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Wenn der Glaube an Gott das Mitgefühl verdrängt....

von Monika Armand, 02. Juli 2008, 19:12

Sterben und Tod sind Tabuthemen. Vielleicht deshalb verlangen Politiker, Ärzte- und Kirchenvertreter, dass Patienten so lange wie möglich leiden, ja leiden sollen und müssen.Nachtrag: Ich habe diesen Beitrag am 3.,4. u.5. Juli erweitert, denn:

Der Gedanke daran, dass wir z.B. in eine solche Situation kommen könnten, schieben wir weit von uns weg. Allerdings kann dies fatale Folgen haben: Der Fall, der Französin Chantal Sebire, welche  darum kämpfte in "Würde" sterben zu dürfen, weil in Frankreich (wie in Deutschland geplant!) die aktive Sterbehilfe unter Strafe gestellt ist, zeigt, wie unmenschlich ein solches Gesetz sein kann...

Der Fall steht stellvertretend für viele andere Fälle. Er sorgte in Frankreich für Furore und heftige politische Auseinandersetzungen. Der strenge "Glaube" überwog das "Mitleid"  und reichte in Frankreich leider nicht für ein Umdenken aus, auch wenn es jeden, einmal genau so treffen könnte: 

Sterbehilfe: Entstellte Französin will sterben - News - FOCUS Online."......ich würde keinen Richter um Erlaubnis fragen, mit Hilfe von Tabletten würde ich den Freitod wählen....."
Gesichtstumor: Chantal Sébire tot aufgefunden - News - FOCUS Online
"Das Gericht hatte Chantal Sébire verboten, mit einem todbringenden Medikament aus dem Leben zu scheiden. Zwei Tage nach dem Urteil starb sie trotzdem."

Frankreich: Rätsel um plötzlichen Tod der entstellten Frau ... (Zitat):

"Sébire hatte beantragt, „in Würde sterben“ zu dürfen und vom Gericht eine Genehmigung für ihren Arzt gefordert, ihr eine tödliche Medikamenten-Dosis zu verabreichen. Eine Flucht nach Belgien, in die Schweiz oder die Niederlande, wo aktive Sterbehilfe nicht bestraft wird, lehnte sie ab. „Ich will in meinem eigenen Bett sterben“, sagte sie. Frankreichs Justiz urteilte am Montag, Ärzte seien verpflichtet, Leben zu retten. Das Recht stelle Sterbehilfe unter Strafe."

Ich kann kaum verstehen, warum aktuell die "Sterbehilfe" von Roger Kusch (Sterbehilfe, Roger Kusch und die Pharisäer und Die Selbstmörderin und die Angst vor dem Heim so verurteilt wird. Kann sich niemand vorstellen, dass Sterben auch "Erlösung" bedeuten kann? Erlösung von schrecklichem Leid und von einem schrecklichen, nicht mehr lebenswerten Alltag?.....

Aktuell wird im Bundestag über Patientenverfügungen diskutiert. Dort stellen sich Politiker tatsächlich die Frage, ob die schriftlich festgelegten Weisungen von Patienten, "ärztliche Hilfe" zu unterlassen, geachtet werden sollen, oder ob gar andere Menschen (Ärzte, Angehörige etc.) darüber entscheiden dürfen, was mit uns passiert, wenn wir uns nicht mehr äußern können.......

Einen radikalen Standpunkt vertritt die Theologin und CDU-Abgeordnete Julia Glöckner: So berichtet unsere aktuelle Tageszeitung (Zitat - Neue Westfälische vom 27. Juni 2008):Bildquelle Pixelio: (c) Gerd AltmannKreuzigung

"Wenn es auf Art und Stadium der Erkrankung bei der Umsetzung der Patientenverfügung nicht mehr ankomme, dann werde sehr wohl "die Grenze zur Sterbehilfe überschritten", hielt die Theologin und CDU-Abgeordnete Julia Klöckner entgegen. Es könne nicht sein, dass jeder jederzeit seinen Tod anordnen könne. Genau das sei der "ethische Schwachpunkt" des Stünker-Papiers."
Frau Klöckner will aus "ethischen Gründen" Kranke zwingen, ärztliche Leistungen gegen ihren Willen anzunehmen, Schmerzen, Atemnot und anderes Leid zu ertragen?"

Frau Klöckner will unter Berufung auf theologische "Ethik" Kranke zwingen, ärztliche Leistungen gegen ihren Willen anzunehmen, Schmerzen, Atemnot und anderes Leid zu ertragen?

Vertreten Theologen eine Doppelmoral? 

Für mich ist ein solches Verlangen herzlos. Wenn schon der Glaube an Gott bei solchen Dingen zur Begründung (un-)menschlicher Entscheidungen herhalten muss, so muss man sich fragen, ob Frau Klöckner hier nicht einer Doppelmoral das Wort redet. Zunächst wehren sich Gläubige dagegen, Stammzellenforschung u.ä. zu betreiben. Zwar kann man damit ggf. Kranken helfen, allerdings greift man ja in "Gottes Regelwerk" ein.

Mit ihrer Feststellung, dass die Umgebung Patientenverfügungen, welche den Abbruch medizinischer Eingriffe verlangen, ignorieren solle, verlangt sie jedoch genau das "Eingreifen in Gottes Regelwerk". Denn sie erlaubt dem Einzelnen nicht, sich für den eigenen natürlichen Tod zu entscheiden, sie möchte, dass Kranke ihr Leid bzw. ihr Leiden (mit Hilfe des medizinischen "Fortschritts"??? ) verlängern......

Ein Tabuisierungsversuch, wenn es um den Tod geht? 

Oder hat sie / haben Theologen, vielleicht vergessen, dass die Medizin den Tod höchstens hinauszögern, aber nicht verhindern kann? ("Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden!" (Ps 90,12))

 

Fragwürdige Ethik und Moral als Entscheidungsgrundlage für den "Zwang zum Leben"?

Die Frage ist, was unter Ethik und Moral zu verstehen ist, und wie sich die Religion dazu verhalten will. Eine technikgläubige Religion wird alle erdenklichen Mittel ergreifen, Leben zu verlängern und auch organisch Tote am Leben zu halten. Dann wird aber folgerichtig auch jegliche Stammzellforschung mit all ihren Konsequenzen erlaubt sein müssen.

Oder Religion sieht sich im Respekt zur Schöpfung. Diese Schöpfung, wie wir sie kennen, ist bipolar: sie kennt leben und sterben, hell und dunkel, warm und kalt usw. Dann soll Religion bitte nicht ihr Moralmäntelchen nach der aktuellen Strömung hängen. Vor vierzig Jahren debattierte die Kirche, ob eine Herz-Lungen-Maschine Gottes Wille sein könnte. Künstliche Lebensverlängerung wurde abgelehnt.

Kein Mensch, der eine Patientenverfügung aufsetzt, verlangt eine aktive Sterbehilfe, sondern nur die Gnade, auf unnötige lebensverlängernde Maßnahmen verzichten zu dürfen. Dass einige Theologen sich dagegen wenden erscheint inhuman und lebensfremd.
Kennen Sie nicht das tägliche unsägliche Leid vieler Kranken, welche das Leid ertragen müssen, weil Andere hier eine Hilfe als "unethische Sterbehilfe" betrachten?

Kann vermeintliche "Humanität" so brutal sein? Da wäre mancher gerne ein Hund. Seinen Haustieren darf man "noch" zum Glück großes Leid ersparen. Wir Menschen sind dazu verdammt zu leiden und vielmehr noch, manche möchten, dass Menschen mehr leiden, indem ihr freudloses Leben mit medizinischer Hilfe zwangsweise verlängert werden soll.

Wenigstens sah dies die bayerische lutherische Kirche(2001) in ihren Vorschlägen zur Patientenverfügung völlig anders: (PDF-Datei: Patientenverfügung)

Hinzu kommt, dass in Deutschland nach wie vor ein großes Defizit in der adäquaten Schmerzbehandlung und Palliativmedizin besteht. Siehe auch:

Die Situation Schwerstkranker in unserem Gesundheitssystem
und
Leben bis zum Schluss

Dieses Buch kann man jenen, welche im Augenblick über das gesetzlich zu fixierende Schicksal ihrer Mitmenschen entscheiden sollen, wärmstens empfehlen.

Liebe Frau Klöckner, liebe Theologen und Politiker, ich wünsche Ihnen, wenn es einmal in vielen Jahren um Sie selbst gehen sollte, dass ihre Umgebung Sie humaner behandeln darf, wie Sie das von Ihren Mitmenschen in Ihren augenblicklichen Verlautbarungen verlangen. Um Eines bin ich mir sicher: Viel Leid haben Sie noch nicht gesehen. Denn wer es kennt, der redet anders...........

Resümee:
Die Situation von Kranken, Schwerstkranken und Alten in Deutschland:

Die Diskussion im Bundestag geht m.E. vermutlich an den realen Verhältnissen vorbei. Vielen Diskutanten scheint nicht bekannt zu sein, wie die Verhältnisse der medizinischen Versorgung und die Pflegesituation in den Krankenhäusern aussieht.Bereits chronisch Kranke mit immer wiederkehrenden Krankenhausaufenthalten werden nicht ausreichend versorgt. Schwerkranke und Kranke unter Quarantäne liegen z.B. in 3-Bett-Zimmern ohne Toilette und Bad (siehe: Freiheitsberaubung" im Krankenhaus: eingesperrt ohne Toilette und Dusche). Die "Festbetragsverordnungen" verwehren den Kranken verbesserte Medikamente (siehe: G-BA trickst bei Festbeträgen für patentgeschützte Arzneimittel). Wenn Menschen nicht wie Menschen behandelt werden können, sondern in einem - politisch gewünschten - Rationalisierungssystem zunehmend nur abgefertigt werden müssen, wenn Ärzte fehlen und unzureichend schmerztherapeutisch und psychologisch ausgebildet sind, dann ist allein die Krankheitssituation schon äußerst belastend.

Bedeutung für die Betroffenen:

Wenn dann noch "Vorschriften" gemacht werden sollen, ein unglückliches - von Leid getragenes Leben, zwangsweise aushalten zu müssen, dann kann man Betroffenen nur empfehlen, sich rechtzeitig "medikamentös" zu versorgen......

Fehlendes Mitgefühl der Entscheidungsträger:

Was hat all das mit Humanität und Ethik zu tun? Wie viel Mitgefühl ist hier unseren Theologen, Ärzten und Politikern abhanden gekommen, wenn sie uns das Selbstbestimmungsrecht nehmen wollen? Soll uns hier das Selbstbestimmungsrecht in verfassungswidriger Weise genommen werden, wenn nicht wir, sonder der "Staat" für uns entscheidet?

Der "fehlende" Blick über die Grenzen unseres Landes: 

Schade, dass hier nicht einmal die positiven Erfahrungen anderer Länder mit Patientenverfügungen und Sterbehilfe in die Überlegungen mit einbezogen werden. Warum wird bis heute viele Kranken - ohne dass sie aus dem Leben scheiden wollen - unnötiges Leid zugefügt, weil Schmerzbehandlungen an der Unkenntnis und an allzu starren Regelungen scheitert, wenn angeblich soviel "Ethik" die Entscheidungen unserer Abgeordneten bewegt? ......(=> Welche Länder erlauben aktive Sterbehilfe)

Wichtig zu wissen:

Es gibt Krankheiten, welche auch bei bester medizinischer Versogrung schweres bzw. schwerstes Leid und Leiden verursachen. Sollten nicht jene, welche darüber zu entscheiden haben ob eine vorhandene Abhilfemöglichkeit für das Leid den Kranken nicht ermöglicht werden soll, vor Bildung Ihres Urteils ein "Praktikum" in ontologischen und/oder palliativen Abteilungen von Krankenhäusern machen und dabei vor allem viele, viele Gespräche mit den Betroffenen führen ?

Nachtrag (03.07.2008):
 
Hamburg ergreift Maßnahmen gegen "unethisches" Verhalten:

"Justizsenator Till Steffen (Grüne) erklärte in der Hansestadt: „Hochgradig problematische Erscheinungsformen der bisher straffreien Teilnahme an einer Selbsttötung sollen unter Strafe gestellt werden.“ Wer seine Hilfestellung am Suizid gewerbsmäßig betreibe oder mit einer Darstellung werbender Art verbinde, soll mit Sanktionen rechnen.(Zitat:Hamburg will Strafe für organisierte Sterbehilfe )

Mit welcher Begründung? Bestimmt der "Staat" was ethisch und unethisch ist, ohne darüber zu diskutieren?


Nun leistet ja die pharmazeutische Industrie mit zahlreichen Medikamenten auf gewisse Art und Weise auch "Hilfestellung" zum Sterben. Sie werben für teure und oft auch nutzlose Krebsmedikamente, welche das Leben gleichfalls verkürzen können. Hier wird mit "Krankheit" gewerbsmäßig umgegangen, so dass die Frage berechtigt ist, wo der Unterschied zum gewerbsmäßigen Umgang mit dem Sterben ist? Wie sieht es  mit dem Schutz des Bürgers vor den gewerbsmäßigen, Gewinne machenden Geschäften der Bestattungsindustrie aus? Hier werden doch mit dem Tod Geschäfte gemacht? Ist das nicht auch unethisch? Ist das keine Doppelmoral?

Das Gerede um "Ethik" geht weiter - Begründungen dafür gibt es keine, Roger Kusch stehen harte "Sanktionen" bevor.......


Der Hamburger Senat will nun die Pensionsansprüche von Roger Kusch zur Disposition stellen, weil er einer Sterbewilligen geholfen hat? Begründung: Er habe gezeigt, dass "seine Handlung seines Amtes unwürdig
gewesen sei".

Auch hier stellt sich die Frage, was daran unwürdig sein soll, wenn er Betroffenen hilft, ihrem Leid ein Ende zu setzen? Welche Ethik steckt dahinter? Viele Länder in Europa erlauben diese Form von Sterbehilfe und in Deutschland wird sie als unethisch und unwürdig angesehen? Noch sind es nur subjektive Bewertungen und Meinungen, welche abgegeben werden, eine Begründung dafür sucht der Bürger vergebens.......... (Sollte ich hier im Irrtum sein, korrigieren Sie mich bitte.)

Ich vermisse die Stimmen von Philosophen aus dem Elfenbeinturm bzw. eine "echte" Wertediskussion...... Denn was hier passiert ist nichts anderes als eine politische Normsetzung ohne das Für und Wider zu diskutieren.

Interessant wäre auch, was dazu Moralpsychologen und Moralphilosophen sagen? Auf welcher  "Kohlberg'schen Moralstufe würde man die augenblickliche "politische Einschätzung" ansiedeln? (=> Stufen der moralischen Entwicklung nach Lawrence Kohlberg)


Nachtrag, der Zweite (05.07.2008)
Thema: Zweierlei Maß?
 
Wie sehen Sie die Frage, gewerbsmäßige und private(nicht-gewerbsmäßige) Sterbehilfevereine unter Strafe zu stellen? Tag für Tag verdienen Bestattungsunternehmen und andere am Tod....... steigende Friedhofsgebühren und andere "amtliche" Gebühren machen den Tod zu einer teuren Angelegenheit......... Ethisch vertretbar oder nicht?
 
Worin besteht der Unterschied, wenn Unternehmen am "Toten" bereits jetzt schon ordentlich verdienen und auch ohne Einschränkungen verdienen können (was offenbar nicht als "unethisch" betrachtet wird ) und dem Bestreben, am "Sterben" verdienen zu wollen. Gewerbliche (gewinnorientierte oder nicht gewinnorientierte) Sterbehilfe ethisch vertretbar oder nicht?
 
Auch andere Unternehmungen Altenheime, Pflegeheime und private Krankenhäuser, sowie die Pharmaindustrie wollen Gewinne auf Kosten von alten, pflegebedürftigen, sterbewilligen und kranken Menschen machen. Warum wird auch das nicht als verwerflich betrachtet? Gewerbliche (gewinn- und nicht gewinnorientierte) Alten- und Krankenpflege ethisch vertretbar oder nicht? Gewerbsmäßige, nicht gewinnorientierte Hospizpflege ethisch vertretbar oder nicht?

 

Weiterführende Links - mit lesenswerten Kommentaren!!

  • Blogbeiträge von Edgar Dahl bei wissenslogs zum Thema Sterbehilfe: Reise in die Nacht und Mein Tod gehört mir!
  • Ausführlicher guter Beitrag in der "Zeit" zum Thema Patientenverfügung: Sterben und sterben lassen
  • Tipp von M. Wald: Aktuelle Sendung zur Situation der Sterbehilfe in der Schweiz (Deutschlandradio + Podcasts), sowie weiterführende Links: Das Geschäft mit dem Tod "Reportagen von Knut Benzner, Redakteurin am Mikrofon: Barbara Schmidt-Mattern Was in der Bundesrepublik verboten ist, ist in der Schweiz erlaubt: Noch, so sollte man hinzu fügen....[..].."

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Kommentare

  1. adenosine
    02.07.2008 | 22:10

    Tja, eine schwierige Frage, was mag wohl die Theologie so antreiben, die Entscheidungfreiheit des Einzelnen zu seinem Sterben zu negieren? Ich vermute, es ist die Furcht, dass die Gäubigen die Angst vor dem verlieren könnten, was Gott nach dem Tod mit ihnen anstellt. Wenn die Leute sehen, dass andere ungestraft ihrem Leben ein Ende setzen und auch noch ein leichtes Sterben haben, dann könnten sie eher glauben, dass mit dem Tod alles zu Ende ist und dass man sich so der übernatürlichen Kontrollinstanz entziehen kann. Der leidvolle Sterben ist ein Hinweis auf das göttliche Gericht. Die Hoffnung des Gläubigen muss aus Sicht der Kirche sein, dass man nur mit einem gottesfürchtigen Leben die Gnade eines leichten Todes erwerben kann.

  2. Monika Armand @ adenonsine
    03.07.2008 | 07:44

    Ja, so eine ähnliche "Begründung" der Kirche habe ich befürchtet - wobei mit diesem "Denkmodell" die Kirche wieder im Mittelalter gelandet ist und das im 21. Jahrhundert?!
    Damals dachte man ja "Krankheit" sei Strafe Gottes.......

    Allerdings bleibt immer noch das Problem der Doppelmoral: Wenn Krankheit als von "Gott gegeben" betrachtet wird, dann leuchtet nicht ein, warum - nach dieser Anschauung - einerseits Medikamente, OP's, medizinische Geräte in die "Verlängerung", aber nicht in die Beendigung des Lebens eingreifen dürfen?

    Wenn die "Kirche" so denkt, dann gibt es gleich eine Frage danach: Wir leben in einer Demokratie, welche "Glaubensfreiheit" für sich beansprucht. Warum muss jemand als Atheist oder Christ mit anderer Anschauung sich die "Regeln" von der Kirche diktieren lassen? Dies könnten dann die Kirchenanhänger unter sich ausmachen.....und:

    Kirchenanhänger können für sich selbst entscheiden, ob sie sich quälen wollen, wie z.B. in manchen "Kirchenformen" eine Bluttransfusion für die Anhänger verboten ist.....

  3. Günter Schütte Aktive Sterbehilfe durch den Arzt
    03.07.2008 | 13:26

    Das ganze Problem ist sehr komplex. Ich möchte bitten, folgende Punkte zu bedenken:

    * Kein Arzt ist nach der heutigen Gesetzeslage verpflichtet, in jedem Fall alles medizinisch Notwendige zu tun.

    * Wenn aktive Sterbehilfe durch den Arzt legalisiert wird, dann wird in vielen Fällen Druck auf den Patienten und auch den Arzt ausgeübt, das "lebensunwerte" Leben doch jetzt zu beenden um das Los der Angehörigen zu lindern. (Erfahrungen aus Holland sprechen für diese These.)

    * Die Entscheidung sterben zu wollen, ist oft nur vorübergehend. Fast jeder Gesunde wird heute denken, mit einer Lähmung vom Hals abwärts könne er sich nie arrangieren und würde den Tod vorziehen. Tatsache ist jedoch, dass nach einer gewissen Übergangszeit von wenigen Monaten der Prozentsatz glücklicher und unglücklicher Menschen unter den so Gelähmten dem Prozentsatz in der Normalbevölkerung entspricht.

    * Die Legalisierung der Sterbehilfe würde den Druck reduzieren, endlich den von Ihnen auch beklagten Mangel an effektiver Schmerz- und Palliativmedizin zu beseitigen.

  4. 03.07.2008 | 14:44

    Ich denke, dass ist ein Problem, dass vor allem mal in der Politik öfters und gründlicher diskutiert werden sollte, auch sollte man die Menschen mehr darüber aufklären, so dass jeder sich eine Meinung bilden kann, man hört ja nur negatives in den Berichten der freien Medien, man sollte mal etwas neutrales ausstrahlen.

  5. Monika Armand Sterbehilfe durch den Arzt
    03.07.2008 | 15:39

    Sehr geehrter Herr Schütte, zunächst möchte ich Ihnen ganz herzlich danken, dass Sie hier bereit sind, die Dinge aus Sicht der Ärzteschaft zu schildern.

    Ich möchte meine "Gegenargumente" bitte nicht als Angriff auf diese Positionen verstanden wissen, sondern als eine Offenbarung meines inneren Dialogs und meiner Annahmen, wo jene Argumentation aus meiner Sicht nicht widerspruchsfrei ist.

    Ihre Argumentation ist für mich - sofern ich eine gewisse ärztliche ggf. notwendige Distanz zum Patienten mit einbeziehe, nachvollziehbar. Jedoch habe ich folgende Bedenken:

    Die ärztliche Argumentation scheint sich nicht auf die jeweils überaus individuelle Situation eines Patienten zu beziehen, sondern vielmehr auf "statistische" Erwartungen.

    Statistisch gemessene Werte sind Durchschnittswerte und können m.E.auf einzelne betroffene Personen angewandt, zu "unmenschlichen" Ergebnissen führen:

    Mir fällt dazu gerade nur ein Beispiel aus der aktuellen Gesundheitspolitik zu den Verordnungsmöglichkeiten von Medikamenten ein(vielleicht können hier meine Leser aus eigenem Erfahrungs- bzw. Kenntnisbereich noch Beispiele anfügen):

    Dabei werden Medikamente aufgrund ihres Preises herausgenommen, mit der Begründung, dass im Durchschnitt nur wenig Besserung im Vergleich zu anderen deutlich billigeren Medikamenten erzielt werden könnte. Wie ich von einigen Fachärzten weiß, nutzte auch ein gesonderter Antrag nichts, so dass Personen mit Medikamentenunverträglichkeit (z.B.Allergie, spezifische Medikamentenreaktion..) auf das günstigere Medikamentes, eine Genehmigung für das teurere Medikament nichz bekommen haben. Aus eigener Anschauung kenne ich etliche Fälle, wo gesundheitsreformerische Aktivitäten ähnlicher Natur,zu Entwicklungen in Richtung des "sozial-verträglichen Frühablebens" geführt haben....

    Daher meine Frage: Können diese verallgemeinerten Erfahrungen auf eine einzelne Person bezogen werden?

    ______________________________

    "* Die Legalisierung der Sterbehilfe würde den Druck reduzieren, endlich den von Ihnen auch beklagten Mangel an effektiver Schmerz- und Palliativmedizin zu beseitigen."

    Inwiefern besteht bzw. bestand in der Vergangenheit ein Druck die Mängel einer effektiven Schmerz- und Palliativmedizin zu beseitigen? Hätten diese nicht schon lange eingerichtet werden können?
    oder anders gefragt:
    Könnte es nicht auch sein, dass die auftretenden "Sterbewünsche" erst auf die beklagenswerte Situation aufmerksam machen.

    Bislang gibt es keine Legalisierung der Sterbehilfe und dennoch hat sich die medizinische Versorgung und die Pflegesituation generell verschlechtert und nicht verbessert. Welche Gründe sollten also die gesundheitspolitische Führung dazu veranlassen, die schlechter gewordenen Verhältnisse zu verbessern?

    ______________________________

    "* Wenn aktive Sterbehilfe durch den Arzt legalisiert wird, dann wird in vielen Fällen Druck auf den Patienten und auch den Arzt ausgeübt, das "lebensunwerte" Leben doch jetzt zu beenden um das Los der Angehörigen zu lindern. (Erfahrungen aus Holland sprechen für diese These.)"

    Diese Annahme der Ärzteschaft wurde - soweit mir bekannt - gerade nicht bestätigt. Jedoch lasse ich mich hier gerne korrigieren. Ich entnehme meine Informationen dem Beitrag von Edgar Dahl bei Wissenslogs:"Mein Tod gehört mir!"

    Dort werden Erfahrungen aus anderen Ländern geschildert, welche eher das Gegenteil belegen....

    ______________________________

    "* Die Entscheidung sterben zu wollen, ist oft nur vorübergehend. Fast jeder Gesunde wird heute denken, mit einer Lähmung vom Hals abwärts könne er sich nie arrangieren und würde den Tod vorziehen. Tatsache ist jedoch, dass nach einer gewissen Übergangszeit von wenigen Monaten der Prozentsatz glücklicher und unglücklicher Menschen unter den so Gelähmten dem Prozentsatz in der Normalbevölkerung entspricht."

    Ich stelle mir einmal folgenden Fall vor: Ein Arzt kommt zu einem Patienten vom Hals an abwärts gelähmt. Der Patient teilt dem Arzt mit, dass die Tage ewig lang seien, er wolle nicht mehr leben.(Ich gehe einmal davon aus, dass für einen solchen Betroffenen nicht die immensen finanziellen Investitionen wie z.B.bei Hawkings gemacht werden würden - da gibt es ja von gesundheitspolitischer Seite genügend Überlegungen, dass nämlich nicht alles medizinisch Machbare auch finanzierbar sei....)Der Patient hat sich dies einige Wochen lang überlegt. Sie müssen nun diesen Patienten darauf hinweisen, dass er nicht - wie gewünscht sterben dürfe - weil es im statistischen Mittel in Deutschland ja genau so viele unglückliche Menschen gibt?

    Auch könne es doch sein, dass er sich irgendwann daran gewöhnen würde, von fremden Menschen wie ein Säugling gewickelt zu werden, davon abhängig zu sein, dass er ständig von Fremden (mit-)versorgt werden muss. Da seine geringe Rente auch nicht für eine Teilnahme am öffentlichen Leben reicht, ist er dazu verdammt in einer kleinen Wohnung, sitzend oder liegend sein Dasein zu fristen.

    Welche Vorschläge kann man diesem Menschen machen, wieder Lebensmut und Lebensfreude zu bekommen, ohne auf eine herzlose Statistik zu verweisen?

    Ist es legitim einem Menschen seinen Willen zu verwehren, mit dem Hinweis, dass sein letzter Wunsch nur vorübergehend sein könnte?

    Die Erfahrungen, welche bei "Mein Tod gehört mir!" berichtet werden, belegen auch hiervon das Gegenteil. Dort wird von Patienten berichtet, welche für den Notfall eine "Selbsttötungsdosis" in Reserve haben. Dort hat man festgestellt, dass gerade diese Patienten weitaus zögerlicher mit Selbsttötungsgedanken im schweren Krankheitsfalle umgehen......

    Oh ja, was vielleicht auch wichtig wäre:
    Es müsste zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe unterschieden werden....wobei nüchtern betrachtet auch manche medizinische Behandlung zu einer ungewollten "Sterbehilfe" führt. So werden manche Chemotherapien vorgenommen, obwohl behandelnde Ärzte in jenen Spezialfällen wissen, dass diese keinen Behandlungserfolge bringen und eher den vorzeitigen Tod auslösen.(Sie werden gemacht, ob nicht die ganze "Hoffnung" der Betroffenen und Angehörigen zunichte zu machen, d.h. anstatt einer ehrlichen Auskunft, wird eine Therapie gemacht, welche die verbliebende Lebenszeit noch zusätzlich verkürzt.....
    (Lit.: "Leben bis zum Schluss", Petra Thorbrietz und "Heillose Medizin" von Jörg Blech - mit zahlreichen Belegen aus Studien...)

    _________________________

    "* Kein Arzt ist nach der heutigen Gesetzeslage verpflichtet, in jedem Fall alles medizinisch Notwendige zu tun."
    Ja, noch ist das ein kleiner Trost für Betroffene, welche darauf hoffen, dass man ihre letzten Wünsche aus ihrer Patientenverfügung auch erfüllt.

    Allerdings gibt es ja schon Überlegungen beim Gesetzgeber auch das abzuschaffen....
    Heute ist es noch so, dass es vom jeweiligen Arzt abhängt ob er diesen Wunsch berücksichtigt. Wer an einen Arzt kommt, welcher eine andere "Weltanschauung" vertritt, hat bzw. hätte dann auch heute schon das Nachsehen.... Oder bin ich hier im Irrtum?

  6. Monika Armand @ Falk
    03.07.2008 | 17:31

    "Ich denke, dass ist ein Problem, dass vor allem mal in der Politik öfters und gründlicher diskutiert werden sollte.."

    Oh ja, ich gebe Ihnen recht, wobei - wie wir ja hier sehen können - sich Politiker wohl eher oberflächlich Gedanken daüber machen..... Und da die Frage, wie wir einmal von diesem Planeten gehen, jeden von uns betrifft, meine ich, dass wir die Politiker hier nicht "allein denken" lassen dürfen.

    Ist es nicht merkwürdig: es wird über Sterbehilfe geredet, als ob das Problem nur einen Teil von uns Menschen betreffen würde?

    Allerdings:
    Jeder von uns wird auf die eine oder andere Art sein Leben beenden..."

    Eigentlich ist diese Anmerkung überflüssig und doch scheint sie mir notwendig. Die Tabuisierung unseres Todes hat Folgen:

    Offenbar scheint Wenigen bewusst (im Sinne von "gegenwärtig) zu sein, dass unser Leben endlich ist und wir uns Gedanken darüber machen sollten, wie wir in welchem Fall unter welchen Bedingungen von dannen gehen wollen......

    ".....man sollte mal etwas neutrales ausstrahlen."

    Und wie lässt sich dieses Thema "neutral" diskutieren? Ich habe dabei meine Probleme...denn ich bin gewiss nicht neutral, denn hier muss man sich für etwas entscheiden.

    1. Will ich die Möglichkeit über meinen Tod frei entscheiden zu dürfen?

    2. Oder ist es in Ordnung, wenn die Politik mir vorschreibt, wie ich "sterben darf"?

  7. Dietmar Hilsebein @ Armand
    03.07.2008 | 17:45

    "Jeder von uns wird auf die eine oder andere Art sein Leben beenden..."

    Da, liebe Frau Armand, bin ich mir nun nicht mehr so sicher! Denn der Mensch stirbt letztlich an seinen inneren Konflikten (-> Freud!)

  8. Monika Armand @ Dietmar Hilsebein
    03.07.2008 | 18:05

    "Denn der Mensch stirbt letztlich an seinen inneren Konflikten (-> Freud!)"

    Das wäre ja tatsächlich eine Erklärung dafür, dass sich Politiker keine Gedanken über eine etwaige Betroffenheit als "Opfer" der eigenen Gesetzgebung machen müssen? Die haben alle Freud gelesen ;-)))

    Und wie stehen Sie dazu? Wäre es Ihnen recht, wenn Ihre Patientenverfügung dereinst ignoriert werden soll(te) bzw. die Ärzte einmal ihr Leben um jeden Preis erhalten müssten?

  9. Dietmar Hilsebein @ Armand
    03.07.2008 | 18:18

    Und wie stehen Sie dazu? Wäre es Ihnen recht, wenn Ihre Patientenverfügung dereinst ignoriert werden soll(te) bzw. die Ärzte einmal ihr Leben um jeden Preis erhalten müssten?

    Ich habe keine Patientenverfügung und ich gehe auch nicht zum Arzt -es sei denn, daß ich die Diagnose schon selbst gestellt habe. Ich glaube schon lange nicht mehr an Ärzte, denn ich habe Beethoven nicht vergessen. Es gibt nur den EINEN Arzt...

  10. Monika Armand @ Dietmar Hilsebein
    03.07.2008 | 18:48

    Keine erhoffte Antwort..da hab ich wohl Pech gehabt ;-)

    Kann ich Ihnen wenigstens eine philosophische Stellungnahme "entlocken"? Mein Beitrag kann diesbezüglich sicher auch eine "fachliche" Note vom Philosophen Dietmar Hilsebein vertragen ;-) Nur zu, es darf ruhig auch kritisch sein....

  11. Dietmar Hilsebein
    03.07.2008 | 19:07

    "Kann ich Ihnen wenigstens eine philosophische Stellungnahme "entlocken"?"

    Nein! Und das aus gutem Grunde: Ich habe es satt mit ansehen zu müssen, daß sich Menschen zu einem Gott aufspielen. Also kann ich auch keine Stellungnahme dazu abgeben, denn das würde bedeuten, daß ich mich ebenfalls zu einem Gott aufspielen würde. Jeder Mensch hat das WORT in sich und muß danach suchen -das kann ihm niemand abnehmen!

  12. Richard Worthülsen, @Hilsebein
    04.07.2008 | 03:09

    Ich finde es nicht schön, wenn bloß mit leeren Worthülsen um sich geworfen wird.

    Es wäre netter, wenn hier statt rätselhaften Andeutungen eine klare Meinung zu lesen wäre.

    Wenn Sie von dem EINEN ARZT sprechen, dann könnten Sie ihn benennen.
    Und wenn Sie von dem WORT schreiben, welches angeblich jeder in sich trägt, dann könnten sie es hier beschreiben.

  13. adenosine @Günther Schütte
    04.07.2008 | 07:14

    Ihre Argumente laufen darauf hinaus, dass im Einzelfall die Sterbehilfe missbraucht werden kann oder auch Fehlentscheidungen möglich sind. Dies ist, wie bei fast jeder anderen menschlichen Tätigkeit auch, unvermeidlich und darf nicht dazu führen das solche Möglichkeiten generell verboten werden. Die Entscheidung über die Art seines Sterbens sollte ein Grundrecht des Menschen sein und nur in Ausnahmefällen eingeschränkt werden.

  14. Günter Schütte @adenosine
    04.07.2008 | 09:36

    "Sterbehilfe" ist in Deutschland ja nicht generell verboten. Sterbehilfe ist "Beihilfe zum Suizid". Da der Suizid nicht strafbar ist, kann auch die Beihilfe nicht strafbar sein.

    Etwas anders ist die Rechtslage, wenn ein Arzt "Sterbehilfe" leistet. Hier wird dies in jedem Fall als unterlassene Hilfeleistung angesehen und hat schwerwiegende strafrechtliche und standesrechtliche Konsequenzen, vermutlich wird es zun Entzug der Berufserlaubnis (Approbation) kommen.

    Auf alle anderen Einwände komme ich später noch einmal zurück.

    P.S.: Gestern las ich in der "Zeit", dass Herr Kusch offensichtlich einer kerngesunden Frau, die unter Einsamkeit und der Angst vor dem Altersheim litt, zum Suizid verholfen hat. Sehr bedenklich, wie ich meine. Hier wäre Hilfe möglich und notwendig gewesen.

  15. Richard Kusch
    04.07.2008 | 10:01

    Das Beispiel Kusch zeigt, wie wichtig die Diskussion ist, die Frau Amand hier angestoßen hat.

    Statt der Frau tödliche Chemikalien zu geben und ihr von einem Selbstmord nicht abzuraten - wäre es besser gewesen, ein oder mehrere Alterheime zu besuchen, damit sie ihre Angst verliert.

    Man muss es auch einmal laut aussprechen, dass die meisten Pflegekräfte trotz Zeitdruck sehr nett und freundlich mit den Alten umgehen.

  16. Monika Armand @ G. Schütte + Richard
    04.07.2008 | 10:51

    "P.S.: Gestern las ich in der "Zeit", dass Herr Kusch offensichtlich einer kerngesunden Frau, die unter Einsamkeit und der Angst vor dem Altersheim litt, zum Suizid verholfen hat. Sehr bedenklich, wie ich meine. Hier wäre Hilfe möglich und notwendig gewesen."

    Das wollte ich auch andeuten mit meiner Anmerkung, dass in Deutschland eine unzureichende Schmerztherapie und Pflegenotstand in Krankenhäusern (+Apparatemedizin, sowie Altenheimen zu einer Notlage für Kranke und Alte führt.

    Bereits bei der Behandlung von Betroffenen ist ein Verlust an "Mitmenschlichkeit" zu beklagen.....auch hiervon scheinen die Entscheidungsträger keine Notiz zu nehmen..................
    All das wird, wie man so schön sagt, tot geschwiegen!

    P.S.: In Krankenhäusern neigen viele Ärzte dazu, Sterbende und Patienten, welchen medizinisch nicht mehr weiter geholfen werden kann, dem Pflegepersonal zu überlassen. So können auch diese viel "Distanz" zum "Leiden" pflegen....natürlich gibt es hier auch Ausnahmen....

    Problem: Die Vertreter der Ärzteschaft diskutieren daher eher distanziert bezüglich Sterbehilfe, anstatt die Pflegenden, welche das Sterben vielmehr "hautnah" erleben......

  17. Martin Huhn @ Kusch
    04.07.2008 | 10:56

    "Gestern las ich in der "Zeit", dass Herr Kusch offensichtlich einer kerngesunden Frau, die unter Einsamkeit und der Angst vor dem Altersheim litt, zum Suizid verholfen hat. Sehr bedenklich, wie ich meine."

    Ach, das ist doch überhaupt nicht bedenklich. Wenn jemand nicht alt werden will, weg damit! Man muß doch nur mal die Vorteile sehen. Es entlastet die Rentenkasse, die Beiträge für die Pflegeversicherung müssen dann auch nicht ständig erhöht werden und die Krankenkassen werden ebenfalls entlastet. Sind doch eh alles nur Atome in Bewegung, Zellklumpen halt.

    P.S.: Das war natürlich nicht ernst von mir gemeint.

  18. Monika Armand @ Martin Huhn
    04.07.2008 | 11:10

    .....wobei Ihr nicht ernst gemeinter Beitrag wieder einen sehr ernsten Hintergrund hat... :

    Chronisch Kranke und Schwerkranke können nämlich "ein Lied davon singen", wie Ihnen zunehmend zum Zwecke der Arzneikostenreduzierung individuell notwendige Medikamente versagt werden und zusätzlich das Leben auch schwerer gemacht wird, weil etliche - auch ambulant durchführbare Behandlungen - stationär durchgeführt werden müssen.....

    Einerseits "Zwang zum Leben" und andererseits "Kosteneinsparungen am Kranken mit entsprechendem Verlust an Lebensqualität"....so etwas nenne ich dann "Doppelmoral" ;-)

  19. Monika Armand Link zu den Regelungen in Deutschland
    04.07.2008 | 12:18

    Im Spiegel-Artikel werden die geltenden Regelungen der Sterbehilfe in Deutschland erläutert:
    DIE REGELUNGEN ZUR STERBEHILFE IN DEUTSCHLAND

    Dort wird unterschieden zwischen "indirekter aktiver Sterbehilfe" und passiver Sterbehilfe. Eine Sterbehilfe durch Ärzte, d.h. die zur Verfügungsstellung von todbringenden Medikamenten ist Ärzten verboten.

    Diese Regelungen beabsichtigt die "Politik" zu ändern......

  20. Gregor Schelaskes @ Liebe Frau Armand
    04.07.2008 | 14:22

    Ihre Statements fallen sehr oberflächlich aus. Soweit nichts Ungewöhnliches für einen Vertreter des 21. Jahrhunderts ;-) Die Vermutung einer "adenosine" (Theologie/Tod) wandeln Sie schwupp-die-wupp zum einem kirchlichen Dogma um. So was ist einfach unredlich!

    "Sterbehilfe" ist ein Unwort und klingt wie ein Euphemismus aus "1984". Sowohl "Sterbehilfe" wie auch "Mordhilfe" sind verwerfliche Formulierungen per se. Jeder, der ein letzten Fünkchen Anstand besitzt und im Stande ist auf sein Herz zu horchen, wird dem zustimmen.

    Ethisches Handeln gegen Gott läuft früher oder später auf eine Katastrophe hinaus. Stolze Menschen, die alles wollen und alles können und keinen Widerspruch dulden, die gottähnlich über Leben und Tod bestimmen, machen sich unbewusst ja fast lächerlich.

    Das Motto dieser Debatte: "Wenn der Glaube an Gott das Mitgefühl verdrängt...." besitzt keine Tiefe, jedenfalls dann nicht, wenn man den christlichen Glauben damit meint. Beim islamischen könnten Sie aber damit richtig liegen.

  21. Monika Armand @ Lieber Herr Schelaskes
    04.07.2008 | 16:03

    Lieber herr Schelaskes,

    Sie schreiben mir, das meine Statements sehr oberflächlich ausfallen. Leider haben Sie mir nicht beschreiben können, wo diese Oberflächlichkeit denn liegt, denn gerne wäre ich darüber mit Ihnen in den Dialog getreten.

    Anstatt dessen treffen Sie Feststellungen, wie "Sterbehilfe" ist ein Unwort. Warum erfahre ich aber nicht. Man könnte sicher "Sterbehilfe" anders nennen. Allerdings steht es nicht in meiner Macht ein im umgangssprachlichen und politischen Geschehen genutztes Wort umzubenennen.

    Was ist denn ethisches Handeln gegen Gott. Ich weiß es nicht, vielleicht können Sie mir es erklären?

    "die gottähnlich über Leben und Tod bestimmen, machen sich unbewusst ja fast lächerlich." Verstehe ich Sie richtig, dass Sie sich entschieden dagegen wenden, wenn ein Mensch, unter qualvollen Schmerzen und/oder Atemnot leidend den Wunsch äußerst zu sterben, dass sich dieser gegenüber "Gott" schuldig machen würde ?

    Wenn ja, warum würde er dies tun?

    "Das Motto dieser Debatte: "Wenn der Glaube an Gott das Mitgefühl verdrängt...." besitzt keine Tiefe, jedenfalls dann nicht, wenn man den christlichen Glauben damit meint."

    Wie sähe aus Ihrer Sicht diese Diskussion mit "Tiefe" aus ? Ich habe um "Erklärungen" gebeten, weil ich die "Tiefe" in der kirchlichen und politischen Diskussion vermisse. Daher bitte ich Sie, mir zu erläutern, warum! manche Christen die Hilfe für schwer leidende Schwerstkranke versagen wollen?

    "Beim islamischen könnten Sie aber damit richtig liegen."

    So? Sind Sie sich sicher, den Islam so gut zu kennen? Ich hätte da starke Zweifel........

  22. Monika Armand @ Herr Schelaskes - Nachtrag
    04.07.2008 | 16:13

    "die gottähnlich über Leben und Tod bestimmen, machen sich unbewusst ja fast lächerlich."

    Genau genommen bestimmen doch Kranke und Ärzte jeden Tag über Leben und Tod. Denn Operationen, Medikamente etc. etc. verlängern tagtäglich "künstlich" das Leben von Menschen.

    In anderen Fällen verkürzen Operationen, Medikamente etc. ungewollt das Leben von Menschen.

    Also handeln Ärzte aus Ihrer Sicht "Gott ähnlich"? Dann müsste ja daraus folgen, dass Christen, welche Ihre Auffassung teilen, jegliche medizinische Behandlung vehement verweigern müssten.......

  23. Helmut Wicht @ adenosine (allererster Kommentar)
    04.07.2008 | 16:15

    "Gnade eines leichten Todes".

    Hm.

    Der "leichte Tod" - das ist UNS der plötzlich, rasche, unbemerkte, unangekündigte Tod.
    Aus der Lektüre eines Buches über die "Geschichte des Todes" (Philippe Aries(?) - ein Historiker) ist mir erinnerlich, dass dieser "leichte" Tod im gottesfürchtigen Mittelalter nicht als Gnade, sondern als Fluch angesehen wurde: weil er einem verbietet, sich in Würde uns Besinnung im Sterbeprozess auf Gott vorzubereiten. Leidenslustige Zeiten waren das.

    Ich persönlich würd die Euthanasie-Debatte aber auch nicht an irgendwelchen kirchlichen Dogmen aufhängen. WIE wurscht die den meisten Leuten sind, sieht man an der Folgenlosigkeit von "Humanae vitae". Alle Welt schluckt die Pille, obwohl vor dem Hintergrund des katholischen Dogma die VERHINDERUNG von Leben eine ebensolche Sünde ist wie dessen Vernichtung.

  24. Monika Armand @ Helmut Wicht
    04.07.2008 | 16:54

    "Ich persönlich würd die Euthanasie-Debatte aber auch nicht an irgendwelchen kirchlichen Dogmen aufhängen."

    Leider scheinen unsere politischen Vertreter stark unter dem Einfluss kirchlicher Dogmen zu stehen, so dass unsere Gesetzgebungspraxis sich implizit von einer "demokratischen" in eine minderheitsbestimmte kirchlich-dogmatische zu verschieben scheint.

    Was das anbetrifft scheint die Trennung Kirche und Staat rein fiktiv zu sein.........was wohl immer wieder - mehr oder weniger - der Fall sein wird, wenn es um normative Grundsatzfragen geht....

  25. Michael Wald Radiotipp
    04.07.2008 | 20:23

    Hallo Ihr,

    ich hab zwar nichts zum Thema zu sagen, aber vielleicht interessiert ja jemand der Programmhinweis für morgen früh 11.05 Uhr:
    Das Geschäft mit dem Tod

  26. Dietmar Hilsebein @ all
    04.07.2008 | 20:33

    Man muß aushalten bis zum Schluß und den Skeptiker in sich darf man nicht verlieren.
    Kant! Du alter Fuchs!

  27. Michael Wald @Hilsebein
    04.07.2008 | 21:03

    Für jeden Lebenden gibt es noch Zuversicht.
    Denn: Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe.

  28. Dietmar Hilsebein @ Wald
    04.07.2008 | 21:08

    Es freut mich sehr, daß Sie sehr genau verstehen!

  29. Dietmar Hilsebein Nachtrag @ Wald
    04.07.2008 | 23:52

    Doch die "Toten" hinterlassen ihr WORT und sind lebendiger als Mancher, der sich lebend wähnt!

  30. Monika Armand Wald und Hilsebein - Worthülsenspiele?
    05.07.2008 | 08:57

    Leider kann ich mit Ihren Beiträgen nichts anfangen. Helfen Sie mir mal auf die Sprünge - was wollen Sie damit ausdrücken?

    Wollen Sie vielleicht sagen:

    Betroffene sollen ihr Leiden "aushalten", egal wie sehr sie leiden?
    oder
    Sterben tun wir sowieso, da ist doch egal "wie" und wie lange der Leidensweg dauert?
    oder
    Mit dem Thema möchten Sie sich nicht auseinander setzen, weil es Sie an die Endlichkeit auch Ihres Lebens erinnert.
    oder
    Ihnen macht das Thema Angst, deshalb weichen Sie lieber aus und weisen darauf hin, dass z.B. das "Geld verdienen" mit Not leidenden nicht in Ordnung ist.
    oder
    Handelt es sich hier um eine bestimmte Form von "Galgenhumor" um sich dem Ernst des Themas nicht stellen zu müssen?

  31. Dietmar Hilsebein @ Armand
    05.07.2008 | 09:27

    Liebe Frau Armand. Ich weiß natürlich, daß für Sie das alles wirr erscheinen muß. Die Frage, die ich mir einst stellte war die: Wie ist vernunftbezogenes Handeln möglich?
    So dachte ich über Vernunft, Mitgefühl und Wille nach. Und so vollzog ich Nietzsche, Schopenhauer und Kant. Ich weiß nicht, was ich sonst noch sagen soll.

  32. Monika Armand @ Dietmar Hilsebein
    05.07.2008 | 09:57

    Ein wenig Philosophie hatte ich einst im Erststudium gehabt....allerdings scheint dies nicht zum Verständnis Ihrer "zusammen gefassten" ? Gedanken auszureichen...;-))

  33. Steffen Rehm Religion und Doppelmoral
    05.07.2008 | 11:53

    Die Freiheit eines Christen besteht darin, das zu tun, was Gott will.
    Nietzsche nannte das eine Sklavenmoral.

    Dahinter steckt ein uralter Trick der Diktatoren. Anstatt zu sagen: „Alle müssen tun, was ich will“ sagen kluge Herrscher: „Alle müssen tun, was Gott will, und ich allein kann Euch sagen, was er will, weil ich seine Stimme gehört habe.“

    Mit dieser Begründung konnte Abraham bis heute durchsetzen, daß seine männlichen Gefolgsleute (für den Bund mit Gott!) als Säuglinge beschnitten werden, (eine Barbarei mit traumatischen Folgen an wehrlosen Babys).

    Die Doppelmoral kommt mit dem Massenmörder Moses in die drei „Offenbarungsreligionenen“. Moses kommt mit den 10 Geboten vom Berg Sinai, darunter auch „Du sollst nicht töten“. Im Zorn über das Volk, das auf Anweisung seines Bruders Aaron sein ganzes Gold abgegeben hat, woraus Aaron das goldene Kalb machen ließ, läßt Moses sofort 3000 Menschen in einer Nacht abschlachten. (2.Moses 32) Aus kirchlicher Sicht wird dieser Massenmord immer als „gerechte Strafe“ interpretiert, unfassbar.

    Auch später ließ Moses 250 aufsässige Stammesführer kurzerhand umbringen und seine Gesetze verlangen für viele „Vergehen“ die Todesstrafe.
    Strenge Rassengesetze, Verbot der Mischehe und die Tötung Andersgläubiger sind keine Erfindung der Nazis sondern wurden schon von Moses praktiziert.

    „Du sollst nicht töten“ ist die Moral fürs Volk, aber die religiösen Herrscher dürfen (im Aufrag Gottes) so viel morden, wie es ihnen paßt. Bush betet jeden Tag zu Gott, daß seine Soldaten den Irakern amerikanische Moral beibringen.

    Man kann nur hoffen, daß Religion heilbar ist. Durch die „Wende“, den Sieg über den Kommunismus, hat der religiöse Wahn in Deutschland leider wieder an Macht gewonnen. Man sieht es in den ehemaligen DDR-Gebieten, wo alle verfallenen Kirchen teuer restauriert werden. „Zurück ins Mittelalter“ ist die Devise.

    S.R.

  34. Monika Armand @ Steffen Rehm
    05.07.2008 | 12:26

    Vielen Dank für Ihren kritischen Blick in die "religiöse Philosophie" des Alten Testaments.

    Mich würde interessieren, was ein kritischer Theologe dazu sagen würde, denn im Neuen Testament wechselt die Betrachtungsebene vom "strafenden" zum "gütigen" Gott? Oder liege ich da falsch....

    Ich kenne durchaus Theologen, welche Befürworter von Sterbehilfe sind - selbstverständlich immer unter dem Aspekt, dass Betroffene sich das "würdevolle" Sterben selbst ausgesucht haben.

    Interessant war auch der heutige Beitrag im Deutschlandradio (siehe Link von Michael Wald: Das Geschäft mit dem Tod)

    Dort kam ein lungenkrebskranker Pfarrer zu Wort, welcher sich und seinen Mitmenschen wünscht, dass Sie gewollt mit ärztlicher Unterstützung ihrem Leiden ein Ende setzen dürfen.

  35. Monika Armand Radiotipp von Michael Wald
    05.07.2008 | 12:31

    Lieber Herr Wald, vielen herzlichen Dank für Ihren Radiotipp. Es lohnt(e) sich die Sendung anzuhören und für alle, welche keine Zeit dazu hatten:

    Das Deutschlandradio "archiviert" die Sendungen als Podcast, so dass Sie diese (ich denke spätestens in den nächsten Tagen) auch "nachhören" können.

    Wenn Sie dem Link folgen (Das Geschäft mit dem Tod) gibt es schon jetzt in Textform einen Überblick zur Sendung zu lesen.

    Ich fand, dass es eine sehr gelungene Sendung war, welche das Thema und seine Facetten - in der Kürze der Zeit - sehr gut aufzeigen konnte. Gleichfalls geht es über die von mir "angerissenen" Aspekte hinaus.

    Gerne dürfen Sie (im Sinne des AHMAZ-Prinzips) diese aufgreifen und in Ihren Kommentaren mit einbringen.

  36. Michael Wald @Armand
    05.07.2008 | 13:10

    Es ist nicht meine Absicht Sie mit "leeren Worthülsen" zu belästigen, und ich vermute gleiches auch von Herrn Hilsebein.

    Mein Hinweis zur heutigen Sendung im Deutschlandfunk war mir schon ernst, da ich diesen Sender sehr schätze für eine meist ausgewogene Sachbezogenheit. Im Zusammenhang mit dem Tod gibt es ja auch noch die Fragen zur Todesstrafe, aber das nur am Rande.

    Und Sie haben völlig Recht, "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen"...

    Aber dennoch reden wir, und um so weniger Klarheit entsteht (zumindest aus meiner Sicht). Klarheit im Sinne von Eindeutigkeit.

    Im übrigen endet das neue Testament mit der Apokalypse...

  37. Monika Armand @ Wald
    05.07.2008 | 13:22

    Keine Sorge, ich habe mich nicht belästigt gefühlt, nur wenig davon verstanden ;-).
    Wie man sieht, war es wohl für "Insider" ein kleiner Dialog zwischen Experten....

    "Im übrigen endet das neue Testament mit der Apokalypse..."
    Das habe ich ehrlich gesagt verdrängt, das NT ist einfach schöner ;-) und wenn ich es richtig weiß, wird ja über die Apokalypse theologisch genau so heftig diskutiert, wie über das AT......

    Gerne lass ich mich da von Fachleuten korrigieren....

    Die andere Frage, welche ich mir stelle, ist die:
    Wie gehen Theologen und gläubige Christen mit dem Thema Tod und Sterben hinsichtlich des damit in vielen Fällen verbundenen "Leidens" um.....(angesichts der Forderungen der C-Parteien und Kirchenvertreter)

  38. Michael Wald Das große C
    05.07.2008 | 14:46

    Es ist ein Schauspiel von Lug und Trug.
    Und das Interessante ist, wie sich darüber auch einige "Größen" äußern (oder eben nicht).

    Vielleicht schauen Sie sich einmal an, was Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker zum Thema glauben an Gott mittlerweile sagen (oder eben auch nicht sagen...)

    Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker

  39. Monika Armand Schmidt+Weizäcker+ Gott
    05.07.2008 | 16:28

    Lieber Herr Wald, vielen Dank für Ihr interessantes Link.

    Besonders interessant war für mich die Bemerkung von Richard von Weizsäcker:
    "Weil es keine Kategorie der Beurteilung von Gott in Bezug auf Ereignisse gibt die auf der Welt passieren. So definiert man nicht Gott. Das heißt man definiert Gott überhaupt nicht. Das kann man doch gar nicht."

    Das dürfte wohl auch der Grund sein, warum wir vergeblich auf eine "Begründung" der "theologischen" Haltung zur Sterbehilfe hoffen....

  40. Martin Huhn
    05.07.2008 | 19:44

    "Wie gehen Theologen und gläubige Christen mit dem Thema Tod und Sterben hinsichtlich des damit in vielen Fällen verbundenen "Leidens" um"

    Ich bin kein Theologe, aber ein Christ. Meiner Meinung nach hat jedes Leben Würde, eine Form von Heiligkeit. Für mich ist es ein Tabu. Das bezieht sich auf Sterbehilfe, Abtreibung oder Todesstrafe. Da haben wir Menschen einfach die Finger von zu lassen.

    Auch wenn der Tod sich nur leidend nähert, auch wenn ein Kind gerade nicht in die Planung paßt, auch wenn der Verbrecher den Tod verdient hätte, ich wüßte nicht, welches Recht uns solchen Eingriff ins Leben gestattet.

    P.S.: Das hat nichts mit mangelndem Mitgefühl zu tun.

  41. Michael Wald Respekt
    05.07.2008 | 20:25

    Ich bin weder Christ, noch sonst was.
    Vielleicht Konstruktivist, keine Ahnung.

    Was mir wichtig erscheint ist eine respektvolle Haltung Menschen gegenüber, egal welche Weltanschauung sie vertreten.

    Wenn man so will wie der alte Fritz sagte: jeder soll nach seiner Fasson Seelig werden.

    @Huhn
    Das Recht nach dem wir uns richten müssen gibt uns die Legislative.

    Dieses Recht ermöglicht heute, dass ein Homosexueller Regierender Bürgermeister unserer Hauptstadt ist...

    Ich bin davon Überzeugt, dass wir erst am Anfang schwieriger Debatten stehen.

  42. Monika Armand @ Martin Huhn
    05.07.2008 | 20:26

    Frage:
    Hatten Sie schon Kontakt mit Schwerstkranken, deren Leid mit medizinischen Mitteln nicht zu lindern war?

    Würden Sie von jenen verlangen wollen, dass Sie schwerste Atemnot samt ihren Schmerzen so lange auszuhalten haben, bis der natürliche Tod sie ereilt?

    Ein Beispiel dazu:
    Bei Lungenerkrankungen führt die Gabe von Schmerzmitteln zu verstärkter Atemnot, da Schmerzmittel atemdepressiv wirken. Bislang können auch schwere Atemnotzustände nur unzureichend behandelt werden....d.h. einer so betroffenen Person steht ein qualvollen langsamen Erstickungstod unter Schmerzen bevor....ALS-Kranke gehören mit Sicherheit dazu.....

    Entschuldigen Sie, wenn ich so direkt frage: Würden Sie z.B. ihrer Mutter solche Qualen zumuten wollen?

    In vielen Gesprächen habe ich festgestellt, dass "Sterbehilfegegner", wenn sie konkrete Fälle kennen lernen und das Leid "hautnah" erleben von jetzt auf nachher völlig umdenken.......

    Solange man gesund ist oder großes Leid noch nicht gesehen oder erlebt hat, kann man sich gar nicht vorstellen, wie "quälend" das Leben sein kann.......

  43. Martin Huhn @ Wald
    05.07.2008 | 21:07

    "Das Recht nach dem wir uns richten müssen gibt uns die Legislative."

    Die Legislative. Hitler ist demokratisch an die Macht gekommen. Als in den Nachkriegsjahren dem Unrecht der Prozeß gemacht werden sollte, konnte man oftmals nicht verurteilen, weil es gültiges Recht war.
    So sah es dann auch in der Nach DDR-Zeit aus (die DDR habe ich übrigens persönlich erlebt). Es war geltendes Recht und damit Recht. Das hat zur Folge, daß Stasi Bonzen eine fette Rente kassieren und deren Opfer heutzutage geschädigt von der Sozialhilfe leben.

    Die Legilative ist auch nicht immer der Weisheit letzter Schluß, das lehrt uns die Geschichte. Wo gibt es Gerechtigkeit?

  44. Martin Huhn @ Armand
    05.07.2008 | 21:21

    Ich kenne mich nicht mit Schmerzmittel aus, ich bin auch kein Mediziner. Ich habe allerdings kein Interesse daran, wenn andere Menschen oder ich selbst leiden. Und wenn sich jemand selbst umbringt, weil er es nicht mehr aushält, was soll ich dazu sagen? Jochen Klepper (und nicht nur er) hat sich auch umgebracht.

    Ich sehe es aber nicht ein, daß man den Tod auf Rezept von einem Arzt bekommt. Und wenn es schwierige Lebensumstände gibt, dann soll die Antwort "Tod" die große Lösung sein? Das ist mir zu einfach und zu billig.

  45. Monika Armand @ Martin Huhn
    05.07.2008 | 21:41

    Lieber Herr Huhn, Sie weichen mir aus ;-)

    Was würden Sie Ihrer Mutter sagen, wenn sie in einer solchen von mir beschriebenen Situation wäre und um Erlösung bitten würde?

    Würden Sie tatsächlich sagen:" Liebe Mutter, Du weißt, dass ich es nicht gestatte, wenn Dir ein erlösendes Medikament gegeben wird und Du früher als auf natürlichem Wege stirbst. Eine solche Lösung ist mir zu einfach und billig."

    Würden Sie an Ihrem Bett sitzen bleiben und in ihr schmerzverzerrtes Gesicht sehen, ihre blau schimmernde Haut ansehen, zusehen wie sie sich vor Schmerzen windet und um Luft ringt bis sie erstickt ist?

    Ist das nicht absurd? Einerseits scheut man keine Operationen, keine aufwendigen, gleichfalls oft schädlichen, nicht nebenwirkungsarmen Behandlungen und andererseits verbietet man "Hilfe" wenn es um die Erleichterung des Sterbens geht?

    Was hat das mit "Christ" sein zu tun? Das konnte mir noch niemand erklären.......

  46. Martin Huhn Hilfe
    05.07.2008 | 22:19

    Ich habe einige Probleme damit, wenn in Bezug auf Tod von Hilfe gesprochen wird. Das nur mal nebenbei.

    Was ich tuen würde, wenn meine Mutter voller Schmerzen im Sterben liegt? Ich weiß es nicht. Diese was wäre wenn Fragen sind ziemlich sinnlos. Wenn es soweit ist, entscheidet man sich dann doch anders.
    Was machst du, wenn deine Frau fremdgeht? Scheidung! Einige im Bekanntkreis haben das gemacht, andere, die auch Scheidung geantwortet haben, haben es nicht gemacht.
    So kann ich jetzt auch nicht antworten, wie ich mit meiner Mutter verfahren würde. Aber meiner Einstellung gemäß würde ich ihr keine Sterbehilfe leisten. Ich sehe mich nicht dazu in der Lage, das Todesdatum meiner Mutter bestimmen zu wollen.

    Was soll überhaupt diese Frage? Damit unterstellen sie mir, ich habe mir bisher nur abstrakte, unpersönliche Gedanken dazu gemacht. Als folge ich irgendeiner lebensfernen Theorie, aber wenn es darauf ankommt, schmeiße ich wohl alles über den Haufen. :-(

    Ich kenne in meiner Verwandschaft einige Todesgeschichten. Die gingen meist "unspektakulär" über die "Bühne". Einen härteren Fall kenne ich von meiner Autowerkstatt. Dessen Mutter hatte Lungenkrebs. Also nicht die Autowerkstatt, sondern der Besitzer. Er hat seine Mutter täglich im Krankenhaus besucht, am Sterbebett begleitet und mitansehen müssen, wie seine Mutter langsam erstickt ist, weil die Lunge vom Krebs zerfressen wurde. Ein langsamer qualvoller Tod. So will ich nicht sterben. So oft kommen diese Fälle aber gar nicht vor. Sollen wir diese Ausnahmen zum Maßstab erheben und die alten Leute, die uns nicht mehr passen einfach umbringen? Da sehe ich die große Gefahr. Und mir soll keiner erzählen, man würde vernünftige gesetzmäßige Regelungen finden. Das ist alles dummes Zeug. Ich bleibe dabei. Wir dürfen es uns mit dem Leben nicht so einfach machen. Dafür sind wir Menschen zu klein. Unserer Eingriff würde noch Leid verursachen (und andere reich machen). Eine leidfreie Welt werden wir sowieso nicht bekommen.

  47. Monika Armand @ Selbstbestimmtes Sterben
    05.07.2008 | 22:45

    Lieber Herr Huhn, vielleicht um die Sache ein bißchen zu differenzieren, bitte ich darum jene bei Edgar Dahl beschriebene Form der Sterbehilfe, oder ich nenne es besser "Sterbekultur" im Beitrag: Mein Tod gehört mir! zu lesen.

    Ein FAZIT dort war, dass Vorkehrungen getroffen werden müssen, dass Sterbehilfe nicht missbraucht werden kann. Herr Dahl hatte ein erfolgreiches und bewährtes Konzept aus dem US-Bundesstaat Oregon vorgestellt.

    Im Ergebnis wurde die Politik auf Pflegenotstände aufmerksam und es trat zutage, dass Kranke, welche selbst entscheiden konnten, ob sie das zur Verfügung gestellte erlösende Medikament nehmen, sehr viel weniger Suizidwünsche hatten, als jene, welche ihrer Situation hilflos gegenüber standen.

    Vielleicht können wir mit den Ergebnissen aus den Kommentaren des Beitrages "Mein Tod gehört mir" sehr viel besser weiter diskutieren. Ihre zu Recht geäußerten Bedenken, wurden dort ausgiebig beleuchtet .

  48. Inge Jurk-Prommersberger Selbstmord
    06.07.2008 | 01:40

    Auf Moral und andere eingrenzende Scheinheiligkeiten will ich verzichten. Für mich war lediglich erschütternd, dass es im Fall des Herrn Kusch um eine Frau ging, die nicht krank war, keine extremen Schmerzen hatte, etc., sondern eben einsam war und unter Angst vor dem Pflegeheim litt. Gerade in diesem Fall, so finde ich, wäre es doch menschlicher und möglich gewesen, andere Formen der Hilfe aufzutun.

    Ich selber würde mich immer wieder für das Leben entscheiden, auch dann, wenn es schwer ist. Von was ich rede, weiss ich, denn ich bin selber schwerbehindert - mit heftigen Schmerzen, die sich nicht so einfach beheben lassen. Ich hatte auch schon viele Gründe, die Flinte ins Korn zu werfen, wie man so schön sagt - habe es aber nicht getan.

    Warum nicht? - Weil es Gründe gibt weiterzuleben. Für diese Gründe muss man aber schon selber sorgen.

    Ich verurteile Menschen nicht, die sterben wollen. Jeder hat Anschauungen und Beweggründe, und vor allem hat jeder Mensch einen anderen Lebenshintergrund, als der andere. Darum kann ich es verstehen, wenn Menschen sich auch anders entscheiden wollen.

    Ich denke schon, dass es besser wäre, wenn es für jeden Menschen die Möglichkeiten geben würde, die er selber bevorzugt und wünscht: Sei es für das Leben, oder für ein selbstbestimmtes Sterben - das dann aber auch wirklich sicher selbstbestimmt sein müßte, und nicht von anderen.

  49. Michael Wald Wer gibt uns das Recht
    06.07.2008 | 13:20

    Lieber Herr Huhn,

    ich wollte lediglich darauf Hinweisen, dass Ihre Frage "Wer gibt uns das Recht" aus meiner Sicht nur so zu beantworten ist.

    Das bedeutet, dass WIR (Menschen) versuchen müssen, die verschiedenen Interessen in unseren Gesetzen unter zu bringen. Nicht mehr und nicht weniger...

  50. Martin Huhn
    06.07.2008 | 20:34

    "Vielleicht können wir mit den Ergebnissen aus den Kommentaren des Beitrages "Mein Tod gehört mir" sehr viel besser weiter diskutieren."

    Puh, da hätte ich aber viel zu lesen und das werde ich zeitlich sicher nicht hinbekommen.

szmtag