ihre Kinder mit den Kreativitäts- und Visualisierungsprinzipien, die das Schulsystem in Singapur nach aktueller McKinsey-Studie in wenigen Jahrzehnten zu einem der besten der Welt gemacht hat.
• Life-s-cool-Eltern nutzen den Prozess des Herunterbrechens in Einzelteile, mit dessen Hilfe die Absolventen der Meadowmount School of Music in New York (Bundesstaat) in 5 Wochen so große Fortschritte machen wie anderswo in einem ganzen Jahr.
• Life-s-cool-Eltern nutzen die Erziehungsprinzipien der Kipp-Schulen von Mike Feinberg und Dave Levin, die Kinder aus sozial benachteiligten Schichten mit riesigem Erfolg fördern: 2008 erreichten mehr als 80% der 16000 KIPP-Schüler in 66 Schulen ihr Ziel, die Universität zu besuchen.
Es ist Zeit, dass solche Erfolge auch in PISA-Deutschland zur Regel werden. Wissenschaftler, die herausfinden wollen, warum Life-s-cool so gut funktioniert, sind herzlich eingeladen, mit unserem Programm ihre Studien durchzuführen.
Alexander Christiani
Meine vorläufige Kurzantwort:
Ich hätte meine Kritik auch auf der Grundlage meiner Erfahrungen aus meiner mehrjährigen Unterrichtstätigkeit als Grund- und Hauptschullehrerin, Nachhilfelehrerin und den teilweise leidvollen Schulerfahrungen meiner vier, zwischenzeitlich erwachsenen Kinder machen können. Denn diese deckt sich mit meiner "wissenschaftlichen Elfenbeinturmkritik":
Lern- und Motivationstechniken sind das Ergebnis wissenschaftlicher Theorie und Forschung aus dem "Elfenbeinturm". Sie sind seit Jahrzehnten - auch in Schulen - bekannt. Sinnvoll angewandt können sie sehr hilfreich und nützlich sein, wie wissenschaftliche Studien auch belegen. Lern- und Motivationstechniken stammen aus der Psychologie und sind keine "Erfindung" von Herrn Feinberg und Herrn Levin. Lern- und Motivationstechniken sind nichts Neues. Sie sind jedoch kein "Wundermittel" wie hier zweifelsohne rhetorisch gekonnt - jedoch ohne fundierte Belege - vermittelt werden soll.
und wertvolle Links zum "Nachtrag":
"Methodentraining nach Klippert" und Suggestopädie, Superlearning, ganzheitliches Lernen
Meine besondere Empfehlung: Ein Beitrag von Prof. Dr. Werner Stangl zu den Grenzen des "Schnelllesens":
Schnelllesen, Photoreading und andere Wundermethoden
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Trackback: Wundermethoden für den Lernerfolg
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Soso, Hunderte Wissenschaftler und Professoren der Fraunhofer-Gesellschaft haben mit dieser Technik gelernt, "sich 40-60 Stichpunkte für eine Vorlesung oder ein Referat in maximal 20 min. abspeichern." Naja. Die armen Studenten, die dann die in 20 Minuten abgespeicherten Vorlesungen zu jeweils 60 verschiedenen Stichpunkten anhören müssen, können einem wirklich leid tun.
Aus eigener Erfahrung würde ich sagen, es gibt zwei Möglichkeiten: entweder (meistens) man benutzt einen Zettel mit Stichpunkten oder aber man beherrscht ein Thema wirklich so aus dem Effeff, daß man das nicht nötig hat. Vor der Vorlesung 60 Stichpunkte in 20 Minuten zu lernen ist jedenfalls keine gute Strategie.
Und überhaupt sollte man nicht 40-60 Themen in einer Vorlesung anreißen. Vor allem, wenn man sie sich selbst nur mit speziellen Techniken merken kann.
PS: Was ist eigentlich mit der Leseleistung gemeint, die die von Life'sCool motivierten Fraunhofer-Professoren um 300% gesteigert haben?
Hallo Frau Ahmaz
Sie schreiben
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denn Schüler, welche Nachhilfe bekamen, konnten ihre Schulleistungen deutlich verbessern.
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Ihre Sicht der Dinge ist ein wenig einseitig. Ganz bestimmt gibt es viele Schüler, die mit Nachhilfe ihre Leistungen verbessern. Aber:
- Es gibt reichlich Schüler, die trotz Nachhilfe gar nichts erreichen- auch nicht, wenn verschiedene Nachhilfelehrer durchprobiert werden- sprechen Sie einmal mit unzufriedenen Eltern
- Nachhilfe hat bei den meisten Kindern nur einen kurzfristigen Effekt. Wie erklären Sie es sonst, dass viele Kinder entweder jahrelang Nachhilfe nehmen müssen oder immer wieder im Laufe ihres Schullebens erneut Nachhilfe in Anspruch nehmen.
- Nachhilfe führt oft zu einem Abhängigkeitsverhältnis. Die Kinder meinen, allein den Erfolg gar nicht erreichen zu können und ihren Nachhilfelehrer unbedingt zu brauchen.
- Nachhilfe vermittelt nichts, was man später im Leben gebrauchen kann. Weder Schule noch Nachhilfe zeigen dem Schüler, wie er seine Gehirnleistung optimieren kann.
Mich würde sehr interessieren, wie Sie erklären, dass unsere Schüler immer weniger können - ich bin oft entsetzt, wenn ich sehe, wie sehr die Ansprüche in den letzten Jahren herunter geschraubt wurden- und trotzdem werden noch mehr als 2 Milliarden Euro für Nachhilfe ausgegeben.
Wo liegt denn Ihrer Meinung nach der Knackpunkt, wenn die Schule lauter tolle Techniken kennt und Nachhilfe so gut ist - und das Elternhaus ja gar keinen Einfluss hat?
Sind die Kinder einfach so blöd oder woran liegt es?
Nur zur Erklärung: Ich bin Praktikerin (Nachhilfe seit 20 Jahren mit etlichen angestellten Lehrern) Ich habe reichlich Kinder betreut und kann mir ein Urteil erlauben.
Den Erfolg, den ich habe, erziele ich nicht damit, den Kindern reines Wissen zu vermitteln- der Erfolg tritt dann ein, wenn die Kinder Werkzeuge erlernen, die ihnen helfen, Wissen zu erwerben. Das macht sie unabhängig und das ist wichtig.
Und auch Techniken, die Sie als lapidar oder überholt ansehen, tragen dazu bei: So konnte eine Schülern sich in Englisch von einer 4 auf eine 2 verbessern- allein durch den Einsatz von Mind-Maps, die Sie von den Lehrbuch-Texten anfertigte. Da interessiert es mich gar nicht, ob irgend jemand meint, das wäre alles Unsinn- wer Erfolg hat, hat Recht :-)
Ich bin keine Wissenschaftlerin, aber das muss man auch nicht sein, um zu wissen, wo es hapert :-)
Sie heißen ja Armand- entschuldigen Sie- aber ich habe neben Ihr Bild geschaut und bin natürlich davon ausgegangen, dass das Ihr Name ist :-)
Mich verwundert Ihre Antwort. Sie teilen mit, dass Sie selbst ein Nachhilfeinstitut betreiben und bezweifeln den Erfolg von Nachhilfe?
Zunächst habe ich mich bezüglich des Nachhilfeerfolges auf Forschungsergebnisse bezogen. Da der Schulerfolg von zahlreichen Faktoren abhängig ist, ist der statistisch gemessene Erfolg von Nachhilfe so zu sehen, dass im Durchschnitt der Schulerfolg durch Nachhilfe verbessert werden konnte.
Im Übrigen teile ich Ihre Skepsis nur insoweit, als dass der Erfolg des Nachhilfeunterrichts auch von der Qualität der Nachhilfe abhängt. Als Lehrerin hatte ich etliche SchülerInnen erlebt, welche - dank Nachhilfe - deutliche Erfolge verzeichnen konnten.
Zu Ihrem Kommentar:
"Den Erfolg, den ich habe, erziele ich nicht damit, den Kindern reines Wissen zu vermitteln- der Erfolg tritt dann ein, wenn die Kinder Werkzeuge erlernen, die ihnen helfen, Wissen zu erwerben. Das macht sie unabhängig und das ist wichtig."
gebe ich Ihnen völlig Recht. Leider scheint das "Schnelllesen" dazu zu führen, dass ich von Ihnen missverstanden worden bin.
Denn keinesfalls sind Lern- und Motivationstechniken überflüssig oder gar unsinnig.Wie Sie in meinem Kommentar unten nachlesen konnten stelle auch ich fest, dass:
"Sinnvoll angewandt können sie sehr hilfreich und nützlich sein, wie wissenschaftliche Studien auch belegen."
Allerdings kritisiere ich, dass die Anwendung von Lern- und Motivationstechniken alleine noch nicht zu einem Wundermittel führen. Wäre dem so, dann wären zahlreiche Lehrkäfte weitaus erfolgreicher.
Das "überholte Konzept" des LIFE's COOL -Systemes besteht darin, dass die Möglichkeiten des Einsatzes von Lern- und Arbeitstechniken (Loki-Methode, Mind-Mapping etc.)von den Autoren in ihrm Nutzen übertrieben dargestellt werden. Es reicht nämlich nicht aus, über Lerntechniken Bescheid zu wissen und diese anzuwenden. Jeder Lehrer weiß, dass zahlreiche andere Faktoren im Schulalltag eine Rolle spielen (Klassengröße, soziale Beziehungen, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Unterrichtsausfall, Verfügbarkeit von Lehr- und Lernmitteln, Klassensituation, Räumlichkeiten, Freundschaften, Peer-Groups, Strukturiertheit des Unterrichts, Interesse am Lernstoff, Interesse der Schüler am Lernstoff, Interesse des Lehrers am Lernstoff und an den Schülern, Konflikte der Schüler untereinander, Konflikte im Elternhaus,Konflikte der Schüler mit Lehrerkollegen, aktuelle Konflikte während des Unterrichts, Ablenkungen etc. - diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen) , welche nicht durch elterliche Lerntechnikenschulung ausgeglichen werden können.
Und was die "Verantwortung" von Eltern für den Schulerfolg ihrer Kinder anbelangt, scheinen die Autoren die Bedeutung des "Selbst(wirksamkeits)konzeptes", welches durch die Meinung der Lehrkräfte, den sozialen Bezug innerhalb der Klasse und die Meinung der Mitschüler dominiert wird, völlig zu unterschätzen.
Ginge es danach, hätte mein jüngster Sohn in der Schule weitaus erfolgreicher sein müssen....
Sie schreiben "Kinder können immer weniger..."
und beziehen sich auf Ihren "Erfahrungskreis". Da Sie ein Nachhilfeinstitut betreiben stützen Sie sich auf ein Schülerklientel, welches den "Anschluss" in bestimmten Fächern offenbar nicht erreicht hat.
Im Übrigen ist die Klage "Die Schulen werden immer schlechter und Kinder können immer weniger" ein "Klagelied", welches Sie in der pädagogischen Literatur seit bald 100 Jahren immer wieder zu lesen bekommen.
Fakt ist, dass Kinder heute viel früher Lernstoffe vermittelt bekommen. So werden heute im Mathematikunterricht der Grundschule Inhalte gelehrt, welche vor 30-40 Jahren erst in der Sekundarstufe Gegenstand waren.
Fakt ist auch, dass die Arbeitszeit der Lehrkräfte erhöht worden war, dass sich die Vorbereitungszeiten (durch wachsende Nebenaufgaben, Konferenzen etc.) für Unterricht verkürzten, die Klassengrößen immer noch ungünstig hoch sind und in Monaten mit hoher Krankheitsbelastung durch die Arbeitsüberlastung der Lehrkräfte zu Qualitätseinbußen des Unterrichts führen.
Daher halte ich es für sehr wichtig, die Dinge im Detail zu betrachten.
Ich bin nicht ganz sicher, ob in Ihrem Artikel nicht ein Schreibfehler vorliegt:
>Die höchste Erklärungskraft für den
>Schulerfolg haben die Lehrstrategien
>(r=.48), hat die Intelligenz (r=.44),
>die Unterrichtszeit (r=.38).
......
>wobei erst ab einem r von .60 und mehr
>von tatsächlicher Relevanz gesprochen
>werden kann
Würde daraus nicht folgen, daß keines der von Ihnen genannten Merkmale Erklärungskraft hat und damit irrelevant ist?
Woher nehmen Sie die Aussage, daß jedes Merkmal mit r
Ich weiß nicht, warum ein Teil meines Kommentars gelöscht wurde. Hier kommt der Rest:
Woher nehmen Sie die Aussage, daß jedes Merkmal mit r
Woher nehmen Sie die Aussage, daß jedes Merkmal mit r kleiner als 0.6 irrelevant ist? Wäre dies eine statistische Aussage, dann bräuchten wir ihre Varianz, um zu wissen, inwieweit wir der Aussage vertrauen könnten.
Würde daraus nicht folgen, daß keines der von Ihnen genannten Merkmale Erklärungskraft hat
Richtig! Jedes der Merkmale leistet zwar einen Beitrag zum Schulerfolg. Statistisch kann jedoch nicht belegt werden, dass der Beitrag "wesentlich" ist.
.... und damit irrelevant ist?
Jein ;-)
Nun kommen wir eben in jenen Problembereich, dass komplexe Vorgänge sich aus mehreren Faktoren zusammen setzen und jeder Faktor eine Rolle spielen kann, jedoch nicht muss.
Die statistische Erfassung einzelner Faktoren in einem komplexen Vorgang, wie dem des Lernens bzw. Schulerfolges ist aufgrund der Faktorenmenge, der individuellen Lernvoraussetzungen, der Rahmenbedingungen etc. genau genommen nur schwer möglich.
Daher können hier die statistischen Werte die Aussage der Autoren, dass Eltern einen entscheidenden Einfluss auf den Schulerfolg lediglich widerlegen.
Da erfolgreiches Lernen von zahlreichen (auch individuellen) Faktoren abhängt und diese nur schwer definiert und messtechnisch erfasst werden können, lassen sich keine detaillierten Aussagen über die Bedeutung der einzelnen Faktoren (Aufmerksamkeit, Intelligenz, Unterrichtsmethoden, Lerntechniken, Emotionen, Interesse, Mitschüler, sozialer Bezug etc....)machen.
Wenn Sie so wollen ist mit statistischen Methoden daher kein Wahrhheitsbeweis möglich. Es kann lediglich die Behauptung der Autoren widerlegt und der Schluss gezogen werden, dass die behauptete elterliche Einflusskraft auf den Schulerfolg keinesfalls dazu führen kann, dass Eltern damit die "Hauptverantwortung" für den Schulerfolg ihrer Kinder übertragen werden könne.
Zu den ausführlichen statistischen Hintergründen empfehle ich die im Beitrag erwähnten Kapitel der Fernuni Hagen.
Hallo Frau Armand
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Mich verwundert Ihre Antwort. Sie teilen mit, dass Sie selbst ein Nachhilfeinstitut betreiben und bezweifeln den Erfolg von Nachhilfe?
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Ich gebe ja eben KEINE klassische Nachhilfe. Nachhilfe muss man es nennen, weil die Eltern nichts anderes kennen und meinen, dass Nachhilfe das Allheilmittel ist
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Es reicht nämlich nicht aus, über Lerntechniken Bescheid zu wissen und diese anzuwenden. Jeder Lehrer weiß, dass zahlreiche andere Faktoren im Schulalltag eine Rolle spielen (Klassengröße, soziale Beziehungen, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Unterrichtsausfall, Verfügbarkeit von Lehr- und Lernmitteln, Klassensituation, Räumlichkeiten, Freundschaften, Peer-Groups, Strukturiertheit des Unterrichts, Interesse am Lernstoff, Interesse der Schüler am Lernstoff, Interesse des Lehrers am Lernstoff und an den Schülern, Konflikte der Schüler untereinander, Konflikte im Elternhaus,Konflikte der Schüler mit Lehrerkollegen, aktuelle Konflikte während des Unterrichts, Ablenkungen etc. - diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen) , welche nicht durch elterliche Lerntechnikenschulung ausgeglichen werden können.
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Da haben Sie absolut Recht. Fakt ist aber: Der Schüler ist der einzige, der etwas ändern kann. Als Schüler kann ich nicht darauf warten, dass sich das Schulsystem bessert, sich meine Eltern mehr interessieren. Ich denke, wir unterschätzen Kinder, wenn wir meinen, dass sie so abhängig von äußeren Gegebenheiten sind. Wenn man Kindern zeigt, wie sie etwas verändern können, dann werden all die anderen Dinge unwichtiger. Dann kann auch ein Schüler in einer großen Klasse erfolgreich sein oder mit Eltern, die sich nicht kümmern.
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Da Sie ein Nachhilfeinstitut betreiben stützen Sie sich auf ein Schülerklientel, welches den "Anschluss" in bestimmten Fächern offenbar nicht erreicht hat.
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Nein. ich kenne sehr viele Kinder und auch bei vielen, die keine Nachhilfe brauchen, entsetzt mich der niedrige Wissensstand. So gibt es reichlich Kinder, die nicht in der Lage sind, sich einigermaßen auszudrücken, aber irgendwie immer noch eine ausreichende Deutsch-Note bekommen- das wundert mich doch sehr...
Viele Grüße
Susanne Winters
>Statistisch kann jedoch nicht belegt
>werden, dass der Beitrag "wesentlich" ist.
Diese Aussage ist falsch: r grösser 0.6 besagt, dass ein Merkmal alle anderen im statistischen Sinne dominiert. Die von Ihnen genannten Merkmals sind wesentlich in Bezug auf die Menge der erhobenen Merkmale genau dann, wenn ihre Wahrscheinlichkeit größer als die aller anderen Merkmale ist. Vielleicht könnte man das im Artikel etwas klarer machen?
>jeder Faktor eine Rolle spielen kann, jedoch nicht muss.
Sie mein beim einzelnen Kind? Die statistische Rolle dieser Merkmale kennen wir nach den Zahlen bereits.
>genau genommen nur schwer möglich.
Hier mein Vorschlag, wie sie meine Frage hätten beantworten können: Sie haben offenbar eine Regressionsanalyse vorliegen und wir sollen der Regressionsgrade glauben. Wir tun das auch vielleicht, wenn Sie die Quadratsumme der empirischen Residuen angeben. Die sollte vorhanden sein. Alternativ können sie auch die Daten auf die zur Regressionsgraden orthogonale Hyperfläche projezieren und die Kovarianzmatrix der projezierten Daten schätzen.
Irgendeine Aussage zur Streuung der Daten müssen wir haben. Ohne sie macht eine Diskussion um Statistik nicht viel Sinn.
Ich seh grade: Sie haben wirklich nur die normierte Kovarianz? Ich kann das gar nicht glauben, und hab im Geiste gleich eine Regression gemacht. Denn das ist es ja, was wir wissen wollen, nämlich sowas wie
"schlechte Lernstrategie führt zu geringem Erfolg und eine gut zu mehr Erfolg"
nicht wahr?
Ok, mein Fehler. Wenn es wirklich nur die Korrelation gibt und damit nichts, was auf eine funktionale Abhängigkeit hinweist, dann erübrigt sich natürlich jede Diskussion um Einflußnahme.
"Ich denke, wir unterschätzen Kinder, wenn wir meinen, dass sie so abhängig von äußeren Gegebenheiten sind. Wenn man Kindern zeigt, wie sie etwas verändern können, dann werden all die anderen Dinge unwichtiger."
Da steckt ein Widerspruch drin ;-). Denn genau das ist der springende Punkt: Kinder müssen wissen, wie sie etwas verändern können und sie müssen auch kognitiv in der Lage dazu sein.
Als GHS-Lehrerin hatte ich Klientel aus beiden Lagern ;-).
Man kann eben nicht jedes Kind zum Abitur führen, wenn das Kind kognitiv oder auch aus anderen Gründen dazu nicht in der Lage ist bzw. z.B. auch kein Interesse hat. (Null-Bock-Mentalität).
"Nein. ich kenne sehr viele Kinder und auch bei vielen, die keine Nachhilfe brauchen, entsetzt mich der niedrige Wissensstand. So gibt es reichlich Kinder, die nicht in der Lage sind, sich einigermaßen auszudrücken, aber irgendwie immer noch eine ausreichende Deutsch-Note bekommen- das wundert mich doch sehr..."
Es gibt auch aus meiner Sicht etliche Entwicklungen, welche ich für alarmierend halte. Jedoch kommen wir bei der Diskussion darüber weg von der Frage, wie "hoch" der elterliche Einfluss von Lern- und Arbeitstechniken auf den Schulerfolg der Kinder tatsächlich einzuschätzen ist, hin zu Fragen, wie:
Ist die elterliche Kleinkind-/Vorschulerziehung ausreichend zur Entwicklung einer schulisch relevanten basalen Sprachfähigkeit? Welche Einflüsse führen zur ständigen Abnahme der kindlichen Sprachfähigkeiten bei Einschulung ? Sind die derzeitigen Unterrichtsinhalte, Unterrichtssituationen und Leistungsanforderungen an SchülerInnen im "digitalen" Zeitalter und einer tw. medialen Überforderung zzgl. Bewegungsarmut entwicklungsangemessen etc. etc.?
Das ist ja sehr schön, dass die Wissenschaftler an dem Programm teilnahmen. Mir stellt sich nun die Frage, ob Eltern ähnliche Erfolge haben, wenn sie versuchen, ihren Kindern Lerninhalte zu vermitteln. Nehmen wir an, dass sie durch das Programm einige nützliche Strategien lernen, so sind sie dennoch nicht im Ausmaß einer Lehrperson ausgebildet und das, was schließlich bei den Kindern ankommt, dürfte sich höchstens auf ein gefährliches Halbwissen belaufen.
Ich denke, dass es durchaus sinnvoll sein kann, den Schülern Strategien zum effektiveren Lernen beizubringen, möglicherweise sinnvoller, als ihnen bloß Nachhilfe, also einige Zusatzstunden, zu geben, um ihnen den Inhalt der kommenden Klausur nahe zu bringen, ehe er, direkt nach der Klausur wieder in weite Ferne rückt.
Diese Strategien können immer wieder verwendet werden und bedeuten so eine dauerhafte Bereicherung für die weitere Bildung.
Allerdings sollten hier nicht die Eltern, welche möglicherweise selbst Laien sind, als Transmitter dienen. Es wäre hilfreicher, wenn eine direkte Verbindung zwischen Expert/Lehrer und Schüler bestünde, statt die Inhalte um die Ecke zu vermitteln und dabei Verluste einzubüßen.
"Ich weiß nicht, warum ein Teil meines Kommentars gelöscht wurde."
Spitze Klammer verwendet? Die werden gelöscht, damit man nicht Schadcode in den Blog einschleusen kann.
Wenn sie denken, dass nur Lehrer Experten für das Lernen sind, dann ist das traurig. Wir alle sind Experten für das Lernen, denn wir tun es jeden Tag. Und jeder, der mit einem Kind Zeit verbringt, ist ein Lehrer- nicht jeder ein guter- klar.
Aber das Lernen auf die Schule zu reduzieren, finde ich bedenklich
Ich möchte anmerken, dass ich zu keinem Zeitpunkt von den Lehrern redete, welche heute an Schulen unterrichten. Ich meinte mit Lehrern vielmehr Experten, welche extra für diese genannte Lehrmethode ausgebildet werden, bzw werden würden. Verzeihung, wenn ich mich in diesem Punkt unklar ausgedrückt habe.
Wir alle sind Experten für das Lernen, denn wir tun es jeden Tag.
Nur weil jeder jeden Tag etwas lernt ist er aus meiner Sicht noch kein "Experte" für das Lernen.
So wenig wie jemand jeden Tag sein Gehirn gebraucht und dadurch zum Experten für das Gehirn wird.
Lernexperten sind für mich Personen, welche in der Lage sind, die zahlreichen Erkenntnisse aus der Lern-, der Motivations- und Kognitionspsychologie, sowie der Neurowissenschaft in die Praxis zu übertragen.
Dabei bedeutet die Übertragung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis, dass der Betreffende sowohl o.g. Wissen, als auch das Wissen über die Beschaffenheit des Lernstoffes gekonnt in Verbindung setzen kann.
Wer Kinder mit Lernschwierigkeiten und Lernstörungen betreut (z.B. Sonderpädagogen) ist ganz besonders auf gutes "Expertenwissen" angewiesen. Natürlich spielt dabei eine große Rolle inwieweit die "Experten" in der Lage sind, ihr erworbenes Wissen adäquat in der Praxis umzusetzen.
Hallo,
wenn die häusliche Umwelt nur mit r=.31 mit Schulerfolg korreliert, kann das doch auch daran liegen, dass die häusliche Umwelt (vor allem die Eltern) eben ihrer Verantwortung nicht richtig nachkommt. Mit anderen Worten: die Korrelation beschreibt einen derzeitigen Zustand und ist für sich genommen kein Beweis dafür, dass ein starker positiver Beitrag nicht geleistet werden kann.
Leider liegt mir die den Daten zugrunde liegende Studie im Original nicht vor,so dass zu diesen Daten nichts Konkreteres gesagt werden kann.
Ihr Einwand ist sinnig und sicherlich haben Eltern, welche über ausreichend Bildung und motivierendes, didaktisch-methodisches Geschick verfügen einen weit höheren Einfluss als jene r=.31.
Statistische Zahlen besagen ja nichts anderes, als dass im Durchschnitt der Einfluss in diesem Ausmaß anzusehen ist und in Einzelfällen diese Werte durchaus deutlich überschritten werden können.
Eine gezielte Förderung ist sehr sinnvoll, daher zeigen Studien zur Nachhilfe, dass Nachhilfe sehr wirkungsvoll sein kann.
Mir war wichtig, im Beitrag darzustellen, dass die Verabsolutierung eines Einzelaspektes (=> Lern- und Motivierungstechniken) in einem komplexen Lerngeschehen fehl am Platze ist.
Der Erfolg des Einsatzes von Lern- und Motivierungstechniken ist eng verwoben, mit den methodisch-didaktischen Fähigkeiten der jeweiligen Lehrpersonen (Eltern, Lehrer, Nachhilfelehrer)und dem jeweils verfügbaren Fachwissen. Diesen Aspekt haben die Autoren vernachlässigt.
Sehr geehrte Frau Armand,
meine große Bewunderung für Ihren ausführlichen Artikel und die fundierte Diskussion der Fakten. Eigentlich sollten solche Beiträge in Fachzeitschriften zu lesen sein!
Was mir als Quereinsteiger (aus der Industrie) als Mathe- und Physiklehrer im Gymnasium immer wieder auffällt, sind folgende Punkte, die mir einen Einsatz von NLP durchaus sinnvoll erscheinen lassen:
1. Als größter Druck empfinden viele Schüler nicht die Leistungsanforderungen der Schule, sondern die Erwartungen der Eltern.
2. Das klassische Schulsystem schaut nach dem, was man noch nicht kann. Diese Lücken bauschen die Schüler dann lautstark zu "Ich kann gar nichts!" auf und tragen diesen Glaubenssatz dann mit in die Klausuren und Tests hinein. Wie soll da was herauskommen?
3. Gerade mit dem G8 sind viele Schüler (und wohl auch die Eltern) überfordert, den Lernaufwand erst einmal sinnvoll zu strukturieren und dann das Programm abzuarbeiten.
Einfach draufloslernen funktioniert heute gar nicht mehr.
Insofern sind Lernstrategien durchaus sinnvoll.
Oft hört man von Schülern, dass sie stundenlang gelernt hätten. Da ich die Schüler erst nehme, nehme ich ihnen diese Aussage auch erst einmal ab. Meine Frage, woran sie merken, dass das Lernen Erfolg hat (z. B. in Form eines Stapels mit gekonnten Vokabeln), kommt oft keine Antwort.
Den Schülern fehlt bei den Denk-Fächern oft die Rückmeldung um zu merken, ob sie etwas verstanden haben oder es nur auswendig gelernt haben.
Auch hier erscheint mir ein strategisches Vorgehen sinnvoll.
Gleichzeitig möchte ich nicht die Lanze für oder gegen ein Institut oder eine neue Welle brechen - sicherlich ist hier immer auch Gewinnstreben (an sich ja nicht schlecht) mit im Spiel.
Vielmehr kommt es wohl auf den einzelnen Schüler an, welche Art von Unterstützung er bei Schulschwierigkeiten braucht.
Der eine profitiert schon, wenn er etwas früher ins Bett geschickt wird und nicht mehr so lange vor dem Fernseher rumsitzt.
Der andere hat keine Strategie und Methodik - und profitiert von NLP-Elementen.
Ein dritter hat einfach kein Durchhaltevermögen und muss dieses trainieren.
Manche stoßen aber vielleicht auch an ihre intellektuellen Grenzen und werden nur von den Wünschen der Eltern durchs Gymnasium geschoben. Da ist die 2 in Sport dann die beste Note - ansonsten nur eine knappe 4 und eine 5, so dass man gerade mal wieder so durchgekommen ist.
Solche Schüler werden aus meiner Sicht von den Eltern als Aushängeschild instrumentalisiert. Am Ende der Schullaufbahn stehen sie ohne Selbstvertrauen mit kaum vorzeigbaren Zeugnis da.
@ Michael Kraus
vielen Dank für Ihren ausführlichen und hilfreichen Kommentar. Sie sprechen hier wichtige Aspekte aus Lehrersicht an, welche ich gerne im Einzelnen beantworte:
1. Als größter Druck empfinden viele Schüler nicht die Leistungsanforderungen der Schule, sondern die Erwartungen der Eltern.
Das kann ich aufgrund meiner Unterrichtserfahrungen bestätigen, weswegen ich eine "Verantwortungsübergabe" an die Eltern auch für kontraproduktiv halte. Natürlich ist es sinnvoll, wenn Eltern Lern- und Motivationsprinzipien kennen. Ganz besonders wichtig halte ich dabei, dass eine Sensibilisierung der Eltern für die Sorgen, Nöte und den Druck, welche ihre Kinder mit schulischen Themen erleben, stattfindet.
Daher greife ich die von den Autoren vorgenommene Reduktion der Wahrnehmung an. Diese Wahrnehmungsreduktion sehe ich als eine Folge des mangelnden Hintergrundwissens darüber, wie Lernen aus psychologischer Sicht tatsächlich "funktioniert".
2. Das klassische Schulsystem schaut nach dem, was man noch nicht kann. Diese Lücken bauschen die Schüler dann lautstark zu "Ich kann gar nichts!" auf und tragen diesen Glaubenssatz dann mit in die Klausuren und Tests hinein. Wie soll da was herauskommen?
Auch hier stimme ich Ihnen zu. Die Änderung dieser Vorgehensweisen und Glaubenssätze obliegt jedoch nicht den Eltern, sondern den "Verursachern", d.h. den Lehrkräften. Dank Ihres analytischen Blickes auf die bestehenden Verhältnisse gehe ich davon aus, dass Sie in einer "Gegenbewegung: "Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten" versuchen, den langjährig eingetrichterten Selbstwirksamkeitseinstellungen entgegen zu treten und Sie dabei feststellen müssen, dass etliche Kollegen - dank langjährigem Lehrerfrust - nicht mehr von ihrer defizitorientierten Wahrnehmung abrücken können. Dieser Umstand erschwert eine "Wirkungsentfaltung" Ihres Vertrauens in die Schülerfähigkeiten....
Hier sehe ich Ansatzpunkte für notwendige Lehrerfortbildungen und gemeinsame Maßnahmen, eine "Ressourcenorientierungspflicht" über Bewertungsvorgänge im Schulalltag einzuführen.
Aus eigener leidvoller Elternerfahrung weiß ich, wie sehr die Lehrermeinung über die kindlichen Fähigkeiten in den Kinderköpfen "eingebrannt" ist, so dass auch meine gegensätzliche Überzeugung nicht dazu geführt hat, mein Kind von meiner Sicht seiner Fähigkeiten zu überzeugen.
3. Gerade mit dem G8 sind viele Schüler (und wohl auch die Eltern) überfordert, den Lernaufwand erst einmal sinnvoll zu strukturieren und dann das Programm abzuarbeiten.Einfach draufloslernen funktioniert heute gar nicht mehr.Insofern sind Lernstrategien durchaus sinnvoll.
Oh ja, genau deshalb ist es enorm wichtig, dass Lernmethoden ständig in der Schule mitgelernt bzw. mitgelehrt werden. Denn es reicht nicht aus, alleine über Lerntechniken Bescheid zu wissen. Diese müssen auf den Lernstoff abgestimmt und zusammen mit dem Lernstoff geübt werden. Deshalb halte ich auch die isolierte Vermittlung von Lern- und Motivationstechniken für wenig erfolgversprechend. Die Lehr- und Lernforschung bestätigt meine Meinung.
Oft hört man von Schülern, dass sie stundenlang gelernt hätten. Da ich die Schüler erst nehme, nehme ich ihnen diese Aussage auch erst einmal ab. Meine Frage, woran sie merken, dass das Lernen Erfolg hat (z. B. in Form eines Stapels mit gekonnten Vokabeln), kommt oft keine Antwort.
Den Schülern fehlt bei den Denk-Fächern oft die Rückmeldung um zu merken, ob sie etwas verstanden haben oder es nur auswendig gelernt haben.
Marcus Hasselhorn hat bereits vor mehr als einem Jahrzehnt zur Metakognition in der Grundschule geforscht. ( siehe dazu PDF: Fachportal Pädagogik - pedocs - Metakognition und Lernen - Hasselhorn, Marcus: "pedocs - Metakognition und Lernen - Hasselhorn, Marcus") FAZIT: Das Lernen muss von Anfang an "mitgelernt" werden. Diese Aufgabe muss im Rahmen der Stoffvermittlung von den Lehrkräften wahrgenommen werden. Wichtige Voraussetzung: ein gut strukturierter Unterricht. (siehe dazu die Ergebnisse der Unterrichtsforschungen von Franz E. Weinert und Andreas Helmke:Helmke, A. & Weinert, F. E. (1997). Bedingungsfaktoren schulischer Leistungen. In F. E. Weinert (Hrsg.), Psychologie des Unterrichts und der Schule (Enzyklopädie der Psychologie, Pädagogische Psychologie, Bd. 3, S. 71-176). Göttingen: Hogrefe.)
Gleichzeitig möchte ich nicht die Lanze für oder gegen ein Institut oder eine neue Welle brechen - sicherlich ist hier immer auch Gewinnstreben (an sich ja nicht schlecht) mit im Spiel.
Auch korrekt ;-)...wobei ein Indiz für mangelnde Qualität aus meiner Sicht darin liegt, dass die Autoren selbst gerade einmal über ein paar "Techniken" Bescheid wissen und die tatsächliche Komplexität des Lernvorganges aufgrund mangelnden Hintergrundwissens nicht zu kennen scheinen.....
Jeder Laie kann sich mit Hilfe pädagogischer Sekundär- bzw. Tertiärliteratur selbst ein solches "gewinnbringendes" Projekt bauen. (Wie entwirft man eine populäre Lerntechnik? Eine Anleitung ;-). Beispiele dieser Art gibt es Zuhauf.....nur die unabhängigen Erfolgsmeldungen bleiben aus....
Vielmehr kommt es wohl auf den einzelnen Schüler an, welche Art von Unterstützung er bei Schulschwierigkeiten braucht.
stimme Ihnen zu ;-) Besonders hilfreich sind daher Kenntnisse aus der pädagogischen Psychologie. Diese liefern sowohl Erklärungen, als auch sinnvolle Lösungen für das Vorgehen in Einzelfällen....
Der eine profitiert schon, wenn er etwas früher ins Bett geschickt wird und nicht mehr so lange vor dem Fernseher rumsitzt.
Der andere hat keine Strategie und Methodik - und profitiert von NLP-Elementen.
Ein dritter hat einfach kein Durchhaltevermögen und muss dieses trainieren.
Ja und nein ;-) Ich kenne diese "Lehrerannahmen", welche ich selbstverständlich auch gepflegt habe. Allerdings sind die Ursachen von Lernschwierigkeiten in der Regel selten so monokausal erklärbar und behebbar. Wenn dem so wäre, gäbe es sicherlich weit mehr erfolgreiche Lehrer... ;-). Auch sind NLP-Methodiken nicht in Bausch und Bogen zu verdammen......allerdings ist es aus meiner Sicht auch wichtig, die Grenzen zu kennen:
Psychotechnische "Schulen": Neurolinguistisches Programmieren - NLP
Unter dem Titel "Zumutung" habe ich heute folgendes an G&G geschrieben:
Als "Antwort" auf eine Antwort einen Leserbrief zu drucken, der in Realität eine Antwort auf zwei andere Antworten ist (die aber nicht wiedergegeben werden), während die angeblich beantwortete Antwort tatsächlich eine weitaus umfangreichere und gehaltvollere Antwort auf die "Antwort" ist, als dies erkennbar gemacht wird: dieses vielleicht einmalige Kunststück ist der Redaktion von G&G aus dem Haus "Spektrum der Wissenschaft" auf S. 6 der November-Ausgabe 2009 von G&G gelungen.
Dort werden als "Leserbriefe" drei Texte aufgeführt, die sämtlich als Zuschriften zu dem Artikel von Alexander Christiani und Jürgen Hoffmann "Coaching statt Nachhilfe" gekennzeichnet werden. Aufmerksamen Besuchern der HP von G&G ist davon nur der mittlere dieser Texte neu. Die beiden anderen sind z.T. auszugsweise Wiedergaben zweier seit Anfang September online stehender Texte, auf die redaktionell allerdings wieder nicht hingewiesen wird. Das ist in diesem Fall besonders misslich.
Der dritte und abschließende Text wird irreführender Weise nämlich ausdrücklich als "Antwort des Autors Alexander Christiani" bezeichnet. Damit wird auf gleich doppelte Weise der Eindruck erweckt, als handle es sich dabei um eine Antwort auf die beiden vorstehend abgedruckten Texte. Eine Antwort ist diese Zuschrift tatsächlich, allerdings eine, mit der dieser wortgewaltige Autor am 4. September d.J. hier auf zwei nur online zur Verfügung stehende Zuschriften vom Vormonat reagiert hat: auf die von Herrn Helmut Niegemann von der Universität Erfurt sowie die von Herrn Werner Brandl vom "Staatsinstitut für die Ausbildung, München". Erst und nur im Hinblick auf diese Einzelheiten wird die rhetorisch imponierende, weil gekonnt polemische, ansonsten ausgesprochen arrogant-herablassende Diktion von Herrn Christiani überhaupt verständlich.
Der erste im Druck erschienene Text dagegen, auf den er nach redaktioneller Angabe geantwortet haben soll, liest sich entweder wie ein oder ist sogar ein – noch dazu höchst beschränkter – Auszug aus der bemerkenswert ausführlichen und differenzierten Stellungnahme der Brainloggerin Monika Armand vom 6. September mit dem Titel "Praxis? Oder wie verkaufe ich ein überholtes Konzept". [oben...]
Die Redaktion verrät nicht, ob ihr diese erfahrene Pädagogin zuvor schon eine Mitteilung der Art, wie sie gedruckt erschienen ist, zukommen lies. Vor allem aber weist sie wie erwähnt nicht darauf hin, dass gar nicht Herr Christiani auf ihre, sondern Frau Armand auf seine Antwort eingegangen ist: sachlich, detailliert und auch für Fachfremde gut nachvollziehbar.
Wie man sich dort ab hier überzeugen kann, gab es bis zum 19.9. dazu eine recht eingehende Diskussion. .
Die Zuverlässigkeit der Redaktion von G&G wäre auch zu diskutieren.
Lieber Herr Kittel, ich darf die G&G-Redaktion in Schutz nehmen und entschuldigen: Diese unglückliche Entwicklung ist eher der den Print-Medien von Natur aus anhaftenden Trägheit geschuldet...:
Bevor ich o.g. ersten Teil des Blogbeitrages geschrieben habe, habe ich diesen der Redaktion zugeleitet. Herr Christiani war zu diesem Beitrag um Stellungnahme gebeten worden. Auf diese Stellungnahme habe ich, wie oben sichtbar, erneut Stellung bezogen. Diese erneute Stellungnahme lag der Redaktion bei Druckplanung für das neue Magazin 11/2009 nicht rechtzeitig vor.
Im Gegensatz zum Online-Medium laufen die Planungen für die Print-Ausgaben Monate im voraus, so dass auch für Leserbriefe oft aus Platz- oder Zeitgründen zeitnah verfasste Kommentare bzw. Leserbriefe aus organisatorischen Gründen nicht immer wie gewünscht platziert werden können. Ich bin mir sicher, dass auch der G&G-Redaktion der nun entstandene Eindruck nicht recht ist und sie sich gewünscht hätte, den Platz bzw. die Zeit für den ergänzenden Kommentar von mir gehabt zu haben.
Ich schätze an der G&G-Redaktion ganz besonders, dass konstruktive Kritik aufgenommen und in die Diskussion eingebracht wird. Die G&G-Redaktion ist daran interessiert, konträre Standpunkte aufzunehmen und im Rahmen des Möglichen zu verarbeiten. Obwohl ich hinsichtlich wissenschaftlicher Kritik nicht hinter dem Berg halte, gibt es keinen einzigen Grund zur Klage. Im Gegenteil kann ich mich bei dieser Gelegenheit ganz herzlich bei der Online-, als auch Print-Redaktion von Gehirn und Geist bedanken, für ihren wertschätzenden und sehr selbstbewussten Umgang mit kritischen Anmerkungen.
wer sich jenseits von Hoffnung & Glaube über die Wirksamkeit von Maßnahmen zur Lernförderung schlau machen will, kommt um eine "evidenzbasierte" Betrachtung nicht herum, die sich der "Effektstärken" solcher Maßnahmen annimmt. Mit "Visible Learning - A synthesis of over 800 meta-analyses relating to achievent" hat John Hattie 2009 eine solche Fleißarbeit vorgelegt, deren Lektüre für eine Versachlichung der Diskussion mehr als hilfreich sein kann.
mir imponiert Ihre engagierte "Ehrenrettung" der G&G-Redaktion. Besonders freut mich, wie gut Sie persönlich mit ihr auskommen. Allerdings war die Frage eher, wie die mit den Bedingungen zurecht kommt, unter denen sie tätig ist. Es braucht ja keine große Phantasie, sich die vorzustellen.
Zusammenhänge der Art, wie Sie sie jetzt schildern, hatte ich ja in Erwägung gezogen, als ich schrieb, es sei nirgends vermerkt, ob Sie als "erfahrene Pädagogin" Ihre Kritik der Redaktion nicht vielleicht schon vor Online-Stellung Ihres Blogbeitrags bekannt gemacht haben!
Hätten simple Datumsangaben - bei Blogbeiträgen schiere Selbstverständlichkeit - nicht auch hier ganz leicht und ausreichend Klarheit geschaffen?
Dass es für Leser auch hilfreich wäre, die Übernahme von Online-Zuschriften eigens zu kennzeichnen, hatte ich schon vor einem halben Jahr angeregt - voll Erstaunen darüber, warum auf solch einfache Art nicht "wie nebenbei" auf die Online-Diskussion auf der HP von G&G aufmerksam gemacht wird.
Für ein regelrechtes Versäumnis halte ich dagegen das Fehlen eines Vermerks bei Teilabdrucken von umfangreicheren Online-Leserbriefen. Unkundige Leser erfahren deswegen von ihnen nicht und werden so gewissermaßen daran "gehindert", sich selbst ein Bild zu machen, indem sie sich ggf. dort genauer informieren; denn meiner eigenen Erfahrung nach werden die Auszüge auch bei G&G wie überall üblich mit den Autoren ja nicht abgesprochen!
Die Wahrscheinlichkeit ist vielleicht nicht hoch, aber hoffen tu ich schon, dass weitere "Verkettungen - und sei es unglücklicher... - Umstände" sich gelegentlich vielleicht mal so auswirken, dass auch Verbesserungen die Folge sind, wenn die von den Blattmachern nicht "von sich" aus - etwa aufgrund eigener Sachkompetenz und Einsicht - und "aus freien Stücken", also freiwillig zustande kommen.
Von der Tatsache, dass letzteres zumindest möglich ist, wurde in derselben November-Ausgabe von G&G erfreulicherweise jetzt endlich auch einmal berichtet.
Das geschah zwar leider immer noch nicht aufgrund einer sachgemäßer Darstellung allgemein verfügbarer und selbst in der Wikipedia (hier) partiell dargestellter Kenntnisse von den realen Zusammenhängen bei unserer Willensbildung, sondern weil mittlerweile sogar experimentell nachgewiesen worden ist, dass die m.W. noch nie argumentativ genügend gerechtfertigte und demzufolge entsprechend heftig umstrittene Deutung von Experimenten nach dem Typ von Benjamin Libet nicht weiter aufrecht erhalten werden kann.
Wie im Schriftenverzeichnis des Autors zu sehen ist, hat er seine Originalarbeit bereits vor vier Jahren in dem von ihm damals mit herausgegebenen UTB 2686 "Bewusstsein" (Fink, München 2005, S. 120-134) publiziert - leider unter dem eher unscheinbaren Titel einer "neuen Interpretation" von Libets Experimenten.
Denn real handelt es sich um nichts weniger als um eine Widerlegung ihrer bisherigen, und damit, wie ich meine, vor allem platt-"deterministischen" Deutung!
Ich erwähne dies hier, weil Prof. Herrmann (HP) seine Befunde dort (im Einklang mit auch von anderen ermittelten Befunden) psychologisch wesentlich plausibler so interpretiert, dass sie einer "unspezifischen Erwartung" oder viell. besser ausgedrückt: unspezifisch einer "allgemeinen" Erwartungshaltung von Personen entsprechen dürften. Explizit stellt er dort nämlich fest - und deswegen komme ich hier darauf zu sprechen -, das von ihm beobachteten Phänomen finde man "typischerweise, wenn die Versuchspersonen erwarten, dass sie gleich eine Aufgabe ausführen sollen." (S. 128)
Das heißt nichts weniger, als dass das Ergebnis seiner Untersuchungen für sämtliche zwischenmenschliche und damit besonders für pädagogische Situationen relevant ist, in denen Menschen anderen gegenüber stehen und auf sie reagieren wollen, sollen oder sogar glauben reagieren zu müssen.
Haben Sie in solchen Konstellationen nicht alle Grade von (z.B. neugierig...) "gespannt" über "angespannt" und "verspannt" bis "starr" sowohl an sich selbst also auch bei andern, v.a. aber bei Kindern und insb. Schülern erlebt, deren Anspannung alle Grade bis zum regelrechten Zittern annehmen kann, Re-Aktionen, die man als Indiz für Scheu, Verlegenheit, Unsicherheit oder Schüchternheit, Furchtsamkeit oder Schreckhaftigkeit bis Angst aufzufassen sich angewöhnt hat, weil wir sie so zu bezeichnen gewöhnt sind?
Die neurophysiologische Klärung des altbekannten "psychosomatischen" Zusammenhangs von Erwartungen und reflexartiger muskulärer Spannungserhöhung, meist vage als der von Körper und Geist bezeichnet, wird immer besser und vor allem der Sachlage gerecht, die ich vom Praktischen her schon lange kenne. Vielleicht werden wir in G&G ja eines Tages auch noch vom direkten experimentellen Nachweis des Zusammenhanges des "motorischen Bereitschaftspotentials" mit der, wie ich als Arzt schon lange sicher bin, dazu gehörenden reflektorischen Regulation des physiologischen Muskeltonus erfahren. Dabei gibt es sogar noch anderes und nicht weniger interessantes zu klären: etwa wie das bekannte Pendeln zustande kommt, oder noch weit "Hintergründigeres".
So wäre ja auch zu klären, wie die wörtlich zu verstehende "Tatsache" möglich ist, durch bloße "Gedankenkraft", wie man so sagt, einen Cursor auf Bildschirmen zu "bewegen", scheinbar also sogar anderes als sich selbst! (Dazu muss man allerdings außer Betracht lassen, dass man dabei real doch nur sein Hirn betätigt, wenn man sich darauf konzentriert, den Cursor in Gang zu bringen. Die elektrischen Hirnpotentiale werden dabei ja per EEG abgegriffen und diesem Gerät dann weitergeleitet.) Sogar die Wahrnehmung kann beeinflusst werden, wie man sich mithilfe der von Herrn Wicht mal ausprobierten sog. "Tafeln von Chartres" selbst demonstrieren kann, wenn man damit umgehen kann.
Das Thema "Gehirn und Geist" ist und bleibt "spannend" - und das sicher noch auf "einige" Zeit!
Lieber Herr Kittel, Ihre Anregungen sind bedenkenswert und ich werde sie an die G&G-Redaktion weiter leiten. Ihre weiteren Annahmen die Redaktion betreffend gehen fehl. Meine bisherigen Berufserfahrungen in verschiedenen Unternehmen geben mir Recht: man muss lange suchen um ein dem Spektrumverlag vergleichbares Unternehmen zu finden, welches eine derart freundliche und motivierende Mitarbeiterkultur pflegt. Wäre es anders würde ich das an dieser Stelle sicherlich nicht äußern, sondern vielmehr nach dem Motto verfahren: Schweigen ist Gold...
Liebe Frau Armand, welche "weiteren Angaben" meinen Sie und worin sollen die "fehlgehen"? Ihre sybillinischen Andeutungen bleiben mir auch nach langen Nachdenken rätselhaft und das bei aller Intelligenz, die Sie mir - in einer ersten persönlichen Reaktion darauf, wie ich die Situation in meinem obigen "Leserbrief" erfasst und beschrieben habe - nachgerade hymnisch zugestanden haben.
Darf ich Sie ansonsten freundlich nochmals darauf hinweisen, dass ich mich - wie danach schon einmal bemerkt - zu anderem als der internen "Mitabeiterkultur" im Spektrum-Verlag geäußert habe.
Schade finde ich, dass ich mangels einer Äußerung Ihrerseits dazu nicht ersehen kann, wie erfolgreich ich darin war, Ihnen die enorme Wichtigkeit und hohe, insb. pädagogische Relevanz der Ergebnisse des Experiments von Prof. Herrmann zu vermitteln.
Ich verstehe Ihren Kommentar zu diesem Blogbeitrag über Lerntechniken nicht? "wie erfolgreich ich darin war, Ihnen die enorme Wichtigkeit und hohe, insb. pädagogische Relevanz der Ergebnisse des Experiments von Prof. Herrmann zu vermitteln"
Inwieweit sehen Sie die Ergebnisse des Experiments von Prof. Herrmann in einem Zusammenhang mit meiner Kritik an dem Konzept von Christiani?